Zu welcher Zeit wird sich der Antichrist offenbaren? – Teil 4 von „Christus und der Antichrist“ (Dirk Noll)

Zu welcher Zeit wird sich der Antichrist offenbaren? – Teil 4 von „Christus und der Antichrist“

Im ersten Artikel hatte ich angekündigt, dass wir uns mit der Frage beschäftigen wollen: Wann, zu welcher Zeit und unter welchen Umständen wird sich der Antichrist offenbaren?

Mit dieser Frage haben sich auch die frühen Christen von Anfang an beschäftigt. Hippolyt schreibt in seinem Buch über „Christus und den Antichristen“ so etwa 100 Jahre nach dem Tod der Apostel ein Kapitel, das die Überschrift trägt: Zeit des Eintretens.

http://www.unifr.ch/bkv/kapitel2649-26.htm

Dazu schreibt Hippolyt Folgendes: „Da Dieses geschehen wird, wenn auch die zehn Zehen der Statue in Demokratien übergegangen und die zehn Hörner des andern Thiers in zehn Königreiche getheilt sind, so wollen wir das Vorliegende genauer ansehen und augenscheinlich kennen lernen“.

Was bedeutet das?

Noch einmal zur Erinnerung: Das Standbild, das Nebukadnezar in seinem Traum mit vier verschiedenen Metallen gesehen hatte: Gold, Silber, Bronze und Eisen, bedeutete die Weltreiche, die nacheinander in der Welt auftreten sollten: Babylon, die Perser, die Griechen und Rom, siehe dazu auch noch einmal die Ausführungen von Hippolyt:

http://www.unifr.ch/bkv/kapitel2649-27.htm

Zitat: „Der Kopf des Bildes, die Löwin, waren die Babylonier; die silbernen Schultern und Arme, der Bär, die Perser und Meder, der Bauch und ehrene Oberschenkel, der Pardel, die seit Alexander herrschenden Griechen. Die eisernen Unterschenkel, das erstaunliche und schreckliche Thier, die jetzt herrschenden Römer. Die irdenen und eisernen Fußsohlen; und die zehn Hörner werden die kommenden Reiche sein; das andere kleine unter ihnen aufschießende Horn, der Antichrist; der die Erde zermalmt und über die Welt das Gericht hält, Christus“.

Fassen wir noch einmal kurz zusammen: Die Prophetie mit dem Standbild des Nebukadnezar hat sich in der Geschichte erfüllt genauso wie die Bibel es vorhergesagt hat, und Rom ist das vierte dieser Weltreiche gewesen. Nun besagt die biblische Prophetie weiter, dass das Römische Reich nach seinem Untergang fortbestehen und wieder auferstehen würde und dass das zukünftige „Römische Reich“ in „zehn Hörner“ also zehn Demokratien oder Königreiche geteilt sein werde und dass daraus dann ein Horn aufsprießen werde, sprich der Antichrist hervorgehen würde.

Der Antichrist wird also aus dem wieder auferstandenen Römischen Reich hervorgehen.

Wenn wir uns nun mit der Zeit des Eintretens beschäftigen wollen, also dem Offenbarwerden des Antichristen, dann müssen wir uns mit dem weiteren Verlauf des Römischen Reiches beschäftigen. Dazu kann man die gängigen Geschichtsbücher verwenden. Ich werde hier entsprechende Geschichtsinformationen aus dem Internet übernehmen, die nach meiner Prüfung mit der gängigen und anerkannten Geschichtsliteratur übereinstimmen.

Wir kennen das Römische Reich z.B. aus dem Neuen Testament. Denn zu dieser Zeit regierte es durch die römischen Kaiser. Denken wir z.B. nur an den Kaiser Augustus, der zur Zeit der Geburt Jesu römischer Kaiser war. In der Prophetie von Daniel 2 haben wir eine weitere wichtige Information über den weiteren geschichtlichen Fortgang des Römischen Reiches:

1. Die Teilung des Römischen Reiches

Wir wollen nun den Fortgang des alten Römischen Reiches der Cäsaren betrachten bis zu seiner Wiederauferstehung am Ende der Tage. Dadurch können wir auch die Zeiten beurteilen, wie und wann der Antichrist sich offenbaren wird.

Zunächst einmal erfahren wir aus den Geschichtsbüchern, dass das alte Römische Reich offiziell im Jahr 476 n.Chr. untergegangen ist durch die Eroberung Roms durch germanische Stämme im Rahmen der Völkerwanderung und letztendlich der Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus im Jahr 476 n.Chr.:

https://de.wikipedia.org/wiki/Untergang_des_R%C3%B6mischen_Reiches

Doch damit war das Römische Reich nicht untergegangen. In dem Wikipedia-Artikel heißt es: „Das Oströmische/Byzantinische Reich überdauerte den Zusammenbruch des weströmischen Kaisertums“.

Im Jahr 476 n.Chr. ist nur das weströmische Reich untergegangen, aber nicht das oströmische Reich, das auch als Byzanz bezeichnet wird. Das oströmische Reich (weil es im östlichen Mittelmeerraum lag) wurde am 11. Mai 330 n.Chr. durch den römischen Kaiser Konstantin gegründet. Er verließ die Stadt Rom und gründete in der griechischen Stadt Byzanz ein „neues Rom“ und benannte die Stadt nach seinem Namen um in „Konstantinopel“. Und im Jahr 395 n.Chr. kam es dann zur sog. „Reichsteilung“ in das oströmische Reich und das weströmische Reich. Und damit haben wir wieder eine Erfüllung biblischer Prophetie.

Denn in Daniel 2 heißt es, dass das vierte Weltreich – Rom – ein geteiltes Reich sein wird. Daniel beschreibt die Füße des Standbildes – die für Rom stehen – in einer Mischung aus Eisen und Ton. In der Deutung des Traumes sagt Daniel dem Nebukadnezar dann, was dies zu bedeuten hat:

Dass du aber die Füße und Zehen teils aus Töpferton und teils aus Eisen bestehend gesehen hast, bedeutet, dass das Königreich gespalten sein wird (Daniel 2,41).

Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie genau sich die biblische Prophetie erfüllt. Die Bibel hat es schon Jahrhunderte im Voraus gesagt, das vierte Weltreich – Rom – wird ein geteiltes Reich sein und in der Tat war das Römische Reich in ein oströmisches Reich und ein weströmisches Reich geteilt. Heute können wir das in den Geschichtsbüchern nachlesen.

Wie geht die Geschichte des Römischen Reiches nun weiter bis zum Offenbarwerden des Antichristen?

2. Das Heilige Römische Reich

Das alte weströmische Reich war zwar untergegangen, aber in Wirklichkeit ging es doch nicht unter, denn es wurde fortgeführt im Heiligen Römischen Reich, siehe dazu folgenden Wikipedia-Artikel:

https://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich

Darin heißt es: „Heiliges Römisches Reich war die offizielle Bezeichnung für den Herrschaftsbereich der römisch-deutschen Kaiser vom Spätmittelalter bis 1806. Der Name des Reiches leitet sich vom Anspruch der mittelalterlichen römisch-deutschen Herrscher ab, die Tradition des antiken Römischen Reiches fortzusetzen„.

Das alte Römische Reich fand also seine Fortsetzung im „Heiligen Römischen Reich“, das später auch noch den Zusatz bekam „Deutscher Nation“. Ich wurde einmal gefragt, ob in der Bibel auch Deutschland oder die Deutschen vorkommen würden. Nein, Deutschland wird nicht direkt genannt, aber indirekt. Die deutsche Nation ist ein Bestandteil des Heiligen Römischen Reiches und damit ein Teil des vierten Tieres aus Daniel 7.

Weiter heißt es in Wikipedia:

Durch den Namen (Heiliges Römisches Reich) wurde der Anspruch auf die Nachfolge des antiken Römischen Reiches und damit gleichsam auf eine Universalherrschaft erhoben. Gleichzeitig fürchtete man das Eintreffen der Prophezeiungen des Propheten Daniel, der vorhergesagt hatte, dass es vier Weltreiche geben und danach der Antichrist auf die Erde kommen werde (vier-Reiche-Lehre) – die Apokalypse sollte beginnen. Da in der Vier-Reiche-Lehre das (antike) Römische Imperium als viertes Reich gezählt wurde, durfte es nicht untergehen. Die Erhöhung durch den Zusatz „Heilig“ betonte das Gottesgnadentum des Kaisertums.“ (eine Randbemerkung hierzu: Es ist interessant zu sehen, wie sogar in der weltlichen Geschichtsschreibung die Prophetie aus Daniel zur Kenntnis genommen und erwähnt wird).

Wir bekommen hier zwei weitere wichtige Informationen:

a) Der Name des Heiligen Römischen Reiches wurde bewusst ausgewählt, weil man damit den Anspruch auf die Nachfolge des antiken Römischen Reiches geltend machen wollte. Hieraus sehen wir eindeutig, dass das Römische Reich nicht wirklich untergegangen war, sondern fortgeführt wurde. Da man in dieser Zeit sehr stark vom Christentum geprägt war, war man sich auch der biblischen Prophetie aus Daniel 2 bewusst. Die vier-Reiche-Lehre und dass das vierte Reich Rom bis zur Ankunft des Antichristen fortbestehen würde, war allgemeine christliche Lehre und unter den Christen selbstverständlicher Konsens. Also sah man in dem Heiligen Römischen Reich auch die Erfüllung biblischer Prophetie.

b) Nun kommt hier ein neuer sehr wichtig Aspekt noch mit hinzu, nämlich das Wort „Heilig“. Damit wollte man betonen, dass das Kaisertum, von Gottes Gnade sei. Hier werden wir in einem speziellen Artikel noch genauer darauf eingehen müssen. Denn mit dem Wort „Heilig“ in Verbindung mit der politischen Herrschaft eines Weltreiches kam es im Mittelalter nun zur Vermischung von Staat und Kirche, und es entbrannte ein Streit darüber, ob nun der Kaiser über dem Papst stehe oder umgekehrt der Papst über dem Kaiser. Das führte am 18. November 1302 zu der Bulle (Unam Sanctam), in welcher der Papst seine Vormachtstellung über den weltlichen Herrscher formulierte. Diese geschichtliche Entwicklung führt zu der Frage, welche Rolle die Römisch-Katholische Kirche hierbei spielt. Die Reformatoren sahen in dieser Verbindung aus Staat und Kirche die „Hure Babylon“ aus Offenbarung 17 und 18. Darin wird eine Frau (abgefallene Kirche) geschildert, die auf dem Tier (Römische Reich) reitet. Der Papst hatte sich also über die „Lehre (Irrlehre) der zwei Schwerter“ in der Bulle „Unam Sanctam“ zum Regenten über beides – über Staat und Kirche – erklärt und sich damit über den Kaiser gestellt. Dadurch ritt die Kirche im Mittelalter nun im wahrsten Sinne auf dem Tier (Staat) Wie gesagt, wir werden noch ausführlich darauf zu sprechen kommen.

Das Heilige Römische Reich wurde dann offiziell im Jahr 1806 aufgelöst. Weiter bestand aber noch das Deutsche Reich und das Kaisertum bis zum Jahr 1918 als der Deutsche Kaiser Wilhelm II. am 28. November 1918 abdanken musste.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang noch der Begriff „Kaiser“. Wir kennen den Ausspruch von Jesus aus dem Neuen Testament: “ So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“ (Mt 22,21).

An dieser Stelle steht das griechische Wort kaísaros , was Kaiser bedeutet. Im lateinischen sprach man das als „Cäsar“ aus. Der Titel „Kaiser“ oder „Cäsar“ ist also ein Titel, der speziell von den Römischen Kaisern benutzt wurde und anzeigte, dass man in der Reihe der römischen Kaiser steht.

Im Heiligen Römischen Reich trugen die Kaiser den Titel „römisch-deutsche Kaiser“. Damit machten sie auch deutlich, dass sie in der Nachfolge der römischen Kaiser bzw. Cäsaren standen. Eine Liste der römisch-deutschen Kaiser findet man bei Wikipedia hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_r%C3%B6misch-deutschen_Herrscher

Die Linie der Kaiser des weströmischen Reiches endet also im Jahr 1918 mit der Abdankung von Willhelm II.

Werfen wir nun noch einen Blick auf den weiteren Verlauf im oströmischen Reich. Konstantinopel wurde 1453 von den Osmanen erobert und war somit unter islamischer Herrschaft. Nach dem Untergang von Konstantinopel beanspruchte der Großfürst von Moskau nun, dass Russland (als „Drittes Rom)“ die Nachfolge des oströmischen Reiches antrat. Zu Russland und das Zarenreich als „Drittes Rom“ siehe hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Drittes_Rom

Und die Herrscher Russlands gaben sich den Titel „Zar“ (abgeleitet von Cäsar/Kaiser) und ihr Herrschaftsgebiet nannten sie „Zarenreich“. Die Liste der russischen Zaren siehe hier bei Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_russischen_Herrscher

Das russische Zarenreich endete am 17. Juli 1918 mit der Ermordung des letzten russischen Zaren Nikolaus II. und der Familie Romanow.

Fassen wir noch einmal kurz zusammen: Nach dem Untergang des antiken Römischen Reiches wurde es fortgeführt in weströmischen und oströmischen Kaiserreichen und endete auf beiden Seiten im Jahr 1918 durch die Abdankung des letzten deutschen Kaisers und die Ermordung des letzten russischen Zaren.

Ich möchte hier noch darauf hinweisen, dass ich die Geschichtsdaten sehr verkürzt und zusammengefasst dargestellt habe. Es ging mir nur darum, dass man den roten Faden in der Geschichte sehen kann.

Fortsetzung folgt…

Die Frage ist nun, wie ging es nach dem Jahr 1918 weiter, in dem das „Kaisertum“ sowohl im Westen als auch im Osten zu Ende ging?

Um es vorwegzunehmen: Es gab versuche, das Römische Reich in einer neuen, anderen Form weiterzuführen. Man versuchte das zunächst über den Völkerbund, der am 28. Juni 1919 mit Unterzeichnung der Satzung des Völkerbund gegründet wurde und dann später durch die UNO, die den Völkerbund ersetzte (dazuzählen muss man hier auch die EU, welche ein Produkt der UNO ist). Und zwischendurch versuchten auch die Nationalsozialisten mit ihrem Dritten Reich eine Wiederauferstehung des Römischen Reiches (1. Reich = das Antike Rom, 2. Reich = das Heilige Römische Reich, 3. Reich = Nationalsozialismus).

Bei diesen Versuchen (ob durch Völkerbund, Nationalsozialismus oder UNO/EU) sehen wir ein Scheitern, das Römische Reich wieder aufzurichten. Das Scheitern der EU spielt sich gerade vor unseren eigenen Augen ab.

Diese Versuche, das Römische Reich fortzuführen oder wieder aufzurichten, waren Vorläufer des Antichristen und seines Reiches. Dem Antichristen wird dies am Ende jedoch gelingen und er wird aus dem zukünftigen Römischen Reich als Weltdiktator hervorgehen, den unser Herr Jesus Christus bei seiner Erscheinung mit dem Hauch seines Mundes töten wird (2.Thess 2,8). Bei der Betrachtung dieser Dinge werden wir noch genauer auf die Spur kommen, wann und unter welchen Umständen der Antichrist sich offenbaren wird, z.B. wenn wir uns im nächsten Artikel die Zerteilung des zukünftigen Römischen Reiches in zehn Demokratien anschauen werden, aus denen dann das „Horn“, also der Antichrist, hervorgehen wird.

%d Bloggern gefällt das: