„Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt“ (Phil. 2,13). Was bedeutet das? (Dirk Noll)

„Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt“ (Phil. 2,13). Was bedeutet das?

Wir wollen uns mit einem Bibelvers beschäftigen, der nicht wenigen Christen Rätsel aufgibt oder gar völlig missinterpretiert wird, vor allem dann, wenn man den Vers im Zusammenhang liest:

Verwirklicht eure Rettung mit Furcht und Zittern; denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen“.

Ist das nicht ein völliger Widerspruch?

Erst sagt Gott: Du, lieber Christ, bewirke deine Rettung mit Furcht und Zittern, und dann sagt er im nächsten Satz: Du kannst es gar nicht tun, ich, der Herr, muss das Wollen und Vollbringen bewirken.

Nun, was bedeutet das?

Die Antwort ist ganz einfach. Es bedeutet genau das, was dort in der Heiligen Schrift gesagt wird – nämlich 2 Dinge:

  1. Der Herr muss das Wollen und Vollbringen wirken
  2. Der Christ muss seine Rettung verwirklichen

Und jetzt kommt der entscheidende Punkt. Wie gehe ich als Christ damit um? Stelle ich meinen Verstand nun in Demut unter die Schrift oder im geistlichen Hochmut über die Schrift.

Siehe dazu auch folgender Artikel auf DER RUF:

https://der-ruf.info/2019/11/13/logische-schlussfolgerungen-vs-lehre-der-schrift-artikel-dirk-noll/

Wer seinen Verstand über die Schrift stellt, wird entweder auf der einen Seite vom Pferd fallen oder auf der anderen. Er sagt entweder, der Herr muss alles Wirken, also kann ich gar nichts tun, oder er sagt, ich werde jetzt aktiv und werde mein Heil verwirklichen und übergeht dabei, dass Gott es wirken muss.

Wer seinen Verstand dagegen unter die Schrift stellt, wird beide Punkte 1. und 2. nebeneinander stehen lassen und beides in gleicher Weise berücksichtigen. Dabei wird er die Antwort und die Lösung in der Schrift suchen.

Was bedeutet, dass der Herr das Wollen und Vollbringen wirken muss?

Wie bereits gesagt, es bedeutet genau das, was diese Worte in der Bibel sagen. Um an das Evangelium glauben zu können, hat der Mensch an 2 Punkten ein Problem, was ihn daran hindert. Ihm fehlt zuerst der Wille dazu und als Zweites fehlt ihm die Kraft dazu, er kann es nicht vollbringen, selbst wenn er wollte. Deshalb muss Gott das Wollen und Vollbringen wirken.

Wie geschieht dies genau?

  1. Das Wollen – der geknechtete Wille

Ich gebe die Antwort schon vorweg.

Das Problem des Wollens liegt nicht an den geschöpflichen Fähigkeiten des Menschen, sondern in seiner gefallenen Natur.

Da wir uns hier nicht für den einfachen Christen mit schwer verständlicher Theologie beschäftigen wollen, werde ich das an ganz einfachen Beispielen aus dem Leben erklären.

Ich hatte einmal einen Mann zum Gottesdienst eingeladen und ihm gesagt, dass es dort über Jesus, der verkündet wird, das ewige Leben gibt. Doch statt in den Gottesdienst zu kommen hat er Geld entwendet (streng genommen nach den Geboten Gottes hat er es gestohlen; wenn man es jedoch mit dem Wohlwollen ausdrückt, das Christen jedem Menschen entgegenbringen sollten, könnte man auch sagen, er hat es sich ausgeliehen mit der besten Absicht es wieder zurückzugeben). Mit diesem Geld ist er dann in eine Spielhalle gegangen, hat es verspielt und konnte es nicht mehr zurückgeben.

Und hier ist die Frage, warum ist er nicht in den Gottesdienst gegangen, sondern in die Spielhalle?

Wie oben gesagt, lag es nicht an seinen geschöpflichen Fähigkeiten. Er konnte laufen. Er hätte also genauso gut in den Gottesdienst laufen können, wie in die Spielhalle. Es kann auch nicht an der Fähigkeit des Verstandes liegen. Denn verstandesmäßig ist es doch viel sinnvoller, ewiges Leben zu bekommen, als Geld zu stehlen und es zu verspielen. Es hat auch nicht an seinen Willenskräften gelegen. Denn er hat seine Willenskräfte dafür eingesetzt in die Spielhalle zu gehen. Genauso gut hätte er seine Willenskräfte dafür einsetzen können, in den Gottesdienst zu gehen.

Wie sehen also, es liegt nicht an den geschöpflichen Fähigkeiten des Menschen?

Es liegt an seiner gefallenen Natur.

Ich will die gefallene Natur mit anderen Beispielen vergleichen. Es liegt in der Natur eines Wolfes, ein Schaf zu fressen. Was würde passieren, wenn wir einen Wolf mit einem Schaf zusammen in einen Stall stecken? Ja, der Wolf würde gemäß seiner Natur handeln.

Noch ein anderes Beispiel: Wie würde es ausgehen, wenn wir eine Katze dazu bringen wollten, dass sie sich im Schlamm wälzt wie ein Schwein oder dass ein Schwein reinlich wird wie eine Katze? Es würde nicht gehen, weil es gegen die Natur dieser Tiere ist. Gleiches sagt auch die Bibel:

„Kann wohl ein Mohr seine Haut verwandeln, oder ein Leopard seine Flecken? Dann könnt ihr auch Gutes tun, die ihr gewohnt seid, Böses zu tun!“ (Jer 13,23).

Es geht nicht. Die Tiere und der Mensch sind gemäß ihrer Natur. So wenig, wie der Leopard sein Flecken weg bekommt, genauso wenig ist der gefallene Mensch, der an die Sünde gebunden ist, in der Lage, Gutes zu tun.

Ich denke, wir sind damit einverstanden. Es ist klare Lehre der Bibel, dass die Natur sündig ist und der Mensch mit seinem Willen und seinen Kräften an diese sündige Natur gebunden ist (daher redete Luther hier in seiner Schrift von 1525 auch von dem „geknechteten Willen“. Deshalb bedarf es auch der Kraft Gottes, die das Wollen und Vollbringen wirkt.

Beziehen wir das nun auf das Evangelium. Denn im Zusammenhang soll der Mensch seine Rettung wirken. Wie soll das nun gehen?

Nun schauen wir noch einmal, wie die Bibel die Natur des Menschen beschreibt im Hinblick auf das Evangelium. Seiner Natur nach steht es um den Menschen genauso wie bei den Pharisäern, über die Jesus sagt:

„Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um das Leben zu empfangen“ (Joh 5,40).

Sie wollten also nicht zu Jesus kommen, um das ewige Leben zu empfangen. Wie gesagt, es liegt hier nicht an ihren geschöpflichen Fähigkeiten. Sie hatten Beine und Füße und hätten zu Jesus kommen können. Es lag auch nicht daran, dass ihr Wille nicht dafür ausgerüstet wäre zu sagen: Wir machen uns jetzt mit unseren ganzen Willenskräften auf und gehen zu Jesus.

Es lag in ihrer sündigen gefallenen Natur, dass sie nicht zu Jesus kamen. Genauso beschreibt die Bibel immer wieder den Menschen:

„Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg“ (Jes 53,6).

Und das bezieht sich auf alle Menschen, jeder geht seinen eigenen Weg ohne Jesus. Und das liegt nicht daran, dass sie mit ihren Beinen und Füßen nicht zu Jesus laufen könnten und von ihrer Geschöpflichkeit nicht genug Willenskräfte besitzen würden. Schauen wir doch einmal wie viele Willenskräfte Sportler einsetzen, um eine Medaille oder einen Pokal zu gewinnen. Es liegt an der gefallenen Natur des Menschen.

Die spannende Frage ist nun, wie kommt ein Mensch vom Nicht-Wollen zum Wollen?

Wir haben in der Bibel nicht nur die Pharisäer, die nicht zu Jesus kommen wollten, sondern wir haben auch Menschen, die zum Herrn kommen wollten. Josua spricht im Buch Josua 24,15:

„Ich aber und mein Haus, wir wollen dem HERRN dienen!“

Das ist nun die Frage, wie kommt ein Mensch vom Pharisäer zu Josua – vom Nicht-Wollen zum Wollen? Die Frage wird sogleich beantwortet.

Doch vorher wollen wir noch sehen, dass der Mensch nicht nur mit seinem Willen ein Problem hat, sondern, dass ihm auch die Kraft fehlt.

  1. Das Problem mit der fehlenden Kraft

Nehmen wir einmal an, ein Mensch ist von dem Nicht-Wollen zum Wollen gekommen, sodass er sagt: Ja, ich will zu Jesus kommen und das ewige Leben haben. Dann hat er nach unserem Bibelvers Philipper 2,13 noch ein weiteres Problem – ihm fehlt die Kraft und er kann es nicht vollbringen.

Nehmen wir hierfür als Beispiel den Gelähmten, der im NT auf einer Matte zu Jesus gebracht wird. Jesus sagt zu ihm: „Nimm dein Bett und stehe auf!“ Gehen wir davon aus, er hätte den Willen und würde sagen: Ja, ich will aufstehen. Aber es würde nicht gehen, weil er so stark gelähmt war, dass er seine Körperglieder und Beine nicht mehr bewegen konnte. Selbst alles Wollen hätte ihm nichts gebracht. Er brauchte auch noch die Kraft, um von seinem Bett aufzustehen.

Wir sehen, Gott muss also beides wirken, das Wollen UND das Vollbringen!

  1. Wie wirkt Gott das Wollen und das Vollbringen?

Ja, das ist eine gute Frage: Wie wirkt Gott das Wollen und Vollbringen? Um hier die Antwort zu bekommen, müssen wir einfach in die Bibel hineinschauen, wie Gott es wirkt.

Hier hilft alles Spekulieren und Philosophieren nicht, wobei man in den Menschen hineinschaut und nach irgendwelchen Willenskräften oder nach göttlichem Licht sucht, das man in irgendwelchen Gefühlsregungen der Seele wahrnehmen könnte. Die Antwort liegt nicht im Menschen, sondern in Christus.

Schauen wir also in die Bibel, wie der Gelähmte plötzlich das Unmögliche tun konnte, sodass er tatsächlich aufstehen konnte:

Jesus sprach zu dem Gelähmten: „Steh auf, nimm deine Liegematte und geh heim! Und er stand auf und ging heim“ (Mt 9,6.7).

Genau das ist die Antwort: Jesus sprach. Der Herr wirkt es durch sein Wort. Genauso wie Gott am Anfang sprach, es werde Licht, so geschah es auch, und es wurde Licht, so spricht auch der Herr hier: Stehe auf, und er stand auf.

Wie wirkt also Gott das Wollen und das Vollbringen?

Antwort: Durch sein Wort.

Und die Bibel redet hier davon, dass das Wort des Herrn ein wirkmächtiges Wort ist, deshalb kann es solches bewirken. In Hebräer 4,12 heißt es: „Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam“. Wortwörtlich heißt, das Wort ist „wirkmächtig“.

Wenn dir also der Wille oder die Kraft fehlt, an Jesus zu glauben oder irgendeine geistliche Sache zu vollbringen, dann musst du zum Wort kommen. Denn das Wort ist lebendig und kann dir neues Leben in Christus geben, und es hat die Kraft und es ist wirkmächtig, diese Dinge bei dir zu bewirken. Gleiches sagt auch Paulus im Römerbrief: „Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist Gottes Kraft zur Errettung“ (Röm 1,16).

Das Evangelium (oder das Wort Gottes) ist Gottes Kraft, die zur Errettung führt. Wenn du ewiges Leben oder irgendeinen geistlichen Segen von Gott suchst und bei dir feststellst, ich habe das Wollen und das Vollbringen nicht, dann komm zum Wort Gottes. Darin liegt die Kraft bei dir das Wollen und Vollbringen zu wirken.

  1. Wie kann dies geschehen?

Was wäre, wenn wir 2000 Jahre in der Zeit zurückgehen könnten und würden den Gelähmten fragen: Wie ist das geschehen? Wie konntest du aufstehen?

Würden wir dann irgendwelche philosophischen oder theologischen Abhandlungen von dem Gelähmten zu hören bekommen? Nein. Würde er uns eine philosophische oder psychologische Abhandlung darüber geben, was sich im Inneren seiner Seele gerade abgespielt hat, als er aufgestanden ist? Nein.

Der Gelähmte würde ganz einfach sagen: Der Herr hat gesprochen, ich habe dem Herrn geglaubt und ich bin aufgestanden.

Und hier kommen wir am Ende des Artikels wieder zu dem Anfangspunkt zurück. Wie wird der Mensch in diesem ganzen Prozess in ein verantwortliches Handeln mit hinein genommen? Wie kann er seine Rettung wirken?

Die Antwort ist: Wenn er das Wort des Herrn hört, soll er dem Wort glauben und nicht darüber grübeln oder spekulieren, wie das geschieht und was dabei geschieht.

Wenn der Herr sagt: Wer glaubt, der soll gerettet werden, dann glaube dem Wort des Herrn. Glaube an das Evangelium und der Herr wird das Wollen und Vollbringen wirken – aber nicht durch irgendwelche religiösen Kräfte in dir, sondern durch sein Wort – durch die Wirkmacht seines Wortes. Das Wort ist die Kraft Gottes. Glaube an Christus und glaube an das Evangelium und du wirst dich von einem Pharisäer, der nicht will, zu einem Josua verwandeln, der will.

An dieser Stelle empfehle ich zu dem Thema gerne auch noch eine Predigt von C.H. Spurgeon, die das Gesagte in dem Artikel noch einmal unterstreicht:

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