Über die persönliche und richtige Interpretation der Bibel (Dirk Noll)


Über die persönliche und richtige Interpretation der Bibel

Zu dieser Frage empfehle ich gerne folgendes kurzes YouTube Video von R.C. Sproul
(Herausgeber der Reformations-Studien-Bibel 2017 = Neuauflage der Genfer Studienbibel)
Dieses Video ist DSGVO-konform eingebettet:
 
Auch hier, wenn es um die Interpretation (Auslegung) der Bibel geht, gilt es wieder den richtigen Weg in der Mitte zu finden und weder rechts noch links vom Pferd zu fallen.

1. Rechts vom Pferd fallen bei der Interpretation der Bibel

Dies geschah und geschieht bis heute in der Römischen Kirche, indem sie allein dem Papst und seinen Bischöfen zugesteht, die Bibel richtig auslegen zu können (man redet hier vom Lehramt der Kirche, das der Bibel gleichgestellt wurde).

Dem hielt die Reformation das Priestertum aller Gläubigen entgegen, sodass jeder einzelne Christ die Bibel PERSÖNLICH und RICHTIG auslegen kann und darf. Das führte dann in der Konsequenz dazu, dass die Bibel in die jeweilige Muttersprache der Menschen übersetzt werden musste. Und somit wird jeder Christ in seine persönliche Verantwortung mit hinein genommen, zu überprüfen und auch für sich persönlich sicherzustellen, was biblische Lehre ist und was nicht. Dies ist eine sehr gute Sache und für jeden Christen sogar auch von der Bibel her geboten.

2. Links vom Pferd fallen bei der Interpretation der Bibel

Bei diesem Irrtum geht es darum, völlig eigenwillig nach eigenem Gutdünken die Bibel in schwärmerischer Weise zu interpretieren.

a) Das geschieht durch Leute mit einem schwärmerischen Geist, die meinen, dass sie unmittelbar den Hl. Geist hätten und somit unfehlbar die Bibel verstehen könnten, und wenn sie meinen, dass sie etwas erkannt hätten, was andere nicht erkennen, dann würden sich alle anderen irren – sie aber selbst hätten unzweifelbar Recht. Diese Leute erkennt man daran, dass sie häufig eine christliche „Ich-AG“ aufrecht erhalten und sich kaum oder wenig in der Einheit mit anderen Christen befinden und selten auf Frieden unter den wiedergeborenen Christen bedacht sind, damit alle wahren Christen zur Einheit des Geistes und Glaubens gelangen.

b) Dies geschieht durch Leute unter dem Einfluss des modernen Zeitgeistes des Individualismus. Ihre Denke ist etwas so: Was ich für mich erkannt habe, ist immer wahr (zumindest für mich = Individualismus), egal was alle anderen glauben; ich habe meine eigene Wahrheit und Erkenntnis und die muss jeder so stehen lassen. Was andere Christen glauben interessiert mich nicht, ich habe meine Erkenntnis für mich, die für mich gilt und die ich für mich für wahr halte, das ist das Entscheidende.

3. Der biblische Weg der Interpretation der Bibel

Da alle wiedergeborenen Christen den gleichen Heiligen Geist der Wahrheit haben, ist davon auszugehen, dass diese in den wesentlichen und Heils entscheidenden Fragen zur gleichen Erkenntnis kommen.

a) Und die Geschichte der vergangenen 2000 Jahre der Christen (= Geschichte der echten Christen und nicht der Kirche oder Christenheit) bestätigt dies auch. Schaut man sich die Glaubensbekenntnisse der Christen an, so sieht man, dass hier in den wesentlichen Fragen des Glaubens die gleiche Erkenntnis besteht.

Siehe dazu auch folgender Artikel auf DER RUF:


b) Dies funktioniert aber nicht automatisch, sondern nur, weil man die Prinzipien bibeltreuer Schriftauslegung eingehalten hat. Beim richtigen interpretieren der Bibel gibt es also keinen Automatismus, dass man es automatisch richtig macht, man muss sich schon an die Regeln der Bibelauslegung halten.

Die wichtigsten dieser Regeln wären:

– die Bibel nach ihrem Wortsinn (Literalsinn) auszulegen
– die Bibel ist ihr eigener Ausleger
– man interpretiert die Bibel mit der grammatisch-historischen Methode, d.h. man beachtet die Grammtik und die Regeln der Sprache
– man geht von der äußeren und inneren Klarheit der Schrift aus
– man interpretiert die Bibel im Kontext (= Textzusammenhang)
– etc…

Siehe dazu auch folgende Artikel auf DER RUF:

Merke:
Jeder Christ liest die Bibel immer als Sünder und hat somit eine gewisse Erkenntnisschwäche und kann sich jeder Zeit irren und die Bibel gemäß seiner fleischlichen Gedanken und Wünschen interpretierien.
Deshalb ist in wesentlichen Lehrfragen immer ein Abgleich mit der allgemeinen christlichen Lehre (siehe unter 3a der Link „Bibel und Bekenntnis“) notwendig, denn es ist eher wahrscheinlich, dass sich ein Einzelner irrt, als dass sich die ganze Gemeinde unter Leitung ihrer ordentlich berufenen Bibellehrer irrt.

Darüber hinaus müssen wir mit bestimmten unterschiedlichen Auffassungen in untergeordneten Fragen leben, bis wir beim Herrn sind und alle Dinge klar sind und in ihrer vollen Wahrheit vor uns stehen:

„Im Wesentlichen Einheit, im Zweifelhaften Freiheit, in allem Liebe“
Augustinus Aurelius
(354 – 430), Bischof von Hippo
%d Bloggern gefällt das: