Andacht: Was ist Bekehrung? (Dirk Noll)

Was ist Bekehrung?

„Bekehre uns zu dir HERR und wir werden uns bekehren“ (Klgl 5,21)

Die Bekehrung zu Jesus Christus ist der wichtigste Wendepunkt im Leben eines Menschen. Die Bekehrung ist ein wesentlicher Bestandteil des Wirkens Gottes, dass ein Mensch vom Tod zum Leben kommt. So beschreibt der Apostel Johannes seine und auch die Bekehrungserfahrung aller Christen: „Wir wissen, dass wir aus dem Tod zum Leben gelangt sind“ (1.Joh 3,14).

Weil es bei diesem Schritt der Bekehrung in der Tat um Leben und Tod geht, sollten wir hier bei der Frage nach der Bekehrung nicht oberflächlich sein, sondern von der Bibel genau feststellen, was diese über die Bekehrung sagt.

Wenn jemand eine tödliche Krankheit hat und diese aber durch ein bestimmtes Heilverfahren geheilt werden könnte, dann würde jeder von uns peinlich genau darauf achten, dass dieses Heilverfahren bei uns auch genauestens angewendet wird.

Eine Frage an uns Christen. Nehmen wir es mit der Bekehrung wirklich so genau und befragen hier die Bibel, was sie über eine echte Bekehrung sagt?

  1. Die biblische Definition von Bekehrung

Im Alten Testament finden wir ein biblisches Buch, das hauptsächlich von der Bekehrung spricht, wie diese abläuft. Es ist das Buch Klagelieder und darin geht es darum, dass sich das Volk Israel in der babylonischen Gefangenschaft bekehren muss, damit es wieder in sein Land zurückkehren darf und damit Jerusalem wieder aufgebaut werden kann.

Schrittweise von Kapitel zu Kapitel wird den Juden im Buch Klagelieder klarer und klarer, wie eine Bekehrung zu Gott in ihren Einzelheiten von statten geht. Am Ende der Klagelieder steht dann die Erkenntnis: „Bringe uns zu dir zurück, o Herr, so werden wir umkehren“ (Klagelieder 5,21; Schlachter 2000).

Wenn man den Hebräischen Grundtext hier wörtlich übersetzt, wird es noch etwas deutlicher, was Bekehrung bedeutet:

HaSchiwenu      Jahweh                 Elächa                  WeNaschuw
Bekehre uns       Jahwe                  zu dir                    und wir werden uns bekehren

Unter dem Strich, wenn man es auf den Punkt bringt, dann bedeutet Bekehrung, dass wir uns bekehren, wenn wir von Gott bekehrt werden:

Bekehre uns Jahwe zu dir und wir werden uns bekehren (Klgl 5,21)

Vergleichen wir diese biblische Erkenntnis nun einmal damit, wie heute unter Christen dargestellt und erklärt wird, was Bekehrung ist. Sehen wir hier nicht viele Halbwahrheiten und die Verschiebung biblischer Koordinaten?

Wir fragen heute jemanden um zu erfahren, ob er Christ ist: Hast DU DICH bekehrt? Und die Antwort ist dann oft: Ja ICH habe MICH bekehrt.

Wenn wir mit den Worten der Bibel nachsprechen würden, was Bekehrung ist, müssten wir dann nicht vielmehr sagen: Ich habe mich bekehrt, weil DER HERR MICHT BEKEHRT hat?

Fazit: Die biblische Definition von Bekehrung lautet also: Wir bekehren uns, weil wir von Gott bekehrt werden!

  1. Die Bibel erklärt Bekehrung an dem Bild und Gleichnis vom Hirten und Schaf

Durch die Aufklärung, den Humanismus und den Individualismus wurde der Mensch in den Mittelpunkt der Welt gerückt und Gott wurde aus dem Zentrum zur Seite geschoben. Da nun die Christenheit sich von dieser Entwicklung hat beeinflussen lassen, ist es nicht verwunderlich, dass heute in großen Teilen ein Evangelium und ein Verständnis von Bekehrung geglaubt wird, wo der Mensch mit seinen natürlichen religiösen Kräften im Mittelpunkt steht und als entscheidender Faktor gesehen wird (siehe dazu auch sämtliche Analysen und Vorträge der bekannten Bibellehrer, die das aufzeigen und bestätigen).

Doch auch wenn der Mensch bei seiner Bekehrung aktiv handelt, Buße über seine Sünden tut, sich von diesen abwendet und im Gegenzug Gott zuwendet, so ist bei der Bekehrung doch letztendlich Gott der entscheidende Handelnde.

Merke: Bei der Bekehrung ist Gott der entscheidende Faktor! Jesus sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh 15,5).

Dies sehen wir auch bestätigt, wenn wir uns das biblische Bild oder Gleichnis vom Hirten und Schaf anschauen.

In Lukas 15,3-7 finden wir das Gleichnis von dem verlorenen Schaf. Darin sehen wir, wie Jesus, der gute Hirte, einem verlorenen Schaf solange nachgeht, bis er es findet. Jesus wendet diese Gleichnis auf die Bekehrung an: „Ich sage euch, so wird auch Freude sein im Himmel über einen Sünder, der Buße tut“ (Vers 7).

Dieses Gleichnis ist so einfach, dass es gar keiner großen Theologie bedarf und ein kleines Kind verstehen kann, um was es geht. Das Schaf seht in dem Gleichnis für den Sünder der Buße tun und sich bekehren muss. Dabei ist er wie das verlorene Schaf. Aus sich selbst und seinen natürlichen Möglichkeiten, kann der verlorene Sünde genauso wenig zu Jesus zurückfinden, wie das verlorene Schaf im Gleichnis. Der Sünder muss von Jesus gesucht und gefunden werden – dann geschieht Buße und Bekehrung!

Dieses Gleichnis ist auch aus der weltlichen Realität herausgegriffen, entspricht ihr völlig und beschreibt bildhaft die Rettung und Bekehrung eines Menschen.

In einer Gemeinde, in welcher ich als Ältester gedient hatte, verbrachten wir einmal als Gemeinde einen Tag in Zusammenhang mit einem Angebot der Volkshochschule bei einem Schäfer und seiner Schafherde. Dabei handelte es sich um eine große Schafherde mit mehreren hundert Schafen. Dabei haben wir gesehen wie exakt die biblischen Gleichnisse die Wirklichkeit beschreiben. Wir haben live gesehen, wie die Schafe total auf ihren Hirten fixiert und von ihm abhängig sind. Die Schafe mussten dann nach einiger Zeit Grasen von einer Weide zu einer anderen wechseln. Der Hirte machte einen speziellen Hirtenpfiff und die Schafe erhoben sofort wie auf Kommando ihre Köpfe und setzten sich in Bewegung. Ein Schaf blieb dabei jedoch zurück und hatte den Pfiff und das Aufbrechen der Herde nicht mitbekommen. Als es nach ein paar Minuten merkte, dass es plötzlich alleine war,  da lief es völlig verirrt umher und konnte von alleine nicht mehr zur Herde zurückfinden. Darauf musste der Hirte das Schaf durch seine Hirtenhunde zu der Herde zurückholen lassen.

Genau auf diese Weise – mit diesem Bild und Gleischnis – beschreibt die Bibel den Sünder, der noch nicht bekehrt ist. Der Mensch hat sich verirrt und findet alleine nicht mehr zurück.

Jesus greift hier bei dem verlorenen Schaf das gleiche Bild auf wie in Jesaja 53,6: „Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg“.

Auch diese Bild beschreibt sehr leicht verständlich, aber auch sehr klar, wie es zur Bekehrung eines Menschen kommt.

Keiner ist von sich aus den Weg Gottes gegangen. Jeder Mensch geht seinen eigenen Weg ohne Gott. Deshalb muss er wie in diesem Gleichnis gesucht und gefunden werden. Dementsprechend redet die Bibel auch von der Bekehrung, dass sie ein Werk Gottes ist:

„Bekehre uns zu dir Jahwe und wir werden uns bekehren“ (Klgl 5,21).

3. Anwendung

Ich erinnere mich noch gut an einen Eintrag in dem Tagebuch von John Wesley, als ich dieses einmal komplett durchgelesen hatte. Dort berichtet Wesley folgende Begebenheit. Wesley war einmal in England mit dem Pferd unterwegs, um in den nächsten Ort zur reiten, um dort eine Predigt vor vielen Menschen im Freien zu halten. Da sah er plötzlich einen besoffenen verwahrlosten Mann am Straßengraben sitzen, der Wesley sofort erkannte. Da begann der Mann in seinem Rausch zu Lallen: Ich kenne sie doch, sie sind John Wesley. Ich muss ihnen etwas sagen: ICH habe MICH bei ihnen bekehrt.

Darauf antwortete Wesley. Das sehe ich, dass sie sich bei MIR bekehrt haben. Wenn sie nämlich von Gott bekehrt worden wären, dann würden sie hier nicht betrunken am Straßengraben sitzen.

Und ich denke hier, dass jeder echt bekehrte Christ, sowohl durch die Bibel in ihrer Lehre über die Bekehrung als auch durch seine persönliche Erfahrung, die Wahrheit dieser Dinge bestätigen kann.

Der Mensch muss und soll sich bekehren, in dem er Buße tun, sich von der Sünde abwendet und mit Christus ein neues Leben beginnt, aber die entscheidende Kraft, dies auch zu tun, geht von Gott aus.

In diesem Zusammenhang sollte man sich auch ausführlich von der Bibel her anschauen, wie die Souveränität Gottes und die Verantwortung des Menschen aussehen und wie diese biblisch miteinander zusammenhängen.

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