Antwort auf Äußerungen von Michael Diener (Friedemann Wunderlich)

Friedemann Wunderlich – Mission für Süd-Ost Europa

abcFriedemann Wunderlich schreibt im Mitteilungsblatt der MSOE März/April 2016 Thema: Michael Diener und sein Kurs:

Es ist etwas faul

Er zitiert zuerst einmal C.H. Spurgen, er schrieb:

Es gibt nichts Neues in der Theologie, außer dem, was falsch ist. Wenn du etwas Neues predigst, ist es nicht wahr. Wenn du etwas Wahres predigst, ist es nicht neu.

Die Bibel- und die Wahrheitsfrage

„Unvorstellbar!“, hätte ich vor 15 Jahren gesagt, was in diesen Wochen unter den Evangelikalen passiert. Es tobt ein Richtungskampf innerhalb der evangelikalen Bewegung. Selten hat in den vergangenen Jahrzehnten eine Kontroverse die evangelikale Bewegung so aufgewühlt. Es ist ein Richtungskampf, in dem es um das Wesentliche geht: die Bibel und die Wahrheitsfrage. Die Spaltung ist kaum noch aufzuhalten.Der gemeinsame Konsens innerhalb der evangelikalen Christenheit wird mehr und mehr aufgelöst. Mit dem neuen Toleranzverständnis, dass die Bibel mehrdeutig zu lesen und zu verstehen sei, auch im Blick auf die Bedeutung der Homosexualität, brechen geistliche Dämme. Bis vor wenigen Jahren war es noch unvorstellbar, dass sich ein Vorsitzender der Evangelischen Allianz und ein Präses des Gnadauer Verbandes in dieser Weise äußern.

Noch schlimmer als die Aussagen von führenden Repräsentanten der evangelikalen Bewegung ist die Zustimmung in den Vorständen dieser Bewegung. Viele stimmen der postmodernen Position von M. Diener zu. Es wird dort von Versöhnung gesprochen zwischen der liberalen Christenheit und den Konservativen. Das alles wird von der säkularen Öffentlichkeit beobachtet und kommentiert. So schrieb die Tageszeitung „Die Welt“, am 30.01.2016:

Durch liberale Thesen ist Michael Diener als oberster Repräsentant der frommen Protestanten untere heftigen Beschuss durch Bibeltreue geraten. Es geht um Homosexualität und Toleranz.Ein Text in in der „Welt“ hat eine ganze Bewegung in die Krise gestürzt. Nachdem Michael Diener, der Chef der deutschen Evangelikalen, im Dezember von den frommen Protestanten mehr Gelassenheit gegenüber Homosexuellen sowie mehr Selbstkritik und religiöse Toleranz gefordert hatte, sind unter den Pietisten und Evangelikalen heftige Konflikte ausgebrochen. Bibeltreue Konservative griffen Diener frontal an. Liberalere verteidigten ihn. Es gab Protestversammlungen und öffentliche Erklärungen.

Der Streit ist notwendig

Dieser Streit ist gut. Jetzt kommt Klarheit in die evangelikale Bewegung. Jetzt wird offensichtlich, was sich vielleicht schon seit Jahren angedeutet hat, aber bisher nie offen ausgesprochen wurde, um die eigenen konservativen Mitglieder und Unterstützer nicht zu beunruhigen. Nun wird offensichtlich, dass die Bekenntnisse auf dem Papier häufig von der Praxis abweichen. Wir können als Missionswerk nicht schweigen, weil wir ein Teil dieser Bewegung sind. In den vergangenen 113 Jahren waren wir an allen geistlichen Diskussionen beteiligt. Unsere gesamte Missionsarbeit ist in ihrer Gestaltung untrennbar mit der Bibelfrage und der Wahrheitsfrage verbunden. Wer sein Bibelverständnis an die Zeit, in der er lebt, anpasst und im Glauben modern sein will, der muss aufpassen, dass er nicht anfängt zu modern, zu faulen oder geistlich zu verwesen . Unter den Evangelikalen hat es angefangen, gewaltig zu stinken.

Es ist etwas faul, wenn Menschen wichtiger werden als Gott

Das ist der Schlüssel in der Diskussion. Es geht gar nicht um das, was wir denken und sagen, sondern es geht um die Heiligkeit und Offenbarung Gottes. Wir haben es in den letzten Jahrzehnten einfach zugelassen, dass bei vielen Kongressen, in vielen Gemeindeprogrammen, in Kirchen und und Verbänden Menschen in den Mittelpunkt rückten. Da wird nach der Effektivität der Arbeit gefragt und die Bibel zeitgemäß behandelt. Wer Gottes Wort relativiert, der hat es in der Auseinandersetzung mit Gott selbst zu tun. Die entscheidende Frage bei allen Themen muss sein: „Wie denkt Gott darüber?“ Wenn evangelikale Repräsentanten etwas verkündigen, was der Bibel widerspricht, dann wird Gott selbst sein Urteil sprechen, weil er sich die Ehre von niemandem nehmen lässt.

Es ist etwas faul, wenn Versöhnung wichtiger wird als die Wahrheit

Es ärgert viele Christen, dass die Bibel in ihren Aussagen eindeutig ist. Es kann z.B. in der aktuellen Beurteilung der gelebten Homosexualität nichts Neues geben, außer es ist falsch. Es stört den modernen Menschen, dass er an dem biblischen Zeugnis nichts verändern kann. Also wird die Bibel umgeschrieben und verfälscht oder es wird gesagt, dass jeder die Bibel individuell für sich liest und so verstehen kann, wie er sie verstehen will. Evangelikale Leiter propagieren die postmoderne Haltung, dass das friedliche Nebeneinander wichtiger ist als die Wahrheit der Bibel. Man spricht von der neuen Versöhnungskultur, und so steht alles gleich gültig nebeneinander. Es gibt aber keine Einheit ohne die Wahrheit. Und darüber, was Wahrheit ist, bestimmen nicht Menschen, sondern jede Wahrheit wird durch die inspirierte Bibel offenbart.

Es ist etwas faul, wenn Christen die Ausbreitung des Islam fördern

Große Sorge bereitet uns als Missionswerk auch die deutliche Unterstützung von Präses Diener für die Beteiligung des EKD-Ratsvorsitzenden Prof. Heinrich Bedford-Strohm an der Gründung einer Münchener Großmoschee. Nach den eindeutigen Aussagen der Bibel ist der Islam eine antichristliche Religion, weil sie die Gottessohnschaft Jesu ablehnt. Der Koran ist ein antichristliches Buch, weil er viele Irrlehren enthält. Und so befremdet es uns sehr, wenn der EKD-Ratsvorsitzende sich dahingehend äußert, dass die „Begegnung mit dem Reichtum anderer Glaubenstraditionen“ ihn zu „einem glücklicheren Menschen“ mache und es könne „berührend und bereichernd sein (…), wenn man sich vom Ruf des Muezzins mit hineinnehmen lässt in dessen Gottesdienst“. Auch an dieser Stelle hätten wir uns gewünscht, dass sich der Repräsentant der Evangelikalen in Deutschland deutlich äußert. Aber stattdessen stellen sich andere Mitglieder des Allianzvorstandes hinter solche Initiativen. Wer für das klare Bekenntnis des christlichen Glaubens eintritt, der muss auch den falschen Glauben benennen.

Klare Positionen

Wir sind dankbar, dass in diesen aufgeflammten Diskussionen andere Repräsentanten der Evangelikalen eindeutig Stellung bezogen haben. Der Artikel von Rolf Hille1 über die Zuverlässigkeit der Bibel, den wir auf der nächsten Seite abdrucken, trägt zur Klarheit bei und zeigt die fatalen Konsequenzen einer relativierenden Bibelauslegung. Dankbar sind wir für den offenen Brief von Ulrich Parzany2 und das durch ihn Ende Januar initiierte Netzwerk „Bibel und Bekenntnis“.

Die Bibelkritik ist der Tod im Topf

Die nun neu so öffentlich ausgesprochene Haltung Michael Dieners bedeutet in praktischer Konsequenz, dass die Gemeinschaft des Glaubens aufgekündigt wird. Wir sehen die Äußerungen Michael Dieners als einen gefährlichen und falschen Kurs an, der schwerwiegende Folgen für die Bewegungen der Evangelikalen in Deutschland haben wird. Michael Diener spaltet die Evangelikalen in seinem Versuch, zur Versöhnung zwischen der liberalen und evangelikalen Welt beizutragen. Wenn dieser Weg so weitergegangen wird, wird es zu neuen Bekenntnisallianzen kommen müssen.

Ja, es ist die Zeit gekommen, dass Christen aufstehen und auch eindeutig Stellung beziehen gegenüber den Irrlehren der Kirchen und Gemeinden. Wir distanzieren uns von der weiteren Relativierung der Bibel. Gottes Wort ist zeitlos und gültig, und es ist anmaßend, Gottes klare Offenbarung zu verwässern, auch wenn es in guter Absicht geschehen sollte. Als Nachfolger Jesu sind wir keiner Kirche oder Organisation gegenüber verpflichtet, sondern allein Gottes Wort. „Die Kirche Jesu Christi wird nicht zugrunde gehen an den Widerständen der Welt, sondern an den eigenen unberufenen Mitarbeitern,“sagte Hermann von Bezzel (1861-1917) Anfang des des 20. Jahrhunderts vorausschauend im Blick auf die Zeit, in der wir heute leben.

Irrtümer tolerieren, fördert die Spaltung

Nicht die Wahrheit zerstört die Einheit. Wer Irrtümer gutheißt, der fördert die Spaltung. Das neue postmoderne Denken, das in die Gemeinde Jesu eingezogen ist, ist nicht eine moderne und attraktive Form des alten Glaubens, sondern ein falsche Lehre, mit der wir keine Gemeinschaft haben können.

Nur was Gott tut, bleibt. Und Gott braucht uns Menschen nicht. Wer sein Wort in Frage stellt, der stellt sich selbst in Frage. Er lässt sich seine Ehre von niemandem nehmen! Wir wollen unseren Dienst in der gottesfürchtigen Haltung unter der Autorität seines Wortes tun.

Friedemann Wunderlich

(Kontakt: FriedemannWunderlich@msoe.org)

2http://www.idea.de/thema-des-tages/artikel/offener-brief-parzany-kritisiert-allianz-vorsitzenden-diener-83605.html


Eingestellt von Baldur Gscheidle © Friedemann Wunderlichalle Rechte an diesem Artikel vorbehalten.

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