Wie verhalten sich Errettung und Verdammnis zueinander? (Dirk Noll)

Wie verhalten sich Errettung und Verdammnis zueinander?

Dies ist eine Frage, die unter Christen viel diskutiert ist. Ein Schlagwort von Christen mit Hintergrund Reformation lautet: Die Rettung ist die Sache des Herrn!

Dieser Ausspruch ist kein von Menschen formuliertes Wort, sondern ein wörtliches Zitat von Sprüche 21,31: „Die Rettung ist die Sache des Herrn“.

Wenn die Rettung und vor allem die Rettung des Menschen allein Gott zugeschrieben wird, wie kann dann der Mensch darin noch verantwortlich handeln? Das ist eine Frage, die viele Christen beschäftigt und worüber es in 2000 Jahre Kirchengeschichte umfangreiche Diskussionen gegeben hat.

Der bekannte Vortragsredner Dr. Wolgang Nestvogel ist in seiner Doktorarbeit dieser Frage nachgegangen und hat sie ausführlich behandelt, siehe unter folgendem Link:

https://www.sendbuch.de/a70614/wolfgang_nestvogel/erwaehlung_und/oder_bekehrung

Da nicht jeder, vor allem auch aus Zeitgründen, die Möglichkeit hat, diese herausragende Arbeit zu diesem Thema zu lesen, möchte ich die wesentliche Aussage und das Ergebnis dieser Forschung hier kurz auf den Punkt bringen.

Nach einer ausführlichen Bibelarbeit durch das Alte und das Neue Testament kommt Nestvogel zu dem Ergebnis, dass sich Rettung und Verdammnis des Menschen asymmetrisch zueinander verhalten.

Was bedeutet es nun, dass Rettung und Verdammnis des Menschen sich ASYMMETRISCH zueinander verhalten?

Es bedeutet, dass die Rettung des Menschen auf Gott zurückzuführen ist und die Verdammnis des Menschen auf den Menschen selbst, auf sein eigenes verantwortliches Handeln gegen Gott. In der Reformation hat man diese biblische Tatsache dann so formuliert, dass Gott diejenigen, die verloren gehen, bei seinem Erwählungsratschluss übergangen hat und sie aufgrund ihres Unglaubens und ihrer Werke gegen Gott verloren gehen – das bedeutet asymmetrisch: Die Rettung wird Gott zu geschrieben und die Verdammnis wird dem Menschen zu geschrieben.

Das heißt im Umkehrschluss, wer hier irrt und zu einer falschen Lehre kommt, der sieht den Zusammenhang zwischen Errettung und Verdammnis symmetrisch. Und hier gibt es zwei Möglichkeiten für ein falsches symmetrisches Verständnis vom Evangelium:

  1. Weil die Verdammnis dem Menschen zugeschrieben wird, so wird in symmetrischer Weise auch die Rettung dem Menschen zugeschrieben. Dieses Verständnis finden wir vor allem im Katholizismus und bedeutet unter dem Strich dann ein Evangelium der Werke und nicht mehr aus Gnade.
  2. Da die Rettung des Menschen Gott zugeschrieben wird, wird in symmetrischer Weise auch die Verdammnis Gott zugeschrieben und damit würde man Gott zum Urheber der Sünde machen. Auch das wäre ein Irrtum im Bezug auf die Gnadelehre, und deshalb hat man aus weiser Voraussicht in der Reformation einen solchen Irrtum benannt und von der Bibel widerlegt und verworfen.

Schlussfolgerung: Wenn wir uns also mit dem souveränen Gott und dem Menschen beschäftigen, der in seinen Taten und Werken vor Gott verantwortlich handelt, müssen wir darauf achten, dass wir diese Asymmetrie immer beibehalten: Wir müssen alles Heil und alle Rettung Gott zuschreiben, aber wir handeln darin als Menschen, die vor Gott für ihr Tun verantwortlich sind.

 

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