„Die Kirche vor der Judenfrage“ (1933) und die Frage nach der 3G-Regel und Impfpflicht heute (Dirk Noll)

Bild: Dietrich Bonhoeffer vor seiner Hinrichtung im KZ Flossenbürg

Bilderquelle: https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag1238.html

„Die Kirche vor der Judenfrage“ (1933) und die Frage nach der 3G-Regel und Impfpflicht heute (Dirk Noll)

Wie angekündigt, wollen wir mit diesem Artikel die Schrift von Dietrich Bonhoeffer durchgehen, die er am 15.04.1933 als Antwort auf den Arierparagraphen der Nazis (vom 07.04.1933) schrieb:

Die Kirche vor der Judenfrage

Hier als PDF:

http://www.geschichte-bk-sh.de/fileadmin/user_upload/BK_im_Reich/Die_Kirche_vor_der_Judenfrage.pdf

Oder im damaligen Originaldruck hier:

https://de.evangelischer-widerstand.de/html/view.php?type=dokument&id=225

Zuerst noch einmal zur Erinnerung: Mit dem Arierparagraphen wurden die Juden bereits schon im Jahr 1933 – und das zwei Monate nach der Machtübernahme von Adolf Hitler – vom öffentlichen Leben, ihrem Beruf und aus der Kirche ausgeschlossen. Damit war der Bekenntnisfall gegeben, den Bonhoeffer mit dieser Schrift über die Judenfrage einleitete und der dann mit der Barmer Erklärung 1934 vollzogen wurde.

Uns soll es darum gehen, welche Auswirkungen die Ereignisse um die Errichtung der Diktatur 1933 hatten und die Christen sofort, ohne dass lange Zeit verging, in den Notfall geführt wurden und dazu Stellung beziehen mussten. Deshalb werde ich alle Punkte der Schrift von Bonhoeffer behandeln und erklären, weil wir dabei die Mechanismen des tyrannischen Staates sehr deutlich erkennen und auch auf andere vergleichbare Situationen anwenden können, wenn der Staat übergriffig wird.

Auffällig ist dabei die Geschwindigkeit, mit der die Diktatur 1933 ihre Macht errichtete und etablierte. Von der Weimarer Demokratie und der Einsetzung eines neuen Kanzlers, Adolf Hitler, bis zum Kirchenkampf, den Ausschluss von Juden aus der Kirche und den ersten Verhaftungen von Pfarrern waren es nur eineinhalb Jahre.

Wer heute die Medien verfolgt, der hat mitbekommen, dass am vergangenen Donnerstag ein neues Corona-Gesetz durch den Bundestag ging und dadurch am Arbeitsplatz die 3G-Regeln ab dieser Woche verbindlich sind, ansonsten drohen massive Konsequenzen und Strafen. In medizinischen und Pflegeberufen steht unmittelbar die 2G-Regel bevor, d.h. wer nicht geimpft ist, bekommt die Kündigung. Vorgestern hatte ich den Tag über längere Zeit einen Nachrichtensender an und es gab nur ein Thema: Impfpflicht.

An diesem Tag machte der Gesundheitsexperte der Regierung, Karl Lauterbach, eine Aussage, die alles zusammenfasst, was an diesem Tag von Politikern und Medien gesagt wurde:

Der Moment der Impfpflicht ist gekommen“ (Quelle im Anhang).

Bei unseren Freunden und Nachbarn in Österreich ist man bereits noch einen Schritt weiter gegangen. Die allgemeine Impfpflicht zum 1. Februar 2022 wurde bereits eingeführt und die Ungeimpften bekommen in den nächsten Tagen Post von der Regierung mit einem Impftermin. Sollte dieser nicht eingehalten werden, so drohen erhebliche Geldstrafen bis hin zur Erzwingungshaft, so Bundeskanzler Schallenberg (Quellen im Anhang).

Erinnern wir uns: Im Oktober 2020 fing es mit einem Lockdown an, der zwei Wochen gehen sollte, um die Inzidenzkurve etwas abzuflachen und die Belegung der Intensivbetten zu entlasten. Von diesen scheinbar harmlosen Corona-Maßnahmen bis zur Impfpflicht und der Androhung von Erzwingungshaft ist nur ein Jahr vergangen. Hier sehen wir die Geschwindigkeit, mit der ein tyrannisches System sich ausbreitet.

Die Propaganda gegen Ungeimpfte hat ein Maß erreicht, das bis ins Unerträglich geht, und die Ungeimpften werden zum Sündenbock für die Corona-Krise gemacht und aus allen Kanonenrohren stigmatisiert und diskriminiert. Und es geht sogar so weit, dass Leute aus dem öffentlichen Leben uns, den Ungeimpften, den Tod wünschen. Viele Glaubensgeschwister sind mit den Nerven fertig und andere stehen kurz davor, ihren Job zu verlieren, weil sie sich als Christen nicht impfen lassen können, da sie um alles Antichristliche Bescheid wissen, das mit dieser Impfung in Verbindung steht. Wiederum andere sind vom Gottesdienst ihrer Gemeinde ausgeschlossen, weil an der Tür ein Schild steht: Zutritt nur noch mit 3G und bei manchen christlichen Veranstaltungen gilt sogar schon 2G. Es ist ein absoluter Ausnahme-Zustand und die ersten christlichen Gemeinden und Werke haben bereits den Bekenntnisfall ausgerufen und Erklärungen zur Lage herausgegeben (siehe dazu sämtliche Beiträge auf DER RUF in den letzten Tagen).

Bevor wir uns nun mit dieser Grundsatzschrift von Bonhoeffer befassen, möchte ich erst einmal allen Glaubensgeschwistern Trost und Mut zusprechen. Wir sind in dieser Notlage nicht alleine. Wir leiden auch nicht alleine unter diesen Maßnahmen des Staates, sondern wenn ein Glied leidet, dann leidet der ganze Leib Christi mit. So können wir uns auch untereinander trösten, weil wir wissen, wie es jetzt gerade dem Mitbruder und der Mitschwester im Herrn geht. Vor allem aber ist unser Herr Jesus Christus alle Tage bei uns. Wir können uns auch gegenseitig Mut zu sprechen, weil wir wissen, dass Gott als gerechter Richter und Regent über diese Welt, dem Unrecht und der Tyrannei Grenzen setzt und zu seiner Zeit ein Ende bereiten wird. Auch diese Menschen, die jetzt in so bösartiger, teilweise hinterhältiger und lügnerischen Weise andere Menschen diskriminieren und ihnen seelische Qualen zufügen, ganz zu schweigen von dem, was sie den Kindern antun, werden bei Gott ihr gerechtes Urteil finden und das nicht erst beim jüngsten Gericht vor dem weißen Thron, sondern auch schon in dieser Zeit.

Ich muss hier z.B. immer wieder an den bösartigsten Richter der Nazis, Roland Freisler, denken, der in schäbigster Weise den Prozess gegen die Hitler-Attentäter vom 20. Juli führte. Ein paar Tage später kam er bei einem Luftangriff auf Berlin ums Leben, als er dabei von einem herunterfallenden Balken erschlagen wurde. Oder als Stalin 1953 gerade mit seinen Judenverfolgungen richtig startete, bekam er einen Schlaganfall und seine Hausbediensteten standen dabei um ihn herum, keiner wagte irgendetwas zu sagen oder zu tun und sie schauten dabei zu, wie er in einem schrecklichen Todeskampf über fünf Stunden hinweg jämmerlich krepierte. Gott lässt sich nicht spotten. Jeder wird das empfangen, was seine Taten verdienen und die meisten schon zu Lebzeiten.

Uns bewegt auch die Frage: Wie lange wird das noch gehen? Wann wird Gott dieses Regime zum Einsturz bringen? Ehrlich gesagt, ich weiß es auch nicht. Ich habe hier nur meine Vermutungen, aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr. Eines ist gewiss: Dieses Regime wird scheitern! Gott wird allen antichristlichen Regierungen ein Ende bereiten und hat ihnen eine Grenze gesetzt. Dem Reich des Antichristen vor der Wiederkunft Jesu gestattet der Herr nur dreieinhalb Jahre zu wüten. Das ist seine Grenze und dann kommt sein Ende im Feuersee. So wird auch das jetzige Regime fallen. Hier sind der Glaube und die Geduld der Heiligen gefragt. Ich muss hier auch an das Lied von Pfarrer Theo Lehmann denken: Wer Gott folgt riskiert seine Träume. Hier sah er im Glauben auf das Wort Gottes im Jahr 1980 das Ende des DDR-Regimes voraus und schrieb in der 4. Strophe: Die Mächtigen kommen und gehen, und auch jedes Denkmal mal fällt. Und so dürfen wir im Glauben schon auf die Zeit vorausschauen, wo die Mächtigen, die jetzt gekommen sind, wieder gehen werden und wo ihr jetziges Götzendenkmal, die Spritze, fallen wird.

Gehen wir nun zurück in das Jahr 1933 und sehen wir, wie die Christen sofort nach der Machtergreifung der Nazis vor der Judenfrage standen.

1. Das grundsätzliche Verhältnis zwischen Staat und Kirche

An dieser Stelle schreibe ich nun über einen Punkt, den ich für einen der WICHTIGSTEN Erkenntnisse halte, die Christen in der jetzigen Lage wissen müssen. 1933 entstand für die bekennenden Christen der Bekenntnisfall, d.h. eine Verführung war aufgetreten, die so stark war, dass die Existenz der ganzen Gemeinde und der Glaube eines jeden Christen auf dem Spiel stand. Dieser Punkt führte dann auch zur Trennung innerhalb der Christen und bei denen, die nicht mehr zur Buße fanden, entschied dies über ihr ewiges Schicksal, ob sie wahre Christen oder Scheinchristen waren. Es war die Frage, die Bonhoeffer in der Überschrift nennt:

Die Judenfrage

Warum war die damalige Schicksalsfrage die Judenfrage? Das Nazi-Regime war z.B. massiv in Okkultismus verstrickt. Warum war die Schicksalsfrage damals nicht der Okkultismus der Nazis? Oder ihre ganze Ideologie war auf den Darwinismus und die Evolution aufgebaut. Warum war das nicht die Schicksalsfrage? Oder der Menschen- und Führerkult, den die Christen damals als „Götzendienst“ bezeichneten. Warum war das nicht die Schicksalsfrage? Warum entschied sich alles an der Judenfrage?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir der Argumentation von Bonhoeffer aufmerksam und genau folgen. Denn wenn man die Dinge bibeltreue argumentiert, führt die Lehre der Schrift eben nur zu diesem einen Punkt, der damals über alles entschied: die Judenfrage.

In gleicher Weise ist es auch heute. Wenn man eine strenge und genaue Argumentation der Bibel beibehält, dann führt uns die Schicksalsfrage heute zur den Corona-Maßnahmen und der Impfung. Man könnte Fragen, warum entscheidet sich nicht alles z.B. an der Frage über die Abtreibung, was ja ebenfalls schlimmste Sünde des Staates ist? Wenn man heute einer genauen bibeltreuen Argumentation folgt – wie diese u.a. Pastor MacArthur in seinen beiden Erklärungen vorgenommen hat – kann das nur zu diesem einen Punkt führen: den Corona-Maßnahmen und der Impfung.

Lasst uns deshalb der Argumentation von Bonhoeffer nun genau folgen, dann sehen wir, warum die Schicksalsfrage damals eben nur die Judenfrage sein konnte und nicht die anderen Gottlosigkeiten des Naziregimes.

Das richtige biblische Verständnis über die Obrigkeit.

Wenn wir damals und heute einordnen wollen, wie man in solchen Extremsituation biblisch handelt und auf einem bibeltreuen Boden stehen bleibt, muss man das richtige Verständnis über die Obrigkeit haben. Man muss wissen, welche Aufgabe die Obrigkeit hat – wie weit ihr Machtbereich geht – und wann er durch die Übergriffigkeit des Staates überschritten wird.

Dabei müssen wir in sauberster Weise die Unterscheidung von Obrigkeit und Gemeinde herausarbeiten bzw. die Trennung von Staat und Kirche. Diese Unterscheidung macht Bonhoeffer in seinem Artikel in präzisester Weise. Gleiches kann man auch über die beiden Erklärungen von MacArthur über die jetzige Corona-Krise sagen.

Zunächst einmal müssen Christen ganz allgemein der Obrigkeit untertan sein, wie wir das in Bibeltexten wie Römer 13 finden. Die Begründung dafür ist, dass die Obrigkeit in dieser gefallenen und sündigen Welt als Erhaltungsmacht von Gott eingesetzt wurde. Die Welt ist voller Menschen, die keine Christen sind und die ohne sich darüber ein Gewissen zu machen ihre Sünden ausleben. Sie lügen, betrügen, brechen die Ehe und töten usw. Stellen wir uns einmal vor, es gäbe für die Menschen in der Welt keine Grenze und sie könnten ihre Sünden unbegrenzt ausführen. Was würde dann geschehen? Der Fortbestand der Menschheit wäre akut gefährdet. Die Menschheit würde sich innerhalb kürzester Zeit selbst ausrotten. Nehmen wir mal als Beispiel als in den 90er Jahren im ehemaligen Jugoslawien durch einen Krieg plötzlich keine Obrigkeit mehr da war. Es geschahen die schlimmsten Massaker und Morde bis hin zum Völkermord. Deshalb ist in einer gefallenen Welt eine Ordnungsmacht Gottes notwendig, welche die Sünde in Schranken hält. Stellen wir uns einmal vor, wir hätten keine Obrigkeit und keine Polizei, die Mörder jagt, verhaftet und ins Gefängnis bringt. Aus diesem Grund hat Gott in der Welt eine Obrigkeit zur Begrenzung der Sünde und als Erhaltungsmacht eingesetzt und die Christen müssen ihr generell untertan sein. Wären z.B. alle Menschen auf der Welt Christen und würden sich nach den Geboten Gottes richten, dann bräuchten wir keine Obrigkeit. Aber solange es ungläubige Menschen in der Welt gibt, die ohne Obrigkeit ihre Sünde hemmungslos ausleben würden, ist eine Erhaltungsmacht zur Eindämmung der Sünde notwendig. Genau darauf weist Bonhoeffer am Anfang seines Artikels hin:

Sie (die Kirche) hat vielmehr den Staat als Erhaltungsordnung Gottes in der gottlosen Welt zu bejahen(unter I. auf S.1). Die Kirche greift auch nicht in den Herrschaftsbereich des Staates ein oder redet ihm hinein: „Das staatliche Handeln bleibt frei vom kirchlichen Eingriff. Es gibt hier keine schulmeisterliche oder gekränkte Einrede der Kirche“ (unter I. auf S.1).

Das bedeutet auch, dass die Christen nicht in diesen Herrschaftsbereich des Staates eingreifen und ihm politisch hineinreden. Wenn der Staat nun beschlossen hat, dass in meinem Wohnort Tempo 40 gilt und nicht Tempo 50, dann muss ich das als Christ akzeptieren und habe ihn nicht zu belehren, dass ich hier aber einen besseren Vorschlag hätte.

Das bedeutet auch, dass ich die strenge Trennung von Staat und Kirche beachte. Wenn ich z.B. ein gemeindliches Amt ausübe, sei es als Ältester oder Evangelist oder Bibellehrer, dann darf ich nicht politisch aktiv werden, z.B. in einer Partei. Natürlich steht jedem Christen seine Berufswahl frei und er kann gerne Bürgermeister oder Politiker werden. Aber in diesem Fall muss er notwendig seine gemeindlichen Ämter aufgeben, damit nicht beides vermischt wird und auch die Gemeinde muss hier pingelig genau ein Auge darauf haben und gegebenenfalls einen Bruder zurechtweisen. Nicht wenige Pastoren und Bibellehrer, die ich kenne, waren schon versucht, gleichzeitig ein politisches Amt auszuüben oder in einer Partei mitzuarbeiten. Doch hier geht nur das eine oder das andere, ansonsten kommt es zu einer unbiblischen Vermischung von Staat und Kirche.

Das hängt auch damit zusammen, dass die Gemeinde einen ganz anderen Auftrag von der Bibel her hat als der Staat. Der Staat ist Gottes Ordnungsmacht in der Welt, um die Sünde der Ungläubigen in Schranken zu halten. Doch die Kirche hat einen ganz anderen Auftrag, den Bonhoeffer so beschreibt:

„Die wahre Kirche Christi aber, die allein vom Evangelium lebt“ (unter I. auf S.2). Und: „Die Kirche kann primär nicht unmittelbar politisch handeln“ (unter I. auf S.2).

Die Gemeinde des Herrn hat einen geistlichen Auftrag, das Evangelium zu verkünden. Der Staat dagegen hat einen weltlichen Auftrag zur Erhaltung der weltlichen Ordnungen. Beides darf unter keinen Umständen vermischt werden! Deshalb kommt Bonhoeffer auch ganz folgerichtig und absolut biblisch zu der Schlussfolgerung: „Die Kirche kann primär nicht unmittelbar politisch handeln.“

Das bedeutet aber nicht, dass die Kirche einfach nur teilnahmslos dem politischen Handeln des Staates zusieht und sie es nichts angeht, was der Staat nun so tut. Bonhoeffer schreibt: „Aber das bedeutet nicht, dass sie teilnahmslos das politische Handeln an sich vorüberziehen lässt“ (unter I. auf S.2). Im Gegenteil, die Kirche beobachtet das Handeln des Staates sehr genau mit Argusaugen, und wenn er nicht legitim handelt, dann ruft sie ihn dazu auf, nach Gottes Gesetzen und Ordnungen und nach Recht und Ordnung zu handeln.

Deshalb musste die Kirche damals 1933 dem Staat die Frage stellen, ob er in der Judenfrage nach Bibel und Recht und Ordnung handelt. Der Staat handelt dann nicht mehr nach Recht und Ordnung, wenn er in die christliche Verkündigung und den christlichen Glauben eingreift. Sollte dies der Fall sein, dann wird der Staat übergriffig und die Kirche muss sein Handeln zurückweisen: „Diesen Übergriff der staatlichen Ordnung muss die Kirche zurückweisen“ (unter I. auf S.3).

2. Die Reaktion der Kirche bei Übergriffigkeit des Staates

Wenn der Staat also seinen Herrschaftsbereich als weltliche Ordnungsmacht überschreitet und in den geistlichen Bereich – z.B. in den Gottesdienst – eingreift, dann handelt es sich um eine „Übergriffigkeit“ des Staates. Nicht nur Bonhoeffer benutzt diesen Begriff der „Übergriffigkeit“, sondern es ist ein allgemeiner christlicher Begriff, der auch in den letzten Artikeln von DER RUF immer wieder gefallen ist.

Wird der Staat übergriffig, dann ist die Gemeinde zum Handeln gefordert. Und die Gemeinde hat nicht nur das Recht gegenüber dem Staat dann zum Handeln, sondern auch die biblische Pflicht. Wenn die Kirche also nicht reagiert und handelt, dann macht sie sich schuldig und fällt in Sünde. Der Nazistaat wurde am 7. April 1933 mit dem Arierparagraphen übergriffig. Und eine Woche später am 15. April 1933 reagierte Bonhoeffer mit dieser Schrift über die Judenfrage SOFORT darauf. Es war für Bonhoeffer also keine mögliche Option, diese Schrift zu schreiben, sondern als führender damaliger Bibelgelehrter seine Pflicht. Und man konnte auch nicht mehrere Wochen warten und einmal abwarten, was passiert, es musste sofort gehandelt werden, und die Antwort an das Naziregime folgte bereits eine Woche später. Man wünscht sich manchmal, dass auch heute Bibellehrer in gleicher vorbildlicher Weise auf die Übergriffigkeit des Staates antworten würden. Stattdessen schimpfen sie noch auf Bibellehrer wie MacArthur, Nestvogel oder Tscharntke, die in der Corona-Krise alles richtig gemacht haben.

Die Reaktion auf die Übergriffigkeit des Staates erfolgt, sofern man auf einem bibeltreuen Standpunkt steht, in drei Phasen, die Bonhoeffer wie folgt beschreibt:

Erste Phase) den Staat mit Worten darauf ansprechen, dass er prüft, ob sein Handeln noch legitim ist

Zweite Phase) sich der Opfer annehmen, denen der Staat durch sein Handeln Unrecht tut

Dritte Phase) Eingriff in das Handeln des Staates durch unmittelbares politisches Handeln

Die erste Phase geschieht z.B. durch eine öffentliche Zurechtweisung. Als, wie oben schon geschrieben, der österreichische Bundeskanzler Schallenberg in Österreich die Impfpflicht eingeführt hat und gedroht hat, diese sogar mit Erzwingungshaft durchzusetzen, bekam er vom Wiener Weihbischof Turnovszky eine öffentliche Zurechtweisung der Kirche (Quelle siehe Anlage). Ich hoffe, dass hier einige Bibellehrer aus dem evangelikalen Lager im Gesicht erröten und beschämt sind, dass ein Bischof einer abgefallenen Kirche hier seiner christlichen Pflicht nachgekommen ist, während sie es selbst unterlassen haben.

In der zweiten Phase haben die Christen die Aufgabe, sich um die Opfer des Staates zu kümmern. Das waren damals die Juden und heute Christen, die als Ungeimpfte unter Hetze und Diskriminierung leiden.

Und in der dritten Phase kommt es dann zum aktiven zivilen Ungehorsam der Christen gegenüber dem Regime, bei dem man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen.

Wo standen die Christen im April 1933 und wo stehen wir Christen heute? In beiden Fällen befinden wir uns schon in Phase 3. Noch einmal zur Erinnerung, wie schnell das 1933 ging. Am 30. Januar kam Hitler an die Macht und zwei Monate später standen die Christen schon in der letzten und härtesten Phase des Widerstandes gegen einen übergriffen Staat.

Bonhoeffer drückt dies mit dem bekannt gewordenen Bild aus: „dem Rad in die Speichen zu fallen“:

„Die dritte Möglichkeit besteht darin, nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen“ (unter I. auf S.3).

Wenn das „Rad“ (der Staat) über die Menschen hinwegfährt, ihnen Schaden zufügt und sie zu Opfern macht, dann müssen Christen über das Verbinden der Wunden der Opfer hinausgehen und dem „Rad selbst in die Speichen fallen“, d.h. sie müssen nun aktiven Widerstand leisten.

Was bedeutet es, aktiven Widerstand zu leisten?

Widerstand bedeutet nicht Gewalt anzuwenden und mit einem Aufstand einen Umsturz des Regimes herbeizuführen, sondern aktiv den Gesetzen und Anordnungen des Staates keine Folge mehr zu leisten. Damit es hier keine Missverständnisse gibt, sollten wir eine Reihe von Beispielen dafür anführen.

Phase 3, also der aktive Widerstand gegen das Regime, bestand 1933 darin, dass man zunächst einmal sich gegen das Ariergesetz stellte und es nicht befolgte und die Juden nicht aus der Kirche ausschloss. Bei den bekennenden Christen waren Juden auch weiterhin Bestandteil der Gemeinde Jesu. Später, als die Juden verfolgt wurden, kam man den Gesetzen nicht nach, sie auszuliefern, sondern versteckte sie und half ihnen auch auf illegalen Wegen das Land zu verlassen. Hier haben wir zahlreiche Beispiele, wie die Familie von Corrie ten Boom unter Lebensgefahr Juden vor den Nazis versteckte. Oder denken wir hier auch an die Geschichte von Anna Frank, oder an die Berichte von Pastor Wilhelm Busch, wie die bekennenden Christen über den Züricher Hauptbahnhof die Ausreise von Juden aus Deutschland organisierten. Die Gesetze der Nazis wurden dabei aktiv missachtet und man befolgte sie nicht, weil man an diesem Punkt Gott mehr gehorchen musste als den Menschen.

Heute bedeutet Phase 3, dass sich Gemeinden den Corona-Verordnungen widersetzen, wo sie der Bibel widersprechen. Denken wir hier daran, wie letztes Jahr unter Androhung einer Gefängnisstrafe Pastor MacArthur den Gottesdienstverboten der Bezirksregierung von Los Angeles nicht nachkam und im Gehorsam gegenüber der Bibel die Gottesdienste trotzdem durchgeführt hat. Auch wenn eine Aufforderung zur Impfung für uns in Deutschland kommen sollte, werden wir dieser Anordnung des Staates nicht nachkommen und zivilen Ungehorsam leisten. Wenn es so weit sein sollte, dann werden wir auch Schreiben formulieren, was wir den Behörden antworten werden, warum wir hier Gott mehr gehorchen müssen als den Menschen. Und ich selbst bin auch bereit, wenn das nicht helfen sollte, dafür in eine Erzwingungshaft zu gehen. Für Christen sollte so etwas nicht überraschend kommen, wie wir in der Endzeitrede Jesu lesen:

Vor diesem allem aber werden sie Hand an euch legen und euch verfolgen und in Synagogen und Gefängnisse übergeben“ (Lk 21,12).

Wenn wir bei der Übergriffigkeit des Staates bei Phase 3 angelangt sind, dann – so Bonhoeffer – sind wir am status confessiones (Bekenntnisfall) angelangt:

„Hier befände sich die christliche Kirche in statu confessionis(unter I. auf S.3).

Dieser Fall war 1933 mit der Judenfrage gegeben und ist heute mit den Corona-Maßnahmen und der Impffrage gegeben. Deshalb ist die Gemeinde nun zum Handeln aufgefordert.

3. Die Kirche war 1933 zum Handeln in der Judenfrage gefordert und das auch wegen ihrer Stellung in der Bibel

Bei diesem Punkt erinnert Bonhoeffer daran, dass es der Kirche immer klar und bewusst war, dass die Juden das auserwählte Volk Gottes sind, die aufgrund ihrer Verwerfung des Messias einen Leidensweg durch die Geschichte gehen, aber dabei immer unter dem Zeichen der Umkehr und der letzten Heimkehr zu Gott stehen:

„Und diese Heimkehr geschieht in der Bekehrung Israels zu Christus“ (unter I. auf S.3).

Und diese Heimkehr wird ihre letzte Erfüllung finden, wenn die Juden aus allen Völkern gesammelt werden und wieder in das Land Israel zurückkehren. Jeder Versuch des Staates die Judenfrage auf eine andere Weise zu lösen, als wie es dem Plan Gottes entspricht, wird scheitern.

4. Christen sind mit an Jesus gläubigen Juden als Brüder verbunden

Juden sollten durch den Arierparagraph aus den Gottesdiensten ausgeschlossen werden. Wie ist die Antwort darauf?

Da gläubige Juden und Christen Glaubensbrüder im Herrn Jesus Christus sind, so Bonhoeffer weiter, hat der Staat kein Recht darüber zu bestimmen, wie Christen mit ihren Brüdern im Herrn und Gliedern am Leib Jesu umgehen.

Bonhoeffer weist darauf hin, dass die Kirche den Begriff Juden anders als der Staat definiert. Der Staat sieht die Juden als biologische Größe, die sehr fragwürdig ist, nämlich als Rasse. Die Kirche dagegen definiert die Juden von der Bibel her als Volk Israel. Ein Jude gehört also nicht zu einer biologischen Rasse, sondern in seiner Zugehörigkeit zum Volk Gottes, das durch den Ruf des Wort Gottes zustande kommt.

Da eine rassische Definition von Juden zu einer Spaltung und einem Ausschluss von Juden aus der Kirche führt, ist es für die Kirche unmöglich das zu akzeptieren. Denn das würde zu einer Kirche führen, die aus Deutschen besteht und zu einer anderen Kirche, die aus Juden besteht. Aber Kirche ist nur dort wo Deutscher und Jude zusammen in EINER KIRCHE SIND. Ist das nicht mehr gegeben, dann hat die Kirche ihren Status als Kirche verloren – sie ist dann im biblischen Sinne also keine Kirche mehr.

Auf heute übertragen bedeutet das, Kirche ist nur dort gegeben, wo Ungeimpfte und Ungetestete am Gottesdienst teilnehmen können. Ist das nicht gegeben und Christen müssen draußen bleiben, weil an der Gemeindetür ein Schild hängt: Zutritt nur mit 3G oder 2G, dann ist die Kirche nicht mehr Kirche und der Bekenntnisfall ist gegeben. Hier sehen wir nun ganz konkret, warum der Bekenntnisfall nicht an anderen Fragen wie z.B. der Abtreibung entstanden ist, sondern an den Corona-Maßnahmen und der Impfung. Hier wird die Kirche durch die Gesetze des Staates in ihrer Existenz bedroht, wie damals die Kirche an der Judenfrage in ihrer Existenz bedroht war.

Es droht der Zustand: Die Kirche ist nicht mehr Kirche.

Denn nach biblischer Definition ist Kirche dort, wo Menschen das Evangelium angenommen haben, es glauben, es rein lehren und bekennen. Die unbiblische Spaltung ist bereits dort gegeben, wenn man die Zugehörigkeit zur Gemeinde nicht mehr am Glauben an das Evangelium fest macht, sondern an der Rasse oder heute am Status ungetestet oder ungeimpft.

Bonhoeffer schließt dann mit einer Auslegung von Luther zu Psalm 110,3, wo dies noch einmal zusammengefasst wird:

Wer Gottes Volk oder die Kirche Christi sei, ist keine andere Regel noch Probe […] ohne dies allein, wo ein Häuflein ist derer, so dieses Herrn Wort annehmen, rein lehren und bekennen wider die, so es verfolgen, und darob leiden, was sie sollen.

Gleichen Fall haben wir heute, wenn der Staat Gesetze erlässt, die zu einer Spaltung der Gemeinde führen. Wo durch Corona-Maßnahmen oder den Impfstatus Gottesdienste entweder ganz abgesagt werden, die Besucherzahlen begrenzt werden oder manche Christen ausgeschlossen werden, dann verliert die Kirche ihren Status als Kirche und der Bekenntnisfall und Phase 3 des Widerstandes sind gegeben, wo Christen Gott mehr gehorchen müssen als den Menschen.

Aus diesem Grund ist jetzt Handlungsbedarf und Gemeinden müssen alles daran setzen, auf diesen Notstand zu reagieren. Da wir bereits in dieser Spaltung schon mitten drin sind und ein Teil der Christen sich an der Spalterei und Hetze des Staates gegen Ungeimpfte beteiligen, diese zum Teil schon aus ihren Gottesdiensten ausschließen und auch keinen biblischen Kurs mehr haben, um diese Dinge geistlich zu beurteilen, wird sich nach meiner Prognose diese begonnene Spaltung in den nächsten Wochen immer mehr verfestigen.

Deshalb muss diese Spaltpunkt von Christen mit großer Deutlichkeit beim Namen genannt werden und dem Staat hier widerstanden werden, wo er solche Verordnungen erlässt, die zu dieser Spaltung führen.

Ich erwarte, dass dies aber auch im positiven Sinne dazu führen wird, dass die wahren bibeltreuen Christen hier näher zusammenrücken werden und erkennen, dass diese Situation auch erst dadurch zustandekommen konnte, weil sie in der Vergangenheit in geistlichen Dinge zu oberflächlich und nachlässig waren. Diese ernste Lage wird viele echte Christen nun dazu führen, dass sie sich erneut und tiefer mit dem Wort Gottes beschäftigen werden und näher zum Herrn rücken und seine Gegenwart suchen. Denn die Hand des Herrn ist in keiner Notlage seiner Kinder zu kurz, so dass er ihnen wieder aufhelfen wird und sie unbeschadet durch diese Krise hindurchkommen werden.

25. November 2021, Dirk Noll

Anhang

Karl Lauterbach, der Gesundheitsexperte der Regierung, sagte am 22.11.2021: „Der Moment der Impfpflicht ist gekommen:

https://www.n-tv.de/politik/Der-Moment-der-Impfpflicht-ist-gekommen-article22948302.html?fbclid=IwAR07XkLnyxGZ6cD7JkUsjgyGMfSv8iJh-a5qhiGo8xH6buwX0BgyTbPwGy8

In Österreich gilt bereits ab 1. Februar 2022 für alle eine allgemeine Impfpflicht. Jeder Ungeimpfte bekommt bis dahin einen Brief mit einem Impftermin und sollte dieser nicht eingehalten werden drohen laut Bundeskanzler Schallenberg Geldstrafen bis hin zur Erzwingungshaft:

https://journalistenwatch.com/2021/11/19/oesterreich-jetzt-erzwingungshaft/

https://www.epochtimes.de/politik/ausland/oesterreich-verhaengt-lockdown-und-will-impfpflicht-mit-geldstrafen-durchsetzen-a3647923.html

https://www.oldenburger-onlinezeitung.de/nachrichten/oesterreich-will-neue-impfpflicht-mit-geldstrafen-durchsetzen-74864.html

Öffentliche Zurechtweisung des Wiener Weihbischofs an Bundeskanzler Schallenberg wegen der Impfpflicht:

https://www.kath.net/news/76891

 


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