Wo liegt die letzte Ursache meines Glaubens? In Gott oder im Menschen? (Dirk Noll)

Wo liegt die letzte Ursache meines Glaubens? In Gott oder im Menschen?

Ich bin im Jahr 1991 durch harte geistliche Kämpfe und massives Ringen durch Wiedergeburt und Bekehrung zum christlichen Glauben gekommen. Von da an war mein Leben davon geprägt, diese Gute Nachricht von Jesus Christus auch anderen Menschen weiterzuerzählen, dass er ihnen das ewige Leben schenkt und sie vor dem Tod errettet, wenn sie doch nur glauben.

Doch viele lehnten dies ab und sagten mir, dass sie Besseres zu tun hätten.

Dabei habe ich mir dann folgende Frage gestellt und ich denke, dass jeder Christ diese Frage einmal in seinen Gedanken bewegt:

Warum kam ich zum Glauben und andere nicht?

Was ist der Unterschied von mir zu den anderen? Liegt es an mir, bin ich in irgendeiner Weise besser als andere? Nein. Vielleicht bin ich sogar noch schlimmer als andere, wie z.B. einige humanistisch wohlerzogene und gut gesittete Leute. Worin liegt nun die letzte Ursache, dass der eine glaubt und der andere das Evangelium ablehnt?

Manchmal wird diese Frage sehr oberflächlich beantwortet, sodass gesagt wird: Gut, der eine hat sich für Jesus entschieden und der andere nicht. Doch wenn man die Bibel bereits etwas gründlicher gelesen hat, dann wird einem klar, dass eine solche platte Antwort der Bibel nicht gerecht wird.

Deshalb wollen wir heute fragen:

  1. Liegt der letzte Grund für meinen Glauben in Gott oder im Menschen?

Wenn man sich die vergangenen 2000 Jahre Christenheit anschaut, dann sieht man, dass dies letztendlich ein Frage ist, die viel diskutiert wurde und über die auch heftig gestritten wurde und das nicht ohne Grund, denn an dieser Frage

entscheidet sich letztendlich, ob ich das Evangelium der Schrift verstanden habe oder nicht.

Auch die Reformation hat letzten Endes mit dieser Frage ihren Anfang genommen. Der damals noch katholische Mönch Luther rang bis auf Leben und Tod mit der Frage: Wie kann ich bei Gott angenommen werden und wie bekomme ich einen gnädigen Gott?

2. Die Gnadenerkenntnis von Dr. Martin Luther

Die Antwort auf die Frage, wie kann ich von Gott angenommen werden, suchte Martin Luther zunächst bei sich selbst, indem er ganz einfach der damaligen katholischen Lehre folgte. Diese besagt, du musst dich selbst für Gott annehmbar machen, indem du ein christliches Leben führst, also jeden Tag betest, gute Werke tust usw. Im Katholizismus gilt hier das Prinzip der Würdigkeit. Der Mensch selbst muss sich durch das Befolgen christlicher Regeln und gute Werke für die Annahme bei Gott zubereiten und würdig machen. Und dies tat Luther, indem er sogar ins Kloster ging und dort in einem sehr hohen Maße ein christliches Leben zu führen suchte. ABER – er bekam in seinem Herzen und Gewissen keine Ruhe und Gewissheit und fragte sich: An welchem Punkt bin ich nun für Gott würdig und annehmbar? Wenn ich am Tag 3 Vaterunser gebetet habe oder 10?

Luther merkte bald, dass dieser Weg, wenn er beim Menschen ansetzt, in eine Sackgasse läuft. Er geriet in tiefste Verzweiflung und dachte, er wäre verworfen und könnte von Gott niemals angenommen werden, weil er in sich niemals einen für Gott würdigen Zustand erreichen könnte.

Diese Verzweiflung Luthers sah sein damaliger Ordensvorsteher Staupitz im Augustiner Kloster und gab ihm ganz gemäß der Lehre des großen Kirchenvaters Augustinus den seelsorgerlichen Rat: Er soll im Hinblick auf seine Heil nicht beim Menschen ansetzen, sondern stattdessen „auf die Wunden Jesu schauen“, um diese Frage zu beantworten.

Und beim Studium des Römerbriefes erkannte Luther dann, dass er allein durch Christus und allein durch den Glauben bei Gott Annahme finden kann. Und das tat Luther dann auch ganz praktisch. Im Hinblick auf sein Heil vertraute er jetzt nicht mehr auf den Menschen und seine religiösen Übungen, sondern allein auf das vollbrachte Werk Christi am Kreuz. Als dies geschah, so schreibt Luther dann im Vorwort zum Galaterbrief „öffneten sich für mich die Pforten des Paradieses“.

Luther fasste dann diese reformatorische Erkenntnis mit den lateinischen Worten zusammen. Das Heil ist „extra nos“ – liegt also außerhalb von uns, außerhalb vom Menschen.

Zusammengefasst lautet die Antwort der Reformation auf die Frage, wo der letzte Grund des Glaubens liegt: in Gott (bzw. in Christus) und nicht im Menschen.

Oder anders gesagt: Der Katholizismus sieht den letzten Grund für den Glauben im Menschen verankert und die Reformation in Gott verankert. Bei diesem Gegensatz ist es dann auch nur folgerichtig, dass jede Seite der anderen Seite vorgeworfen hat, sie würde ein anderes Evangelium verkünden.

Wie sehen also, bei dieser Frage geht es darum, an welches Evangelium glaube ich, und habe ich das Evangelium der Schrift wirklich verstanden?

3. Spurgeon und die calvinistische Antwort auf diese Frage

Von Luther zu Spurgeon waren über 300 Jahre vergangen. Und in der Zwischenzeit war Einiges geschehen. Die Protestanten mussten sich mit dem Arminianismus auseinandersetzen. Der Arminianismus kam aus einer humanistischen Glaubensrichtung in Holland und vertrat im Prinzip das gleiche Konzept von Gnade wie der Katholizismus und führte die letzte Ursache des Glaubens auch auf den Menschen zurück und nicht auf Gott.

Also, gleiche Debatte wie bei Luther und dem Katholizismus, nur noch mit ein paar anderen Aspekten, die diskutiert wurden.

Betrachten wir nun die Position von C.H. Spurgeon, als er seine Gedanken über den Arminianismus äußert. Er tut dies in einem ausführlichen Plädoyer für den Calvinismus, das er veröffentlicht hatte.

Dort bringt er diese Frage mit folgendem Bild auf dem Punkt:

„Ich habe keine Fackel benutzt, um die Sonne zu erleuchten, sondern die Sonne hat mich erleuchtet“.

Wer dieses Zitat komplett im Zusammenhang nachlesen möchte, der kann das gerne unter folgendem Link tun, unter Absatz 6 von oben:

http://www.glaubensstimme.de/doku.php?id=autoren:s:spurgeon:u:spurgeon-ueber_den_calvinismus

Was will Spurgeon damit sagen, wenn er sagt: „Die Sonne hat mich erleuchtet und nicht umgekehrt“?

Er sagt damit, die letzte Ursache für seinen Glauben, begründet Spurgeon in Gott und nicht im Menschen. Gott (die Sonne) habe ihn erleuchtet und ihm Kenntnis über das Evangelium gegeben, sodass er zum Glauben kam.

Spurgeon beschreibt dies so (ebenfalls in Absatz 6):

„Ich kann nicht verstehen, warum ich gerettet wurde. Es gibt nur einen Grund dafür: Gott wollte es so. Ich kann selbst bei genauestem Hinschauen nicht entdecken, dass es da in mir selbst irgendeine Andeutung eines Grundes gibt, warum ich an der göttlichen Gnade Teilhaber werden durfte. Wenn ich jetzt in diesem Augenblick nicht ohne Christus bin, dann hat dies seine Ursache nur darin, dass Christus Jesus mit mir seinen Plan hat. Dieser Plan war, dass ich da sein sollte, wo er ist, und dass ich an seiner Herrlichkeit teilhaben sollte. Ich kann die Krone nirgendwohin legen als auf sein Haupt, das Haupt dessen, der mich gerettet hat von meinem Weg, der in die Hölle führte. Wenn ich so auf mein Leben zurückschaue, kann ich sehen, dass hinter allem Gott stand, Gott allein. Ich habe keine Fackel benutzt, um die Sonne zu erleuchten, sondern die Sonne hat mich erleuchtet„.

Spurgeon sieht also den letzten Grund für seinen Glauben nicht „in mir selbst“, sondern „in Jesus Christus“. Das ist letztendlich seine biblische Erkenntnis vom Evangelium, die Erkenntnis von Luther und das, was der Calvinismus lehrt.

Dagegen kritisiert Spurgeon die Arminianer, dass diese es genau umgekehrt machen. Sie lassen den Glaube im Menschen beginnen, was er mit der Fackel vergleicht. Wenn der Mensch also irgendwelche glaubensmäßigen Regungen in sich selbst wahrnimmt, dann habe er ein Licht der Fackel gleich, und er geht dann mit diesem Licht zu Gott und sagt: Gott, schau dir meinen Glauben an (meine Fackel, mein Licht), jetzt hast du doch einen Grund, um mich anzunehmen.

Genau das ist der Glaube der Arminianer.

Und es sollte eigentlich auch niemanden überraschen, dass die Arminianer ein solches Evangelium glauben. Sie waren schließlich Humanisten und wie allgemein bekannt ist, wird im Humanismus der Mensch in den Mittelpunkt gestellt und nicht Gott. Von daher ist es nur folgerichtig, dass sie in ihrem Evangelium den Mensch in den Mittelpunkt stellen und alle Dinge beim Menschen beginnen lassen und dass sie in Feindschaft zur Reformation gestanden haben, weil dort nämlich Gott und nicht der Mensch im Mittelpunkt steht.

Nun ist es an dieser Stelle nötig, dass ein genauer Beweis dafür erbracht wird, dass die Arminianer genauso lehren und den Glauben beim Menschen beginnen lassen und die letzte Ursache des Glaubens in Gott ablehnen.

In folgendem Video von Pastor Heck von der SERG Selbständige evangelisch-reformierte Kirche in Heidelberg liest er den originalen Wortlaut des arminianischen Glaubensbekenntnisses in Form der 5 Punkte der Arminianer vor und anschließend die Antwort im originalen Wortlaut der 5 Punkte des Calvinismus und erklärt diese:

Dieses Video ist DSGVO-konform eingebettet:

Es kann sein, dass beim Vorlesen der originalen Bekenntnisse es nicht ganz einfach ist, dem zu folgen, weil die Arminianer alles humanistisch gebildete Volltheologen der Kirche waren und sich dementsprechend in einer hoch theologischen Sprache ausdrücken. Aber keine Angst. Pastor Heck erklärt es sehr genau am originalen Wortlaut, sodass es auch ein einfacher Mensch und Christ verstehen kann.

Und bei der genauen Prüfung der Lehrdokumente stellt es sich genauso heraus, wie Spurgeon es in dem Bild von der Sonne und der Fackel erklärt. Der Arminianer sucht den Glauben in sich, geht damit (mit dieser Fackel) zu Gott (der Sonne) und versucht sie zu erleuchten (sucht damit nun eine Annahme bei Gott). In den 5 Punkten des Calvinismus ist es genau umgekehrt. Der Mensch wird von der Sonne (Gott und dem Evangelium) erleuchtet, was bei ihm Glauben hervorruft, vergleichbar damit, wie die Sonnenstrahlen einen Menschen erwärmen.

Ich möchte hier schließen mit dem persönlichen Zeugnis von Spurgeon, was es bei ihm bewirkte, als er diese Dinge erkannte und plötzlich verstanden hatte:

„Da, in einem Augenblick, sah ich, dass Gott der Urgrund aller Dinge ist, dass er der Urheber meines Glaubens war, und so öffnete sich die ganze Lehre der Gnade vor mir. Von dieser Zeit an habe ich nicht von ihr gelassen, und ich möchte, dass dies immer mein beständiges Bekenntnis ist: »Ich verdanke meine ganze Veränderung nur Gott.«“

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