MICHA-INITIATIVE SETZT SICH FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG EIN (DR. MARTIN ERDMANN) / Vorbemerkung (Siegfried Schad) [Update 2017 des Buches „DER GRIFF ZUR MACHT“]

Vorbemerkung (Siegfried Schad)

Wer sich mit der Literatur von Dr. Martin Erdmann schon näher befasst hat, dem werden meine folgenden Worte nicht übertrieben vorkommen: Nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch im internationalen Maßstab gibt es keinen Apologeten der eine präzisere Gesamtschau über die Tendenzen des Abfalls im Evangelikalismus und dessen Netzwerke und Verbindungen aufgezeigt hat, als Dr. Martin Erdmann. Zu meiner großen Freude, hat Dr. Martin Erdmann gestern angekündigt, daß er sein 2011 geschriebenes Buch  Der Griff zur Macht: Dominionismus – der evangelikale Weg zu globalem Einfluss in aktualisierten Auszügen als Artikel präsentieren wird. Meine angekündigte Buchlesung wird aus zeitlichen Gründen ohnehin erst in 1-2 Monaten beginnen und von den aktuellen Texten Dr. Martin Erdmanns auch passend ergänzt werden.

Anmerkung in eigener Sache: Mir erscheint die thematische Trennung meiner Blogs immer weniger sinnvoll … meine Überlegungen tendieren dahin, das überaus wichtige Thema des Dominionismus bzw. der Gesellschaftstransformation, das bisher auf dem Blog out-of-the-blue.world separat behandelt wurde, auf DER RUF zu integrieren … Ihr könnt mir gerne Eure Meinung dazu sagen, denn gewisse Einwände von einigen Brüdern korrespondieren mit meinen eigenen Überlegungen meinen Blog out-of-the-blue.world nicht ganz, aber einige Grade zu entpolitisieren … ich bin noch unentschlossen wie ich fortfahren möchte. 


MICHA-INITIATIVE SETZT SICH FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG EIN (DR. MARTIN ERDMANN)

(Quelle: Dr. Martin Erdmann http://veraxinstitut.ch)

Im November 2011 veröffentlichte der Betanien-Verlag das Buch Der Griff zur Macht: Dominionismus – der evangelikale Weg zu globalem Einfluss. Es fand rasch eine breite Leserschaft unter denen, die mit Besorgnis die Vereinnahmung der evangelischen Landeskirche und der freien Gemeinden und christlichen Werke für rein politische und soziale Zwecke wahrnahmen. Der Autor versuchte zu erklären, welche negativen Entwicklungen in der Christenheit der westlichen Welt am Gange waren. Der Verleger fasste den Inhalt des Buchs wie folgt zusammen: „Die Evangelikalen suchen und gewinnen immer mehr Anerkennung und Einfluss in Gesellschaft und Politik. Doch zu welchem Preis? Entspricht dieser Weg dem biblischen Evangelium oder ist er ein Irrweg? Es ist Zeit, dass die Christen die wahren Beweggründe von „besucherfreundlichen Gottesdiensten“, „Emerging Church“, Rick Warrens Bestrebungen und der „Transformation“ von Gemeinden und Gesellschaft erfahren. Dr. Martin Erdmann ist ein profunder Kenner der Zusammenhänge auf christlicher, politischer und wirtschaftlicher Ebene und verdeutlicht hier eine brisante und eklatante Notlage.“

In den vergangenen fünf Jahren haben sich viele gefragt, wie die Entwicklung im innerkirchlichen Raum weitergegangen ist und welche Veränderungen sich eingestellt haben. In eingehenden Recherchen bin ich diesen Fragen nachgegangen und versuche in der nahen Zukunft, die gewonnenen Erkenntnisse denen zu vermitteln, die ein Interesse am geistlichen Wohlergehen der Gemeinde Jesu und an der Erfüllung des Missionsbefehls haben. Vor der Beschäftigung mit neuen Themen ist es jedoch sinnvoll, noch einmal einige der wichtigen Inhalte des Buchs Der Griff zur Macht aufzugreifen. Deshalb werde ich in einer fortlaufenden Serie an Artikeln einzelne Buchauszüge veröffentlichen. Es ist dabei zu beachten, dass die Informationen auf dem Stand der Dinge gegen Ende des Jahres 2011 und davor Bezug nehmen. Manche Fakten haben sich mittlerweile etwas verändert. Beispielsweise heißen die UN-Millennium-Entwicklungsziele jetzt „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung„. Angegebene Links sind gegebenenfalls nicht mehr aktuell.

Der Griff zur Macht: Dominionismus – der evangelikale Weg zu globalem Einfluss

Im deutschsprachigen Raum treten Befürworter der „Micha-Initiative“ mit großem Eifer an die Öffentlichkeit. Zahlreiche christliche Werke und Verbände in Deutschland unterstützen die Initiative.[1] Die Träger der „Stop Armut 2015“-Aktion[2], wie die „Micha-Initiative“ in der Schweiz heißt, sind unter anderem die folgenden Missionswerke: SIM International-Schweiz[3], Wycliffe[4], Schweizer Allianz Mission[5], tearfund.ch[6], HMK (Hilfe für Mensch und Kirche)[7] und frontiers[8].

Die Deutsche Evangelische Allianz[9] (DEA) wirkt im Rahmen der „Micha-Initiative“[10] an vorderster Front für die Umsetzung der UN-Millennium-Entwicklungsziele.[11] Das Buch Der Kampf gegen Armut – Aufgabe der Evangelischen Allianz[12] ist „eine Art theologische Begründung und Reflektion“ [13] dieser Initiative. Die Herausgeber sind Thomas Schirrmacher[14], Rektor des Martin-Bucer-Seminars, und Andreas Kusch[15], Dozent für Transformative Entwicklungspraxis an der Akademie für Weltmission. Der Generalsekretär der DEA, Hartmut Steeb, nennt verschiedene Gründe, wieso der „Geschäftsführende Vorstand“ beschloss, im Rahmen des Arbeitskreises Politik[16] eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die sich mit den Fragen der „Micha-Initiative“ beschäftigt.[17] Diese Arbeitsgruppe erhielt den Auftrag, ihre Arbeit in Verbindung mit der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen und weiteren Missions- und Hilfswerken aufzunehmen und setzte ihn in der Folgezeit um. Steebs Gründe sind aufschlussreich, wieso eine tatkräftige Solidarisierung mit einem Projekt der UN in Angriff genommen werden sollte. In einem Interview mit der Schweizer Redaktion von idea antwortete Steeb am 20. Juli 2005:

„1. Die [UN-] Millenniumsziele sind auch eine Herausforderung für Christen. Es kann uns nicht gleichgültig sein, dass Hunger, Armut, Krankheit, Bildungsmangel und viele Nöte auf dieser Welt zwar gesehen werden, aber längst nicht alles uns eigentlich Mögliche getan wird, um diesen Nöten zu begegnen. Wir haben zwar „allezeit Arme“ bei uns; wir sind nicht angesteckt von einer Euphorie, die meint, Menschen könnten auf Erden paradiesische Zustände herstellen. Aber das entbindet uns nicht von der Aufgabe, die uns möglichen Schritte zur Verbesserung auch der menschlichen Nöte zu tun. […] 3. Die Evangelische Allianz hat sich von Anfang an nicht nur um die Fragen des Heils, sondern auch um die Fragen des Wohls gekümmert. Evangelisation und gesellschaftliche Verantwortung sind der evangelikalen Bewegung schon Mitte des 19. Jahrhunderts in die Wiege gelegt worden. In der Lausanner Verpflichtung von 1974 wurde das noch einmal neu gefasst. Auch viele Evangelikale in unserem Land haben diese Erklärung unterzeichnet. Es ist wie eine Selbstverpflichtung, sich für diese Ziele einzusetzen.“[18]

Dieses politische und soziale Engagement der Repräsentanten der Neoevangelikalen Deutschlands passt bestens in das Bild, das die DEA von sich selbst seit Jahren gibt. Es stimmt völlig mit ihren „politischen Grundüberzeugungen“ überein, die sie in der 28-seitigen Broschüre „Sucht der Stadt Bestes“ veröffentlicht hat. Mit dieser Broschüre informierte der Verband am 22. Mai 2009 über die gesellschaftlichen Ziele der Bewegung.[19]

Die Initiative zur Bekämpfung der Armut mag oberflächlich gesehen löblich erscheinen. Blickt man allerdings unter die Oberfläche, erkennt man den Dominionismus. Die „selbstlose” Gemeinnützigkeit ist nicht unbedingt das, wofür sie sich ausgibt. Soziale Dienstleistungen sind werbeträchtig so konzipiert, dass der – ansonsten höchstgradig anstößige Dominionismus – in bestem Licht erscheint. So können die öffentlichen Meinungsmacher in der Welt positiv beeindruckt werden. Zudem ist der Aufruf an die Christen, persönliche Opfer zu bringen, um das große Ziel einer von Armut befreiten Welt zu erreichen, ideal geeignet, neue „Rekruten“ für die Armee der „Milliarde von freiwilligen Fußsoldaten” anzuheuern. Es überrascht nicht, dass Rick Warren zu einem der tatkräftigsten Befürworter der „Micha-Initiative“ zählt, die er in einem elektronischen Rundschreiben im Zuge der ONE-Kampagne[20] besonders lobend hervorhob.[21]


[1] In Deutschland: Anstoß zur Hoffnung, Allianzmission, Berliner Stadtmission, Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Bund Freier evangelischer Gemeinden, Compassion Deutschland, Christoffel-Blindenmission (CBM), CVJM-Gesamtverband in Deutschland e.V., Deutscher Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC) e.V., Deutsche Fernschule e.V., Deutsches Institut für Ärztliche Mission (Difäm), Deutsche Missionsgemeinschaft, EmK-Weltmission, Eudim e.V., ERF-Medien; Europäische Baptistische Mission, Förderkreis Terra Nova Mondai, Geschenke der Hoffnung, Gemeinsam für Berlin e. V., humedica, IGW Deutschland – Institut für Gemeindebau & Weltmission, Kinderhilfswerk Global Care, Kirche des Nazareners, Kindernothilfe, Koalition für Evangelisation – Lausanner Bewegung Deutschland, Kreuz des Südens, MAF Germany e.V., Missionswerk Frohe Botschaft, Missionswerk Neues Leben, Offensive Junger Christen, Opportunity International Deutschland, ORA International, Reach Across e.V., Speak Netzwerk Deutschland, Studentenmission in Deutschland, World Vision Deutschland, Weigle-Haus Essen.

[2] http://www.stoparmut2015.ch

[3]

[4] http://www.wycliffe.ch

[5]

[6] http://www.tearfund.ch

[7] http://www.hmk-aem.ch

[8] http://www.frontiers.ch

[9] http://www.ead.de/index.php?id=184 ; siehe auch „Über Armut reden – Christen im Gespräch mit Bundestagsabgeordneten“: http://www.ead.de/fileadmin/daten/dokumente/micha/FlyerA4-Abgeordnetengespr%C3%A4che.pdf

[10] http://www.micha-initiative.de

[11] http://www.ead.de/arbeitskreise/micha-initiative/bis-2015-wollen-wir.html

[12] Bonn: VKW 2009.

[13]

[14]

[15] http://www.awm-korntal.de/studium_dozenten_de,555,138.html

[16] http://www.ead.de/materialien/materialien/arbeitskreis-politik.html

[17]

[18] http://www.ead.de/materialien/materialien/arbeitskreis-micha.html.

[19] ; Thomas Schirrmacher berichtet auf seinem persönlichen Weblog über die Entstehungsgeschichte und den Inhalt dieser politischen Proklamation: „Der Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) hat das Ergebnis einer längeren redaktionellen erfreulichen Zusammenarbeit von Dr. Horst Afflerbach und Dr. Stephan Holthaus und mir nach vielen immer neu überarbeiteten und erweiterten Fassungen, die von vielen Entscheidungsträgern immer wieder durchgesehen wurden, nun verabschiedet und veröffentlicht als: ‚Sucht der Stadt Bestes‘: Zur Verantwortung der Christen in Staat und Gesellschaft: Eine Stellungnahme der Deutschen Evangelischen Allianz.“

[20] http://www.one.org/international/

[21] Rick Warren versandte am 4. Juni 2005 eine E-Mail „Will You Join Me?“. Diese E-Mail enthielt die Kopie eines Briefs an Präsident George W. Bush vom 1. Juni, den U.S.-Religionsführer unterzeichnet hatten.


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