OKKULTE RITEN SOLLEN AUFSCHLUSS ÜBER EXISTENTIELLE FRAGEN DES MENSCHEN GEBEN (DR. MARTIN ERDMANN)

(Quelle: Dr. Martin Erdmann http://veraxinstitut.ch)

Folge 8 über Mystizismus

Um die heutigen geistlichen Strömungen in den evangelikalen Gemeinden richtig einordnen zu können, ist es nötig, sich näher mit dem Mystizismus zu beschäftigen. Nicht nur in östlichen Religionen, sondern auch im Westen ist die Vorstellung weit verbreitet, dass Gott und der Mensch eine Einheit bilden. Mittels Magie erforschten die Renaissance-Menschen nach ihrem Ursprung und Schicksal.

Die Suche nach Erlösung in den Religionen dieser Welt

In der esoterischen Tradition gibt es eine Fülle von mythischen und symbolischen Erzählungen, die von der Heimkehr des Geistes aus der Ferne berichten. Die Befürworter der Irrlehre des Gnostizismus zur Zeit der frühen Christenheit meinten, dass der unerlöste menschliche Geist (pneuma) kein Selbstbewusstsein besitze; er sei vom Gift der Welt betäubt. Nur im wachen Zustand könne die Unwissenheit überwunden werden. Die volkstümliche Überlieferung alchemistischen (okkulten) Gedankenguts kennt ähnliche Geschichten. Die Finsternis der physischen Natur müsse in der Wiedergeburt des geistlichen Lichts überwunden werden. Selbsterkenntnis sei die Erlösung des geistlichen – aber dennoch materiellen – Körpers von der Korruption des Fleisches. Selbst in der indischen Religion (tantrisch) und in der chinesischen Religion (taoistisch) werden die im Körper zirkulierenden Bahnen des Lichts beschrieben, sodass ein Geist-Körper von dem „wahren Samen“ geboren werden könne. Feuer erwecke den Embryo dieses höheren Wesens zum Leben.[1]

Im Osten und auch im Westen wird der Mensch für göttlich gehalten

Nach jahrelangem Studium esoterischer Werke kam der Psychologe Carl G. Jung zum Schluss, dass der Mensch durch die Alchemie (Magie) die himmlische Substanz (substantia coelestis) wahrnimmt, sodass der Menschengeist das ihm angeborene, wahre Ebenbild Gottes erkennt. Die himmlische Substanz ruhe in sich selbst, sei unvergänglich und doch lebendig. Sie könne als universales Hilfsmittel dienen.[2] In seinem Werk „Mysterium Conjunctionis“ beschrieb C. G. Jung die im westlichen Denken verwurzelte Überzeugung, wonach Gott und der Mensch zwei verschiedene Wesen sind. Im Gegensatz dazu gehe man in Indien davon aus, dass die Beiden zweifellos eine Identität bilden; denn dort begreife man den menschlichen Verstand als Teil des die Welt schaffenden Geistes.[3] Wenig später jedoch gestand er den Alchemisten vergangener Zeiten zu, dass diese die angeblich im Verborgenen liegende Gottesgleichheit des Menschen wenigstens vermutet haben.[4] Jung beharrte zwar weiterhin auf seinen Standpunkt, lag damit aber falsch. Die westliche Religions- und Philosophiegeschichte entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine Geschichte, die die Darstellung Jungs nahezu ins Gegenteil verkehrt. Gerade im Westen nahm die Identifikation von Gott und Mensch einen besonderen Stellenwert ein und ist geradezu ein hervorstechendes Merkmal. Es kann C.G. Jung nicht entgangen sein, dass er seine These selber zu Fall brachte, weil er ja Bezug auf die Alchemie genommen hat, die die Göttlichkeit des Menschen hervorhebt.

 

Okkulte Symbole in fast allen Zivilisationen

Immer und überall forscht die Menschheit nach ihrem Ursprung und Schicksal. Dabei verwendet sie Symbole, die weltweit ähnlich sind. Symbole, die Jung in dem „kollektiven Unterbewusstsein“ entdeckt zu haben meinte, finden Verwendung in den religiösen Riten fast aller Zivilisationen. Es spiegelt das unstillbare menschliche Bedürfnis wider, sich mit Fragen der höheren Bedeutung des Seins zu beschäftigen. In der Wahrheitssuche richtet sich das Interesse stets auf das Gleiche: Man möchte die Antwort auf fundamentale Fragen des Lebens finden; der Mensch begegnet mit großer Entschiedenheit der Herausforderung, das Rätsel seiner erhabenen Stellung im Universum zu lösen und seinen ihm rechtens zustehenden Platz im Gefüge der Welt einzunehmen. In okkulten Kreisen schmelzen das Diesseits und das Jenseits zusammen. Ein privilegierter Geistesmensch (Magier, Alchemist oder Theosoph) empfange die Fülle der Macht, wenn er die Grundwahrheit der Verschmelzung und Aufhebung der Differenz von Mensch und Gott akzeptiert. Der Historiker Alexandre Koyré behauptet, dass diese Annahme typisch für die Renaissance-Menschen war, die in die Mysterien der Esoterik eingeweiht waren. Der Renaissance-Mensch meinte, göttliche Fähigkeiten zu besitzen, weil er den Kosmos als eine Einheit verstand.[5]

[1] Mircea Eliade, The Two and the One (New York: Harper & Row, 1969) 48.
[2] C. G. Jung, Mysterium Conjunctionis (Princeton, N.J.: Princeton University Press, 1970) 525.
[3] Jung, Mysterium Conjunctionis, 109.
[4] Ebd.
[5] Alexandre Koyré, Revue d’histoire et de philosophie religieuses, III: 1-2 (Strasbourg, 1933).
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