Calvinismus-Bashing (Dirk Noll)

Calvinismus-Bashing

Dieser Artikel gründet auf die Not und Sorge vieler aufrichtiger Christen, die seit einiger Zeit in Gemeinden aber auch in Sozialen Netzwerken das Phänomen des Calvinismus-Bashings beobachten.

Dabei handelt es sich um eine Verunglimpfung der Person des großen Gottesmannes und Reformators Johannes Calvin und von reformierten Christen, welche in der Tradition und der Lehre Calvins stehen.

Das Bashing besteht hauptsächlich darin, dass reformierte Christen und Calvin als „vom Teufel“ bezeichnet werden und ihnen unterstellt wird, dass sie keine Christen wären und dass Calvin ein Irrlehrer gewesen wäre.

Deshalb soll in Folgendem nun eine Klarstellung erfolgen, was hinter einer solchen Verhaltensweise und solchen Anschuldigungen steht:

  1. Was hat Calvin überhaupt gelehrt?

Um diese Frage zu beantworten, was Calvin gelehrt hat, gibt es nur einen Weg das herauszufinden:

Man muss Calvin gelesen haben!

Und hier fängt schon die erste Auffälligeit an. Die Leute, welche gegen Calvin Klage erheben, kennen vom Inhalt her gar nicht, was Calvin geschrieben hat und brüsten sich zum Teil auch noch öffentlich damit, dass sie Calvin nicht gelesen hätten. Das prominenteste Beispiel dafür ist Dave Hunt im Zusammenhang mit seinem Buch: What Love ist this? Aber auch in Bashing-Videos auf YouTube findet man diese Art.

Allein schon aufgrund dieser Tatsache muss man von solchen Leuten, die Calvin bashen, erwarten, dass sie alle möglichen Falschinformationen weitergeben außer dem, was Calvin wirklich geschrieben und gelehrt hat. Natürlich merken Christen, die mit calvinistischen Schriften vertraut sind, diesen Schwindel und Betrug sofort und machen die Leute in sachlicher Weise darauf aufmerksam und bitten freundlich um eine Prüfung der Dinge. Doch als Antwort kommen in der Regel dann nur polemische Sprechblasen ohne wirklichen sachlichen Inhalt.

Das ist genauso wie bei Leuten, welche die Bibel kritisieren, sie aber niemals selbst gelesen haben und nur irgendwo zwei oder drei Verse aus dem Zusammenhang gerissen aufgeschnappt haben. So eine Art ist völlig unglaubwürdig.

Das Hauptwerk von Calvin, die INSTITUTIO (die aus 4 Büchern besteht) habe ich selbst gelesen. Man findet das Original hier Online:

http://www.calvin-institutio.de/

Die INSTITUTIO ist nichts anderes als eine systematische Zusammenfassung der Lehre Luthers und der Gnadenlehre der Reformation (allein die Schrift, allein die Gnade, allein der Glaube, allein Christus). Man kann also sagen: Calvin war nichts anderes als ein Schüler (ich behaupte sogar, der beste Schüler) von Dr. Martin Luther.

Wer also Calvin als Irrlehrer verwirft, der muss zwangsläufig auch Luther und die ganze Reformation verwerfen. Und bevor man so etwas tut, überlege man sich sehr genau, ob man hier nicht die größte Erweckung in der Geschichte und das Werk Gottes verwirft.

2. Die Prädestinationslehre

Hier wird immer wieder die Fake-Info vorgebracht, dass Calvin angeblich gelehrt haben soll, dass Gott an dem Verloren gehen von Menschen Schuld wäre, da er sie zur Verdammnis bestimmt habe. Dabei wird häufig ein Satz aus der Institutio zitiert, der aus dem Zusammenhang gerissen wurde
(* Der wahre Zusammenhang siehe unten im Artikel in der Fußnote).

Liest man den Text jedoch im Zusammenhang, dann ergibt sich daraus ein ganz anderes Bild, nämlich, dass Calvin lehrt, dass der Mensch aufgrund seiner eigenen Werke und seines schuldhaften Unglaubens verloren geht.

Diese Falsch-Information geht letztendlich auf einen kaum bekannten Theologen aus der Zeit Calvins zurück, der diese Fake-News schon damals in Umlauf brachte. Deshalb konnte Calvin diese zu seinen Lebzeiten noch selbst aufklären und widerlegen. Wenn man aus der Sicht Calvins Gott die Schuld für das Verloren gehen von Menschen geben würde, dann wäre das nach Calvins eigenen Worten „gotteslästerlich“, wenn man so etwas lehrt.

Hier kann man den Original-Kommentar von Calvin dazu nachlesen, den er in einem Brief an den Stadtrat in Genf im Jahr 1552 schrieb:

Ist Gott der Urheber der Sünde? Calvin antwortet.

Ansonsten verweise ich hier gerne noch einmal auf meinen Artikel bei DER RUF, wie nach den Reformatoren und Calvin sich Errettung und Verloren gehen zueinander verhalten:

Wie verhalten sich Errettung und Verdammnis zueinander (Dirk Noll)

3. Calvinisten

Ich selbst habe in meinem Glaubensleben viele Calvinisten und calvinistische Gemeinden kennengelernt und kann über ihren praktischen Glauben nichts Schlechtes sagen.

Auch kann ich nach umfangreichem Lesen von Büchern von Calvinisten im Bezug auf das Evangelium und die wesentlichen Glaubensfragen keine falsche Lehre finden. Bekannte Calvinisten sind: John Mac Arthur, Paul Washer, C.H. Spurgeon, Georg Müller, John Bunyan und viele viele andere. Wenn diese angeblich Irrehrer sein sollen, wo genau in ihren Büchern und Predigten ist dann diese Irrlehre? Ich kann sie nirgendwo finden und die anerkanntesten Bibellehrer, die wir haben und die Mehrheit der wiedergeborenen Christen auch nicht!

4. Anti-Calvinisten

Bei einer Auseinandersetzung mit ihnen fallen hier in besonderer Weise folgende Dinge auf:

a) In der Regel handelt es sich um Ein-Mann-Systeme. Die Bibel lehnt jedoch solche Ein-Mann-Systeme (oder christliche „Ich AG´s“) für die geistliche Leitung der Christen ab und sieht gerade bei Lehrfragen immer einen Kreis von Ältesten, Hirten und von Gott und der Gemeinde berufene Lehrer vor.  Auch geht die Bibel ganz klar von dem allgemeinen Priestertum aller Gläubigen und der Gemeinschaft aller Gläubigen aus. D.h. nun, auch die Gemeinde, da sie alle (die wahren Christen) den Heiligen Geist haben, sollen und müssen auch sie (alle Gläubigen) die Lehre prüfen.

Da Anti-Calvinisten nun bei entscheidenden Lehrfragen die ordentlich berufenen Lehrer und geistlichen Leiter der Gemeinde und auch die Gemeinde als Ganzes ÜBERGEHEN, stehen solche Personen schon per se im Verdacht des Sektierertums.

b) Bei einer Nachfrage hat es sich bisher in allen Fällen um Personen gehandelt, die keine calvinistischen Schriften oder Calvin selbst gelesen haben und keine Kenntnis des Inhalts haben. Ihre Falschinformationen gründen sich in der Regel auf falsche Klischees, Informationen aus zweiter Hand oder einzelne Sätze, die aus dem Zusammenhang genommen wurden. Auch dies disqualifiziert sie, um in Lehrfragen Aussagen zu treffen, die von Christen anerkannt werden können.

c) Sie arbeiten mit Unterwanderung und Infiltration. Anstatt mit offenem Visier sich hier einer sachlichen Debatte zu stellen mit den ordentlich von Gott berufenen geistlichen Leitern, verwirren sie den einfachen Christen, der treu seine Bibel liest und sein Leben im Vertrauen auf Christus lebt und schlicht glaubt, was er in der Bibel liest.

Da sie jedoch wissen, dass die Wahrheit gegen sie zeugt und sie bei einer Debatte auf Sachebene mit den Bibellehrern der Gemeinde Jesu unterliegen würden, gehen sie diesen Weg der Manipulation, dass sich sich an einzelne Christen wenden, die sich hier mit dem Thema nicht auskennen und wollen diese gegen reformierte Christen aufhetzen.

6. Anti-Calvinistische Videos und Schriften

Ich habe mir auch sämtliche Videos im Internet angeschaut und sämtliche Artikel durchgelesen, die ein Calvinismus-Bashing betreiben und kann hier nur bestätigen: Es handelt sich um komplette Fakes und Fälschungen, die leicht aufzuklären sind, wie in dem Beispiel unter Punkt 2.

An dieser Stelle möchte ich auch noch den Fall Michael Servet einfügen. Auch in diesem Zusammenhang werden schwerwiegende Falschinformationen in Umlauf gebracht und sogar die falsche Anklage erhoben, das es sich bei Calvinisten um eine „Mörderbande“ handeln würde. Eine Aufklärung dieses Fakes findet man in folgendem Artikel auf DER RUF:

Die Reformatoren in der Schweiz nur ein Bande von Mördern? – Johannes Calvin und das Todesurteil gegen Michael Servet. (Dirk Noll) 

7. Echte und Wahre Informationen über Calvin

Ansonsten für alle Aufrichtigen, die sich ernsthaft über die Wahrheit und Fakten informieren wollen, kann ich hier an dieser Stelle einen Artikel über Calvin empfehlen, den Dr. Martin Erdmann im Verax-Magazin geschrieben hat und der hier Online gelesen werden kann:

Calvins Erwählungslehre – ein Stein des Anstosses (Dr.Martin Erdmann)

„Prüfet alles und das Gute behaltet“ (1.Tim 5,21).

Der christliche Markt ist heute voller Fakes und Falschinformationen, um wahre Christen zu verwirren und die Geschwister gegeneinander aufzuhetzen. Deshalb prüft alles selbst und haltet euch an die anerkannten und bewährten Lehrer und geistlichen Leiter der Gemeinde Jesu!

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Fußnote *
Wahrer Zusammenhang des Zitates von Calvin in der Institutio über die Erwählung und Verwerfung von Menschen:

Es geht um das Zitat in INSTITUTIO Buch 3, Kapitel 21.

Den Originaltext findet man unter folgendem Link:
 
http://www.calvin-institutio.de/display_page.php?elementId=45
 
Man wird es aber nur verstehen, wenn man den ganzen Zusammenhang betrachtet und auch die Kapitel davor und danach liest und das gesamte Konzept der Gnadelehre versteht, das Calvin hier beschreibt.
 
Er erklärt in diesem Kapitel 21 nur, wie die Erwählung der Erretteten zustande kommt, nämlich allein aus Gnade und ohne das Zutun ihrer Werke.
 
Wie das Verlorengehen der anderen und ihre Verwerfung zustande kommt, erklärt Calvin an anderer Stelle in darauffolgenden Kapiteln: nämlich, dass sie bei der Erwählung ÜBERGANGEN WERDEN (so der Originalton von Calvin, d.h. also sie werden nicht aktiv zur Verdammnis erwählt und bestimmt) und verworfen werden aufgrund ihrer bösen Werke und ihres Unglauben gegenüber dem Evangelium.
 
Da zu der Zeit von Calvin schon ein Theologe aufgetreten war, der dieses Kapitel aus dem Zusammenhang genommen hatte, so hat Calvin darauf noch einmal eine Stellungnahme schriftlich veröffentlicht wie dieses Kapitel (Buch 3; Kapitel 21) zu verstehen ist.
 
Diese Stellungnahme von Calvin ist hier:
 
Hierin erklärt Calvin noch einmal ganz deutlich: Auch wenn die Verwerfung und das Verlorengehen der Gottlosen in den Ratschluss Gottes miteingeschlossen ist, so geht ihre Verdammnis nicht auf Gott zurück, sodass man Gott es anrechnen könnte…
 
„das würde bedeuten, man macht Gott zum Urheber der Sünde“, so Calvin im Originalton.
 
Vielmehr werden sie verworfen AUFGRUND IHRER EIGENEN SÜNDE UND IHRES UNGLAUBENS und dann fügt Calvin sogar noch hinzu – Zitat: „… dass trotzdem diese Notwendigkeit nicht in der Weise ein Zwang ist, dass der einzelne Sünder zu seiner Entschuldigung sagen könnte, er sei dazu gezwungen worden“ (siehe oben im Link die Stellungnahme von Calvin).
 
Damit steht unter dem Strich: Die Ursache für der Verwerfung und Verdammnis von Menschen liegt BEIM MENSCHEN, bei seinem Unglauben und seinen bösen Werken!
 

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