„Ikonenanbetung“: Vom Glauben an Menschen (Siegfried Schad) / Wider aller Glorienschein (Glauben bewahren, Freundesbrief Nr.52.)

„Ikonenanbetung“: Vom Glauben an Menschen (Siegfried Schad)

Jer 17,5 So spricht der Herr: Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht, und dessen Herz vom Herrn weicht!

Es steht einerseits geschrieben 1Tim 5,17 Die Ältesten, die gut vorstehen, sollen doppelter Ehre wert geachtet werden, besonders die, welche im Wort und in der Lehre arbeiten. …und soll andererseits nicht zu einer Ikonenanbetung eines Menschen, auch wenn er der beste Lehrer oder Ältester sein möge, hinführen.

barnikoIkone des Barnabas

Gerne gebe ich einem herausragenden Lehrer die besondere Ehre für seine Arbeit am Wort Gottes und dennoch muß ich mir vor Augen halten, daß dieser Mann aus Fleisch und Blut, mit den gleichen Nöten, Schwachheiten und Sünden zu kämpfen hat, wie ich selber. Der nachfolgende Artikel drückt diesen Umstand in besonderer Weise aus, denn wie leicht stehen wir doch in Gefahr uns selber oder einen anderen Bruder in einem perfektionistischen falschen Licht, oder einer Überhöhung seines Standes in dessen Heiligung zu sehen. Gewiß gibt es Unterschiede in der Reife eines Gläubigen zum anderen, doch wem gebührt alleine hierfür die Ehre?

Röm 9,18 So erbarmt er sich nun, über wen er will, und verstockt, wen er will.
Röm 9,21 Oder hat nicht der Töpfer Macht über den Ton, aus derselben Masse das eine Gefäß zur Ehre, das andere zur Unehre zu machen?


Wider aller Glorienschein (Glauben bewahren, Freundesbrief Nr.52.)

(Quelle: Georg Walter http://distomos.blogspot.de)

Zweifellos bewegt sich unsere Zeit mit Riesenschritten auf das Ende zu und greift immer mehr die apostolische Ankündigung von 2. Thessalonicher 2, wonach vor der Erscheinung des Herrn der Herrlichkeit erst der Abfall erfolgen muss. Und was bei den Gottlosen an der Tagesordnung, färbt in der Regel auch auf die Heiligen und deren Alltagspraxis ab. Deutet man die sieben Sendbriefe der Apokalypse nach kirchengeschichtlichen Epochen, ist längst die von Laodizea angebrochen. Dieser Name bedeutet ins Deutsche übersetzt „Volksherrschaft“ oder „Demokratie“. Und das ist die Regierungsform, die erst im vorigen Jahrhundert überhaupt etabliert wurde und jedenfalls in Europa die Ära von Kaisern und Königen abgelöst hat. Dieser Gemeinde attestierte der erhöhte Herr zudem halbherzige Lauheit, weil weder kalt noch heiß. Und es bedarf nicht einmal eines besonders geschärften Blickes und Urteilsvermögens, um in dieser Diagnose eine realistische Zustandsbeschreibung weiter Teile des gegenwärtigen abendländischen Christentums auszumachen.

Dennoch ist die Vergangenheit nie pauschal zu vergolden. So gewinnbringend Biographien von gesegneten Männern und Frauen auch sein mögen, ermangelt denen nicht selten ein Stück Ehrlichkeit. Da ist nämlich bisweilen nur von Vorzügen und Wesensqualitäten der Geschilderten die Rede, als wären sie einzig unter Adams Nachfahren von der Sünde ausgenommen und dieselbe nicht auch bis zu ihnen hin durchgedrungen. Und was bezüglich einzelner Menschen oft nur verkürzte und einseitige Wahrheit, das gilt auch für ganze Epochen. Und illusionär verklärt wird nach geläufiger Wendung nicht nur „die gute, alte Zeit“ insgesamt, sondern speziell auch manche Generationen von Gläubigen. So beziehen etliche Ausleger das tadelsfreie Schreiben an „Philadelphia“ auf den Pietismus, der die zu toter Form erstarrte nachreformatorische Orthodoxie zu neuem Leben zu erwecken suchte.

Ohne Schatten bei viel Licht aber war auch dieser Aufbruch nicht, der von Mitte des siebzehnten Jahrhunderts bis Anfang des neunzehnten vorwiegend innerkirchlich wirkte und zu persönlicher Herzensfrömmigkeit anhielt. Und ausschließlich Lobeshymnen verbreitet die Publikation „Wie waren die ersten Christen?“, die diese fast glorifiziert. Verfasst wurde sie ursprünglich unter anderem Titel von Gottfried Arnold (1666 – 1714), überarbeitet von einem „H.Sch“ und 1949 vom „Leonberger Philadelpha-Verlag“ herausgebracht. Die Bibel selbst wird darin nur recht spärlich bemüht, dafür
nahezu alle bekannteren Kirchenväter und von denen wiederum vorwiegend Augustinus, gestorben anno 430. Natürlich gilt: Will man halbwegs reines Wasser, muss man sich an die Quelle und nicht an die Mündung eines Flusses begeben. Aber selbst dort ist nicht alles unbesehen zu genießen, was aus der Quelle sprudelt.

So verhält es sich auch mit dem im erwähnten Buch abgedruckten Selbstzeugnis dieser „ersten Christen“, die bis ins ausgehende Römerreich als solche verstanden werden: „Wir leben untadelig und unsträflich, fromm, gerecht und gut. Wir sind keines Lasters schuldig, uns überwältigt keine böse Lust, wir behalten den rechten Weg in allen Tugenden“. Und dazu: „Lasst uns sehen, was für Demut in guten, welche Geduld in bösen Tagen, welche Freudigkeit in der Trübsal, welche Sanftmut in der Beleidigung, welche Keuschheit bei schwerer Versuchung wir gezeigt haben“. Sicher wurde der Glaube an den Erlöser damals mit ungleich gewaltigerem Ernst und willigerer Leidensbereitschaft gelebt als seit Jahrzehnten in der westlichen Hemisphäre. Und es waren damals nicht wenige, die ihr Bekenntnis mit Blut besiegelten, was noch vorbildhaft bis zu uns heute herüberleuchtet. Dennoch überkommt den Leser der überschwenglichen Vollkommenheitsbeschreibung das ungute Gefühl, dass sich die Urheber derselben nicht bis in innerste Tiefe kannten.

Und jegliche Glorifizierung Sterblicher wird weder von der Erfahrung noch vom Wort ewiger Wahrheit gedeckt. Nach ihm verbleibt aller Ruhm beim Herrn und nie bei den Seinen. „Wir alle verfehlen uns vielfach“, erläutert vielmehr Jakobus. Und dessen Amtskollege Paulus warnt in Kenntnis menschlicher Versuchlichkeit, die mit der Bekehrung nicht automatisch erlischt: „Wer da stehe, sehe zu, dass er nicht falle“. In der Urgemeinde war man zwar über begrenzte Zeit „ein Herz und eine Seele“ bis zur Gütergemeinschaft, aber auch kam es zu Trübungen wie dem Murren der Griechen wider die Hebräer und dem heuchlerischen Gaukelspiel von Ananias und Saphira. Und ohne jegliche Schönfärbung auch der Bericht über das Aposteltreffen zu Jerusalem, das Dissonanzen nicht verschweigt und den freimütigen Satz enthält: „Als man sich aber lange gestritten hatte, stand Petrus auf … “

Es bleibt dabei, dass die Beschäftigung mit den geistlichen Vätern und Müttern ein verbindliches Maß für wirkliche Nachfolge Christi aufstecken kann. Denn bis in sogenannte „entschiedene Kreise“ hinein hat religiöser Minimalismus um sich gegriffen, der eine geringe Sonntagskollekte zu einem „Opfer nach und über Vermögen“ erhöht. Und lernen lässt sich von fast jedem Gottesmenschen etwas, dessen Werdegang man betrachtet. Trotzdem waren die Kinder Gottes auch vor Laodizea aus Fleisch und Blut, vermochten sich wie die Galater gegenseitig „zu beißen und zu fressen“ oder wie die Korinther gar in schlimmste Unzucht zu verfallen. Und in Titus 2 werden gereifte Glaubensschwestern ermahnt, „nicht dem Trunk ergeben zu sein“. Das alles ist der alten Natur ergo bis zur letzten Stunde möglich, weshalb am Grab von Erlösten ausschließlich das unverdiente Erbarmen zu preisen ist.

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