Was ist Freiheit? Die Rückbindung an Gott durch den Glauben (Dirk Noll)

Was ist Freiheit? Die Rückbindung an Gott durch den Glauben

Ich möchte in diesem Artikel den Unterschied erklären zwischen einer humanistischen Freiheit und dem, was die Bibel unter Freiheit versteht. Das ist notwendig, weil im Christentum der Moderne es oft unternommen wurde, ein humanistisches Denksystem der Bibel überzustülpen, sei es über den Arminianismus oder über die moderne liberale Theologie. Die Konsequenz daraus ist, dass dadurch ein biblischer Glaube an Christus und das Evangelium untergraben wird und der Mensch es in der Regel nicht merkt und sich früher oder später darüber wundert, dass in seinem Glaubensleben oder allgemein unter den Christen gewisse Dinge nicht stimmen, spätestens dann, wenn wir es mit unserem alten Menschen, dem Fleisch und der Sünde zu tun bekommen. Diese sind nämlich nicht durch ein Evangelium in einem humanistischen Denksystem zu überwinden, sondern nur durch wahren biblischen Glauben.

  1. Das humanistische Verständnis von „Freiheit“

Beim „Googlen“ im Internet habe ich eine Diplomarbeit gesehen, die den Titel trägt „Humanismus – Erziehung zur Freiheit“. Dieser Titel bringt es ziemlich genau auf den Punkt, wie der Humanismus der Aufklärung den Menschen in die Freiheit führen möchte. Es soll über die Erziehung des Menschen gehen, indem er lernt seinen Verstand frei zu gebrauchen.

Der deutsche Aufklärungsphilosoph Immanuel Kant schreibt zu dem Thema „Freiheit“ Folgendes:

„Die Freiheit ist eigentlich ein Vermögen, alle willkürlichen Handlungen den Bewegungsgründen der Vernunft zu unterordnen“.
Quelle: Erdmann (Hg.), Reflexionen Kants zur Kritik der reinen Vernunft. Aus Kants handschriftlichen Aufzeichnungen (= Reflexionen Kants zur kritischen Philosophie, Band 2), hg. von Benno Erdmann, 1884

Wenn sich also ein Mensch von seiner Vernunft leiten lässt, dann würde ihn das in die Freiheit führen, so Kant. So lautete dann die Aufforderung von Kant und zugleich der Leitspruch der Aufklärung: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Wo liegt hier genau das Problem? Denn auch Christen benötigen beim Lesen der Bibel und um das gelesene Wort in ihrem Glaubensleben umzusetzen alle Kräfte ihres Verstandes. Das Problem dabei ist, dass der Humanismus meint, dass allein durch den Gebrauch des Verstandes ohne Rückbindung an Gott die Menschen in die Freiheit geführt werden könnten. Wenn es so einfach wäre, dass der Mensch nur durch seinen Verstand allein und Erziehung zur Freiheit und Frieden auf der Welt kommen könnte, dann stellt sich die Frage, warum hat er es in den letzten 300 Jahren nicht geschafft? Die Welt ist heute immer noch voller Unterdrückung, Gewalt und Krieg. Die Aufklärung hat in der Realität versagt.

Die Antwort lautet: Weil allein mit dem Verstand das Problem der Sünde nicht gelöst werden kann, das hinter allen Problemen in unserer Welt steht.

2. Die christliche Freiheit

Die christliche Freiheit dagegen sieht ganz anders aus, als die humanistische Freiheit der Aufklärung. Jesus sagt im Johannes-Evangelium über die christliche Freiheit:

„Wenn euch nun der Sohn frei machen wird, so seid ihr wirklich frei“ (Joh 8,36).

Für alle Menschen, die der Frage der Freiheit des Menschen nachgehen und vielleicht auf philosophischen Wegen irgendwo in eine Sackgasse geraten sind und dabei einen „Knoten in ihren Gedanken“ bekommen haben, den sie nicht mehr auflösen können, gibt es eine wunderbare Botschaft der Bibel:

Es gibt wirkliche Freiheit!

Der Mensch kann wirklich frei werden, denn Jesus sagt: „So seid ihr wirklich frei“. Aber diese wirkliche Freiheit ist nur möglich durch eine Rückbindung an Jesus Christus, also an Gott. Denn Jesus sagt: „Wenn euch nun der Sohn frei machen wird“. Ein Mensch wird also nur wirklich frei durch die Rückbindung an Jesus Christus und das geschieht durch den Glauben und der Befreiung von der Sünde.

Oder kurz gesagt: Wird das Problem der Sünde nicht gelöst, dann bleibt der Mensch unfrei – ein Knecht der Sünde. Jesus sagt im gleichen Zusammenhang von Johannes 8, wo er von der Freiheit spricht, auch: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist ein Knecht der Sünde“ (Joh 8,34).

Und genau aus diesem Grund werden hier alle humanistischen Konzepte, den Menschen in die Freiheit zu führen, scheitern, weil sie das Problem der Sünde ausklammern oder übergehen. Wenn die Bibel hier davon redet, dass ein Mensch an die Sünde geknechtet ist, dann ist dies die Realität und somit wird der Humanismus in seinem Freiheitsstreben am Ende an der Realität scheitern – an der Realität der Sünde.

Das Problem der Sünde wird durch eine Rückbindung an Gott gelöst, was durch wahren biblischen Glauben an Christus geschieht, was noch zu erklären ist.

3. Christlich humanistische Denksystem und Lehre

Christlicher Humanismus scheitert am Ende an dem gleichen Problem wie der weltliche Humanismus. Während der weltliche Humanismus in der Regel den Sündenfall und die Sünde ganz übergeht (er sieht die Ursache für das Böse in der Welt lediglich an einer mangelnden Erziehung), so wird im christlichen Humanismus der Sündenfall falsch eingeschätzt und das damit verbundene Sündersein des Menschen wird (und das auch oft von Christen) UNTERSCHÄTZT.

Es gibt einen einfachen Gradmesser, an dem du feststellen kannst, ob du irgendwo unter dem Einfluss einer christlich humanistischen Denkweise stehst und somit die Sünde unterschätzt.

Wie reagierst du darauf, wenn du unter Christen Lieblosigkeit, Streit und ungeistliche Spaltungen siehst? Wie reagierst du, wenn du in einer Gemeinde offensichtliche Sünde siehst? Da ist jemand, der als ordentlicher Christ gilt und plötzlich wegen Betruges ins Gefängnis kommt oder Ehebruch begangen hat.

Bist du dann völlig überrascht und kannst es kaum fassen, dass so etwas unter Christen vorkommt und bis vielleicht durcheinander und kannst so etwas nicht mehr einordnen, wie Christen nur so etwas tun können?

Oder bist du in solchen Situationen schon komplett auf eine biblische Denkweise eingestellt und sagst: Es überrascht mich nicht, dass unter Christen solche Sünden vorkommen, weil die Bibel Recht hat, wenn sie den Menschen als durch und durch verderbten Sünder sieht. Und es gibt genug Christen, die sich schon als halbe Heilige sehen und damit die Sünde nicht mehr ernst genug nehmen und plötzlich so von der Sünde überrascht werden, dass sie in offene Sünden fallen oder sich ungeistlich und lieblos gegenüber anderen Christen verhalten.

Was lernen wir daraus?

Wir müssen die Sünde als ernste Realität und Gefahr sehen, die durch ein Leben im Glauben und der Heiligung überwunden werden muss, im anderen Fall werden wir von der Sünde überwunden.

Die Ernsthaftigkeit des Sündenfalls.

Sehen wir uns doch einmal die Folgen der Sünde an. Der Sündenfall hat zur Folge, dass der Mensch sterben muss, ja, dass wir alle sterben müssen. Wie der Leib Adams wieder zu Staub zerfallen ist, so wird auch unser Leib einmal zu Staub zerfallen.

Lieber Christ, siehst du hier die ganze Dramatik und Ernsthaftigkeit der Sünde? Die Sünde wirkt so mächtig an dir, dass sie dich bei deinem Tod in alle Einzelteile zerlegen wird und dein Leib zu Staub werden wird. Wie können wir da die Sünde unterschätzen und leichtfertig mit den biblischen Aussagen umgehen, dass wir täglich aus dem Glauben leben und den alten Menschen überwinden müssen?

4. Die Rückbindung an Gott durch den Glauben

Wenn wir hier nach der Bibel gehen, dann steht der Mensch zwischen Himmel und Hölle und dazwischen gibt es nichts. Es gibt hier nur ein entweder oder. Entweder ist der Mensch an die Sünde gebunden, wie Jesus es ausdrückt ist er dann ein „Knecht der Sünde“ und endet im ewigen Verderben oder er wird durch den Glauben an Christus und Gott rück gebunden und ist dann „wirklich frei“, in dem Sinne wie Jesus es sagt.

Der Humanismus dagegen sieht den Menschen in einem neutralen leeren Raum zwischen Himmel und Hölle. In diesem neutralen Raum meint er nun, ist sein Wille unbeeinflusst und wird weder von der Sünde zum Bösen gezogen noch von Gott zum Guten. Er kann seinen Verstand angeblich in diesem leeren Raum frei gebrauchen und durch Erziehung gelangt er in Freiheit und die Welt zum Frieden.

Wenn wir die Bibel als Offenbarung Gottes ernst nehmen, dann ist dies eine Illusion der Humanisten. Dieser neutrale Raum zwischen Himmel und Hölle existiert in der Realität nicht und so wird jeder humanistisch denkende Mensch früher oder später von der Realität eingeholt, wie die Bibel sie schildert. Da der Humanist den biblischen Glauben an Christus verwirft, findet er sich früher oder später an die Sünde gebunden wieder und aus dieser Bindung kommt er dann auch mit Erziehung und seinem Verstand nicht mehr raus.

Die humanistische Anweisung von Goethe: „Wer immer strebend sich bemüht, Den können wir erlösen“ funktioniert in der Realität nicht, weil das Problem der Sünde gelöst werden muss.

Und hier kommt das Evangelium von Jesus Christus ins Spiel: Durch den Glauben empfängt ein Mensch Vergebung der Sünden und erfährt durch das Wirken der Gnade in seinem Leben auch REALE Überwindung der Sünde. In diesem Sinn wird ein Mensch dann wirklich frei. Diese Freiheit besteht aber nicht darin, dass er jetzt in einem neutralen Raum wäre, jenseits von Gott oder der Sünde, sondern sie besteht darin, dass ein Mensch jetzt durch den Glauben an Gott gebunden worden ist und Christus nachfolgt und ihm dient.

Auch der christliche Humanismus meint, auch wenn er das scheinbar mit frommen Lehrsätzen und aus dem Zusammenhang gerissenen Bibelversen zu verschleiern versucht, dass der Mensch in einen neutralen Raum versetzt werden könnte, indem er unbeeinflusst von der Sünde autonom von Gott wäre und entscheiden könnte.

Das führt letzten Endes dazu, dass der ganze Glaube und alles Christentum beim Menschen beginnt und Menschen zentriert wird. Die ganzen Früchte eines solchen Christentums sehen wir heute an allen Ecken und Enden im Übermaß, wenn wir uns anschauen, was aus den Evangelischen Kirchen und auch der Evangelikalen Bewegung geworden ist. Wir haben es hier nicht mehr mit einem theozentrischen Christentum zu tun, wo Gott im Mittelpunkt steht, sondern durch den Einfluss des Humanismus dreht sich alles um den Menschen und seine Bedürfnisse und seine eigene Frömmigkeit.

Einen ausführlicheren Artikel zu diese Problematik hatte ich erst kürzlich veröffentlicht:

https://der-ruf.info/2019/11/14/wo-liegt-die-letzte-ursache-meines-glaubens-in-gott-oder-im-menschen-dirk-noll/

5. Der an Gott rück gebundene Christ

Christen, die durch wahren biblischen Glauben von der Sünde gelöst und an Christus gebunden wurden, sehen sich nun unter der Regentschaft Gottes. Wahre Freiheit bedeutet für sie nicht in einer Autonomie von Gott zu leben, sondern in allem, was in ihrem Leben geschieht sehen sie die väterliche Hand wirken, sei es beim Essen oder Trinken, in Gesundheit oder Krankheit, in Reichtum und Armut. Was auch immer ihnen begegnen mag, sie sehen dahinter den guten Ratschluss Gottes, der ihnen alle Dinge zum Besten dienen lässt und der sie an das Ziel ihres Glaubens führen wird in der ewigen Herrlichkeit im Himmel. Dort werden sie für immer von der Sünde und vom Tod erlöst sein und ihrem Herrn Tag und Nacht dienen. Das ist wahre Freiheit, das ist das, was die Bibel unter Freiheit versteht.

Wahre Freiheit bedeutet, dass ich durch Christus an Gott gebunden bin, mir alle Dinge zum Besten dienen und dass für mich am Ende alles gut ausgehen wird.

Ein Beispiel dafür, wie man in der Reformation diese christliche Freiheit und die Bindung des Menschen an Gott verstanden hat, kann man in einem für Christen sehr tröstlichen Artikel des Heidelberger Katechismus nachlesen.

Alles, was einem Christen widerfährt, kommt von Gott und dient einem Kind Gottes zum Besten:

„Was verstehst du unter der Vorsehung Gottes?“ (Aus dem Heidelberger Katechismus).

Frage 27

Was verstehst du unter der Vorsehung Gottes?  Die allmächtige und gegenwärtige Kraft Gottes, durch die er Himmel und Erde / mit allen Geschöpfen / wie durch seine Hand / noch erhält und so regiert, dass Laub und Dürre, fruchtbare und unfruchtbare Jahre, Essen und Trinken, Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut / und alles andere / uns nicht durch Zufall, sondern aus seiner väterlichen Hand / zukommt.

Frage 28

Was für Nutzen bekommen wir aus der Erkenntnis der Schöpfung und Vorsehung Gottes? Gott will damit, dass wir in aller Widerwärtigkeit geduldig, in Glückseligkeit dankbar / und auf die Zukunft hin voller Vertrauen / zu unserem treuen Gott und Vater sind, dass uns nichts / von seiner Liebe scheiden wird, weil alle Geschöpfe so in seiner Hand sind, dass sie sich ohne seinen Willen / weder regen noch bewegen können.

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