DIE TRAGISCHEN FOLGEN DES MYSTIZISMUS AUF EVANGELIKALE GEMEINDEN (DR. MARTIN ERDMANN)

(Quelle: Dr. Martin Erdmann http://veraxinstitut.ch)

Folge 1 über Mystizismus

In unserer Zeit, in der es eine Vielfalt von Meinungen und Geistesströmungen gibt, ist es wichtig, dass man sich die Mühe macht, nicht nur die Bibel gründlich zu lesen, sondern sich auch mit Dogmatik und Kirchengeschichte auseinanderzusetzen. In dieser Hinsicht sind wir auf die Werke von Theologen und Historikern angewiesen. Auch wenn es immer noch gute christliche Literatur gibt, so wird es doch allmählich schwieriger, eine gute Wahl zu treffen hinsichtlich der Buchtitel, die man sich kauft. Die zur Verfügung stehende Zeit, um sich dem Bücherlesen hinzugeben, ist in der Hektik des Alltags auch oft begrenzt. Dennoch werden wir nicht umhinkommen, uns hinreichend über die geistlichen Strömungen innerhalb der evangelikalen Gemeinden zu informieren, um gewappnet zu sein, Fehlentwicklungen erkennen zu können. Da sich die Ereignisse in der Entwicklung des Evangelikalismus hin zu einer ökumenischen Bewegung, die nicht mehr viel mit ihrem geistlichen Erbe gemein hat, geradezu überstürzen, bleibt nicht mehr viel Zeit übrig, um gewappnet zu sein, eine fundierte Antwort denen geben zu können, die danach fragen, wie man sich gegen falsche Einflüsse in den Gemeinden zur Wehr setzt. Die Zahl derer, die nicht glücklich darüber sind, dass wir uns weigern, mit ihnen am gleichen Strang der Gemeinde- und Gesellschaftstransformation zu ziehen, nimmt auch kontinuierlich zu.

Beurteilung der Gegenwart und Vergangenheit

Deshalb sieht sich das Verax Institut vor die Aufgabe gestellt, Artikel zu schreiben, die sich sowohl mit den aktuellen Ereignissen innerhalb des Evangelikalismus befassen als auch darüber hinausgehen. Sicherlich ist es wertvoll und notwendig, auf das gegenwärtige Geschehen in den Kirchen und in der Gesellschaft einzugehen und dieses aus dem biblischen Blickwinkel zu bewerten. Um dies jedoch effektiv tun zu können, ist es unerlässlich, auf Fehlentwicklungen der Vergangenheit zurückzublicken. Dabei beschränken wir uns nicht nur auf die evangelikale Szene in Deutschland und der Schweiz, denn das, was im Evangelikalismus der deutschsprachigen Länder als neuer Weg in der Gestaltung der Gottesdienste angesehen wird, wird schon seit geraumer Zeit in amerikanischen und australischen Gemeinden praktiziert.

Christen sollten den Einfluss der Romantik verstehen

Welche Themen sind nun von vorrangiger Wichtigkeit, um die nötigen Erkenntnisse zu sammeln, die nötig sind, die geistlichen Strömungen in den evangelikalen Gemeinden geschichtlich und theologisch richtig einordnen zu können? Eine schlüssige Antwort liegt auf der Hand: an oberster Stelle steht das Thema des Mystizismus. So kennzeichnend der Rationalismus für die Epoche der Moderne war, die in den 1960er Jahren mehr oder minder ihr Ende fand, so ist es der Irrationalismus in der heutigen Zeit. Der Irrationalismus stützt sich auf den Mystizismus. Nützlich ist, besonders eine Geistesströmung näher zu betrachten, die in der Vergangenheit völlig vom Mystizismus geprägt war: die Romantik. Jeder bibelgläubige Christ sollte diese in ihren Grundzügen verstehen, um erkennen zu können, wie tief sich der Einfluss gerade dieser Art des Mystizismus im Christentum festgesetzt hat. Tausende von Büchern wurden über die Romantik geschrieben, gerade auch deshalb, weil sie ein internationales Phänomen war und bis heute geblieben ist. Es gibt eine französische Romantik, neben die sich eine deutsche, englische, russische und amerikanische stellt, um nur einige Beispiele zu nennen.

Statt reformatorischer Theologie wird Mystizismus gepredigt

Gewisse Vorentscheidungen müssen getroffen werden, wie dieses fast unerschöpfliche Themengebiet sinnvoll begrenzt werden kann, sodass man nicht in der Fülle der Fakten die eigentlichen Aspekte übersieht, die von höchster Bedeutsamkeit sind. In den kommenden Wochen werden wir uns deshalb in einem ersten Schritt mit dem geistesgeschichtlichen und religiösen Hintergrund des Mystizismus befassen und in einem zweiten die mystischen Einflüsse in den heutigen Gemeinden aufzeigen, die unmittelbar mit einer wieder belebten Romantik einhergehen. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass man die Verkündigung der reformatorischen Theologie mit ihren zentralen Lehren der Rechtfertigung durch den Glauben allein und dem stellvertretenden Sühneopfer Jesu am Kreuz von den Kanzeln der evangelikalen Gemeinden fast ersatzlos gestrichen hat. Hierin tut sich eine Tragik ohnegleichen auf.

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