Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt (Dirk Noll) / Vorbemerkung (Siegfried Schad)

Vorbemerkung (Siegfried Schad)

ich bedanke mich ganz herzlich bei Dirk Noll für diesen Artikel, der sehr vieles was ich bisher in diesem Kontext fragmentarisch geschrieben habe zusammenfasst. Dirk Noll schreibt:

„… Dagegen lassen sich heute leider zu viele Christen vom Dominionismus locken. Sie folgen den Konzepten verschiedener evangelikaler Führer (meist aus den USA), um das „Reich Gottes auf Erden zu bauen“. Sie wollen Einfluss auf die Politik nehmen und durch gesellschaftliche Veränderungen (um nicht zu sagen Umstürze) wollen sie eine Neue Weltordnung erreichen.“

In diesem Abschnitt ist die Botschaft und eine der hauptsächlichen Warnungen dieses Blogs zusammengefasst. Vielen Dank!

S. Schad 12.12.2015 www.der-ruf.info


(Quelle: Dirk Noll https://der-ruf.info)

Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt

Im Verlag der Brüdergemeinden gibt es seit Jahren ein Kirchengeschichtsbuch, das diesen Titel trägt. Darin wird dargestellt, in welcher Gestalt die Gemeinde Jesus seit der Zeit der Apostel bis heute in den vergangenen 2000 Jahren zu finden ist.

Die Gemeinde nahm ihren Anfang mit den 12 Aposteln, von denen 11 auf gewaltsame Weise den Märtyrertod starben, danach kamen 300 Jahre Christenverfolgung (mit kurzen Unterbrechungen) im römischen Reich. In der Zeit der Reformation wurde (ungeachtetet zahlreicher Schwachheiten und Fehler der Christen in dieser Zeit) das Wort Gottes und das Kreuz Christi wieder in den Mittelpunkt gestellt. Die Folge: Christen wurden verfolgt und es wurde erneut unschuldiges Blut vergossen.

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Diese Gestalt der Gemeinde Jesu scheint so gar nicht in unsere Zeit zu passen und Christen meinen sehr oft, dass es ihnen immer nur gut gehen müsste, wenn sie Jesus nachfolgen.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle an die wahre Gestalt der Gemeinde Jesu erinnern: Die Gemeinde Jesu befindet sich seit 2000 Jahren in Knechtsgestalt.

Die echten und wahren Zeichen der Gemeinde Jesu, der wiedergeborenen Kinder Gottes, sind in Schwachheit, Krankheit, Verfolgung, Anfechtung und Niedrigkeit. Oder anders gesagt, die Gemeinde Jesu fällt in der Welt nicht durch großen Reichtum, Prunk und Gold auf (wie die römische Papstkirche).

Die wahre Gemeinde Jesu regiert auch nicht politisch in dieser Welt, in ihr sind nur wenige mächtige, reiche und einflussreiche Leute zu finden und diese wenigen „angesehenen in der Welt“ nutzen ihre von Gott gegebenen Mittel in erster Linie, um sie für die Förderung des Evangeliums einzusetzen und nicht um hohe Posten in der Welt zu bekommen.

Dagegen lassen sich heute leider zu viele Christen vom Dominionismus locken. Sie folgen den Konzepten verschiedener evangelikaler Führer (meist aus den USA), um das „Reich Gottes auf Erden zu bauen“. Sie wollen Einfluss auf die Politik nehmen und durch gesellschaftliche Veränderungen (um nicht zu sagen Umstürze) wollen sie eine Neue Weltordnung erreichen.

Darüberhinaus führt die Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt auch keinen Lebensstil auf der „Überholspur“, wo man immer nur glücklich, gesund und erfolgreich in der Welt ist, wie uns das die heutigen Prediger des sog. Wohlstands-Evangeliums verkaufen wollen.

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn Jesus, das ist alles ein ganz großer Schwindel!

Das wahre Erscheinungsbild in der jetzigen Zeit ist nicht die „triumphierende Kirche“. Die Christen sind im jetzt und heute noch nicht in dem herrlichen Zustand, in dem sie in und vor der ganzen Welt in Zukunft einmal herrlich leuchten werden. Das geschieht erst mit der Wiederkunft Jesu und der Auferstehung der Toten.

Jetzt ist die Gemeinde Jesu in Verachtung und Niedrigkeit vor der Welt. Sie ist in Knechtsgestalt. Dieser Begriff geht auf den leidenden Gottesknecht im Buch Jesaja zurück. Wie Jesu vor den Augen der Welt hässlich und schmachvoll erschien, so erscheint auch jetzt die wahre Gemeinde vor den Augen der Welt.

Die Gemeinde Jesu lebt aber in der Hoffnung, einmal verherrlicht zu werden. Sie wartet in Geduld darauf. Erst dann, wenn Jesus wiederkommt, wird die Gemeinde für immer verherrlicht sein, dann wird sie die triumphierende Gemeinde sein. Dieser Begriff wurde besonders von Martin Luther geprägt. Er warf der mittelalterlichen Katholischen Kirche vor, dass sie aus der jetzigen Gemeinde Jesu eine triumphierende Kirche (ecclesia triumphans) machen würde.

Damit wird die zukünftige Hoffnung auf die Herrlichkeit schon in die jetzige Zeit in die gefallene Welt hineingeholt. Dagegen postulierte Luther die Theologie des Kreuzes (theologia crucis). Die jetzige Gemeinde ist die Gemeinde des Kreuzes. Sie lebt allein aus dem Glauben an Jesus Christus und folgt ihm nach.

Nach meinem Dafürhalten ist dies auch der große Irrtum unserer Tage!

Anstatt das „Skandalon des Kreuzes“ auf sich zu nehmen, will man schon jetzt in der Welt etwas gelten und vor den Menschen als erfolgreich erscheinen.

In Hebräer 11 werden die Glaubenshelden des AT aufgeführt. Sie sind auch ein gutes Beispiel für die heutigen Christen. Sie waren alle Pilger auf dem Weg zu himmlischen Stadt; sie waren hier in der Welt keine triumphierende Kirche, die in den Augen der Menschen groß und reich war. Hören wir was über Mose gesagt wird:

„Durch den Glauben wollte Mose, als er groß geworden war, nicht mehr als Sohn der Tochter des Pharao gelten, sondern wollte viel lieber mit dem Volk Gottes zusammen misshandelt werden als eine Zeit lang den Genuss der Sünde haben, und hielt die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens; denn er sah auf die Belohnung“ (Hebr 11,24-26).

Liebe Christen, schämt euch des Kreuzes Christi nicht und lasst euch nicht von dem Glanz und Ansehen dieser Welt blenden. Nehmt vielmehr das Kreuz Christi auf euch, folgt IHM nach und reiht euch in die große Schar derer ein, die in den letzten 2000 Jahren die Gestalt der Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt angenommen haben!


 

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