„Transformation“ statt „Mission“ (Dr. Martin Erdmann)

(Quelle: Dr. Martin Erdmann www.veraxinstitut.ch)

  1. Mai, 2014

Auf einem dreitägigen Zukunftsforum haben kürzlich rund 800 Verantwortliche aus 563 Kirchenkreisen über die Zukunft der EKD nachgedacht. Karsten Huhn war für ideaSpektrum dabei und hat u.a. folgende Beobachtung gemacht (ideaSpektrum, Nr. 21, 21. Mai, S. 15):

Auffallend: Das in den 2000er Jahren vorübergehend beliebt gewordene Wort Mission ist erst mal wieder von der Tagesordnung verschwunden. Stattdessen dominiert jetzt das Wort Transformation. Auf dem Zukunftsforum hat man es so oft gehört, dass man es am liebsten auf den Index setzen möchte.

  1. Mai 2014

EKD-Zukunftsforum

Sinnsuche meist außerhalb der Kirche

Der Leiter des Studienprogramms Gesellschaftstransformation am Marburger Bibelseminar, Prof. Tobias Faix. Foto: PR

Dortmund (idea) – Die Menschen suchen heute überall nach Sinn, aber weithin nicht mehr in der Kirche. Diese Ansicht vertrat der Leiter des Studienprogramms Gesellschaftstransformation am Marburger Bibelseminar, Prof. Tobias Faix, beim Zukunftsforum der EKD in Dortmund. Es findet vom 15. bis 17. Mai im Ruhrgebiet statt. Laut Faix erreicht die Kirche die Bürger mit ihrer Verkündigung immer weniger. Sie müsse es lernen, anschlussfähig zu werden an unterschiedliche Subkulturen und Milieus sowie ihre Sprachunfähigkeit überwinden. Ihre Aufgabe sei es, Kontrastgesellschaft zu sein und sich um Arme, Kranke und Ausgegrenzte zu kümmern. Der Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Koblenz, Jost Stahlschmidt, nannte es als Auftrag der Kirche, das Evangelium erfahrbar zu machen. Was jedoch vielfach in Gottesdiensten verhandelt werde, habe mit dem wirklichen Leben nichts zu tun. Die Kirche müsse für andere da sein, sich geistlich profilieren und in ihren Strukturen beweglich sein. Es komme darauf an, Kontakte zu anderen gesellschaftlichen Gruppen zu pflegen, etwa zu Flüchtlingen, Stadtteilvereinen und ökumenischen Partnern. Am Zukunftsforum nehmen rund 800 Verantwortliche aus den 563 Kirchenkreisen teil.

  1. Mai 2014

EKD-Zukunftsforum

Auf dem Weg zur Erneuerung

 

Wuppertal (idea) – Mit einem „Zukunftsforum“ will die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ihren Weg der Erneuerung fortsetzen: An dem Kongress, der vom 15. bis 17. Mai in Wuppertal und im Ruhrgebiet stattfindet, nehmen rund 800 Kirchenrepräsentanten der „mittleren Ebene“ teil, also Verantwortliche der 563 Kirchenkreise. Da die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder kontinuierlich sinkt, werden immer häufiger Gemeinden zusammengelegt. Wie der EKD-Ratsvorsitzende, Nikolaus Schneider (Berlin), am 15. Mai vor Journalisten in Wuppertal sagte, kann keine Kirchengemeinde allein Veränderungen schultern. Daher komme den Kirchenkreisen eine Schlüsselrolle beim Wandel der Kirche zu. Dabei gehe es auch um geistliche Herausforderungen. Man müsse zeigen, wie der Glaube ein befreites und erfüllendes Leben hervorrufe. Mit der Wahl des Veranstaltungsortes Wuppertal wolle man auch an die Barmer Theologische Erklärung erinnern, die hier vor 80 Jahren entstand. Die sechs Thesen dieses Grundsatzdokuments der Bekennenden Kirche im Widerstand gegen die regimetreuen Deutschen Christen im Nationalsozialismus gäben auch heute noch Wegweisungen für den Auftrag der Kirche. So mache die Bindung an Jesus Christus frei, das Gewohnte zu hinterfragen und nach Wegen der Reformation zu suchen. Es gelte, Gewohntes infrage zu stellen. Alles kirchliche Handeln sei vom Wort Gottes her zu verantworten, zu leiten und zu gestalten, „damit unsere Gemeinden auch in Zukunft ein lebendiges Haus Gottes bleiben“.

Alltagsfrömmigkeit fördern

Schneider bezeichnete als eine wesentliche Aufgabe der Kirche, die Alltagsfrömmigkeit zu fördern, die vielfach „verdunstet“ sei. So sollten die Menschen wieder lernen, regelmäßig aus dem Wort Gottes zu leben. Wer das tue, erfahre, dass das Bibelwort zu ihm spreche. Die Menschen fragten nach seiner Überzeugung nach geistlichem „Schwarzbrot“. Darauf zu antworten sei das „Alleinstellungsmerkmal“ der Kirche. Weltverantwortung sei zwar wichtig, aber auf diesem Gebiet gebe es auch andere Fachleute, so Schneider.

Beckstein: Laien auf Augenhöhe mit Theologen

Der Vizepräses der EKD-Synode, der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (Nürnberg), hob die Bedeutung der Nicht-Theologen in der evangelischen Kirche hervor. Sie gestalteten die Erneuerung auf Augenhöhe mit den Geistlichen. Das sei ein herausragendes Merkmal der evangelischen Kirche. Auf einen Hauptamtlichen kämen fünf Ehrenamtliche. 1,1 Millionen Menschen engagierten sich in den Kirchengemeinden. Sie trügen auch theologische Verantwortung. Bei allem komme es darauf an, dass sich die Kirche auf die Fundamente des Glaubens besinne.

Wuppertal: Die Kirche schrumpft

Die Superintendentin im Kirchenkreis Wuppertal, Ilka Federschmidt, erläuterte den Veränderungsprozess. So seien die Kirchenkreise Barmen und Elberfeld 2005 zusammengelegt worden. Damals hatte der neue Kirchenkreis 123.516 Gemeindemitglieder; heute seien es noch 104.380. Die Zahl der selbstständigen Gemeinden sei von 26 auf 18 gesunken. Damit habe der Kirchenkreis Anteil an der Bevölkerungsentwicklung. Aus dem Schrumpfen seien aber auch „fruchtbare Projekte“ entstanden wie die Citykirche Elberfeld, die sich als „Gasthaus und Rasthaus“ verstehe. Ihre Funktion als Bethaus solle noch ausgebaut werden.

Dritter Zukunftskongress

Neben einem Grußwort von Bundespräsident Joachim Gauck und einem Vortrag der „Botschafterin“ für das 500-jährige Reformationsjubiläum 2017, Margot Käßmann (Berlin), treffen sich die Teilnehmer in 28 Arbeitsgruppen. Vorausgegangen waren zwei Zukunftskongresse: 2007 in Wittenberg und 2009 in Kassel.

  1. Mai 2014

Bundespräsident beim Zukunftsforum

Kirche soll verstehbar von Gott sprechen

Bundespräsident Joachim Gauck spricht zu den kirchlichen Leitungsverantwortlichen. Foto: kwerk.eu

Wuppertal (idea) – Bundespräsident Joachim Gauck hat die evangelische Kirche zur geistlichen Erneuerung ermuntert. Es sei für das Land nicht gleichgültig, wie man in der Kirche von Gott rede – „ja ob überhaupt vernehmbar und verstehbar von Gott gesprochen wird“, sagte er am 15. Mai vor den rund 800 Teilnehmern des dreitägigen Zukunftsforums der EKD. Bei dem Kongress beschäftigen sich Leitungsverantwortliche der 563 Kirchenkreise mit dem Reformprozess der evangelischen Kirche. Gauck unterstrich die Bedeutung geistlicher Fragen für die Gesellschaft. Der Mensch und auch die Politik würden entlastet, wenn man zwischen letzten und vorletzten Fragen unterscheide. Es schenke Freiheit zu wissen, dass demokratisches politisches Handeln zwar zu Recht mit Mehrheit über den einzuschlagenden Weg entscheide; damit sei aber die Wahrheit nicht entschieden. Die Kirchen leisteten nicht zuletzt deshalb der Gesellschaft einen guten Dienst. Gauck: „Es macht die Befragung unseres Gewissens zugleich freier und ernster, wenn wir uns im Letzten vor einer Instanz verantwortlich wissen, die wir nicht selbst gemacht und mehrheitlich bestimmt haben.“

Kirche kann genügsam sein

Für die Gesellschaft sei die Existenz von Glaubensgemeinschaften freilich eine Zumutung, nämlich wenn sie die Menschen mit unbequemen und ungewohnten Maßstäben konfrontieren. Dazu zähle, dass der Schwache geschützt werde, dass Teilen richtiger sei als Behalten oder dass die Würde des Menschen von der Zeugung bis zum letzten Atemzug zu achten sei. Das alles werde wohl nie von der Mehrheit beschlossen, aber das alles gehöre zur Botschaft des Evangeliums. Wie der evangelische Theologe weiter ausführte, könnten die Kirchen manchmal „selbstgenügsam, bequem, wehleidig oder dem Zeitgeist verfallen sein“. Gauck: „Wir müssen uns neu darauf besinnen, wie die junge Kirche einst in der alt gewordenen römischen Welt wuchs und gedieh und überzeugte: als moralische und spirituelle Avantgarde, als eine frische, eigensinnige, vor allem aber als eine von ihrer Aufgabe überzeugte Gemeinschaft.“ Einen solchen Geist wünsche er sich auch von den Kirchen in Deutschland.

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