„Nun gehören unsere Herzen ganz dem Mann von Golgatha“ – die geistliche Antwort auf die Corona-Krise (Dirk Noll)

(Bilderquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Bodelschwingh_der_J%C3%BCngere#/media/Datei:Friedrich_von_Bodelschwingh-Sohn.jpg)

Nun gehören unsere Herzen ganz dem Mann von Golgatha“ – die geistliche Antwort auf die Corona-Krise (Dirk Noll)

 

Liebe Glaubensgeschwister,

der Druck des totalitär gewordenen Staates auf unser christliches Gewissen wird fast täglich mit ungeheurer Schlagzahl erhöht. Seit meinem letzten Artikel ist noch nicht einmal eine Woche vergangen und schon ist wieder die nächste Steigerungsstufe erreicht. Der Spitzenpolitiker der CDU Friedrich Merz verkündete, es müsse gelten: „Kein Ungeimpfter mehr im Büro, kein ungeimpfter Fußballspieler mehr auf dem Rasen, kein ungeimpfter Abgeordneter mehr im Bundestag, kein ungeimpfter Student mehr im Hörsaal“ (Quelle im Anhang). Und der Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn will „einen Lockdown für alle Ungeimpften für das ganze Jahr 2022“ (Quelle im Anhang). Und gestern verkündete der Bald-Bundeskanzler Olaf Scholz, dass ab März 2022 die Impfpflicht für alle kommt und wer sich nicht impfen lässt, wird bestraft werden (Quelle im Anhang).

Damit hat die Diskriminierung von Christen, die sich aus Gewissensgründen nicht impfen lassen können, einen über die Maßen unerträglichen Höhepunkt erreicht und unsere freiheitlich demokratische Grundordnung ist auf dem Weg vollends abhanden zu kommen. Da wir im Ungewissen darüber sind, wie lange es dauern wird, bis das Regime durch eine Regierung ersetzt wird, die wieder nach Gesetz, Recht und Ordnung handelt, ist es für Christen Zeit, sich mit dem geistlichen Ausweg aus dieser Notsituation zu beschäftigen.

Was die weltliche, politische Seite anbetrifft, so sind wir in der gleichen Situation wie der Prophet Habakuk: „Darum wird das Gesetz kraftlos, und das Recht bricht nicht mehr durch“ (Schl2000). Oder nach der Luther-Übersetzung heißt es, dass das Gesetz „ohnmächtig“ geworden ist. Was auch unternommen wird, ob es Politiker sind, die noch gesetzestreu sind und gegen die Corona-Maßnahmen Einspruch erheben, seien es Anwälte und Richter, die dagegen vorgehen, Ärzte, die protestieren, oder seien es Mega-Demonstrationen mit mehreren hunderttausend Menschen, alles ist bisher fruchtlos geblieben. Die Grundrechte, wie Meinungsfreiheit, körperliche Unversehrtheit, das Recht auf freie Berufsausübung, die Versammlungs- und Religionsfreiheit und die Reisefreiheit werden in einem besorgniserregendem Maß gebrochen und sind außer Kraft gesetzt, sodass auch wir wie Habakuk sagen müssen: Das Gesetz ist ohnmächtig geworden und das Recht bricht nicht mehr durch.

Wir wissen aus der Bibel auch, dass solche Unrechtsregime, die ihrer Aufgabe weltliche Ordnungsmacht Gottes zu sein, nicht nachkommen, zu Gottes festgesetzter Zeit gerichtet und abgelöst werden. Das geschieht immer! Doch die Zeit und die Umstände für dieses Gericht bestimmt Gott. Deshalb wissen wir nicht, wie lange sich dieses gegenwärtige Regime noch halten wird, und wir richten darum die gleiche Frage wie Habakuk an Gott:

HERR, wie lange soll ich schreien und du willst nicht hören? Wie lange soll ich zu dir rufen: »Frevel!«, und du willst nicht helfen? Warum lässt du mich Bosheit sehen und siehst dem Jammer zu? Raub und Frevel sind vor mir; es geht Gewalt vor Recht“ (Hab 1,2.3; LU84).

Da Habakuk der Prophet Gottes in der damaligen Zeit war, bekam er auf seine Frage: Herr, wie lange noch? eine Antwort. Die Antwort Gottes auf die damalige Situation, beinhaltet die Worte: „Denn ich tue ein Werk in euren Tagen“ (V. 5) und dass dieses Werk zum Gericht und zur Züchtigung geschieht (V. 12). Wir haben heute keine Propheten mehr wie im Alten Testament, denn unser Herr Jesus Christus hat gesagt: „Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis hin zu Johannes“ (Mt 11,13). Aber wir haben heute in der neutestamentlichen Zeit das ganze prophetische Wort Gottes in der Bibel und wo dieses richtig angewendet wird, spricht man unter Christen von „prophetischem Reden“. Lasst uns also das Wort Gottes auf unsere heutige Situation anwenden! Wir bekommen von Gott keinen Tag offenbart, wann die gegenwärtige Not zu einem Ende kommen wird, aber uns wird gesagt, dass wir nicht dem zufälligen Treiben Gott ungehorsamer Politiker ausgesetzt sind, sondern dass dies ein Werk ist, das Gott in unseren Tagen tut. Es dient zum Gericht und zur Züchtigung.

Die gottlosen Menschen machen das Maß ihrer Sünde voll, bis sie gerichtsreif sind, und die Christen, von denen man ehrlicher Weise sagen muss, dass viele von ihnen in der letzten Zeit zu lau im Glauben waren, werden gezüchtigt, sodass sie wieder näher zum Herrn kommen. Da wir nun nicht das Ende der politischen Notlage mit einem Datum beantworten können, müssen wir uns auf den zweiten Teil der Antwort Gottes konzentrieren: Gott züchtigt durch die gegenwärtige Lage seine Kinder mit der Rute eines liebenden Vaters, damit sie näher zu ihm kommen. Gleiche geistliche Antwort fanden auch viele Christen im 3. Reich. Dazu wollen wir uns als Beispiel mit dem bekannten Lied beschäftigen:

Nun gehören unsere Herzen ganz dem Mann von Golgatha

https://www.evangeliums.net/lieder/lied_nun_gehoeren_unsre_herzen.html

1. Die geistliche Lage der Kirchen im 3. Reich

In den letzten Artikeln haben wir von „Leuchttürmen“ aus der damaligen Christenheit gehört, die sich mit großem Mut und klarer biblischer Kante dem Naziregime entgegengestellt haben. Das waren Leute wie Paul Schneider, dem Prediger von Buchenwald, Pastor Wilhelm Busch oder Dietrich Bonhoeffer. Heute wollen wir einiges über Friedrich von Bodelschwingh hören, der 1938 das bekannte Kirchenlied schrieb: Nun gehören unsere Herzen ganz dem Mann von Golgatha.

Bodelschwingh war im Kirchenkampf gegen die Nazis so bedeutsam, dass er die einzige berühmte Person ist, der die Deutsche (Bundes-) Post drei Mal eine Briefmarke mit seinem Konterfei widmete: 1967 zum 100-jährigen Bestehen der Krankenanstalten Bethel, 1977 zu seinem 100. Geburtstag und 1996 zu seinem 50. Todestag.

An diesem Punkt stellt sich die Frage, warum wir bisher nur geistliche Leiter aus dem Bereich der Evangelischen Landeskirche erwähnt haben, die gegen das Naziregime Widerstand geleistet haben.

Was ist eigentlich mit den Freikirchen?

Auch hier gibt es umfangreiches Quellenmaterial, das in dem Wikipedia-Artikel dazu im Anhang aufgelistet ist. Ich würde jetzt gerne an dieser Stelle einige Glaubenshelden aus den Freikirchen aufzählen, die im 3. Reich gegenüber den Nazis die Bibel verteidigt haben. Doch da gibt es nichts zu berichten. Der Artikel bei Wikipedia fasst die Rolle der Freikirchen in der NS-Zeit wie folgt zusammen:

Dabei entschied sich ein Großteil der Gemeinden für die Ergebenheit zum Regime und damit für die Anerkennung durch den Staat. Ein Teil der Mitglieder der Freikirchen sympathisierten mit den Ideen des Nationalsozialismus oder blieben unpolitisch und angepasst.

Die Machtübernahme Hitlers wurde von den Freikirchen in großen Teilen enthusiastisch bejubelt, der Kirchenkampf der bekennenden Christen der Landeskirche wurde nicht unterstützt, und teilweise wurde von den Oberhäuptern der Freikirchen ausdrücklich betont, dass man sich nicht mit der Bekennenden Kirche solidarisiert. Juden wurden als „Mischlinge“ bezeichnet, die nicht mehr in die Gemeinden aufgenommen werden durften. Als z.B. die Herrnhuter Brüdergemeine immer wieder angefragt wurde, ob sie verfolgten Juden helfen würden, lehnten sie dies strikt ab. Im Jahr 2017 gab es von der Evangelischen Akademie eine Konferenz zur Aufarbeitung der Rolle der Freikirchen in der Zeit des Nationalsozialismus, die zu dem Ergebnis kam, „dass es von freikirchlicher Seite kaum Widerstand gegen das Dritte Reich gab(Quelle siehe Anlage).

Zum Schluss stellt sich noch die Frage, was ist mit sektiererischen Gemeinschaften, die sich selbst als Kirche und Christen verstehen? Nehmen wir hier als Beispiel die Glaubensgemeinschaft der Sieben-Tags-Adventisten (STA), die sich selbst als protestantische Freikirche versteht. Sie lehnen die evangelischen Landeskirchen und die Freikirchen in wesentlichen Fundamenten ihres Glaubens ab und unterstellen ihnen, sie würden das Malzeichen des Tieres 666 tragen. Und meinen, wenn sie den jüdischen Sabbat halten (also den Samstag, nach reformiertem Glauben dagegen halten Christen den „christlichen Sabbat“ am Sonntag), würden sie im Glauben besser und richtig dastehen.

Wie war nun ihre Rolle im 3. Reich?

Die Adventisten haben eine eigene Bibelschule in Friedensau und der Leiter ihres historischen Archivs, Daniel Heinz, hat die Geschichte der Adventisten im Nationalsozialismus umfassend untersucht und im Jahr 2011 in einem Buch veröffentlicht: „Freikirchen und Juden im Dritten Reich(siehe Anlage). Darin fasst er die Haltung der Adventisten im 3. Reich wie folgt zusammen:

Anpassen, Wegschauen und Schweigen“.

Heinz ist hier zu würdigen, dass er die Rolle seiner eigenen Glaubensgemeinschaft nicht vertuscht oder beschönigt, sondern ungeschminkt und ehrlich benennt. Wer hier also denkt, dass man mit bestimmten Sonderlehren besser im Glauben dastehen würde, der sollte sich durch dieses Beispiel eines Besseren belehren lassen. Alleine das wahre Evangelium vom Kreuz bewahrt und trägt durch Zeiten hindurch, in denen die Christen einem totalitären Staat gegenüberstehen.

Fassen wir an dieser Stelle einmal zusammen:

Die Evangelische Landeskirche hatte sich in einem großen Teil über die Deutschen Christen Hitler und der Ideologie der Nazis unterstellt und ihr wurde mit der Barmer Erklärung vor Augen gehalten, dass sie damit den Status als Kirche verliert. Ein anderer Teil, die bekennenden Christen, ging in den Kirchenkampf und hat mit biblischer Begründung Widerstand geleistet und unter Einsatz seines Lebens eine biblische christliche Gemeinschaft aufrechterhalten und Juden in ihrer Verfolgung geholfen. Pfarrer Paul Schneider wurde am 18. Juli 1939 im KZ Buchenwald ermordet und Dietrich Bonhoeffer am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet.

Direkt nach Kriegsende 1945 erfolgten verschiedene Schulderklärungen. Doch laut Bonhoeffer war der „Substanzverlust“ der Evangelischen Kirche in dieser Zeit schon enorm. Die Kirche war nicht mehr das, was sie einmal zur Zeit der Reformation war und große Teile waren durch die liberale Theologie bereits vom Wort Gottes abgefallen. Auch das biblische Vorgehen der Bekennenden Kirche im 3. Reich und die Schulderklärungen danach konnten zu keiner wirklichen Erneuerung mehr führen. Und so ist die Kirche schon einige Zeit später vor allem auch über die Ökumene in ein Fahrwasser gekommen, dass sie heute kaum noch als Evangelische Kirche bezeichnet werden kann und ist bis auf wenige Ausnahmen ganz dem heutigen Staat und seiner Corona-Agenda ergeben. Ich teile hier die Einschätzung von Bonhoeffer: Der Substanzverlust der Evangelischen Kirche mit ihren Abirrungen vom Wort Gottes war einfach bereits schon zu groß.

Blieb die Evangelische Landeskirche wenigsten noch in Teilen auf dem Boden der Schrift stehen, so waren die Freikirchen hier ein Totalausfall. Auch hier wieder meine Kritik. Wer meint, die Freikirchen würden durch ihre Unabhängigkeit besser dastehen als die Landeskirche, auch der muss sich durch die Geschichte eines Besseren belehren lassen. Auch die Freikirchen stehen schon seit langer, langer Zeit unter dem massiven Einfluss des modernen Evangeliums und des Zeitgeistes. Grundlegende biblische Erkenntnisse über die Bibel als Offenbarung Gottes und die Gnadenlehre waren schon damals in großen Teilen abhandengekommen. Darüber hinaus fehlte es gänzlich an einem biblischen Verständnis über Staat und Kirche bzw. das Verhältnis des Christen zur Obrigkeit, was dann zur völligen Ergebenheit in das Naziregime führte. Bezeichnend dafür ist auch, dass es in dem meisten Freikirchen erst in den 1980er und 1990er Jahren zu einer Aufarbeitung der Nazizeit kam und zu Schuldeingeständnissen des Versagens der eigenen Kirche.

Die betroffene Generation konnte 1945 trotz der offensichtlichen Verbrechen der Nazis und des Judenmordes kein Bekenntnis der eigenen Schuld über die Lippen bringen, was auf eine starke geistliche Verstocktheit der damaligen Generation von freikirchlichen Christen hindeutet. Erst die nächste Generation hat hier die Schuld der Väter aufgearbeitet, doch der biblische Substanzverlust dabei wurde bis heute nicht erkannt. So ist es deshalb auch nicht verwunderlich, dass der große Teil der Freikirchen heute sich widerstandslos in die Corona-Agenda des Staates ergibt.

Man könnte hier jetzt eine ausführliche Aufarbeitung des Abfalls und geistlichen Versagens von Landeskirchen und Freikirchen betreiben. Aber was würde das bringen? Die meisten Christen aus dem konservativen, bibeltreuen Lager sehen den desolaten Zustand der Kirchen sowieso und es ist in der jetzigen Notlage in der Corona-Zeit auch nicht erbaulich und hilfreich.

Ich vermute einmal, dass der Komplettausfall der Freikirchen in der Nazizeit vielen Geschwistern noch nicht so klar war. Aber dennoch gab es in den Freikirchen damals viele einzelne Christen, die nicht wegschauten und sich nicht anpassten. Die meisten dieser Christen sind wohl als Namenlose in die Geschichte eingegangen. Doch zu unserer Erbauung möchte ich doch von einem Beispiel berichten, wo einer dieser namenlosen Christen viele Jahre später identifiziert wurde. Es handelt sich dabei um Gustav Wegert, den wir unten auf dem Bild sehen.

 

Dieses Foto wurde am 13.06.1936 auf der Werft von Blohm und Vessel in Hamburg gemacht. Das Schiff „Horst Wessel“ von der Kriegsmarine wurde damals gerade zu Wasser gelassen und Adolf Hitler war bei diesem Stapellauf selbst zugegen. Die Arbeiter heben den Arm und huldigen dem Führer, nur einer in der Mitte des Fotos verweigert den Hitlergruß und hält seine Arme demonstrativ vor der Brust verschränkt: Es ist Gustav Wegert.

Als dieses Foto am 15.11.1995 im Hamburger Abendblatt erschien, erkannte der heutige Pastor der Arche-Gemeinde (siehe Anhang) Wolfgang Wegert seinen Vater wieder. Und Wolfgang Wegert erinnerte sich daran, wie sein Vater immer wieder erzählte, wie er bei solchen Anlässen den Hitlergruß verweigerte und bei anderen Anlässen gar nicht erschien mit den Worten: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Die ganze Geschichte von Wolfgang Wegert dazu findet ihr in der Anlage. Auch Andy Mertin, heute einer der Pastoren in der Arche-Gemeinde, hatte mir von einiger Zeit schriftlich bestätigt, dass es sich hier um Gustav Wegert handelt, den Vater seines Schwiegervaters.

Und so gibt es mit Sicherheit auch viele Christen aus Freikirchen, die damals gegen die Nazis Widerstand leisteten, aber von denen die meisten heute namentlich nicht mehr bekannt sind. Solltet ihr auch solche Beispiele kennen, dann sendet sie uns doch einfach auf der Seite DER RUF zu, sodass wir zur Erbauung der anderen Christen darüber berichten können.

2. Friedrich von Bodelschwingh und sein Lied

Friedrich von Bodelschwingh ist eine wichtige Figur des Widerstandes gegen das Naziregime gewesen, die wir uns unbedingt anschauen müssen. Er war zu Beginn der Nazidiktatur als Reichsbischof das Oberhaupt der Evangelischen Kirche und wurde im September 1933 durch den Nationalsozialisten Ludwig Müller ersetzt, der die Linie der Partei in der Kirche durchdrücken sollte.

Bei Bodelschwingh sehen wir, dass er eine ganz andere Natur hatte als Bonhoeffer oder Wilhelm Busch, die offen in Konfrontation gegen das Regime traten. Bodelschwingh war dagegen eher der seelsorgerliche und zurückhaltende Charakter, der im Stillen oder zwischen den Zeilen Widerstand leistete. Bei seiner Wahl zum Reichsbischof heißt es in der Presseerklärung: „Vor allem aber ist ihm eine warme Herzlichkeit, eine zarte Einfühlung in Menschen und eine vom Vater übernommene seelsorgerliche Liebe und Kraft eigen(Quelle siehe Anhang).

So gibt es auch heute Christen, die mit offenem Visier für die Bibel eintreten und sich der Obrigkeit, wo sie Unrecht tut, entgegenstellen, und es gibt andere Christen, die eher einen seelsorgerlichen Charakter haben und zurückhaltender sind. Im August 1933 bekam Bodelschwingh eine Anfrage, sich für die verfolgten Juden einzusetzen. Dazu findet sich von ihm eine Aktennotiz, in der er schrieb: „Vorläufig nur eine Arbeit in der Stille möglich. Ein Hinaustreten in die Öffentlichkeit würde mehr schaden als nützen“ (Quelle siehe Anhang).

Ich musste hier sofort an Josef von Arimathia denken, der eine ganze Zeit lang ein Jünger Jesu war und nicht an die Öffentlichkeit trat. Im Evangelium des Johannes lesen wir: „Joseph von Arimathia – der ein Jünger Jesu war, jedoch heimlich, aus Furcht vor den Juden“ (Joh 19, 38) und in der Parallelstelle in Lukas 23 lesen wir, dass er ein Mitglied des jüdischen Hoherates war und nicht zugestimmt hatte, dass Jesus gekreuzigt werden sollte (V. 51).

So gibt es manche Christen, die vielleicht auch in einer gewissen kirchlichen oder gesellschaftlichen Stellung sind, aber im Hinblick auf ihren Glauben eine gewisse Zurückhaltung vor den Menschen haben. Andere Christen sind jetzt noch im Schwanken, wie sie sich angesichts der Corona-Maßnahmen verhalten sollen und die große Probe des Glaubens wird hier die Impfpflicht sein, die uns jetzt kurz bevorsteht. Wie gehen wir mit solchen Geschwistern um? Lasst uns hier eine brüderliche und seelsorgerliche Haltung haben. Vielleicht sind sie auch heimliche Jünger Jesu wie Josef von Arimathia, und deshalb lasst uns sie ermutigen, dem Herrn treu zu sein. Denn zur gebotenen Zeit werden sie aus ihrer Verborgenheit hinaustreten ans Licht und sich offen als wahre Christen zu erkennen geben.

Josef von Arimathia besaß ein Grab und als er erkannte, dass es für das Begräbnis Jesu gebraucht wurde, trat er aus dem Stand seines heimlichen Jüngerseins heraus und trat an die Öffentlichkeit. Er ging zu Pilatus und bat darum, den Leichnam Jesu herauszugeben, damit er begraben werden konnte (V. 52.53).

So auch Bodelschwingh, als er gebraucht wurde, trat er in Aktion. Er war der Leiter der Bethelschen Anstalten, in denen 3.000 behinderte Menschen untergebracht waren. Im Jahr 1939 startete das Euthanasie-Programm der Nazis, in dem alle Behinderten im Reich getötet werden sollten. Dazu wurden an die entsprechenden Anstalten Formulare versendet (siehe Anlage). Diese sollten ausgefüllt und an die Behörden zurückgesendet werden. Darauf wurden die Behinderten abgeholt und getötet. Bodelschwingh füllte die Formulare jedoch nicht aus, was anschließend zu zähen Verhandlungen mit den Behörden führte und einem hinhaltenden Taktieren. Das Ergebnis war, dass keiner der Behinderten aus den Bethelschen Anstalten zur Tötung abtransportiert wurde.

Wenn wir wahrscheinlich Anfang nächsten Jahres ein Schreiben mit einem Impftermin bekommen, wird uns ein ähnliches Taktieren mit den Behörden bevorstehen. Es wird dann darauf hinauslaufen, dass wir den Behörden schreiben müssen, warum wir eine Impfung als Christen ablehnen.

Bis die Corona-Krise zu einem Ende gekommen ist, wird unsere Beziehung zu Jesus Christus eine entscheidende Rolle spielen. Bodelschwingh musste sich fünf Jahre lang mit den Behörden herumschlagen, um 3.000 behinderten Menschen das Leben zu retten. Und ich denke, das hält man nur durch, wenn man eng an den Herrn gebunden ist. In dieser Zeit wird die Beziehung der Gläubigen zum Herrn auch wachsen und der Glaube wird stärker werden; sie bewähren sich im Glauben und tragen Früchte. In seinem Lied lässt uns Bodelschwingh tief in seine Beziehung zu Jesus hineinschauen, die ich für geistlich sehr gesund halte.

Das Lied ist das, wozu wir in Hebräer 12,2 aufgefordert werden: „Lasst uns … aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.“ Als Christ kam man mit seinem Glauben nur heil durch die Nazizeit, wenn man seine Augen fest auf Jesus gerichtet hatte. Und so bin ich überzeugt, dass wir durch die nächste Zeit der Versuchung und Anfechtung der Gemeinde nur hindurchkommen, wenn wir einen klaren Blick auf den gekreuzigten Mann von Golgatha und das Evangelium haben.

a) Der klare Blick auf die Feinde des Evangeliums

Zunächst müssen wir uns darüber im Klaren sein, mit welchem Feind wir es zu tun haben. Damals war es ein antichristliches, judenfeindliches Regime, das den Menschen und seine irdische Macht vergötterte und von der Hölle gesteuert war. Und dieses Regime schien scheinbar zu siegen, und der einzelne Christ schien ihm machtlos ausgeliefert. In so einer Situation kann man sich angesichts eines scheinbar übermächtigen Feindes ohnmächtig fühlen und verzweifeln und in Depressionen fallen. Gestern als die Impfpflicht für Deutschland angekündigt wurde, sagte jemand, und es war bereits kurz vor Mitternacht: Ich bin den ganzen Tag über in ein so tiefes Tal gefallen, wie noch nie zuvor in meinem Leben und jetzt, wo der Tag zu Ende ist, ist es immer noch nicht besser geworden.

Bodelschwingh beschreibt den Feind, der in der Obrigkeit sitzt in Strophe 3 so:

Ob der Hölle Lügenmächte triumphieren fern und nah, dennoch dringt als Überwinder Christus durch des Sterbens Tor.“

Das ist die richtige Einschätzung des Feindes: Es sind Lügenmächte, die ihre Macht aus der Hölle beziehen. Aber was soll es, wenn sie jetzt scheinbar auf der ganzen Linie triumphieren? Das letzte Wort wird Jesus über sie sprechen, und er hat sie überwunden. Wie Christus die damaligen Lügenmächte überwunden hat, so wird er auch die heutigen Lügenmächte zu Fall bringen. Und mit der Impfpflicht zögere ich jetzt keinen Moment mehr mit aller Deutlichkeit zu sagen: Diese Leute sind von der Hölle gesteuert.

b) Der Sieg über die Feinde des Evangeliums

In der 4. Strophe schreibt Bodelschwingh:

Schweigen müssn nun die Feinde vor dem Sieg von Golgatha, die begnadigte Gemeinde sagt zu Christi Wegen: Ja!“

Ja, jetzt ertönt das laute Geschrei ihrer Propaganda aus allen Kanälen. Aber durch den Sieg Christi am Kreuz wird die Zeit kommen, da werden sie zum Schweigen gebracht. Dass sie für eine gewisse Zeit ihr Unheil anrichten dürfen, ist der Weg Christi. Er lässt es bewusst zu. Nun ist es an dir lieber Christ und Mitbruder oder Mitschwester im Herrn. Wenn du auch zur begnadigten Gemeinde gehörst, kannst du auch zu diesem Weg Christi „ja“ sagen?

Wir können als seine Kinder „ja“ sagen, weil wir um den Sieg Christi über diese Mächte wissen und wie am Ende alles ausgehen wird. Am Ende werden alle Feinde Christi – und als Letztes der letzte Feind, der Tod – besiegt sein.

c) Das heilige Schweigen der Gemeinde

Ich erwarte, dass als Reaktion auf die Impfpflicht es bei den Weltmenschen eine laute Antwort mit viel Protest geben wird. Und ich befürchte auch, dass einige dabei den Verstand verlieren werden und es möglicherweise zur Gewalt kommt. Und wenn nicht, wird der Staat alles versuchen, um Gewalt zu provozieren, um mit noch härteren Maßnahmen durchgreifen zu können. Ich halte die Höllenmächte, die zur Zeit in unserer Regierung und den Propaganda-Medien wüten, für so bösartig, dass sie Gewalt durch Menschen im Widerstand in ihrem Plan bereits bewusst einkalkulieren. Deshalb können wir nur alle Menschen dazu aufrufen, die jetzt in den zivilen Ungehorsam getrieben werden, dass sie auf jegliche Form der Gewalt verzichten.

Die Gemeinde Jesu ist hier zu einem anderen Weg aufgerufen. In der 2. Strophe heißt es:

Nun in heilgem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha. Tief und tiefer wir uns neigen vor dem Wunder, das geschah“.

Ich muss hier sofort an unseren Herrn und unser Vorbild denken: „Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird“ (Jes 53,7).

Die Gemeinde wird jetzt ihrem Herrn nachfolgen müssen, und sie wird in einem heiligen Stilleschweigen sich in die Gegenwart ihres Herrn begeben und auf das Wunder blicken, das auf Golgatha geschah. Und dieses Stilleschweigen ist heilig, weil es der Weg ist, den der Herr für die jetzige Situation für seine Kinder vorgesehen hat. Es ist ein heiliger Weg, der uns näher zum Herrn und enger in seine Gemeinschaft bringt.

d) Die Frucht der Bedrängnis

In der 1. Strophe schreibt Bodelschwingh:

Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha.“

Wenn wir diesen heiligen Weg gehen in den Fußstapfen unseren Herrn und Meisters, dann wird dies die Frucht sein: Unsere Herzen werden dann ganz ihm gehören. Die Christen waren in den letzten Jahren viel zu lau im Glauben und selbst die Bibeltreusten waren von dem Wohlstandsevangelium in der einen oder anderen Form beeinflusst. Das Wohlstands-Evangelium ist der Zeitgeist in der Gemeinde und niemand kann sich diesem zu 100 Prozent entziehen. Wer sich hier ehrlich prüft und sein Herz erforscht, der wird mir zustimmen. Wir alle müssen näher zum Herrn. Bodelschwingh schrieb dieses Lied auf dem Höhepunkt des Naziregimes, als es sich gerade voll entfaltete. Hätte er das Lied zu Beginn der Nazizeit geschrieben, dann hätte er wahrscheinlich geschrieben: Nun gehören unsere Herzen dem Mann von Golgatha. Aber durch die Bedrängnis, wurde er in eine noch viel größere Nähe zum Herrn Jesus geführt, so dass er schrieb: Nun gehören unsere Herzen ganz dem Mann voll Golgatha.

So werden wir in nächster Zeit bis zum Ende der Corona-Krise ganz praktisch sehen, wie sich das Bibelwort an uns erfüllt: „Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen“ (Apg 14,22). Lasst uns diesen Weg in heiligem Stilleschweigen gehen, unseren Blick fest auf Golgatha gerichtet, wo unser Sieg ist, und wir werden die Frucht erfahren, dass unsere Herzen dann ganz Christus gehören werden.

3. Ausblick

Wir haben in den letzten Artikeln einen tieferen Einblick in die Zeit des Nationalsozialismus geworfen und haben mehr als deutlich die Parallelen zum heutigen Corona-Regime gesehen und die gleiche Ideologie: die Eugenik. Bei der Eugenik handelt es sich um eine der menschenverachtendsten Ideologien, die es jemals gegeben hat, die in scheußlichster Weise Minderheiten diskriminiert und dezimieren möchte, um durch genetische Aussonderung und Verbesserung einen „neuen Menschen“ zu schaffen. Und da der wahre neue Mensch in Christus geschaffen ist und nicht auf Basis von Genetik ist diese Ideologie auch zutiefst antichristlich.

Wir haben auch gesehen, dass Christen nur mit einem klaren Bekenntnis und echtem Glauben durch diese Anfechtung geistlich gesund hindurchkommen. Die Ursachen für die aktuelle Situation, in welcher der Staat nun massiv übergriffig wird, konnte nur entstehen, weil die Gemeinde Jesu als Ganzes zuvor in einem lauen Zustand war und das klare Bekenntnis versäumt hat, das schon längst überfällig ist. Spätestens bei der Abtreibungsfrage und danach bei der Genderfrage, hätte die Kirche dem Staat entgegentreten müssen. Hier hat die Gemeinde als Ganzes und ihre geistlichen Leiter versagt. Dieses Versagen kam auch vor allem dadurch zustande, dass in der Gemeinde seit Jahrzehnten eine willkürliche Bibelauslegung vorherrscht und ein oberflächliches Verständnis von Sünde und Buße, Gnade und Wiedergeburt.

Deshalb müssen wir an diesem Punkt ansetzen und in zukünftigen Artikeln wird es viel um Fundamente der biblischen Lehre gehen und darum, wie in der jetzigen Notlage christliche Gemeinschaft aufrecht erhalten werden kann. Und sobald durch neue Maßnahmen des Staates eine neue Situation für Christen entsteht, werden wir auf DER RUF darauf eingehen müssen.

Seid im Herrn behütet und gesegnet.

01.12.2021, Dirk Noll

Anhang

Friedrich Merz: „Kein Ungeimpfter…“:

https://www.berliner-zeitung.de/news/merz-schlaegt-lockdown-fuer-ungeimpfte-und-2g-am-arbeitsplatz-vor-li.196709

Jens Spahn: „Lockdown für Ungeimpfte für das ganze Jahr 2022“:

https://presse-augsburg.de/spahn-will-2g-fuer-das-ganze-jahr-2022/763426/

Olaf Scholz kündigt die allgemeine Impfpflicht aber März 2022 an:

https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/scholz-bei-bild-live-zur-allgemeinen-impfpflicht-man-kann-nicht-herzlos-zugucken-78402404.bild.html###wt_ref=https%3A%2F%2Fm.bild.de%2Fpolitik%2Finland%2Fpolitik-inland%2Fscholz-bei-bild-live-zur-allgemeinen-impfpflicht-man-kann-nicht-herzlos-zugucken-78402404.bildMobile.html&wt_t=1638320528489

Wikipedia-Artikel: Freikirchen in der Zeit des Nationalsozialismus:

https://de.wikipedia.org/wiki/Freikirchen_in_der_Zeit_des_Nationalsozialismus

Konferenz der Evangelischen Akademie Thüringen (2017) zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus:

https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7105

Daniel Heinz: Freikirchen und Juden im »Dritten Reich«:

https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/themen-entdecken/theologie-und-religion/religionswissenschaft/15158/freikirchen-und-juden-im-dritten-reich

Wolfgang Wegert über seinen Vater, der den Hitlergruß verweigerte:

http://wegert-familie.de/home/Deutsch.html

Arche-Gemeinde Hamburg von Pastor Wegert. Die Arche-Gemeinde ist eine bibeltreue Freikirche und sämtliche Predigten, die ihre dort im Archiv findet oder auf YouTube, sind sehr zu empfehlen:

https://www.arche-gemeinde.de/

Pressemeldung zur Wahl v. Bodelschwinghs zum Reichsbischof:

https://de.evangelischer-widerstand.de/html/view.php?type=dokument&id=216&l=de#

Aktennotiz von Bodelschwingh über die Anfrage, den verfolgten Juden zu helfen:

https://de.evangelischer-widerstand.de/html/view.php?type=dokument&id=390

Formulare, die an Bodelschwingh geschickt wurden, um die Behinderten abzutransportieren:

https://de.evangelischer-widerstand.de/html/view.php?type=dokument&id=222&l=de

 


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