Der Bekenntnisfall 1933 und heute (Dirk Noll)

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Der Bekenntnisfall 1933 und heute

Seit Juni 2020 (mit dem Aufruf 2020) – also seit eineinhalb Jahren – weise ich mit Artikeln darauf hin, dass durch die Corona-Maßnahmen des Staates der Bekenntnisfall eingetreten ist. Weil nach protestantischem Verständnis die Gemeinde Jesu bzw. die Kirche mit dem Evangelium von Jesus Christus steht und fällt, muss beständig darauf geachtet werden, dass in den Gemeinden „das Evangelium rein verkündet wird“ (CA, Art. 7). Gemeinden oder Kirchen können so weit vom Evangelium abfallen, dass der status confessiones gegeben ist.

1. Der Bekenntnisfall

Wenn das christliche Bekenntnis soweit fundamental verletzt wurde, dass die Kirche nicht mehr Kirche ist bzw. die Gemeinde ihren Status als Gemeinde Jesu verliert, dann ist der status confessiones gegeben, also der Bekenntnis oder –notfall. Dieser Notfall wurde in der Evangelischen Kirche in Deutschland im Jahr 1933 von Dietrich Bonhoeffer eingeleitet und am Jahr 1934 durch die Barmer Erklärung vollzogen. Er kann von einer einzelnen Gemeinde oder einem christlichen Werk in die Wege geleitet werden und sollte dann von der ganzen wahren Gemeinde Jesu mit einem Bekenntnisdokument vollzogen werden. Das führt dann dazu, dass herausgestellt wird, wo die wahre Gemeinde bekennender Christen zu finden ist und wo sich die rote Linie der Trennung befindet. D.h., der Bekenntnisfall führt dann unausweichlich zu einer Trennung zwischen den Christen, welche weiterhin auf dem Boden des Evangeliums stehen bleiben, und denen, welche den Boden des Evangeliums verlassen haben. Diese Trennung wurde mit der Barmer Erklärung 1934 vollzogen und führte zu einem bibeltreuen Lager der bekennenden Christen (bzw. Bekennenden Kirche) auf der einen Seite und den Deutschen Christen, die sich Hitler und seiner Partei unterstellten, auf der anderen Seite.

Bereits im Juni 2020 wurde von unserem Dienst und Werk im Herrn von DER RUF mit dem Aufruf2020 dieser Bekenntnisfall ausgerufen und mit der Übergriffigkeit des Staates durch seine Corona-Maßnahmen erklärt. Einen Monat später folgte dann die wohl einflussreichste Gemeinde im bibeltreuen Lager in den USA – die Grace Community Church von Pastor MacArthur – ebenfalls mit der Ausrufung des Bekenntnisfalles. Dies geschah mit der Erklärung: Jesus und nicht Cäsar ist das Haupt der Gemeinde. Darin wird erklärt, dass mit den Corona-Maßnahmen der Staat direkt in einen Bereich eingreift, indem es ihm von der Bibel nicht zusteht hineinzuregieren – in den Gottesdienst. Damit wird Jesus als Haupt der Gemeinde ausgetauscht durch den Staat (Cäsar). Dieser Erklärung haben sich dann auch in Deutschland einige Gemeinden angeschlossen, u.a. die bekannte Gemeinde von Pastor Wolfgang Nestvogel in Hannover, die neben uns diese Erklärung von MacArthur ebenfalls ins Deutsche Übersetzt hat. Etwas später folgten dann auch von anderen Gemeinden verschiedene Erklärung zu dem Corona-Notstand, wie z.B. die Reformierten Baptisten mit dem Dokument: Jesus im Mittelpunkt behalten – trotz Corona.

Leider ist hier bisher noch kein gemeinsames Dokument aller bibeltreuen Christen zustande gekommen, aber vielleicht kommt das noch; wir von DER RUF würden das auf jeden Fall unterstützen. So ist es das Gebot der Stunde, dass alle Bibeltreuen, die bisher den Bekenntnisfall und –notstand ausgerufen haben, zueinander finden und zusammenhalten unter dem alleinigen Haupt der Gemeinde Jesus Christus.

Im Vergleich zum großen Teil der Christenheit hat sich bisher jedoch nur ein kleiner Teil zu Jesus Christus gegen die Corona-Diktatur bekannt. Das liegt aus meinem Verständnis auch daran, dass der Kirchenkampf der Jahre 1933/34 zu wenig in den Gemeinden behandelt wurde und zu wenige Christen darüber genauer Bescheid wissen. Ansonsten hätte ein wesentlich größerer Teil von Christen die unübersehbaren strukturellen Parallelen zwischen den Corona-Maßnahmen des Staates heute und der NS-Diktatur damals erkannt und Widerstand geleistet. Deshalb müssen wir uns damit etwas ausführlicher auseinandersetzen.

2. Die Jahre 1933/34

Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir viele historische Dokumente aus dieser Zeit haben und die damalige Situation mit höchster Genauigkeit beurteilen können. Dabei ist es erstaunlich, wie schnell man damals quasi von heute auf morgen in die Diktatur geraten war und wie schnell auch die Fronten sofort klar waren. Ja, die Dinge waren so eindeutig, dass niemand und auch kein Christ, der in der damaligen Zeit lebte, eine Ausrede finden und sich entschuldigen konnte. Deshalb war es auch folgerichtig, dass 1945 einzelne Christen öffentlich Schuldbekenntnisse ablegten und die Evangelische Kirche 1945 das Stuttgarter Schuldbekenntnis herausgab mit den Worten: Wir klagen uns an.

Der frühere Reichsbischof Friedrich von Bodelschwingh bezog am 27. Mai 1945, also nur wenige Tage nach Kriegsende, wie folgt Stellung:

Darum können und wollen wir uns der Verantwortung für Schuld und Schicksal unseres Volkes nicht entziehen. Wir wollen uns auch nicht mit dem Hinweis darauf decken, dass wir vieles nicht gewusst haben, was hinter den Stacheldrähten der Lager und in Polen und Russland geschehen ist. Diese Verbrechen sind Taten deutscher Männer und wir haben ihre Folgen mitzutragen.“

Und der Pastor Wilhelm Busch sagte in seinem Vortrag über die Geheime Staatspolizei: „Wenn ihnen jemand sagt, dass er von den ganzen Verbrechen nichts gewusst haben will, dann glauben sie es ihm nicht; er lügt.

Klarer können es die Menschen, die selbst dabei waren, nicht mehr in Worte fassen.

Und es ist auch jetzt schon für den abzusehen, der seine Augen geöffnet hat, dass unsere Generation gerade in gleicher Weise schuldig wird. Durch die Corona-Maßnahmen sind bereits Dinge geschehen, die so sehr gegen Gottes Gebote und Ordnungen sind, dass auch niemand der jetzigen Generation eine Entschuldigung finden kann. Auch wenn später einmal Leute wie damals auftreten werden und behaupten, sie hätten von alledem nichts gewusst, so werden wir doch sagen müssen: Es war alles bekannt und ihr habt diese Dinge mitgetragen.

3. Der Ablauf der Dinge ab Januar 1933

Wie die meisten von uns wohl noch aus ihrem Geschichtsunterricht wissen, geschah am 30. Januar 1933 die Machtübernahme der Nazis, indem Adolf Hitler, der damalige Führer der NSDAP, von Paul Hindenburg zum deutschen Reichskanzler ernannt wurde. Jeder Deutsche hätte an diesem Tag wissen können, was nun auf das Land zukommt, denn die Reden von Hitler und seiner Parteigenossen wurden durch Propaganda auf allen Kanälen gesendet. Ihr Rassismus, Antisemitismus und ihre eugenische Ideologie waren bereits zu diesem Zeitpunkt schon hinreichend bekannt. So musste man nur zwei Monate warten bis zum 7. April 1933, bis sich das in der Gesetzgebung niederschlug mit dem sog. „Arierparagraphen“. Damit mussten zunächst alle jüdischen Beamten entlassen werden, was auch für jüdische Pfarrer in der Kirche galt. Dieser Paragraph wurde dann in kürzester Zeit auf andere Berufe, wie z.B. Ärzte ausgedehnt und auch auf die Schulen und Hochschulen. Das ging alles so schnell, dass bereits ein paar Wochen später im Herbst 1933 alle Christen jüdischer Herkunft aus ihren Ämtern von der Evangelische Kirche ausgeschlossen wurden, dabei reichte es aus, wenn jemand mindestens ein jüdisches Elternteil hatte.

Begründet wurde dieser Schritt mit einer angeblichen Bewahrung der Volksgesundheit. Den angeblich „zersetzenden Geist“ der „minderwertigen jüdischen Rasse“ müsse man mit den „Mitteln der Rassenhygiene“ bekämpfen. Und nahezu alle Organisationen in Deutschland übernahmen 1933 die Regelungen dieses Ariergesetzes einschließlich der Kirchen. Und somit kam es von Anfang an zu einer offenen und das ganze Deutsche Reich umfassenden Diskriminierung von Juden.

Wir haben hier die Gesetzgebung, welche die Juden von ihrem Beruf und dem gesellschaftlichem Leben ausschloss inklusive von den Ämtern in den Kirchen. Es wurde mit der Volksgesundheit begründet und mit Propaganda auf allen Kanälen verkündet.

Wenn man die Propaganda in Deutschland im Jahr 2021 verfolgt, dann ist die Ähnlichkeit in der Methodik zur Diskriminierung einer bestimmten Bevölkerungsgruppe nicht zu übersehen. Zunächst wurde im März 2020 der Gesundheitsnotstand nationaler Tragweite ausgerufen und die Gesetze wurden so verändert, dass unverhandelbare Grundrechte nicht mehr gelten. Man greift auf eine eugenische Ideologie zurück, mit welcher der Mensch genetisch verändert werden soll (4. Industrielle Revolution) und deren zentrales Mittel die Impfung ist.

Ungeimpfte werden zum Staatsfeind erklärt und aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Auch hier sind in besonderer Weise Schulen und Hochschulen betroffen. Die ersten Hochschulen lassen mittlerweile nur noch Geimpfte zu. Und letzten Donnerstag kam das neue Infektionsschutzgesetz, wo eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen verabschiedet wurde und mit einer täglichen Testpflicht auf der Arbeit, wodurch die Menschen zur Impfung gezwungen werden sollen. Und einige Politiker, wie Markus Söder (sein Spitzname „Södolf“ in den sozialen Netzwerken ist daher nicht ohne Grund), haben sogar eine allgemeine Impfpflicht mit ins Spiel gebracht. Und es wird offen gesagt, dass man Ungeimpfte bewusst aus dem öffentlichen Leben ausschließen will. Auf allen Propaganda-Kanälen in Fernsehen, Radio, Zeitungen usw. läuft eine Hetze und Diskriminierung gegen Ungeimpfte, wie man sich es bis vor Kurzen nicht verstellen konnte, dass so etwas in einem halbwegs zivilisierten Land möglich sein kann. Und auch die Kirchen machen mit und hängen an ihre Kirchentüren Schilder: Kein Zutritt für Ungeimpfte.

Ich weiß kaum noch, mit welchen Worten man solche Leute beschreiben muss, die hier nicht die Parallelen zur Nazizeit sehen und welche furchtbarsten Diskriminierungen gegenüber ungeimpften Menschen gerade stattfinden.

4. Die „braune Synode“

Am 5. September 1933 kam es dann in der Evangelischen Kirche zur Umsetzung des Arierparagraphen durch eine Synode. Da viele deutsche Christen zu dieser Synode in ihrer braunen Naziuniform kamen, bekam sie im Volksmund den Namen: „Die braune Synode“. Man beschloss Pfarrer jüdischer Abstammung aus der Kirche zu entlassen – etwa hundert an der Zahl – und das Jüdische aus der Kirche zu entfernen und die Rassenhygiene der Nazis zu unterstützen. Dabei sagte man, dass es sich hier doch lediglich nur um eine „äußere Ordnung“ halten würde, die doch eher nebensächlich wäre.

In vergleichbarer Situation befinden wir uns heute. Kirchen und Gemeinden lassen sich vom Staat Gesetze und eine Ideologie aufdrücken, die ein Christ in keinster Weise von der Bibel mit einem guten Gewissen mittragen kann. Gemeinden und Christen sind staatshörig geworden, verwerfen zentrale Lehren der Bibel und wenn von anderen Christen Kritik kommt, dann ist die Antwort: Es handelt sich hierbei doch nur um nebensächliche, äußerliche Dinge. Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz in den letzten Monaten hören musste.

Im Jahr 1933 wurden durch bekanntes Gesetz Juden aus ihrem Beruf und aus der Gesellschaft ausgestoßen. Die Juden wurden aus den kirchlichen Ämtern entlassen und es wurde beschlossen, das Jüdische aus der Kirche zu entfernen und viele Christen erschienen in ihren braunen Partei-Uniformen zu Gemeindeveranstaltungen. Es ist mir völlig unverständlich, wie damals jemand es nicht sehen konnte, dass der Staat hier übergriffig wird und sich gegen die Juden, das Volk Gottes, und gegen die Bibel versündigt.

Auch ist es mir unerklärlich, wie jemand damals abstreiten konnte, dass hier der Bekenntnisnotfall eingetreten war, bei dem die Kirche ihre Grundlagen verliert. Hier sehen wir, was für eine Macht die Verführung und Verblendung auf Menschen haben kann. Wenn wir anfangen Juden zu verfolgen und das Jüdische aus der Kirche zu verbannen, dann hört Kirche auf Kirche zu sein.

So auch heute, wenn wir Menschen aus den Gottesdiensten ausschließen oder Ungeimpfte nicht mehr reinlassen, auch dann hört Kirche auf Kirche zu sein, wie Pastor MacArthur es in seiner zweiten Erklärung vom September 2021 unter Artikel 4 schreibt: Eine Gruppe von Gläubigen, die sich nicht versammelt, ist keine »Gemeinde«. Und wenn Gemeinde nicht mehr Gemeinde ist, dann ist auch heute der Bekenntnisnotstand eingetreten und es ist erforderlich, dass alle bibeltreuen Christen sich hier zusammen unter ein gemeinsames Bekenntnisdokument stellen.

Die historischen Dokumente aus der Nazizeit zeigen uns, dass es von Anfang an um einen Frontalangriff auf die Juden ging, sie zu diskriminieren, auszuschließen und am Ende zu vernichten. Es war so offensichtlich, dass sich keiner entschuldigen oder herausreden kann, der dabei war. Deshalb war die Reaktion derer, die auf der Seite der Bibel standen, ebenso klar und eindeutig und auch das von Anfang an.

Auf den Arierparagraphen vom 7. April 1933 folgte sofort auf der Stelle eine Woche später die Antwort von Dietrich Bonhoeffer mit seiner Schrift: „Die Kirche vor der Judenfrage“ vom 15. April 1933. Diese Schrift und das, was Bonhoeffer mit einigen anderen Pfarrern in die Wege leitete, führte dann 1934 zur Feststellung des Bekenntnisfalles und der Barmer Erklärung.

Damit wollen wir uns im nächsten Artikel beschäftigen. Und auch hier sehen wir wieder ohne jeden Zweifel. Bereits im April 1933, also zweieinhalb Monate nach der Machtergreifung von Adolf Hitler, waren die Dinge in Bezug auf das Naziregime und die Judenfrage vollkommen klar und eindeutig. Zudem wurde das, was Bonhoeffer zur Judenfrage in diesem Aufsatz schrieb in Predigten, Vorlesungen und im Rundfunk veröffentlicht. Auch hier kann niemand in den Kirchen sagen: Wir haben es nicht gewusst.

Wer möchte kann bis zum nächsten Artikel die 5-seitige Schrift: Die Kirche vor der Judenfrage schon einmal lesen. Es ist an manchen Stellen nicht immer einfach zu lesen. Aber im nächsten Artikel werde ich alles erklären und auch hier wieder die strukturellen Parallelen zur heutigen Corona-Diktatur zeigen.

http://www.geschichte-bk-sh.de/fileadmin/user_upload/BK_im_Reich/Die_Kirche_vor_der_Judenfrage.pdf

22. November 2021, Dirk Noll


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