„Heilsgewissheit“ und „Heilssicherheit“ – die gleiche Sache? – Teil 1 – (Dirk Noll)

„Heilsgewissheit“ und „Heilssicherheit“ – die gleiche Sache? (Teil 1)

Ich werde regelmäßig unter Christen mit der Frage konfrontiert, ob es sich bei den Begriffen „Heilsgewissheit“ und „Heilssicherheit“ um die gleiche Sache oder um zwei verschiedene Sachen handelt?

Deshalb im Folgenden eine kurz zusammengefasste Erklärung zu diesem umfangreichen Thema:

Nach Lesen sämtlicher Bücher und dem Anschauen sämtlicher YouTube-Predigten zu diesem Thema, gibt es in der Verwendung der Begrifflichkeiten Heilsgewissheit/Heilssicherheit heute im Lager der wahren Christen keinen Unterschied.
 
In Büchern und Vorträgen über Heilsgewissheit wird heute häufig auch gleichbedeutend das Wort „Heilssicherheit“ verwendet.
 
Als Beispiel dafür diene eine Andacht aus einer Tageslese von John MacArthur. Die Andacht geht um die Heilsgewissheit des Christen, doch er überschreibt diese mit „ewige Heilssicherheit“. 

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DIE GESCHICHTE DER BEGRIFFLICHKEITEN

 

1. Die Zeit nach den Aposteln in der Alten Kirche
 
Als diese Frage der Heilsgewissheit unter den Christen diskutiert wurde, da verwendete man ursprünglich dafür die Begrifflichkeit „donum perseverantiae“ = das Geschenk der Bewahrung. D.h. auf Deutsch, man glaubte, dass Gott, der den Glauben in uns angefangen hat, auch vollenden wird. Darauf gründeten die Christen ihre Heilsgewissheit.
 
Begründen kann man dies u.a. mit Bibelstellen wie Philipper 1,6: „… weil ich davon überzeugt bin, dass der, welcher in euch ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi“.
 
2. Das Mittelalter
 

Im Mittelalter, als die Gemeinde Jesu sich zur Röm.-Kath.-Kirche entwickelte (mutierte), ging die Lehre von der Heilsgewissheit verloren. Das hing vor allem mit der neuen Gnadenlehre zusammen (dem sog. Semi-Pelagianismus), die sich in der Römischen Kirche entwickelte. Der Semi-Pelagianismus führte in der Konsequenz zu der Rechtfertigungslehre aus Werken. Lehrmäßig formuliert wurde diese Lehre dann von dem katholischen „Normtheologen“ Thomas von Aquin im Hochmittelter des 13.Jahrhunderts in seinem Werk: Summe der Theologie.

https://de.wikipedia.org/wiki/Summa_theologica

Da in dieser mittelaterlichen Gnadenlehre Roms nicht mehr Gott und seine Gnade das Heil des Menschen garantieren, sondern die inneren religiösen Kräfte des Menschen, gab es im römischen Evangelium auch keine Heilsgewissheit mehr.

 
Deutlich wird dies an dem Lehrsatz von Thomas von Aquin „facere, quod in se est“. Wenn der Mensch das tut (an religiösen Kräften), was in ihm ist, kann er das Heil erlangen. Dem hat Martin Luther heftig widersprochen. Siehe im Link unter 2.Theologie:
Fazit: Das Römische Evangelium lässt den Menschen, der sich der Bibel zuwendet und glauben möchte also ohne Heilsgewissheit zurück.
 
Wie das in der Praxis aussieht, siehe der Glaubenskampf Luthers als katholischer Augustinermönch, bis er hier durch Wiedergeburt und Bekehrung zur Heilsgewissheit gelangte. Siehe dazu auch mein Zeugnis, das ich immer wieder in Artikel einbaue, als ich selbst noch Katholik war, und eines meiner Hauptprobleme war, dass ich dort keine Gewissheit des Glaubens finden konnte. Es liegt eben an dem anderen katholischen Evangelium.
 
3. Die Reformation
 

Beim Thema Heilsgewissheit kehrte die Reformation wieder zu der Lehre der Alten Kirche zurück, nämlich zu dem Beharren der Gläubigen. Siehe dazu das Westminster-Bekenntnis aus der Reformation:

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Bzw. siehe auch die Predigt von Dr. Karsten Ernst zu dem Thema Heilsgewissheit, die er gemäß reformatorischem Sprachgebrauch mit „Das Beharren der Gläubigen“ überschrieben hat:

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4. Heute
 
Heute, wie oben bereits schon erwähnt, verwendet man in der Regel den Begriff „Heilsgewissheit“ oder auch „Heilssicherheit“, um um die gleiche Sache auszudrücken. Siehe dazu folgende Predigtreihe, die mit dem Begriff: „Heilsgewisseit“ überschrieben ist: 

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5. Falsche Heilssicherheit
 
Zu erwähnen ist auch noch das Thema „falsche Heilssicherheit“. Wie bereits schon in der Bibel zu sehen, gibt es:
 
-falsche Bekenner
-falsche Brüder
-falsche Christen
-Leute, die ein anderes (falsches) Evangelium glauben.
 
Nach allgemeinem christlichen Verständnis befinden sich solche Personen in einer falschen Heilssicherheit. Sie maßen sich den Glauben selbst an und bekennen sich als Christen, obwohl Christus sie niemals gekannt hat. Solche müssen von ihrem Irrtum überführt werden. Dies geschah unter anderem in der sog. „Lordship-Salvation-Debatte“, die in den 1980er Jahren von John MacArthur angestoßen wurde:
 
 

Dazu erschien dann das erste große Buch von MacArthur zu den wichtigsten Themen der heutigen Zeit für Christen: Lampen ohne Öl.

 


Darin wird das Problem vieler durch ein modernes Evangelium verführter Christen angesprochen, die sich selbst eine falsche Heilssicherheit zusprechen, deren Früchte aber dagegen sprechen, das sie wirklich Christen sind.
 
6. Führt die Lehre von der Heilsgewissheit nicht zu einem sündigen Lebenswandel?
 
Dies wurde Christen zu allen Zeiten vorgeworfen, wenn sie sich zur biblischen Heilsgewissheit bekannt haben. Auch heute noch sind diese verführerischen Stimmen sehr laut.

Eine Predigt mit einer ausführlichen Verteidigung, dass Heilsgewissheit eben nicht zur Sünde führt, gibt es von C.H. Spurgeon:

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