Kommentar: 30.06.2017 zwei schallende Ohrfeigen an einem Tag (Siegfried Schad) / Kommentar Römer 13, 1-7 „Der Christ und die staatliche Ordnung“ (William McDonald)

30.06.2017: Zwei schallende Ohrfeigen an einem Tag (Siegfried Schad)

2 Nachrichten die uns Christen sehr betreffen:

Bundestag stimmt Ehe für alle zu

Der Bundestag hat mit der Mehrheit von SPD, Grünen und Linken für die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare gestimmt. Bitte hier weiterlesen…

Bundestag beschließt Gesetz zur Löschung von „Falschnachrichten“

Die Bundesregierung forciert die Kontrolle über Inhalte, die in den sozialen Medien geteilt werden. Bitte hier weiterlesen… 

Ich denke daß es an dieser Stelle nicht mehr notwendig ist, nachdem wir uns hier schon vielfältig mit Themen zur Meinungsfreiheit und dem Konflikt befasst haben , daß das christliche Zeugnis von dem Gesetzgeber in Teilen zu einem verbalen Haßverbrechen umgedeutet werden kann, so daß alle Implikationen für Christen aus diesen beiden Gesetzen noch einmal erörtert werden müßten.

Es geht mir in diesem Kontext heute alleine um die Frage: Wie verhalten sich Christen, nach diesen beiden schallenden Ohrfeigen? 

Erschwerend zu unserer Frage kommt hinzu, daß beide Gesetze in eklatanter Weise gegen unsere Verfassung verstoßen. Sind Christen jetzt etwa aufgerufen die Verfassung zu verteidigen und die Regierung zur Rückkehr zum alten Status Quo zu ermahnen?

Ich denke, daß wir eine erfüllende Antwort in dem folgenden Kommentar von William McDonald zu den Versen Römer 13, 1-7 erhalten können, die zudem identisch ist mit den Aussagen von Dr. John MacArthur zum gleichen Kontext (siehe früherer Beitrag am Ende des Artikels).


Der Christ und die staatliche Ordnung (William McDonald)

(Bibelübersetzung Schlachter 2000) Unterordnung unter die Obrigkeit

Röm 13 Jedermann ordne sich den Obrigkeiten unter, die über ihn gesetzt sind; denn es gibt keine Obrigkeit, die nicht von Gott wäre; die bestehenden Obrigkeiten aber sind von Gott eingesetzt. 
Wer sich also gegen die Obrigkeit auflehnt, der widersetzt sich der Ordnung Gottes; die sich aber widersetzen, ziehen sich selbst die Verurteilung zu.
Denn die Herrscher sind nicht wegen guter Werke zu fürchten, sondern wegen böser. Wenn du dich also vor der Obrigkeit nicht fürchten willst, so tue das Gute, dann wirst du Lob von ihr empfangen! 
Denn sie ist Gottes Dienerin, zu deinem Besten. Tust du aber Böses, so fürchte dich! Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; Gottes Dienerin ist sie, eine Rächerin zum Zorngericht an dem, der das Böse tut. 
Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um des Zorngerichts, sondern auch um des Gewissens willen. 
Deshalb zahlt ihr ja auch Steuern; denn sie sind Gottes Diener, die eben dazu beständig tätig sind. 
So gebt nun jedermann, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer, Zoll, dem der Zoll, Furcht, dem die Furcht, Ehre, dem die Ehre gebührt.

Kommentar

In Beziehung zu unserer Regierung 
13,1 Diejenigen, die durch den Glauben gerechtfertigt sind, sind verpflichtet, sich ihrer irdischen Regierung zu „unterwerfen“. Eigentlich gilt diese Verpflichtung für alle, doch der Apostel beschäftigt sich hier in besonderer Weise mit den Gläubigen. Gott hat die irdische Regierung nach der Flut eingesetzt, als er bestimmte: „Wer Menschenblut vergiesst, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden“ (1. Mose 9,6). Diese Bestimmung gab den Menschen die Autorität, über Kriminalität zu urteilen und die Täter zu bestrafen.

In jeder geordneten Gesellschaft muss es Autoritäten und Unterwerfung unter die Autorität geben. Andernfalls haben wir den Zustand der Anarchie, und unter der Anarchie kann man nicht leben. Jede Regierung ist besser als keine Regierung. Deshalb hat Gott die menschliche Regierung eingesetzt, und wenn es keine gibt, so widerspricht das seinem Willen. Das bedeutet nicht, dass er alles gutheisst, was menschliche Herrscher tun. Er heisst ganz gewiss keine Korruption, Brutalität oder Tyrannei gut! Doch eine Tatsache steht fest: „Die bestehenden“ Regierungen „sind von Gott verordnet“.

Gläubige können sowohl in einer Demokratie, in einer konstitutionellen Monarchie oder sogar unter einem totalitären Regime siegreich leben. Keine irdische Regierung ist besser als die Menschen, aus denen sie besteht. Deshalb ist keine unserer Regierungen vollkommen. Die einzige ideale Regierungsform ist eine wohlwollende Monarchie unter dem Herrn Jesus Christus als König. Es ist hilfreich, sich daran zu erinnern, dass Paulus diesen Abschnitt über die Unterwerfung unter die irdische Regierung schrieb, als der schreckliche Nero Kaiser war. Es war für die Christen eine schlimme Zeit. Nero beschuldigte sie, ein Feuer gelegt zu haben, das halb Rom zerstörte (und das er wahrscheinlich selbst hat legen lassen). Er liess einige Gläubige in heissen Teer tauchen und sie dann als lebende Fackeln verbrennen, um seine Orgien zu beleuchten. Andere wurden in Tierhäute eingenäht und dann wilden Hunden vorgeworfen, um von ihnen in Stücke gerissen zu werden.

13,2 Und doch ist es eine feststehende Wahrheit, dass derjenige, der sich gegen die Regierung auflehnt oder ihr nicht gehorcht, gegen Gottes Gebot verstösst. „Wer sich“ also der gesetzlichen „Macht widersetzt“, verdient Bestrafung.

Es gibt allerdings eine Ausnahme. Ein Christ muss nicht gehorchen, wenn ihm die Regierung eine Sünde befiehlt oder wenn er seinen Glauben an Jesus Christus verleugnen soll (Apg 5,29). Keine Regierung der Welt hat das Recht, das Gewissen eines Menschen zu vergewaltigen. Deshalb gibt es Zeiten, in denen ein Gläubiger sich den Zorn von Menschen zuziehen muss, wenn er Gott gehorchen will. In solchen Fällen muss er sich darauf vorbereiten, die Strafe ohne ungehörige Klagen zu ertragen. Unter keinen Umständen sollte er gegen die Regierung rebellieren oder sich an einem Versuch beteiligen, diese zu stürzen.

13,3 In der Regel müssen Menschen, die richtig handeln, keine Behörden fürchten. Nur diejenigen, die das Gesetz brechen, müssen die Strafe fürchten. Wenn also jemand ein Leben ohne Strafmandate, Geldstrafen, Gerichtsverhandlungen und Gefängnisaufenthalte führen will, dann muss er nur als gesetzestreuer Bürger leben. Dann wird er die Zustimmung der Behörden erhalten, nicht ihren Tadel.

13,4 Der Herrscher, gleich, ob es sich um einen Präsidenten, einen Kanzler, einen Bürgermeister oder Richter handelt, ist ein Diener Gottes in dem Sinne, dass er ein Diener und Stellvertreter des Herrn ist. Er mag Gott nicht persönlich kennen, doch ist er noch immer offiziell von Gott eingesetzt. Deshalb hat David den bösen König Saul wiederholt als Gottes Gesalbten bezeichnet (1. Sam 24, 7.11; 26,9.11.16.23). Trotz der wiederholten Versuche Sauls, David umzubringen, wollte dieser seinen Männern nicht erlauben, dem König Leid zuzufügen. Warum? Weil Saul der König war, und als solcher war er vom Herrn ernannt worden.

Als Diener Gottes wird von den Herrschern erwartet, dass sie das „Gute“ fördern – die Sicherheit, den Frieden und das allgemeine Wohlergehen der Menschen. Wenn irgendjemand darauf besteht, das Gesetz zu brechen, dann muss er erwarten, dass er bestraft wird, weil die Regierung die Autorität hat, ihn vor Gericht zu stellen und zu bestrafen. In dem Ausdruck „sie trägt das Schwert nicht umsonst“ haben wir eine wichtige Aussage über die Macht, die Gott der Regierung verleiht. „Das Schwert“ ist nicht einfach ein harmloses Machtsymbol, dazu hätte ein Zepter ausgereicht. „Das Schwert“ scheint von der unbegrenzten Macht des Herrschers zu sprechen – nämlich die Todesstrafe zu verhängen. Deshalb reicht es einfach nicht aus, zu behaupten, dass die Todesstrafe während des Alten Testaments galt, nicht jedoch im Neuen Testament. Hier haben wir die Aussage des Neuen Testaments, die nahelegt, dass die Regierung das Recht hat, das Leben eines Schwerverbrechers zu fordern. Meist wird gegen diese Ausführungen mit 2. Mose 20,13 argumentiert: „Du sollst nicht töten.“ Doch dieses Gebot bezieht sich auf Mord, und die Todesstrafe ist kein Mord. Das hebräische Wort, das in den meisten Übersetzungen mit „töten“ wiedergegeben wird, wird nur für „morden“ benutzt und z. B. in GN so wiedergegeben: „Du sollst nicht morden.“ Die Todesstrafe war im alttestamentlichen Gesetz die vorgeschriebene Strafe für einige schlimme Verbrechen.

Und wieder erinnert uns der Apostel daran, dass die Obrigkeit „Gottes Dienerin“ ist, doch diesmal fügt er hinzu: „Eine Rächerin zur Strafe für den, der Böses tut.“ Mit anderen Worten, sie dient Gott nicht nur „zum Guten“ für uns, sondern dient ihm auch als Werkzeug zur Bestrafung der Gesetzesbrecher.

13,5 Das bedeutet nun, dass wir aus zwei Gründen gehorsame Untertanen der Regierung sein sollten – aus Furcht vor Strafe und aus dem Verlangen heraus, ein reines „Gewissen“ zu haben.

13,6 Wir schulden der Regierung nicht nur Gehorsam, sondern auch finanzielle Unterstützung durch „Steuern“. Es ist unser Vorteil, in einer Gesellschaft zu leben, in der Gesetz und Ordnung herrschen, in der es eine Polizei und andere Ordnungsdienste gibt, und deshalb müssen wir auch bereit sein, uns an den Kosten zu beteiligen. Die Beamten setzen ihre Zeit und ihre Fähigkeiten dazu ein, Gottes Willen zur Erhaltung einer stabilen Gesellschaft zu erfüllen, und deshalb haben sie ein Anrecht darauf, von den Bürgern unterhalten zu werden.

13,7 Die Tatsache, dass Gläubige Bürger des Himmels sind (Phil 3,20), enthebt sie nicht von ihren Verpflichtungen gegenüber der menschlichen Regierung. Sie müssen alle „Steuern“ zahlen, die auf ihr Einkommen, ihr Kapital und ihr Privatvermögen erhoben werden. Sie müssen den vorgeschriebenen „Zoll“ für Waren entrichten, die aus anderen Ländern stammen. Sie müssen Ehrfurcht vor denen haben, die mit der Durchführung der Gesetze betraut sind. Und sie sollten die Namen und Ämter aller Staatsdiener ehren (auch wenn sie deren persönliches Leben nicht immer respektieren können).

In dieser Beziehung sollten Christen sich nie daran beteiligen, abfällig über einen Präsidenten oder Kanzler zu reden. Auch in der Hitze politischer Auseinandersetzungen sollten sie sich weigern, in die Schimpftiraden einzustimmen, mit denen das jeweilige Staatsoberhaupt überschüttet wird. Es steht geschrieben: „Von dem Obersten deines Volkes sollst du nicht schlecht reden“ (Apg 23,5).

 

Quelle: Kommentar zum Neuen Testament – William McDonald
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