Willow Creek: „zig“-Strategien und noch immer kein Erfolg (Georg Walter) / Vorbemerkung (Siegfried Schad)

(Quelle: Siegfried Schad www.der-ruf.info)

Vorbemerkung (Siegfried Schad)

Es ist keine Laune des Blogbetreibers, daß jetzt hier der 3. Artikel über Willow Creek in Folge erscheint, sondern mehr einer zufälligen Häufung auf Georg Walters Blog http://distomos.blogspot.de und der Zusendung eines Artikels von Bruder Baldur Gscheidle zu verdanken. Zudem ist diese Häufung auch gewissermaßen überfällig und auch durchaus gewollt von mir, denn ich habe schon lange nichts mehr zu Willow Creek gepostet, obwohl mich nach meiner Bekehrung dieses Programm in einer besucher-freundlichen Modell-Gemeinde Deutschlands für 6,5 Jahre verfolgte, bis ich aus dieser austrat. Im Rückblick sehe ich heute wie die eine Irrlehre von Willow Creek, zum näch-sten Verführer Rick Warren führte und letztendlich in dem bibelfernen, mystischen syn-kretistischen, emergenten Gedankengut (vorläufig) endete  – dies ist eine grandiose Abwärtsspirale in Sachen biblischer Wahrheit, die mit einer pragmatischen Idee begann die Kirchen wieder zu füllen.

siehe auch Artikel:

Wenn Pragmatismus Glauben zerstört – das Paradies-Projekt (Siegfried Schad)


Willow Creek: „zig“-Strategien und noch immer kein Erfolg (Georg Walter)

(Quelle: Georg Walter http://distomos.blogspot.de)

Bereits im Jahre 2012 bekannte Bill Hybels, dass er „von der geringen Resonanz [auf Willow Creek Deutschland]“ enttäuscht sei. Hybels hatte mit „größerem Gemeindewachstum“ und „stärkerer Ausstrahlung in die Gesellschaft“ gerechnet.1 Nun heißt es in einem aktuellen Bericht in idea, dass auch der Theologieprofessor Michael Herbst einräumt, der Durchbruch sei Willow Creek in Deutschland versagt geblieben. „‘Wir wollten missionarisch Kirche sein. Wir wollten neue Gottesdienste. Wie haben große Events veranstaltet‘, so der Theologe. Man habe ‚zig Strategien‘ ausprobiert, sei aber nicht ans Ziel gelangt. Er sei dankbar für jeden Einzelnen, der zum Glauben gefunden hat, aber man habe die Kirchendistanzierten und Konfessionslosen nicht in dem erhofften Maß erreichen können“, so der Bericht in idea.2

Doch das Willow-Creek-Konzept ist nicht nur in Deutschland gescheitert. Am 30. Oktober 2007 erschien ein Artikel von Bob Burney mit dem Titel Ein Schockierendes „Bekenntnis“ der Willow Creek Community Gemeinde (A Shocking “Confession” from Willow Creek Community Church),3 der schnell Verbreitung fand und seitdem vielfach zitiert wurde. Das Bekenntnis Bill Hybels bestand darin, dass die seit nunmehr über 30 Jahre bestehende, von Hybels gegründete Willow Creek Gemeinde mit ihrem pragmatischen Modell von Gemeindebau es nicht vermochte, den Leuten zu helfen, geistlich reife Jünger zu werden.

 

Die Gemeindewachstumsbewegung kann kaum positive Frucht vorweisen. Robert Schuller, einer der Gemeindewachstumsgurus in den USA, musste aufgrund hoher Schulden seine Crystal Cathedral (Hour of Power), die lange als Vorzeigeprojekt des pragmatischen Gemeindebaus galt, an die katholische Kirche verkaufen. Glühende Vertreter der Gemeindewachstumsbewegung wie Bill Hull erkannten nach Jahrzehnten, wie sehr sie ins Leere gelaufen waren.

Bill Hull, dessen Prognosen sich aus heutiger Sicht als zutreffend erwiesen haben, fasste bereits im Jahre 1992(!) seine jahrelangen Beobachtungen und Einblicke in diese Bewegung in folgender Schlussfolgerung zusammen, die man ernst nehmen sollte:

„DIE BEWEGUNG HAT MEHR FRUSTRATION ALS WACHSTUM ERZEUGT“

Wenn die Untersuchungen stimmen (90 Prozent der amerikanischen Gemeinden haben 200 oder weniger Gottesdienstbesucher in einem Gottesdienst am Sonntagmorgen), dann haben alle diese Schwerpunkte und alle diese Aktivitäten nicht wirklich die beabsichtigten Resultate erzeugt. Elmer Towns berichtet, dass es vor zwanzig Jahren 100 Megagemeinden gab (mehr als 1000 Mitglieder); heute gibt es 4000. Lyle Schaller glaubt, dass diese Anzahl in den 90er Jahren zunimmt. Diese Fakten sagen uns zwei Dinge, die unser Thema berühren. Erstens, da die Anzahl der Gläubigen stagniert, versagen wir in der Evangelisation. Zweitens, die Anzahl kleinerer Gemeinden wird abnehmen, während die Megagemeinden zunehmen werden. Schaller behauptet, dass 50 Prozent der Christen 7 Prozent der Gemeinden besuchen. Wenn die Megagemeinden zahlenmäßig wachsen werden, dann werden sie ihre Mitglieder aus den restlichen 90 Prozent der Gemeinden (200 Mitglieder und weniger) rekrutieren.
Wenn nicht von Gott begabte Gemeindegründer damit beginnen, die wirklich Unerreichten zu erreichen, dann werden sie weiterhin die Erreichten erreichen. Andernfalls werden die größeren Gemeinden wachsen, während die kleineren Gemeinden schrumpfen. Daher sagt George Barna voraus, dass in den 1990er Jahren 100.000 Gemeinden schließen werden.“4

Weder in Quantität (Zahlen) noch in der Qualität (geistliche Frucht) kann die Gemeindewachstumsbewegung überzeugend unter Beweis stellen, dass sie etwas Positives oder gar Beständiges hervorgebracht hat. Der Grund hierfür besteht im falschen Fundament der unbiblischen pragmatischen Philosophie ihrer Gründer und Protagonisten. Unter dem Titel Das Alte Kreuz und das Neue Kreuz fasst A. W. Tozer, der noch vor der Entstehung der Gemeindewachstumsbewegung lebte, das Fundament von Gemeindearbeit und Mission treffend zusammen: „Wenn wir das Evangelium verkündigen, sollten wir uns nicht als Vertreter für Öffentlichkeitsarbeit betrachten, die ein gutes Einvernehmen zwischen Christus und der Welt schaffen wollen. Wir sollten uns nicht als Personen betrachten, die Christus für die Wirtschaft, die Presse, die Welt des Sports oder das moderne Bildungswesen akzeptabel machen. Wir sind keine Diplomaten, sondern Propheten, und unsere Botschaft besteht nicht aus einem Kompromiss, sondern aus einem Ultimatum.“

Derartige Trends sind in der Geschichte der Gemeinde jedoch nichts Neues. Ein Spurgeon zugeschriebenes Traktat Schafe weiden oder Böcke belustigen? bringt zum Ausdruck, dass schon zu Zeiten Spurgeons die Sucht nach Unterhaltung drohte, das geistliche Leben in der Gemeinde Jesu zu ersticken. Spurgeon schreibt: „Die ‚christliche Unterhaltung’ verfehlt ihren Zweck. Sie richtet unter Jungbekehrten verheerenden Schaden an. Lasst die Sorglosen und Spötter, die GOTT danken, dass die Kirche ihnen auf dem halben Weg entgegengekommen ist, aufstehen und Zeugnis geben. Lasst die Schwerbeladenen zu Wort kommen, die durch das ‚christliche’ Konzert Frieden fanden. Lasst die Alkoholiker aufstehen, bei denen das ‚christliche’ Theaterstück den entscheidenden Ausschlag zu ihrer Bekehrung gab. Niemand wird sich erheben! Die Evangelisation durch Unterhaltung führt niemanden zur Bekehrung.“5

Anmerkungen
1 Willow-Creek-Gründer von Wirkung in Deutschland enttäuscht, 26.1.2012.
URL: http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/willow-creek-gruender-von-wirkung-in-deutschland-enttaeuscht-21228.html.
2 Willow-Creek-Bewegung: Kein Durchbruch in Deutschland, 13.2.2016.
URL: http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/willow-creek-bewegung-kein-durchbruch-in-deutschland-93657.html.
3 Bob Burney, A Shocking Confession from Willow Creek Community Church, 30. Oktober 2007.
URL: http://townhall.com/columnists/BobBurney/2007/10/30/a_shocking_%E2%80%9Cconfession%E2%80%9D_from_willow_creek_community_church.
Den ins Deutsche übersetzten Artikel kann man unter folgender Webadresse nachlesen:
URL: .

4 Bill Hull, Gemeindewachstumsbewegung – ein Fazit?, KFG, Zeitschrift 4/07.
URL: http://kfg.org/zeitschrift/archiv/apologetik-kritisches/.
5 Charles Spurgeon, Schafe weiden oder Böcke belustigen.
URL: http://www.soundwords.de/artikel.asp?id=1021.

 

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