Adventisten und die Transformationstheologie (Rolf Wiesenhütter) / Vorbemerkung (Siegfried Schad)

Vorbemerkung (Siegfried Schad)

Wer jetzt glaubt, daß in dem nachfolgenden Artikel etwa ein Randphänomen beschrieben sein könnte, der irrt gewaltig … fragen Sie bitte einmal bei Ihrer Gemeindeleitung nach (sofern Ihre Kirche Mitglied in der DEA ist) wie es um die Transformationstheologie bestellt ist … ich erlaube mir die Spekulation, daß das Gedruckse unüberhörbar und die Begründungen wortreich und unbiblisch sein werden. Wie ich darauf komme? Wenn Sie vergegenwärtigt haben, daß alle Gemeinden, die zur Deutschen Evangelischen Allianz gehören bereits dieser (Gesellschafts)-Transformationslehre auf ihren Leitungsebenen unterschiedslos anhängen, dann werden Sie die Beine unter die Arme nehmen (oder bereits genommen haben) und zu einer Gemeinde laufen, für die das sola scriptura noch gilt, die Allianz- und Ökumene-frei ist und in der das WORT GOTTES unbestritten das Zentrum ist.

Daß bereits in Randgruppen, wie der 7ten Tag Adventisten, die sich bis vor kurzer Zeit realtiv isoliert hatten, bereits die Irrlehre der Transformation eingedrungen ist, zeigt an daß der Mainstream der Evangelikalen bereits heillos durchseucht ist. Denn wäre da nicht, abgesehen von den freimaurerischen Wurzeln der STA, ein gewisser Konformitätsdruck durch den Eintritt der STA in die DEA, dann würden die Adventisten sicherlich wie bisher ein Dasein führen, das dem der Neuapostolen oder Zeugen Jehovas entspräche. Nachdem man sich jedoch mit der Ökumene die man so heftig angefeindet hatte jetzt ins Hurenbett legt, ist man wiederum einen Schritt weiter in den Aktionsplänen zur Weltverbesserung, dem Königreich im hier und heute. Der nachfolgende Artikel ist ein Auszug aus dem Buch Der Adventismus in der Falle des Antichristen mit dem Untertitel Wie die Gemeindewachstumsbewegung den Evangelikalismus unterwandert am Beispiel der Siebenten – Tags – Adventisten von Rolf Wiesenhütter (weitere Informationen und Leseproben sieh HIER)



Adventisten und die Transformationstheologie (Rolf Wiesenhütter)

(Quelle: Rolf Wiesenhütter http://der-adventismus-in-der-falle.npage.de)

Wie wir bisher gesehen haben, hat die Gemeindewachstumsbewegung in allen Teilbereichen Einfluss auf  die Adventbewegung genommen. Auffällig ist, dass im norddeutschen Verband zunehmend adventistische Prediger die Möglichkeit zur Promotion über die Unisa Universität in Südafrika wahrnehmen. Überraschend für mich war, dass einige der Promotionen von Prof. Dr. Johannes Reimer betreut wurden. Da ich selbst studiert habe, wurde mein Interesse dadurch geweckt, dass ich während des Studiums erfahren habe, welchen Einfluss die Überzeugungen der Hochschullehrer auf die Bewertung von Abschlussarbeiten haben. Meiner Neugier nachgehend recherchierte ich im Internet und fand mehrere Promotionsarbeiten adventistischer Prediger, die von Prof. Reimer promotet wurden. Fündig wurde ich vor allem bei Dr. Horst Sebastian, der aktuell in der Hansavereinigung (Hamburg, Schleswig Holstein und Mecklenburg – Vorpommern) Bezirkspastor für die sechs Gemeinden Lübeck, Bad Schwartau, Neustadt, Fehmarn, Ratzeburg und Mölln ist. Die Arbeit von Dr. Sebastian trägt die Überschrift „Mission als Mediation. Vermittlung und soziale Transformation als Aufgabe der Kirche.“(102)

In der Danksagung schreibt Dr. Sebastian Folgendes:

Ich möchte meinem Promoter Prof. Dr. Johannes Reimer danken, der mit seinen Hinweisen und Ideen zur Umsetzung dieser Arbeit beigetragen hat und mir den missionstheologischen Raum der Theologie eröffnet hat.“(103)

Diesen Worten ist zu entnehmen, dass Reimer nicht nur begleitend, sondern auch inspirierend aktiv beteiligt war. Den Forschungsauftrag seiner Arbeit beschreibt Dr. Sebastian wie folgt:

„Ausgangspunkt dieser Arbeit ist die Beobachtung des gesellschaftlichen Wandels in der Bundesrepublik Deutschland samt seiner sozialen und ökonomischen Risiken für weite Teile der Bevölkerung. Eine Antwort auf diesen Transformationsprozess ist seitens der evangelikalen Kirchen in Deutschland ausgeblieben. Die Frage nach der Verhältnisbestimmung zwischen sozialer Arbeit und Mission ist in der evangelikalen Bewegung zwar international breit diskutiert  worden, doch hat sie kaum Wirkung auf die Praxis der örtlichen Gemeinden in Deutschland gezeigt. Bearbeitet wird daher die Fragestellung, wie eine missionarisch orientierte Gemeinde in ihrem Sendungsauftrag Initiativen christlicher Sozialreformen umsetzen kann. Transformative und ganzheitliche Missionskonzepte haben bereits ein erweitertes Missionsverständnis hervorgebracht, welches die soziale Gerechtigkeit als missionarischen Auftrag mit einschließt. Die Frage stellt sich nun nach einem missions-theologischen Paradigma, welches praktisch in eine Kultur- und gesellschaftsrelevante Tätigkeit einer missionalen Gemeinde umgesetzt werden kann, durch die sie zu einem Träger einer christlich geprägten Sozialreform wird. Das Paradigma, das hierfür erar-beitet und missionstheologisch gedeutet wird, ist das der Mediation. Sie offenbart in ihrem Wesen zum einen den Konflikt als anthropologische Konstante und somit die Distanz zu Gott und zum anderen die Heilsabsicht Gottes, die sich im Missionsauftrag an die Gemeinde widerspiegelt. So stellt sich die Mediation als Kategorie der missio dei dar. Die konkrete Umsetzung dieses Paradigmas in eine die Gesellschaft gestaltende Arbeit gelingt durch die Hinzuziehung des Arbeitsprinzips der Gemeinwesenarbeit aus der Sozialarbeits-wissenschaft. In Form einer mediativ – gemeinwesenorien-tierten Arbeit gibt sie einer missional ausgerichteten Gemeinde die Mög-lichkeit ihren Sendungsauftrag mit einem umfassenden Heilsverständnis umzusetzen. Dabei steht der unmittelbare Sozialraum der lokalen Kirchen-gemeinde im Fokus des Interesses, in dem geistliche, persönliche, soziale kulturelle und ökonomische transformative Prozesse eingeleitet werden können. Bezugnehmend auf den Kontext der Bundesrepublik Deutschland erweist sich diese Art den Sendungsauftrag umzusetzen als hoffnungs-trächtig, da die sozialen und ökonomischen Risiken in Zukunft weiter be-stehen werden und ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung bereits als sozial ausgegrenzt ist. Hier gibt insbesondere die Gemeinwesenökonomie Anhaltspunkte, wie eine mediativ – gemeinwesenorien-tierte missionale Ge-meinde in ihrem Sozialraum den Heilswillen Gottes verkündigen kann.“(104)

Der Ansatz ist, auch wenn er integrativ formuliert wird, eindeutig. Der Einstieg in die Emerging-Church Ideologie ist unübersehbar. Die Transformation des theologischen Denkens ist eingeleitet, wenngleich auch vorsichtig formuliert. Die erklärte Zielsetzung nach Prof. Reimer ist allerdings nicht eine Intensivierung der Sozialarbeit innerhalb evangelistischer Arbeit. Darüber bräuchte die Adventbewegung nicht nachzudenken, denn seit der Gründung der Bewegung ist Sozial- und Gesundheitswesen elementares Selbstverständnis, dass sich von allen anderen evangelikalen Denominationen deutlich positiv absetzt. Die Saat, die hier durch den Einfluss von Reimer gesät wird, ist der Einstieg in eine völlig neue Missiologie, die das evangelistisch – missionarische Bemühen nicht mehr in der Relevanz der Hinführung des einzelnen Menschen zum Heilsgeschehen durch Jesus Christus sieht, sondern in der Ablösung davon und der Hinwendung zu sozialen Projekten, durch die ganze Nationen gewonnen werden sollen. Damit ist definitiv die Abkehr von Gottes Wort verbunden, denn der Missionsauftrag in den biblischen Missionsbefehlen lautet, dass man hingehen und zu Jüngern machen soll.

Matth. 28; 19-20: Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“

Der Schwerpunkt im Missionsbefehl liegt eindeutig auf der Aussage: „Lehret sie, was ich euch befohlen habe.“ Es gibt überhaupt keinen Grund, irgendetwas anderes zu lehren. Damit ist unabdingbar die persönliche Beziehung zum Messias, Jesus Christus verbunden. Wer das ausschließt, kann möglicherweise in Zukunft Gigagemeinden gründen und Einnahmen erhöhen, gleichzeitig kann man aber davon ausgehen, dass diese Gemeinden nicht aus Christen, sondern aus Weltverbesserern bestehen. Aus meiner Sicht ist dies für lebendige Christen eine sinnlose Ideologie, denn das gesamte, im Wort Gottes offenbarte Endzeitgeschehen führt uns doch vor Augen, dass diese gefallene Welt nicht verbesserungsfähig ist, sondern dem Verfall preisgegeben.

Die Auseinandersetzung mit der Arbeit von Dr. Sebastian ist zweifelsohne spannend. Man kann sie durchaus als Quantensprung bezeichnen. Gleichzeitig aber stellt sich aus theologischer Sicht die Frage, inwieweit die Thematik sozialer Gerechtigkeit im Jahr 2013 die heilsgeschichtliche Verkündigung, also die Theologie vom Kreuz derart beeinflussen kann, dass letztlich eine vollkommene Neuorientierung in Bezug auf die evangelistische Verkündigung erfolgen muss, oder ob die gesellschaftsrelevanten Veränderungen der Neuzeit durch Integration in das „Alte Evangelium“ nicht von einer bibeltreuen Verkündigung wegführen. Dr. Sebastian will Spielräume aufzeigen, in denen sich missionarische und soziale Aufgaben ergänzen und im Alltagsgeschehen der Ortsgemeinden verträglich umsetzen lassen. Dagegen spricht aus meiner Sicht, dass gerade dieses Anliegen in der Adventgemeinde schon immer vorbildlich gelingt und keiner Änderung bedarf und dass Prof. Reimers Ideologie nicht die Integration sozialen Engagements beinhaltet, sondern das Umsetzten sozialer Projekte die bisherige Missiologie vollständig ersetzen soll. Entgegen Reimers gelegentlicher Beteuerung, lediglich eine Verhältnisbestimmung zu artikulieren, geht es im Endeffekt in der Transformationstheologie um eine völlig umgewandelte Sicht- und Lesweise biblischer Texte hin zu einer unbiblischen Missiologie. Was sind des Kaisers neue Kleider wert, wenn darunter das schmutzige Kleid verborgen ist, das man die Menschen nicht mehr auszuziehen lehrt und von dem es im Römerbrief im 3. Kapitel heißt:

„Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht einer. 11 Da ist nicht, der verständig sei; da ist nicht, der nach Gott frage. 12 Sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig geworden. Da ist nicht, der Gutes tue, auch nicht einer. 13 Ihr Schlund ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen handeln sie trüglich. Otterngift ist unter den Lippen; 14 ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit. 15 Ihre Füße sind eilend, Blut zu vergießen;16  auf ihren Wegen ist eitel Schaden und Herzeleid, 17 und den Weg des Friedens wissen sie nicht.  18 Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen.“  19 Wir wissen aber, dass, was das Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, auf dass aller Mund verstopft werde und alle Welt Gott schuldig sei; 20 darum dass kein Fleisch durch des Gesetzes Werke vor ihm gerecht sein kann; denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.21 Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart und bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. 22 Ich sage aber von solcher Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesum Christum zu allen und auf alle, die da glauben. 23 Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, 24 und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, so durch Jesum Christum geschehen ist.“

Ich betone nochmal: Der emergente Anspruch ist in der Arbeit von Dr. Sebastian nicht ausformuliert, aber er ist eingeleitet. Aus der Sicht einer Transformation der bisherigen Missiologie ist damit vom geraden Weg, der die Verkündigung der Kernbotschaft, also die Erlösung von Schuld und Sünde beinhaltet und die mit nichts anderem interpretierbar ist, deutlich abgewichen worden. Heilsrelevanz und soziales Handeln sind nicht gleichbedeutend, sondern soziales Handeln hat sich grundsätzlich der Heilsbotschaft, dem Evangelium von Jesus Christus zu unterordnen. Der Anspruch dieser Arbeit ist die Mediation, also die Vermittlung des ganzen Evangeliums alten und neuen Testamentes. Die Frage, wie Mission in der Jetztzeit wieder eine Breitenwirkung entfalten kann, ist legitim. Eine Transformation in die Lebenswelt der Menschen ist zulässig, ohne Frage. Aber dennoch ist die Frage zu stellen: Was ist eine ganzheitliche Mission und wie kann sie erfolgreich umgesetzt werden? Beschränkt sich die Vermittlung des Heils nicht auf die Beziehung des Menschen zu Gott, sondern muss die Lebenswelt des Menschen mit in das Heilsgeschehen einbezogen werden wie Dr. Sebastian in seinem Ausblick am Ende seiner Promotion feststellt, oder ist es nicht so, dass man Hindernisse in der Lebenswelt der Menschen beseitigt, damit er in eine lebendige Beziehung zu Gott treten kann, die ihn rettet und zum ewigen Leben führt? Braucht unser gutes altes Evangelium tatsächlich eine Integration heutiger sozialer Aspekte, damit sich die Menschen auf die Missiologie eines Johannes des Täufers besinnen, die darin bestand die Menschen zu beschwören: Kehrt um, tut Buße, ändert euer Leben, richtet es auf Gottes Wort aus – oder führt nicht gerade dieser Gesinnungswandel dahin, dass man gerade eben hieraus auch zu einer bibeltreuen sozialen Verantwortung findet? In meiner Tätigkeit als Seelsorger ist genau dies mein Alltagsgeschäft. Aber noch nie habe ich erlebt, dass durch mein soziales Engagement allein jemand Christ wurde. Es war immer legitimes Hilfsmittel, um Menschen in die Gegenwart Gottes zu führen. Die emergente Ideologie will soziales Handeln und negiert gleichzeitig die Notwendigkeit, jeden einzelnen Menschen in die Gegenwart Gottes zu führen. Sie bezeichnet das als verfehlte Missiologie. Jedoch entlarvt sie sich selbst als Irrlehre, weil sie definitiv von Gott wegführt.

Die Promotion von Dr. Sebastian fördert diese Irrlehre definitiv nicht, aber sie leitet in die Denkweise der emergenten Ideologie ein. Durch die Integration in die ACK, in deren Mitgliedsdenominationen man vielfach auf emergentem Weg schon wesentlich weiter ist, färbt sich auch der Adventismus allmählich ein. Es gibt vielerlei Belege, aus denen das deutlich wird, die den vorsichtig kritischen Überlegungen von Dr. Sebastian bereits vorauseilen. Dabei gehe ich davon aus, dass viele Adventisten das nicht einmal selbst bemerken. Man übernimmt einfach den Sprachgebrauch und identifiziert sich mit der strategischen Logik, versäumt aber, anhand der Bibel den Wahrheitsgehalt zu prüfen. An einigen wenigen Beispielen möchte ich das Problem deutlich machen. Dr. Sebastian rief mich an und teilte mir mit, dass er die Natürliche Gemeindeentwicklung nach Christian Schwarz auch in Lübeck einführen wolle. Da er mich als Mitarbeiter gewinnen wollte, habe ich ihm in einem persönlichen Gespräch meine Bedenken erläutert. Seine Antwort war dann, er sei Pragmatiker. Pragmatismus bezieht sich auf das Machbare, nicht aber unbedingt auf das, was uns Gottes Wort aufträgt. Wenn uns die Bibel auffordert, am Wort zu prüfen, dann muss die Umsetzung immer hinter der Wahrhaftigkeit zurückstehen. Daher erwiderte ich, dass ich leidenschaftlicher Apologet bin, mich also der Verteidigung des Wortes Gottes verschrieben habe, wozu ich mich in meiner Eigenschaft als Seelsorger verpflichtet sehe. Mir scheint im Pragmatismus auch die Überzeugung zu fehlen, dass Gott seine Gemeinde selbst baut. Von daher kann unser Pragmatismus schnell an der Sache vorbeigehen. Leider zählen Sachargumente nicht, wenn man unter Erfolgsdruck steht. So lief sowohl das Argument, dass die Mitteldeutsche Vereinigung in den letzten 30 Jahren fast 40% ihrer Mitglieder verlor und das vermeintliche Heilmittel NGE keinen Erfolg brachte ebenso ins Leere wie das Argument, dass dieses Programm für die Gemeinde sehr teuer sei. Zu letzterem wurde mir erklärt, dass die Vereinigung das Projekt finanziell unterstützt. Das Problem mit der Gemeinde-wachstumsbewegung ist also definitiv nicht erkannt.

In medialen Veröffentlichungen und Kundgebungen in der Gemeinde wird die schleichende Indoktrination hör- und lesbar. So schreibt beispielsweise der Vorsteher der Hansa – Vereinigung, Dr. Heinz-Ewald Gattman in einem Kalenderblatt vom 23. April 2013 über das Thema „Streit in der Gemeinde“ Folgendes.

„Streit zerteilt die Gemeinde und zerreißt gleichzeitig Christus, deren Haupt. Deshalb sagte Jesus seinen Jüngern, woran die Welt sie als seine echten Nachfolger erkennen würde: Nicht an der rechten Lehre, sondern daran, wie liebevoll sie miteinander umgehen. Vielleicht nehme ich mich einfach mitunter zu wichtig, wenn ich meine, die alleinige Deutungshoheit in religiösen Fragen zu haben, während der andere nur falsch liegen kann, wenn er nicht meiner Meinung ist.“

Natürlich will Gott keinen Streit unter seinen Kindern. Aber es ist nicht gerechtfertigt, Lehraussagen gegen das Liebesgebot auszuspielen. Gottes Wort ist immer vom Gesamtzeugnis der Heiligen Schrift zu verstehen und Bibeltexte müssen in der Exegese immer den jeweiligen Kontext einbeziehen. Wenn ich mich auf Joh.13;35 beziehe, darf ich Joh. 13;20 nicht einfach ausblenden. Denn da heißt es:

„Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer aufnimmt, so ich jemand senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.“

Das zweifache „wahrlich“ zeigt die Wichtigkeit gerade dieses Verses im Zusammenhang des Gesagten. Wenn man den Text beieinander lässt, muss man sich auch klar machen, wer derjenige ist, der von Gott gesandt ist. In Joh. 1;14 wird es uns erklärt:

„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Gottes Wort lehrt uns folglich, dass Wahrheit und Liebe untrennbar zusammengehören. Es ist sogar so, dass Liebe untereinander überhaupt erst möglich wird, wenn ich Christus in mein Leben aufgenommen habe. Damit unterliegt die Frage nach Streit unter Glaubensgeschwistern nicht allein dem Liebesgebot. Joh.13;35 weist auch noch auf einen anderen wichtigen Punkt hin: „Wer aufnimmt, so ich jemanden senden werde…“ hat doch das Format, dass auch das Gesagte des anderen geprüft werden muss, ob es nicht von Gott wäre. Wer Wahrheit und Liebe auseinanderreißt, birgt womöglich sogar das Potential in sich, Irrwege zu zementieren. Man muss an diesem Punkt manchmal Gott mehr gehorchen als Menschen, und Wahrheit und Liebe sind keine Einbahnstraße, deren Straßenführung in Leitungsebenen festgelegt wird. Die Frage ist also nicht, ob ich etwas sage, sondern wie ich es sage. Und was das „Wichtig nehmen“ angeht, so kann der Schuh auch andersherum nicht passen, denn auch der kann sich zu wichtig nehmen, der sich festgelegt hat und auf seiner Überzeugung beharrt.

Über Jahre höre ich immer wieder von vielen, die Einheit unter Christen suchen, dass man Diskussionen über die Lehre vermeiden müsse, da Lehre trenne. Die allgemeine Praxis geht heute dahin, dass man sich dadurch rechtfertigt, dass man Irrtümer einfach übergeht, um notwendige Diskussion zur Vertiefung biblischer Lehre aus dem Weg zu gehen. Biblisch ist das keinesfalls zu rechtfertigen. Beispielsweise fordert der Apostel Paulus wiederholt im Timotheusbrief keine anderen Lehren zu verkünden (1.Tim.1;3)  sondern sich zu nähren durch die Worte des Glaubens und der guten Lehre (1.Tim.4;4), nämlich in der Lehre, die gemäß der Gottseligkeit ist zu bleiben. (1.Tim. 6;3) Er erinnert daran, „…am Vorbild der gesunden Worte, die du von mir gehört hast…“ zu bleiben. (2.Tim. 1;13) In der ersten Gemeinde war Lehre substantiell wichtig, und wenn Differenzen auftraten, dann wurde darüber gesprochen. Dagegen erleben wir heute, dass überall da, wo Lehre unterbetont wird, die Liberalität sofort auf dem Fuß folgt. Eine offene Diskussion über Lehrunterschiede ist eine biblische Notwendigkeit, denn richtig durchgeführt führt sie zu einer starken Rechtgläubigkeit und zu einer sorgfältigen Entwicklung biblischen Verständnisses. Hat die Gemeinde Jesu hier Mangel, so kann die folge die Aufgabe lehrmäßiger Überzeugungen zugunsten einer nützlichkeitsorientierten Einheit sein. Die Abwertung der Bedeutung biblischer Wahrheit führt aber unweigerlich zum Verlust geistlicher Reife und geistlichem Wachstums. Daher sind Gespräche über Lehrfragen notwendig, aber sie haben ohne persönliche Angriffe zu erfolgen. Die Gemeinde Jesu braucht klare Wegweisung, damit die Liebe untereinander aufrichtig und lauter ist. Es ist schlicht eine falsche Sichtweise, die Diskussion um Lehrfragen ausschließlich aus der Sicht des „Recht haben Wollens“ zu sehen.

Warum ist mir dieses Beispiel so wichtig? Weil ja gerade der „Schlachtruf“ der ACK lautet: „Gott will Einheit in Vielfalt.“ In dieser Überzeugung darf die Frage nach Wahrheit ja gar nicht mehr gestellt werden, weil innerhalb der ACK die kuriosesten Glaubensüberzeugungen kursieren. Das Fundament, das eigentlich Gottes Wort sein müsste, würde in der gegenwärtigen ökumenischen Konstellation so viele Irrtümer aufdecken, dass die ACK sofort auseinanderfallen müsste, wollte man es ernstnehmen und berücksichtigen. So hat man sich kurzerhand auf das Liebesgebot geeinigt ohne gleichzeitig die Wahrheitsfrage zu stellen. Daher finden wir hier das Haifischbecken, in dem sich durch die Mitgliedskirchen jede Menge emergentes Gedankengut tummelt und die gesamte Gemeindewachstumsbewegung, die man als unbiblisch einstufen muss, sich unkontrolliert ausbreitet. Die Adventgemeinde schwimmt munter in diesem Haifischbecken mit, aber die von dort ausgehende Verführung hat das Potential, schleichend und in positivem Gewand zu agieren. So kommt es denn, dass plötzlich in unseren Medien und von unseren Kanzeln Inhalte vermittelt werden, die nicht mehr vom Wort Gottes getragen sind, deren Akteure sich aber nicht bewusst sind, wie sich ihr Denken verändert, und was Verursacher dieses veränderten Denkens ist. Wenn man dann darauf aufmerksam macht und zur Antwort erhält, man solle sich nicht zu wichtig nehmen, anstatt dass der Angesprochene sich zunächst einmal im Spiegel des Wortes Gottes selbst reflektiert, dann hat das fatale Folgen für die Gemeindeentwicklung, denn die Verführung führt schleichend aber konsequent von Gott weg. Und hier sind wir  bei der Anfrage an die Emerging-Church Bewegung, die uns aus allen Windrichtungen mit ihren Inhalten begegnet und uns weismachen will, dass die Einladung von Menschen zu Jesus Christus nicht Aufgabe unserer Gemeinden, sondern ein falsches Missionsverständnis ist, und daher gegen die Umsetzung sozialer Projekte ausgetauscht werden muss. Diese Ausrichtung ist falsch, weil sie dem geschriebenen Wort Gottes diametral entgegensteht. In diesem Kontext muss man wohl auch die Predigt verstehen, die der Präsident der Siebenten Tags – Adventisten in Deutschland, Pastor Johannes Naether kürzlich in Lübeck hielt. Ausgehend von der Frage: „Was muss ich tun, damit ich in den Himmel komme?“, las er die Antwort von Jesus: „Liebe Gott von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst“, sowie das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Was dann folgte, war aber eine rein soziologische Predigt, die den Anspruch Gott von ganzem Herzen zu lieben, nicht mit einem Wort würdigte. Der Focus lag ausschließlich auf dem Samariterdienst, der, wie vorher schon deutlich wurde, ohne die persönliche Gottesbeziehung gar nicht zu leisten ist. Naether stellte während der Predigt mindestens fünfmal die Frage an die Gemeinde: „Wie liest Du diesen Text?“ – und wollte damit wohl fragen, was bringt dich wirklich in den Himmel? Diese Frage wurde durch die Predigt allerdings nicht beantwortet, denn es nicht das soziale Engagement, das berechtigte Hoffnung auf das ewige Leben bringt. Was aber bringt uns wirklich in den Himmel? Um diese Frage klar und deutlich zu beantworten, hat Jesus uns ein Gleichnis erzählt. Im Lukasevangelium Kapitel 14;16 spricht er von einem Menschen [dieser steht im Gleichnis für Gott], der ein großes Fest [dieses steht im Gleichnis für den Himmel] ausrichten will und zunächst nur gezielt Einladungen verschickt. Die Antworten sind alle niederschmetternd. Einer nach dem anderen beginnt, sich zu entschuldigen.

Der erste erklärt: »Ich habe ein Stück Land gekauft…«, der zweite: »Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft…«, der dritte: »Ich habe eben erst geheiratet. Darum kann ich nicht kommen.« Jesus beendet das Gleichnis mit dem Urteil des Gastgebers: »Denn ich sage euch, dass nicht einer jener Männer, die geladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.« (Lukas 14;24)

Daran wird deutlich, dass man den Himmel gewinnen oder verlieren kann. Der springende Punkt ist Annahme oder Ablehnung der Einladung. Geht es noch einfacher? Doch wohl nicht! Wenn einmal viele Menschen vom Himmel ausgeschlossen sein werden, dann nicht deshalb, weil sie den Weg nicht gekannt hätten, sondern weil sie die Einladung ausgeschlagen haben. Die drei im Gleichnis genannten Leute sind uns kein Vorbild, denn keiner von ihnen nimmt die Einladung an und kommt zum Fest! Findet das Fest nun nicht statt? Doch! Nach den Absagen schickt der Hausherr überall Einladungen hin. Nun werden keine Karten mehr mit Goldschnitt gedruckt. Jetzt gilt der bloße Zuruf: »Kommt!« Und jeder, der sich einladen lässt, erhält einen sicheren Platz beim Fest. Was passiert nun? Ja, die Leute kommen – sogar in hellen Scharen. Nach einiger Zeit zieht der Gastgeber Zwischenbilanz: Es gibt noch freie Plätze! Er sagt zu seinen Dienern: »Geht wieder hinaus! Ladet weiter ein!« An dieser Stelle möchte ich das Gleichnis auf uns übertragen, denn es trifft genau unsere Situation heute. Es gibt noch freie Plätze im Himmel, und Gott lässt Dir sagen: »Komm, belege Deinen Platz im Himmel! Sei klug und reserviere für die Ewigkeit! Tue es heute!« Die Rettung geschieht durch den Herrn Jesus. In der Apostelgeschichte (Kap. 2, 21) lesen wir einen sehr wichtigen Vers: »Jeder, der den Namen des Herrn [= Jesus] anrufen wird, wird errettet werden.« Das ist ein Kernsatz des Neuen Testaments. Als Paulus im Gefängnis in Philippi war, brachte er es in dem Gespräch mit dem Aufseher auf den Punkt: »Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus« (Apostelgeschichte 16;31). Diese Botschaft ist zwar kurz und knapp, aber durchgreifend und lebensverändernd. Noch in derselben Nacht bekehrte sich der Gefängniswärter zu Jesus.(105) Alles das, und damit die Kernaussage zur Beantwortung der Frage nach dem ewigen Leben, enthielt die Predigt nicht. Sie enthielt die Frage, welche von der Emergenz gestellt wird: „Wie liest Du das?“ Die emergente Philosophie behauptet, wir brauchen eine andere Lesart in Bezug auf die Bibel, hervorgerufen z.B. durch die Beschäftigung mit Mystik, weil wir dadurch fähig werden, unsere bisherigen Auffassungen zu korrigieren. Dieser Anspruch ist falsch. Was wir brauchen ist einzig und allein die Wahrheit des Wortes Gottes. Die Erlösungsordnung braucht keine Korrektur, sie ist eindeutig. Sie besagt, dass durch Werke niemand gerettet wird, auch nicht durch Samariterdienste. Es geht mir weder darum, Pastor Naether anzuklagen, noch ihn zu schulmeistern. Meine Anfrage und Schlussfolgerung geht dahin, dass durch die Teilnahme an Religionsvermischung z.B. in der ACK, sich unser Denken schleichend verändert und sich in Richtung derer färbt, mit denen ich am Tisch sitze. Und das „soziale Evangelium“ ist die Kernaussage der Transformationstheologie. Natürlich nehme ich die Beteuerungen aus der STA zur Kenntnis, dass man nichts mit der Emerging Church zu tun habe und ich glaube sogar, dass man damit nichts zu tun haben will. Allerdings höre und lese ich vielfach etwas anderes, auch wenn ich davon ausgehe, dass es Pastor Naether nicht bewusst zu sein scheint. Insofern kann dieses Buch ja eine Hilfe sein.

(Auszug aus dem Buch Der Adventismus in der Falle des Antichristen von Rolf Wiesenhütter)


Leseprobe 1: Der apologetische Anspruch

Leseprobe 2:  Neue religiöse Strömungen in der postmodernen Gesellschaft

Leseprobe 3: Der Adventismus in der Falle des Antichristen


siehe auch Artikel:

Die Adventisten und der Dominionismus Teil 1. (Rolf Wiesenhütter)

Die Adventisten und der Dominionismus Teil 2. (Rolf Wiesenhütter)


Das Buch kann HIER bezogen werden!

 


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