Frage & Antwort: Salomo ein Apostat? (Siegfried Schad / Dirk Noll)

Siegfried Schad: Da wir es in Diskussionen mit Christen immer wieder mit offenem oder verdecktem Perfektionismus zu tun bekommen bzw. auch die Frage der Un/Verlierbarkeit  des Heils immer wieder kehrt, habe ich In meiner Funktion als Moderator einer facebook-Gruppe die Frage gestellt, ob Salomo ein Apostat gewesen sein könnte. Dirk Noll gab hierzu eine erfüllende Antwort.

Dirk Noll: Diese Frage habe ich in verschiedenen Gemeinden schon öfters gehört und zwar nicht von Neubekehrten, sondern von Personen, die angeblich schon Jahre oder Jahrzehnte im Glauben waren… und das halte ich für sehr bedenklich und hinterfragt den Glauben dieser Personen im Hinblick auf seine Echtheit.

Dabei stellte sich am Ende durch weitere Gespräche nämlich immer heraus, dass diese Personen, die diese Frage gestellt hatten, WESENTLICHE und GRUNDLEGENDE Wahrheiten und Aspekte des Evangeliums noch NICHT VERSTANDEN hatten…

nämlich folgende: dass der Mensch nach dem Sündenfall völlig verderbt ist und Sünder IST. Und nachdem ein Mensch durch den Glauben an Christus wiedergeboren wurde, ist er in dem Zustand des „simul justus et peccator“ – zugleich gerecht aber IMMER NOCH SÜNDER.

Daher kommt es, dass alle Gläubigen und auch herausragende Gottesmänner immer noch Sünde in ihrem Leben haben und zwar solange bis sie einmal beim Herrn im Himmel sind. D.h. nun, dass hinter dieser Frage oft ein perfektionistisches Glaubensverständnis steht und das Sündersein auch des Christen nicht wirklich erkannt wird. Diese Personen haben eine oberflächliche Auffassung sowohl von der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes als auch von der Sünde und sehen diese nicht in ihrer ganzen ernsten Realität.

Nun zu der eigentlichen Antwort auf diese Frage:

Salomo war ein TYPUS auf Christus hin, wie auch andere Glaubensväter im AT, Abraham, Josef, David etc (siehe hierzu auch Hebräer Kapitel 11 und auch die Predigt von Spurgeon zu diesem Thema unten). Diese Glaubensväter des AT gehören ALLE zu den Menschen, die errettet sind…

und obwohl sie große Dinge für den Herrn getan haben und sie die Frucht des Geistes und des Glaubens aufweisen, so war aufgrund o.g. biblischer Tatsachen IMMER NOCH SÜNDE in ihrem Leben, bei David war es Ehebruch und Mord und bei Salomo Götzendienst.

Da bei Gott Sünde nicht ungestraft bleibt, war die Folge des Götzendienstes von Salomo, dass das Reich Israel nach seinem Tod geteilt wurde durch Jerobeam und Rehabeam (siehe 1.Könige 11ff. und die Auslegung dazu im Matthew Henry Bibelkommentar unten).

Außerdem habe ich auch Diskussionen im Internet zu dieser Frage verfolgt und so gut wie alle, die anzweifeln, dass Salomo errettet war, haben kein rechtes Verständnis davon, wie man durch den Glauben und allein durch Gnade errettet wird…

Oder anders gesagt: Echten Christen, die wirklich wiedergeboren sind, echte Buße und Früchte der Buße aufweisen und die wirklich die Sündhaftigkeit der Sünde und Gottes gerechten Zorn darüber erkannt haben und dass der Weg der Errettung allein durch Gnade geschieht, DENEN stellt sich die Frage, ob Salomo errettet ist, gar nicht, ganz einfach dadurch, weil er mit den anderen Glaubensvätern in der Bibel in der Gnadenlinie steht.

Das Beispiel von Salomo ist einer der ERNSTESTEN WARNUNGEN in der Bibel vor der Sünde, denn selbst der gesegnetste Gottesmann kann sogar im hohen Alter immer noch in schwere Sünden fallen, wenn er nicht wachsam ist!

FAZIT: Die Frage, ob Salomo aufgrund seiner Sünde errettet war, stellt nur ein Christ, der schwach im Glauben ist, oder den rettenden Glauben, der durch Gnade geschieht noch gar nicht erkannt hat. Der Christ, welcher ein rechtes Verständnis vom Evangelium hat, sieht dagegen hinter der Sünde Salomos eine ernsthafte Warnung vor der Gefahr der Sünde bis in das hohe Alter hinein und dass er bis zum Ende wachsam sein muss und die Realität der Sünde und des Sünderseins des Christen immer im Auge haben muss.

siehe auch Predigt von Charles H. Spurgeon:

Ein Grösserer denn Salomo

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