Reformation und Brüdergemeinde (Dirk Noll)

Reformation und Brüdergemeinde – gemeinsame Schnittmengen und Unterschiede

Im Lager von evangelikal, konservativen Christen wird sehr häufig eine FRAGE gestellt: Die Mischung von Reformation und brüdergemeindlicher Lehre bei heute anerkannten Bibellehrern – wie kommt das und wo liegen diese Vermischungen?

ANTWORT: Es fällt auf, dass bei anerkannten Bibellehrern, von denen bei DER RUF Lehre und Beiträge empfohlen werden, es eine Mischung von Reformation und Brüdergemeinde gibt mit den unterschiedlichsten Schnittmengen und in den unterschiedlichsten Varianten. Das betrifft so bekannte Bibellehrer wie J.N. Darby, Georg Müller, John Mac Arthur, Dr. Nestvogel, Dr. Roger Liebi, Benedikt Peters und viele andere.

Diese Unterschiede fallen den meisten Christen früher oder später auf und werden nicht selten zum Anlass genommen, um Streit und Parteiungen zu beginnen. Folgende Informationen sollen jedoch nicht dazu dienen, solche Parteiungen zu fördern oder noch schlimmer, angesehene Bibellehrer herabzuwürdigen. Es soll vielmehr der Information dienen, dass man diese Tatsache der Mischung erst einmal zur Kenntnis nimmt und sich dann selbst auch mit den Unterschieden an manchen Punkten der Lehre beschäftigt.

Im Folgenden nun eine kurze Einführung, um einen ersten Eindruck davon zu bekommen, wo hier Reformation und Brüdergemeinde gemeinsame oder auch unterschiedliche Schnittmengen gebildet haben.

1. Die reformierte, calvinistische Gnadenlehre

Zunächst müssen wir festhalten, dass alle o.g. Bibellehrer und viele andere, die ich hier nicht genannt habe, in der Gnadenlehre Calvinisten sind.

Die calvinistische Gnadenlehre ist heute verbreitet oder auch bekannt unter den sog. 5 Punkten des Calvinismus. Auch hier wird oft gefragt, unterscheiden sich diese von der Lehre Luthers und der anderen Reformatoren, die allein die Gnade und allein den Glauben betont haben?

Antwort: Nein.

Als Luther die Gnadenlehre vor allem in der Schrift „Vom unfreien Willen“ formulierte, sagt und lehrt er nichts anderes, als das, was wir auch in den 5 Punkten des Calvinismus finden.

2. Die 5 Punkte des Calvinismus

Diese 5 Punkte sind 1619 nach Calvin entstanden, und stehen in der Dordrechter Lehrregel, siehe hier: Die 5 Artikel von Dordrecht:

http://reformationsgesellschaft.de/wp-content/uploads/2018/05/2018-05-04-Dordrechter-Lehrsaetze-WEB.pdf?fbclid=IwAR3a_WC0HL-XIOpHKPV4oOgRfuD44OFZCD56toiyABsWG-YZV0GxdFvcjRM
(Wenn man das Vorwort überspringen möchte, beginnt das Bekenntnis auf S. 19)

Diese 5 Artikel waren die Antwort auf die 5 Punkte der Arminianer/Remonstranten, mit denen kurz zuvor die reformatorische Gnadenlehre von einigen Leuten verworfen wurde. Diese kamen aus der reformhumanistischen Bewegung in Holland und entsprechend ihres Humanismus hatten sie dann Probleme mit der Gnadenlehre der Reformation und haben die Reformation in 5 Punkten verworfen.

Die 5 Punkte der Arminianer lauteten:

1. Sie glaubten nur an einen teilweisen Sündenfall, dementsprechend sahen sie den Menschen nicht ganz durch die Sünde verdorben und als Sünder.

# Darauf antwortete Dordrecht mit der Lehre von der völligen Verderbtheit des Menschen.

2. Die Arminianer glaubten nicht an die freie Gnade, sondern der Mensch müsse diese sich erst durch seine Werke verdienen.

# Darauf antwortete Dordrecht mit der bedingungslosen Gnade.

3. Die Arminianer glaubten zwar an ein Sühnopfer Jesu, aber nicht an ein wirksames Sühnopfer Jesu (man nennt diese Lehre der Arminianer auch Universalismus).

# Darauf antwortete Dordrecht mit dem wirksames Sühnopfer Jesu oder häufig auch als „begrenzte Sühne“ bezeichnet gegenüber dem Universalismus der Arminianer.

4. Die Arminianer glauben an eine widerstehliche Gnade, d.h. sie glauben, der Mensch und sein Widerstand gegen Gott können eine größere Kraft haben als die Gnade Gottes.

# Darauf antwortete Dordrecht mit der Lehre von der unwiderstehlichen Gnade.

5. Die Arminianer glaubten dann im 5. Punkt aufgrund der vorher genannten Punkte, dass letztendlich die Treue des Menschen der entscheidende Faktor dafür ist, ob er im Himmel ankommt oder nicht. Sie glauben also, dass ein Wiedergeborener abfallen kann.

# Darauf antwortete Dordrecht mit der Lehre vom Beharren der Gläubigen, d.h. selbst wenn echte Christen versagen oder einmal fallen sollten (wie z.B. Petrus), ist die Gnade Gottes größer und wird sie bis zum Ende durchbringen.

Auch wenn diese 5 Punkte nicht von Calvin kommen, da nach seinem Tod geschrieben, so geben sie jedoch genau wieder, was er über die Gnade lehrte. Es gibt eine Predigtreihe von Spurgeon, in denen er über diese 5 Punkte predigt und diese erklärt. Man findet sie in folgendem Buch:

https://www.cbuch.de/spurgeon-erwaehlt-vor-grundlegung-der-welt.html?fbclid=IwAR27QqyJAZ2b6M2hGWnIF5i8y51wDcpiZU9SFU3E2VwXAw3ayebHu8KAdSs

Dieses Buch ist auch als Hörbuch kostenlos auf YouTube und man kann es unter diesem Link hören:

(Auf YouTube klicken. Die weiteren Predigten rechts unter dem Begriff „die Lehren der Gnade“, was eine andere Bezeichnung für die 5 Punkte des Calvinismus ist)

3. In welcher Weise vertreten anerkannte Bibellehrer diese 5 Punkte?

a) Alle 5 Punkte lehren: J.N. Darby, Georg Müller, John Mac Arthur, Paul Washer, Benedikt Peters, C.H. Spurgeon und viele andere.

b) Dr. Nestvogel und einige andere vertreten nur 4 Punkte, deshalb redet man hier von 4-Punkte-Calvinisten.

c) Dr. Roger Liebi und andere, die man heute häufig in der offenen Brüderbewegung findet, vertreten nur 2 Punkte (die Erwählung und den 5. Punkt, dass Wiedergeborene nicht mehr verloren gehen). Deshalb werden sie oft als 2-Punkte-Calvinisten bezeichnet.

4. Unterschiede in Endzeitlehre und Lehre von der Gemeinde

Hier gibt es zwei unterschiedliche Modelle:

a) den Dispensationalismus

b) die Bundestheologie

Um hier einen Eindruck zu bekommen, habe ich im Folgenden 2 Beiträge als Empfehlung, zum einen einen Vortrag von Dr. Roger Liebi, der den Dispensationalsmus (Lehre von den 7 Heilszeiten, Dispensation auf Deutsch = Heilszeit) erklärt:

Dieses Video ist DSGVO-konform eingebettet:

… und einen Beiträg auf der reformierten Internet-Seite „Christozentrisch“, wo die Bundestheologie erklärt wird:

Bundestheologie: Was ist damit gemeint?

Diese beiden Systeme werden von den meisten Bibellehrern komplett vertreten (z.B. Spurgeon vertrat komplett die Bundestheologie und Roger Liebi vertritt komplett den Dispensationalismus) oder in Mischungen wie z.B. bei Mac Arthur, der beide Systeme miteinander vermischt, was man besonders deutlich bei seiner Studienbibel sieht.

Diese Information werfen höchst wahrscheinlich einige Fragen auf. Wie gesagt, das ist nur eine erste Einführung. Hierzu muss noch wesentlich mehr gesagt werden. Deshalb werde ich versuchen, auf verschiedene Fragen, die ich unter Christen dazu aufnehme, in weiteren Artikeln einzugehen.

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