„Von den Juden und ihren Lügen“ – Martin Luther (Dirk Noll)

(Bilderquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther_und_die_Juden zur Wiederverwendung und Veränderung gekennzeichnet)

„Von den Juden und ihren Lügen“ – Was Luther wirklich über die Juden geschrieben hat anhand seiner Originalschriften

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Martin Luther hat im Jahr 1543 eine Schrift herausgegeben, die diesen Titel trägt (siehe rechts).

Seit Jahren verbreitet sich auch unter evangelikalen Christen die Anklage gegen Luther, dass dies eine Hetzschrift gegen Juden wäre und dass Martin Luther angeblich ein Antisemit und Judenhasser gewesen sei.

Dem wollen wir nun in einem kurzen Beitrag nachgehen und aus seinen eigenen Schriften feststellen, ob dem wirklich so gewesen ist.

War Martin Luther tatsächlich ein Judenhasser oder hat er nur Christus und das Evangelium gegen talmudische Irrlehren verteidigt?

1. Schriften von Luther über die Juden

Wenn man die Gesamtausgabe aller Lutherschriften (Die Weimarer Ausgabe) durchgeht, stellt man fest, dass Luther 4 wesentliche Schriften über die Juden geschrieben hat. Diese werden hier alle mit Links angegeben, sodass man sofort die Schriften aufrufen kann und nachprüfen kann, wie es sich verhält.

Das Problem ist hier, dass Leute über Luthers Schriften diskutieren, die diese gar nicht gelesen haben oder nur irgendwo Zitate aufgeschnappt haben, die aus dem Zusammenhang gerissen sind.

Es dürfte klar sein, dass eine solche Vorgehensweise äußerst unseriös ist, und man auf diesem Weg nur zu einem falschen Bild über Luther kommen kann. Das ist wie bei den Leuten, welche die Bibel beurteilen wollen, ohne diese jemals selbst gelesen zu haben oder nur irgendwo Bibelzitate aus dem Zusammenhang gerissen haben.

2. Luther rechnete damit, dass Juden zum Glauben an Jesus Christus kommen

Die erste Schrift von Luther über die Juden lautet: Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei (WA Band 11, ab S. 306). Man kann diese Schrift hier in der Originalausgabe der Lutherschriften, also in der Weimarer Ausgabe, nachlesen. Da hier so viele Falschinformationen im Umlauf sind, bitte ich jeden Aufrichtigen unter den Christen, die Sache selbst zu prüfen und die Schriften von Luther einmal im Zusammenhang zu lesen, wie er wirklich über die Juden gedacht hat:

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Darin weist Luther nach, dass Jesus Christus der erwartete Messias ist, den die Juden erwarten (in dieser Schrift findet sich keine Zeile von Judenhass oder Antisemitismus). Zu dieser Zeit rechnete Luther damit, dass mit der Ausbreitung des Evangeliums in der Reformation auch Juden zum Glauben kommen.

Die erste Schrift von Luther ist also eine evangelistische Schrift speziell für Juden geschrieben, in welcher er aus dem AT und NT nachweist, dass Jesus der verheißene Messias des jüdischen Volkes ist.

Sie enthält kein einziges Wort über Judenhass, sondern im Gegenteil, sie offenbart das Herz von Martin Luther, der besorgt darum war, dass das jüdische Volk, das er als Volk Gottes sieht und als Geliebte um der Väter willen, das Evangelium hört und glaubt und somit für die Ewigkeit durch Christus errettet wird.

3. Die Rabbiner der Synagogen in Deutschland greifen die Reformation an

Wie nun bereits schon im Neuen Testament z.B. in der Apostelgeschichte reagiert die geistliche Leiterschaft der Juden in Form der Rabbiner und Schriftgelehrten sehr aggressiv auf den Namen Jesus und das Evangelium und greift die Christen unmittelbar an.

Darauf verteidigt Luther noch einmal in einer weiteren Schrift, dass Jesus Christus der Messias vor allem auch für die Juden ist und schreibt: Wider die Sabbather (WA Band 50, ab S. 312). Diese Schrift kann hier unter dem Link nachgelesen werden:

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Da die Synagogen-Leiter nun befürchten, dass sich das Evangelium auch unter den Juden ausbreiten könnte, gehen sie zum Gegenangriff über, und verbreiten überall, dass JESUS DER SOHN EINER HURE sei (was sie aus dem Talmud entnehmen). Aus diesem Grund könne Jesus nicht der Messias sein, so behaupteten die Rabbiner in ihrem Hauptargument gegen Jesus.

„Rabbi Shimon ben Azzai sagt: Ich habe in Jerusalem ein Buch mit Geschlechtsregistern gefunden und darin steht geschrieben >>Jesus ist der Sohn einer Hure<<„(Talmud: Yevamoth 4,18).

4. Luther antwortet darauf mit der Schrift: „Von den Juden und ihren Lügen“

Diese Schrift kann hier unter dem Link nachgelesen werden:

http://www.denkendorfer-kreis.de/images/pdf_Dateien_u_a/DokumenteTexte/1543_Luther_Von_den_Juden_und_ihren_Lgen.pdf

Wir stellen uns nun die Frage: Handelt es sich hier wirklich um eine antisemitische Schrift, wie manche behaupten?

Nun, Luther wirft in dieser Schrift den Juden „Lügen“ vor. Damit ist auch schon die Stoßrichtung der Schrift klar. Es geht nicht um die Vernichtung der Juden (was ja das Wort „Antisemitismus“ bedeutet), sondern um die Widerlegung verschiedener Lügen.

Da man solche Schriften immer im Kontext (Zusammenhang) lesen muss, wollen wir fragen: Um welche Lügen handelt es sich dabei und wer sind die Personen, die diese Lügen verbreiten?

Zur ersten Frage: Um welche Lügen geht es darin konkret, die Luther den Juden vorwirft? Es handelt sich konkret um die Lüge, dass Jesus nicht der Messias ist, sondern der Sohn einer Hure sei. Wo diese Lehre genau herkommt, sie oben das Zitat aus dem Talmud.

Was genau der Talmud ist, siehe hier in folgendem Kurzartikel:

https://der-ruf.info/2015/10/07/4386-2/

Luther schreibt zu dieser Lüge in der Schrift „Die Juden und ihre Lügen“ wörtlich: „diese Lehre der Rabbiner ist wie die Lehre des Papstes Abgötterei und sie kennen die Bibel nicht“.

Luther schreibt also nicht gegen alle Juden oder das jüdische Volk, sondern gegen die Rabbiner der Synagogen und ihre, ja man muss es so nennen: bösartigen, widergöttlichen Irrlehren über Christus. Es geht hier also explizit nicht um Antisemitismus und die Vernichtung des jüdischen Volkes, sondern um die schreckliche Lüge der Rabbiner, die unseren Herr Jesus Christus in schlimmster Weise beleidigen.

Hier einmal eine Zwischenfrage: Wie reagieren wir als Christen darauf, wenn unser Herr und Heiland als „Sohn einer Hure“ bezeichnet wird und sogar mit dem Hintergrund, dass dadurch Menschen vom Glauben an das Evangelium abgebracht werden sollen.

Würden wir dann nicht auch mit dem gleichen scharfen Ton wie Luther sagen: „Das ist Abgötterei und sie kennen die Bibel nicht?“

Luther findet zu dieser Gotteslästerung strenge Worte und bezeichnet diese Rabbiner als „Pestilenz“ und „verbrennt ihren Talmud“ oder „wenn Mose noch leben würde, dann würde er den Talmud verbrennen“ und schließt das mit Gerichtsurteilen über abgefallene Juden aus den alttestamentlichen Propheten ab.

KANN MAN DARAUS WIRKLICH DIE SCHLUSSFOLGERUNG ZIEHEN, DASS LUTHER EIN ANTISEMIT WAR?

Die eindeutige Antwort lautet: NEIN.

Das wäre so, als würde man Johannes 8,44 zitieren, wo Jesus zu den Juden sagt: „ihr habt den Teufel zum Vater“ und behaupten, die Bibel wäre ein antisemitisches Buch. Das ist kompletter Unsinn.

In gleicher Weise, wie in diesem irrsinnigen Beispiel, werden auch manchmal Zitate aus Luthers Schrift aus dem Zusammenhang gerissen, um diese als antisemitisch auszugeben.

5. Luthers wahre Haltung gegenüber den Juden

Ich will sie zu meinen Freunden haben und dass sie Christus annehmen. Aber dass sie Jesus als den Sohn einer Hure bezeichnen, kann ich nicht akzeptieren.

3 Tage vor seinem Tod hat Luther seine letzte Predigt gehalten und noch einmal zu den Juden Stellung bezogen. Das zeigt, dass es ihm ein Herzensanliegen war. In der Predigt schrieb Luther:

So wollen wir sie (die Juden) gerne als unsere Brüder halten… und bieten ihnen ernstlich den christlichen Glauben an, dass sie den Messias wollen annehmen… Nun ists mit den Juden (gemeint sind die Rabbiner) so getan, dass sie unseren Herrn Jesus Christus täglich nur lästern und schänden…. hören nicht auf, unsern Herrn Jesus Christus zu lästern, heißen die Jungfrau Maria eine Hure, Christum ein Hurenkind…. Wollen sich auch die Juden zu uns bekehren und von ihrer Lästerung und was sie sonst getan haben, aufhören, so wollen wir es ihnen gerne vergeben… etc“.

http://archive.org/stream/werkekritischege51luthuoft…

6. Fazit

Man kann anhand der Schriften von Martin Luther feststellen, dass Luther weder ein Antisemit noch Judenhasser war. Er wollte ein Freund der Juden sein und dass sie Christus als ihren Messias erkennen. Als die Rabbiner Jesus in der Öffentlichkeit als Sohn einer Hure verkündeten, konnte er die Schmach auf seinem Heiland nicht ruhen lassen und musste diese Lüge der Juden (eigentlich Rabbiner) von der Bibel aufdecken und den Namen Jesus Christus verteidigen.

DIE BEHAUPTUNGEN, DASS LUTHER EIN JUDENHASSER WAR, SIND DEMNACH GESCHICHTSFÄLSCHUNGEN UND EIN FALSCH ZEUGNISREDEN GEGEN EINEN MANN GOTTES.

Deshalb sollten aufrichtige und wahrheitsliebende Christen solche falschen Gerüchte, die in Umlauf sind, ablehnen und die Wahrheit ans Licht bringen, was durch diesen Artikel versucht werden soll.



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