EUROPÄISCHE BANKEN ERWARTEN FINANZSTÜTZE AUS AMERIKA (DR. MARTIN ERDMANN)

(Quelle: Dr. Martin Erdmann http://veraxinstitut.ch)

Im Hinblick auf die Finanzkrise in Europa zogen amerikanische Finanzexperten den Schluss, dass die finanzielle Stützung des europäischen Bankensystems durch die amerikanische Zentralbank nicht mehr eine Eventualität, sondern nur noch eine Frage der Zeit und der Vorgehensweise sei. Zeitungen und Nachrichtensendungen sind voll von Berichten, die auf die schrecklichen Konsequenzen eines Zusammenbruchs des Euros hinweisen. Die wirtschaftliche Unterstützung Europas sei der einzige Weg, um eine weltweite Wirtschaftsdepression zu verhindern. Diese Behauptungen sind aber nichts weiter als Angstmacherei. Die 2008 in Amerika ausgelöste Finanzkrise hat ähnliche Stimmen aus dem Bankenmilieu laut werden lassen. Anscheinend hat man vielerorts vergessen, dass Europa jahrhundertelang auch ohne ein gemeinsames Zahlungsmittel zurechtkam und der Euro als neue Geldzeichen-Währung erst vor ca. zehn Jahren eingeführt worden ist.

Die wirkliche Ursache der wirtschaftlichen Depression ist die verschwenderische und inflationäre Finanzpolitik: die Erzeugung von Geldzeichen aus dem Nichts und die durch die Zentralbank vorgenommene Monetisierung der Staatsschulden liegen jedem wirtschaftlichen Aufschwung und Zusammenbruch zugrunde. Doch es ist gerade diese unverantwortliche Finanzpolitik, die die politischen und wirtschaftlichen Eliten nicht alleine in Europa, sondern auch in den Vereinigten Staaten als Lösung der gegenwärtigen Krise vorschreiben. Man ist sich darin einig, dass drastische Maßnahmen eingeleitet werden müssen. Der im Moment diskutierte nächste Schritt sieht eine finanzielle Stützung Europas durch die europäische Zentralbank in Höhe von mehreren Billionen Euro vor. Geldspritzen in Milliardenhöhe sollten auch von dem International Monetary Fund und der amerikanischen Zentralbank beigesteuert werden.

Der Euro stand von Anfang an auf einem unsicheren Fundament. Hinter der Schaffung des Euro lag die Absicht, eine neue Geldzeichen-Währung in Umlauf zu bringen, die ähnliche Eigenschaften wie der Dollar haben würde. Man übersah dabei jedoch die Tatsache, dass der Dollar sich über fast zwei Jahrhunderte von einer bestimmten Gewichtseinheit in Silber zu einer durch keine Edelmetalle gedeckten Geldzeichen-Währung entwickelt hatte. Dem Euro fehlte diese Entwicklungsgeschichte, denn er wurde von vornherein als ungedeckte Geldzeichen-Währung konzipiert. Deshalb ist es nicht überraschend, dass er nur zehn Jahre überlebte und jetzt kurz vor dem Zusammenbruch steht.

Die wirtschaftliche Depression in Europa ist das Ergebnis der strukturellen Schwäche des Euros, einer Geldzeichen-Währung, die es einigen Mitgliedsstaaten erlaubte, mittels enormer Kreditaufnahmen und niedriger Zinsen weit über ihre Verhältnisse zu leben. Die Erwartungshaltung dieser Staaten, dass andere Länder und Kreditgeber diese Schulden in der Zukunft begleichen würden, entspringt einer Unverantwortlichkeit ohnegleichen.

Banken, die in fast wertlose Staatsobligationen investiert haben, müssen sich mit großen Verlusten abfinden. Die Anpassung ihrer Bilanz an die in der Wirklichkeit herrschenden Verhältnisse wird durch eine Finanzspritze nur unnötig in die Länge gezogen. Finanzielle Verluste sollten nicht sozialisiert werden, d.h. der Steuerzahler sollte nicht zur Kasse gebeten werden, wenn Banken in ihren Investitionen große Verluste einfahren. Sicherlich ist es richtig, dass viele Banken insolvent wären, wenn sie die enormen Verluste in ihrem Dossier an staatlichen Anleihen zugeben müssten. Gingen diese Finanzinstitutionen bankrott, würde die dadurch ausgelöste Wirtschaftskorrektur sicherlich schmerzhaft, aber von kurzer Dauer sein und man würde sich schnell eines neuen Wirtschaftswachstums erfreuen. Die notwendige Korrektur würde jedoch dadurch verhindert werden, wenn den europäischen Staaten finanzielle Stützung gegeben wird.

Ein viele Milliarden Euro umfassendes Hilfspaket an die europäischen Staaten kann nicht alleine von der Europäischen Zentralbank übernommen werden. Die International Monetary Fund und die amerikanische Zentralbank werden gefordert sein, gleichfalls gewaltige Geldsummen den Europäern zur Verfügung zu stellen. Dass Amerikaner jedoch zur Kasse gebeten werden, um Europa aus dem finanziellen Chaos zu helfen, ist an sich schon eine Ungeheuerlichkeit. Die Wirtschaftsprobleme in den Vereinigten Staaten rühren daher, dass die amerikanische Bundesregierung schon viel zu viel Schulden gemacht hat. Wieso sollte die amerikanische Wirtschaft weiter in die Krise gestürzt werden, nur um die Schulden anderer Staaten zu begleichen, die Tausende Kilometer entfernt liegen?

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