Logische Schlussfolgerungen vs. Lehre der Schrift (Dirk Noll)

Logische Schlussfolgerungen vs. Lehre der Schrift

Kennen wir das?

Manchmal wenn wir die Bibel lesen, da finden wir in der Schrift Aussagen, die scheinbar widersprüchlich sind, und wir scheinen dann mit unserem Verstand wie vor eine Wand zu fahren. Es fühlt sich verzwickt an, vor den Augen unseres Verstandes scheint es schwarz zu werden, und unser Verstand hat Probleme diese scheinbaren Widersprüche aufzulösen. Ich rede hier von scheinbaren Widersprüchen in der Schrift, weil es keine wirklichen sind.

  1. Welche Lehren sind davon betroffen?

Es handelt sich dabei um die Lehren:

a) Von der Inspiration der Schrift. Ist die Schrift nun Menschenwort oder Gotteswort fragt der Verstand? Siehe hierzu die Diskussion um die Bibelkritik.

b) Von der Gottheit Jesu. Ist Jesus nun Mensch oder Gott fragt der Verstand? Siehe hierzu die Diskussion um die Dreieinigkeitslehre und die Gottheit Jesu.

c) Von der Souveränität Gottes (Gnade) und der Verantwortung des Menschen (Werke). Wenn Gott souverän ist, wie kann der Mensch dann noch verantwortlich handeln? Siehe hierzu die Diskussion um die reformatorische Gnadenlehre.

d) Von der Errettung und Verdammnis. Wenn Gott Menschen errettet, dann muss er in gleicher Weise doch auch andere verdammen, schlussfolgert fälschlicher Weise der Verstand? Siehe hierzu die Diskussion um den Calvinismus und Arminianismus.

2. Die Ursache des Problems

An diesen o.g. Punkten gehen Menschen in die Irre oder fallen auf Irrlehren herein, weil sie ihren Verstand und damit die Schlussfolgerungen ihres Verstandes über die Schrift stellen.

Bibelkritische Theologen sagen dann: Da die Bibel von Menschen geschrieben wurde, kann sie nicht Gottes Wort sein. Zeugen Jehovas, Judaisierer und andere Unitarier sagen: Wenn Jesus ein Mensch war, dann kann er nicht Gott sein. Katholiken sagen: Wenn der Mensch gute Werke tun muss, dann muss er auch durch diese gerettet werden und verwerfen somit die Gnade. Die Arminianer sagen: Wenn Gott Menschen erwählt, so ist es doch die logische Schlussfolgerung, dass er auch in gleicher Weise die Menschen verdammen muss und verwerfen somit die biblische Erwählung.

Es ist immer das gleiche Problem. Sie stellen ihren Verstand über die Schrift.

3. Die Lösung des (scheinbaren) Problems

Wie schon gesagt, liegt hier kein wirkliches Problem vor, wenn man nach der Bibel geht. Denn nach der Bibel muss der Verstand unter der Schrift stehen. Ich will damit sagen, dass es, wenn man nach der Bibel geht, kein Problem gibt, weil die Schrift klar ist. Aber wir als Menschen haben manchmal ein Problem mit den Gedanken und Schlussfolgerungen unseres Verstandes, weil wir sie über die Schrift stellen.

Also, stellt man seinen Verstand unter die Schrift, und gibt seine unbiblischen Schlussfolgerungen auf, dann ist die Lösung des scheinbaren Problems ganz einfach:

a) Die Bibel ist Gotteswort und gleichzeitig von Menschen geschrieben.

b) Jesus ist gleichzeitig Gott und Mensch.

c) Die guten Werke sind die Frucht der Gnade und die Souveränität Gottes und Verantwortung des Menschen müssen gleichzeitig zu 100 % beachtet werden.

d) Wenn Gott Menschen erwählt, so ist die Verdammnis dennoch auf den Menschen zurückführen und nicht auf Gott, ansonsten würde man „Gott ja zum Urheber der Sünde machen, was ein Gotteslästerung wäre“, so Calvin und das reformierte Westminster Bekenntnis.

Man muss also nach der Lehre der Schrift gehen und diese über die Schlussfolgerungen seines Verstandes stellen, ansonsten kommt man unweigerlich in die Irrlehre.

Siehe hierzu auch folgendes 10-minütiges Video von John MacArthur, der darin genau auf diese Problematik eingeht:

Dieses Video ist DSGVO-konform eingebettet:

4. Warum hat der Verstand Probleme mit logischen Schlussfolgerungen?

Das liegt ganz einfach daran, dass der Verstand mit dem Sündenfall unter die Verfinsterung und Verdunkelung der Sünde gekommen ist.

Das sagt die Bibel an verschiedenen Stellen, z.B. in Epheser 4,18:

„… deren Verstand verfinstert ist und die entfremdet sind dem Leben Gottes, wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verhärtung ihres Herzens“.

Oder in Römer 1,21:

Sie „sind in ihren Gedanken in nichtigen Wahn verfallen, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert„.

Wir sehen hier die Folgen des Sündenfalles beschrieben, dass Herz und Verstand durch die Sünde verfinstert wurden. Das hat nun zur Folge, dass der Mensch seinen Verstand mit seinen falschen Schlussfolgerungen über Gottes Wort stellt. Volkstümlich könnte man sagen: Wenn man dem Menschen ein Buch auf den Kopf haut und es scheppert hohl, dann denkt er, dass das Buch scheppert, aber er kommt nicht auf den Gedanken, dass es an seinem Kopf liegen könnte, der hohl scheppert.

Das ist schon das natürliche Problem des Menschen, das auch noch durch falsche Lehre verstärkt werden kann. Die Katholizismus und der Arminianismus z.B. lehren einen nur teilweisen Sündenfall. Sie sagen, dass der Verstand des Menschen vom Sündenfall verschont wurde und somit leistet diese Irrlehre sogar noch Vorschub dafür, dass man seinen Verstand mit seinen Schlussfolgerungen über die Schrift stellt.

Die Reformation dagegen hat hier das Problem erkannt und ganz klar einen vollständigen Sündenfall mit der völligen Verderbtheit des Menschen gelehrt, den Verstand eingeschlossen.

Der Ausweg hieraus ist nun, dass ein Mensch wiederborgen werden muss durch das Evangelium. Damit wird sein Herz erneuert und erleuchtet und somit dann auch gleichzeitig sein Verstand. Aber damit ist der Mensch nicht irrtumslos. Auch der wiedergeborene Christ muss beim Bibellesen permanent seinen Verstand unter die Schrift stellen und auf biblische Lehre mehr hören, als auf seine scheinbar logischen Schlussfolgerungen.

5. Ein positives Beispiel zum Schluss

Eine viel diskutierte Frage seit Jahren ist die Erwählung des Menschen auf der einen Seite und die Verantwortung des Menschen auf der anderen Seite. Hier hat die MacArthur Bibelschule EBTC in Berlin eine öffentliche Stellungnahme herausgegeben. Und hier haben sie genau das gemacht, was Christen tun sollen und sie haben ihren Verstand der Schrift untergeordnet. Dabei kam dann das folgende wunderbare Bekenntnis zur biblischen Lehre heraus:

„Ist Gott souverän in seiner Erwählung zum Heil und der Errettung des Menschen? Absolut. Ist der Mensch verantwortlich dafür, wie er sich entscheidet? Absolut. Können wir das völlig verstehen oder erklären? Absolut nicht.

  • Glauben wir es? Ja.
  • Lehren wir es? Ja.
  • Lieben wir diese Wahrheit? Ja.“

https://www.ebtc.org/blog/oeffentliche-stellungnahme-zum-buch-von-wilfried-plock/

Wir sehen hier, das diese Brüder ihren Glauben an die Schrift höher einschätzen als das, was ihr Verstand mit seinen Schlussfolgerungen zustande bringt. Es wäre wünschenswert, dass möglichst viele Christen zu dieser klaren Erkenntnis kommen würden, dass ihr Verstand unter dem Sündenfall steht und deshalb unter die Schrift untergeordnet werden muss. Dies erfordert viel geistliche Disziplin und das würde viele unnötige Streitereien und Spaltungen unter Christen verhindern und weniger Leute würde hier auf sektiererische Lehren hereinfallen, die nichts weiter sind als Verirrungen der Gedanken, die sich auf Schlussfolgerungen des Verstandes gründen, wo sich der Mensch in seinem Hochmut nicht dem Wort Gottes unterordnet.

 

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