Fukushima: Stirbt der Pazifische Ozean? (TOPIC)

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Der Pazifische Ozean, auch Stiller Ozean genannt, ist der größte und tiefste Ozean dieser Erde. Er deckt 47 Prozent der Wasseroberfläche unseres Globus ab. Er gilt allgemein als tierärmster aller Ozeane. Wird er in absehbarer Zeit das tierlose unter den Weltmeeren werden?

Als im letzten Jahr der Weltumsegler Ivan Macfadyen zur Überquerung des Pazifischen Ozeans zwischen Japan und der amerikanischen Westküste aufbrach, ahnte der australische Abenteurer noch nicht, was auf ihn zukommen sollte. Denn diese Route hatte er vor 10 Jahren schon einmal durchsegelt und verfügte somit über einen direkten Vergleich. Nach der Schilderung Macfadyens sei es auf dem Meer, abgesehen von den Wind- und Wellengeräuschen, merkwürdig still gewesen – es fehlte fast völlig das stetige Kreischen der Seevögel. Die Vögel fehlten, weil auch die Fische fehlten. Laut Macfadyen habe er keine schwimmenden Schildkröten gesehen, keine Delfine, keine Haie. Einmal habe er einen Wal gesichtet mit einem großen Tumor am Kopf. Macfadyen: „Nachdem wir Japan verließen, fühlte sich der Ozean wie tot an.“ Es fehlte tierisches Leben im Wasser, dafür musste der Segler sein Boot hunderte Kilometer durch Müll manövrieren. Müll, zum Teil Haushaltsmüll, der offensichtlich von dem Tsunami – ausgelöst von einem gewaltigen Erdbeben im März 2011 vor der Küste Japans – vom japanischen Festland in den Pazifischen Ozean gespült wurde. Noch etwas schockierte den Weltumsegler: Bei all seinen früheren Segeltörns reagierte die gelbe Farbe seines Fiberglas- Bootes kein einziges Mal auf Sonne und Meerwasser. Doch bei dieser Seefahrt verblassten Glanz und Farbe der Außenlackierung. Es muss also etwas Aggressives im Meerwaser gewesen sein, was die Farbe angriff. War es hohe Radioaktivität, die zu einer chemischen Reaktion führte?

Seit dem Reaktor-Unfall Mitte März 2011 im japanischen Atomkraftwerk in Fukushima sind unfassbare Mengen an Radioaktivität freigesetzt worden und auch in den Pazifischen Ozean gelangt. Noch heute fließen pro Tag (!) 300 Tonnen hochradioaktiv verseuchtes Kühlwasser in den Ozean. Dazu kommt, dass starke Regenfälle in der Region von Fukushima radioaktiv verseuchte Böden auswaschen und radioaktives Material wie Cäsium 134 und Cäsium 137 in die Flüsse spülen und dann in den Pazifischen Ozean. Das fanden Forscher des französischen Institutes für Klima- und Umweltwissenschaften, kurz LSCE, heraus.

Stirbt der Pazifische Ozean, weil er radioaktiv verseucht wird? Meeresforscher sind mehr als beunruhigt. Immer häufiger werden an der Westküste des amerikanischen Kontinentes Fische entdeckt, die aus Kiemen und Augäpfeln bluten und zudem radioaktiv belastet sind. 2013 starben an der Südküste Kaliforniens mehr junge Seelöwen als sonst üblich. Besonders geschockt waren Wissenschaftler des kalifornischen Meeres-Forschungsinstitutes Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI). An ihrem 200 Kilometer vor der kalifornischen Küste gelegenen Forschungslabor „M“ entdeckten die MBARI-Wissenschaftler Christine Huffard und Ken Smith am Meeresboden eine dramatische Zunahme des sogenannten „Meeres-Rotzes“. Er besteht aus totem Plankton, toten gallertartigen Lebewesen sowie aus Kot von Meerestieren. Im Frühjahr 2012 war der Meeresboden mit nur einem Prozent dieses Meeres-Rotzes bedeckt. Im Juli 2012 waren es dann plötzlich 98 Prozent. Fazit: Irgendetwas Schlimmes geht im Pazifischen Ozean ziemlich rasch vor.

Jetzt im Frühjahr erwartet man an der amerikanischen Westküste eine erste große Welle radioaktiven Wassers, das durch Meeresströmungen von Japan kommend Amerika erreichen soll. Experten gehen davon aus, dass diese Welle die erste von weitaus höher radioaktiv verseuchten Wellen sein wird, die noch etliche Jahre auf die Küste auftreffen können. Wird die wunderschöne Westküste Nordamerikas zu einer Todeszone werden? Alles Panikmache, sagen sogenannte Experten auf der einen Seite; keineswegs, postulieren andere sogenannte Experten. Fakt ist: Schon im letzten Jahr hat die US-Regierung 14 Millionen Jodtabletten bestellt. Liefertermin: Februar 2014. Jodtabletten werden verabreicht, um bei einer hohen Strahlenbelastung radioaktives Material in der Schilddrüse zu binden. Dieser Vorgang soll dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit eines Krebs-Ausbruches zu verringern.

TOPIC Nr. 04/2014

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