Advents- und Weihnachtsandacht – Was bedeutet „Retter der Welt“ in 1.Joh 4,14? (Artikel Dirk Noll)

Advents- und Weihnachtsandacht – Was bedeutet „Retter der Welt“ in 1.Johannes 4,14?

Das lateinische Wort „Advent“ bedeutet „Ankunft“. Die christliche Adventszeit bedeutet für die Christen die Rückerinnerung, dass „der Retter der Welt“ vor 2000 Jahren angekommen ist. Jesus Christus wurde geboren, und er ist in dieser Welt angekommen. Der Apostel Johannes, der jüngste von den 12 Jüngern, bezeugt, dass der Vater seinen Sohn Jesus Christus gesandt hat als „Retter der Welt“.

Was bedeuten diese Worte?

Dieser Frage wollen wir uns in dieser Advents- und Weihnachtsandacht widmen.

„Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Retter der Welt“ (1.Joh 4,14)

Genau wie das Evangelium des Johannes, so atmet auch sein 1. Brief die Liebe Gottes zu den Menschen. Denken wir hier an den wohl berühmtesten und bekanntesten Vers aus dem Johannes-Evangelium: „So sehr hat Gott die Welt geliebt“:

„Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat“ (Joh 3,16)

Was sind das doch für wunderbare Worte, dass Gott die Welt geliebt hat und Jesus Christus als Retter der Welt vor 2000 Jahren gesandt hat. Das ist wohl die beste und großartigste Botschaft, die jemals in dieser Welt verkündet wurde und von den Menschen gehört wurde. Bei all den Schreckensmeldungen in den Nachrichten und Medien, die noch nicht einmal in der Weihnachtszeit eine Pause einlegen, ist das für die Menschen, die an Christus glauben, ein ganz großer Trost und eine Quelle der Hoffnung und geistlicher Kraft. Ja, es ist schon traurig, dass in unserer westlichen Welt die Medien selbst an Weihnachten, dem Fest des Friedens, keine Pause einlegen und uns mit schlechten Nachrichten überfluten. Deshalb brauchen wir diese Botschaft der Bibel. Über dieser Welt und allen Menschen ruht die allgemeine Liebe Gottes und sein allgemeines Wohlwollen.

  1. „Der Ausdruck „Retter der Welt“ ist keine Allversöhnungsbotschaft

Was bedeutet nun diese Botschaft und Aussage, dass Christus „der Retter Welt ist“?

Wer die Bibel nicht wirklich gelesen hat, könnte nun zu der Auffassung kommen, dass Gott alle Menschen mit einer rettenden Liebe so sehr liebt, dass am Ende auch alle Menschen gerettet werden. Doch so etwas zu denken, wäre ein fataler Irrtum. Und nicht wenige Menschen singen diesen Irrtum auch noch in dem bekannten Volkslied „Wir kommen alle in den Himmel, weil wir so brav sind“. Man muss die Bibel hier im Zusammenhang lesen und dann sieht man, dass der Ausdruck „Retter der Welt“ keine Allversöhnungsbotschaft ist und nicht umfassend ist in dem Sinn, dass alle Menschen gerettet werden, sondern umfassend ist in dem Sinn, dass er das ganze Evangelium umfasst. Der Begriff „Retter der Welt“ umfasst nicht nur die Liebe Gottes, sondern auch das Gericht Gottes, das Sühneopfer Jesu Christi, die Vergebung der Sünden und den Glauben.

Lesen wir einmal im Kontext, was der Apostel Johannes in seinem Evangelium und auch in seinem ersten Brief schreibt, dann sehen wir, dass zwar Gott die Welt geliebt hat (und das meint, dass Gott allen Menschen seine allgemeine Liebe, Güte und Freundlichkeit gezeigt hat), aber die Welt (also alle Menschen eingeschlossen) Gott nicht geliebt hat. Das sagt der Apostel in seinem Brief hier ganz klar:

„Darin besteht die Liebe – nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat“ (Vers 10)

Die Menschen haben Gott von Natur aus nicht geliebt. Und Gott nicht zu lieben, bedeutet immer Sünde. Sünde ist sowohl das Brechen der ersten Tafel der 10 Gebote gegenüber Gott, indem man ihn nicht in rechter Weise verehrt, als auch das Brechen der zweiten Tafel der 10 Gebote gegenüber den Menschen. Wer Gott also nicht liebt und ehrt, der versündigt sich auch immer an Menschen. Man kann das gar nicht voneinander trennen. Auch das sagt Johannes sehr klar in seinem Brief:

„Wenn jemand sagt: »Ich liebe Gott«, und hasst doch seinen Bruder, so ist er ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann der Gott lieben, den er nicht sieht?“ (Vers 20)

Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit fällt es besonders auf, dass viel Lieblosigkeit und Streit unter den Menschen ist und das ist Sünde. Deshalb hat Gott Jesus Christus als „Retter der Welt“ geschickt, um die Sünde zu vergeben, und das kann Gott tun, weil Christus ein Sühneopfer für die Sünden vollbracht hat. Und das Sühneopfer Jesu, das Kreuz und das vergossen Blut des Herrn am Kreuz, ist das Evangelium, die gute Botschaft der Rettung. Diese Botschaft muss im Glauben angenommen werden, was mit Buße in Verbindung steht, dass man seine Sünden bereut und von ihnen umkehrt. Man kann seine Sünden und seine Verfehlungen nicht dadurch wieder gut machen, dass man vielleicht Geld spendet oder versucht, diese durch gute Taten wieder wett zu machen. Es geschieht durch den Glauben an Jesus Christus. Wir sehen also, dass der Ausdruck „Retter der Welt“ auch Gericht, Vergebung und Glauben beinhaltet. Wer nicht glaubt und mit Gott versöhnt ist, der bleibt weiterhin verloren und das für ewig, wenn er in diesem Zustand stirbt.

Diese Botschaft, die nichts anderes ist als das Evangelium von Jesus Christus, beinhaltet auch die erste Strophe des bekannten Weihnachtsliedes Oh du Fröhliche:

O du fröhliche,
O du selige,
Gnaden bringende Weihnachtszeit.
Welt ging verloren,
Christ ward geboren.

Die Welt ist verloren und bleibt verloren. Aber Christus wurde geboren als Retter der Welt und wer nun glaubt und mit Gott versöhnt wird, der wird auch gerettet. Alle anderen Menschen sind und bleiben verloren. Deshalb verkünden Christen auch jeden Tag in dieser Welt das Evangelium, solange bis Jesus wiederkommt und bitten die Menschen: Lasst euch mit Gott versöhnen und durch Christus erretten. Er ist „der Retter der Welt“. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!

  1. Der Ausdruck „der Retter der Welt“ unterstützt auch nicht die Lehre des Universalismus

Wie wir eben gesehen haben, werden nicht alle Menschen gerettet, sondern nur die Menschen, die an das Evangelium glauben und sich mit Gott versöhnen lassen. Bei der Lehre des Universalismus geht es nun um die Frage, ob das Sühneopfer Christi zur Vergebung der Sünden auch wirksam ist oder nicht. Die Lehre des Universalismus verleugnet dies, dass Jesus auch wirksam für die Sünden der Menschen gestorben ist. Der Mensch müsse durch seine inneren religiösen Kräfte das Opfer Jesu erst wirksam machen, aber an sich würde es keine Wirksamkeit besitzen. In der Konsequenz zu Ende gedacht, würde das nun bedeuten, dass Christus für diese Menschen umsonst gestorben wäre, ja, und gehen wir einmal von dem „Worst-Case“ aus, dem schlimmst möglichen Szenario, und es würde kein Mensch das Sühneopfer Jesu wirksam machen, dann würde auch kein Mensch gerettet werden. Und wenn man den Menschen in seinem sündigen und gefallenen Zustand einmal biblisch einordnet, wo der Mensch von Natur aus in einer ständigen Rebellion und Feindschaft gegen Gott lebt, muss man sogar erwarten, dass dieser Fall auch eintreten würde, und am Ende würde kein Mensch gerettet werden. Die Lehre des Universalismus kam Anfang des 17. Jahrhunderts besonders durch eine Beeinflussung des Humanismus im protestantischen Christentum auf und ist bis heute im Evangelikalismus verbreitet.

Deshalb trete ich hier für die Lehre vom wirksamen Sühneopfer Jesu ein, was auch durch den Begriff „Retter der Welt“ im biblischen Zusammenhang deutlich wird.

  1. Der Begriff „Retter der Welt“ macht ein wirksames Sühneopfer Jesu deutlich

Der Ausdruck „Retter der Welt“ ist sowohl ein „Ehrentitel“ als auch eine „Tätigkeitsbezeichnung“. Letzteres bedeutet, dass Jesus ein tatsächlicher Retter ist und auch Menschen wirklich von ihren Sünden errettet und sie zukünftig in die ewige Herrlichkeit im Himmel führen wird. Jesus Christus wird dies wirklich tun. Und wir erleben dies in der Realität, dass Jesus Menschen wirklich von ihren Sünden errettet und sie in Buße darüber und in den Glauben an das Evangelium hineinführt. Und wir sehen auch, dass Menschen in diesem Glauben sterben und beim Tod Heimgehen zu ihrem Herrn in den Himmel. Diese Realität, die wir mit unseren Augen sehen können, bestätigt auch, dass das Sühneopfer Jesu wirksam ist und tatsächlich Menschen dadurch errettet werden.

Doch beginnen wir damit, dass „Retter der Welt“ ein Ehrentitel ist. „Retter der Welt“ ist ein Amt, das mit diesem Titel verbunden ist. Ich möchte das gerne mit dem Amt eines Lehrers oder Arztes vergleichen. In unserer Gesellschaft gibt es ein Amt des Lehrens durch Lehrer und ein Amt des Heilens durch Ärzte. Lehrer und Ärzte werden amtlich eingesetzt, um Kinder zu lehren und Menschen zu heilen. In diesem Sinne ist auch die Bibelstelle in 1.Johannes 4,14 zu verstehen. Jesus ist von Gott als amtlicher „Retter der Welt“ eingesetzt worden. In diesem Sinne sind auch andere Bibelstellen zu verstehen, wo z.B. in 1.Timotheus 4,10 Jesus als „Retter aller Menschen“ bezeichnet wird oder in 1.Timotheus 2,4, wo es heißt: „… welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“. Oder Gleiches gilt auch für unseren bereits genannten Vers aus Johannes 3,16: „So sehr hat Gott die Welt geliebt …“. Diese und einige andere Bibelstellen sprechen davon, dass Jesus Christus der amtliche Retter der Welt und aller Menschen ist. Oder theologisch gesprochen redet man hier davon, dass diese Bibelstellen von der allgemeinen Liebe Gottes zu allen Menschen reden. Siehe dazu auch folgender Link:

https://www.bibelstudium.de/articles/2600/unterschiede-in-der-liebe-gottes.html

Wenn ein Arzt oder Lehrer offiziell in sein Amt eingesetzt ist, dann trägt er diesen Titel, ohne dass ein Lehrer bisher einen Menschen gelehrt hat oder ein Arzt einen Menschen geheilt hat. Deshalb machen ein Amt und ein Titel nur dann Sinn, wenn diese auch mit einem Werk verbunden sind. Den Titel eines Arztes zu tragen, macht nur Sinn, wenn er das Amt und Werk eines Arztes auch ausführt und Menschen heilt. Gleiches gilt für Jesus Christus. Das Amt und der Titel Jesu als „Retter der Welt“ machen nur Sinn, wenn Jesus Christus dieses Werk in der Tat und Realität auch ausführt und wenn Jesus Christus tatsächlich auch Menschen durch sein Opfer wirksam versöhnt und errettet. Oder wenn ich es auf den Punkt bringen darf. Eine Leugnung des wirksamen Sühnopfers durch die Lehre des Universalismus ist genauso unsinnig, wie einem Menschen den Titel eines Arztes zu verleihen, wenn er danach keine Menschen in der Realität heilt. Der Titel und das Werk gehören untrennbar zusammen. Jesus trägt den Titel „Retter der Welt“ und führt dieses Amt auch aus, indem er Menschen tatsächlich errettet. Das Sühnopfer Jesu ist also ein wirksames Sühnopfer.

Der Universalismus lehrt dagegen zwar, dass Jesus den „Titel“ als Retter der Welt trägt, aber nicht, dass er dieses Amt auch wirksam ausführt. Deshalb ist der Universalismus unter dem Strich ein halbes Evangelium, und gehen wir hier nach der Bibel, dann wissen wir:

Ein halbes Evangelium ist gar kein Evangelium!

Ein Arzt, der nicht praktiziert, heilt keinen Menschen und ein Sühnopfer Jesu, das nicht wirksam ist, rettet keinen Menschen.

Durch die ganze Bibel hindurch vom Alten bis zum Neuen Testament sehen wir immer wieder, dass Gott die verschiedensten Retter sendet und diese haben eins gemeinsam, nämlich dass sie auch wirklich Rettung bringen und in der Tat retten.

„Doch zur Zeit ihrer Drangsal schrien sie zu dir, und du erhörtest sie vom Himmel her und gabst ihnen nach deiner großen Barmherzigkeit Retter, die sie aus der Hand ihrer Feinde erretteten“ (Neh 9,27)

Gott gab zur Zeit Nehemias „Retter“ und diese retteten die Israeliten auch in der Tat aus der Hand ihrer Feinde.

Die Retter Gottes retten also in der Tat wirklich!

In der Weihnachtsbotschaft im Evangelium heißt es, dass Jesus Christus sein Volk (alle Glaubenden) retten wird:

„Sie wird aber einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk erretten von ihren Sünden“ (Mt 1,21)

Jesus wird sein Volk retten und führt diese Tätigkeit auch aus.

Jesus trägt also nicht nur den Titel als „Retter von den Sünden“, sondern er wird sein Volk (alle, die an ihn glauben) auch wirklich erretten!

Im Neuen Testament sehen wir, dass Jesus diese Tätigkeit des Rettens auch wirklich ausführt. Der Hebräerbrief redet in Kapitel 7 davon, dass Jesus Christus jetzt nach seiner Auferstehung als Hohepriester im Himmel ist und dieses Amt in der Tat ausführt. Als ewiger Hohepriester tritt er jetzt im Himmel für seine Kinder ein und führt ihre Rettung aus:

„Daher kann er auch diejenigen vollkommen erretten, die durch ihn zu Gott kommen, weil er für immer lebt, um für sie einzutreten“ (Hebr 7,25)

Was bedeutet das nun für dich?

Wir haben gesehen, dass wir als Menschen einen amtlichen Retter von Gott haben, der Jesus Christus heißt, und wir sehen, dass dies nicht nur ein Titel ist, sondern dass er dieses Amt auch in der Tat ausführt. Ja, gerade jetzt ist er im Himmel als Hohepriester tätig und tritt für diejenigen ein, die glauben.

Was würdest du machen, wenn du eine sehr schwere Krankheit hast, die zum Tode führt, und du würdest hören, dass es einen praktizierenden Arzt gibt, der diese Krankheit heilen könnte? Würdest du dann nicht zu diesem Arzt gehen und dich heilen lassen?

Stell dir vor, dieser Arzt ist sogar amtlich dafür eingesetzt in dem Gebiet zu heilen, in dem du wohnst und du hast davon gehört, dass er auch wirklich praktiziert. Menschen gehen zu diesem Arzt, haben sich behandeln lassen und sind wieder gesund geworden. Das hast du alles gehört und Menschen haben dir persönlich von ihrer Genesung erzählt und dir dies bezeugt.

Was hindert dich, zu diesem Arzt zu gehen? Was hindert dich, zu Jesus zu kommen, um dich mit Gott versöhnen, heilen und retten zu lassen?

Jesus ist amtlich als Retter zugelassen für das Gebiet, in dem du wohnst. Sein Amtstitel ist „Retter der Welt“ und du lebst in der Welt, also in seinem Zuständigkeitsgebiet. Und du hast von Christen gehört, die wirklich von Jesus von der Sünde geheilt wurden und mit Freuden im Tod zu ihren Herrn und Heiland heimgegangen sind. Was hindert dich also zu diesem Retter Jesus Christus zu kommen?

Auch dieses Jahr gilt immer noch die Advents- und Weihnachtsbotschaft, dass der „Retter der Welt“ gekommen ist und Menschen errettet. Diese Botschaft gilt auch dir ganz persönlich, denn du lebst in dieser Welt. Komme zu Jesus Christus und lasse dich versöhnen mit Gott!

Mit dieser Einladung zu Jesus Christus, dem Friedefürst und Herrn und Retter der Welt, kommen zu dürfen, wünsche ich allen Menschen, die Jesus noch nicht kennen, aber auch allen Glaubensgeschwistern eine gesegnete und friedvolle Adents- und Weihnachtszeit. Amen.