Wahrheit, Erkenntnistheorie und Evangelium nach Tobias Faix (narjesus)

(Quelle: narjesus.wordpress.com)

Tobias Faix, der intellektuelle Kopf des “Emergent Deutschland”-Netzwerkes, läßt in seinem zweiteiligen Posting “Weltbild & Wahrheit” durchblicken, wie sehr der Postmodernismus sein Denken bestimmt, indem er zunächst einmal wesentliche Aspekte des Evangeliums und der biblisch-christlichen Lehre wie Bekehrung, Gerettet- und Verlorensein als “regional westlich geprägt” relativieren möchte:

[…]

Ich: O.k., und wie zeigt sich das Evangelium? Mann: Nun, es ist das Kreuz und die Auferstehung Christi. Ich: Und was bedeutet das? Mann: Wie “was bedeutet das”? Ich: Was heißt das für ihr Leben? Mann: Dass ich mich für diesen Jesus entscheide, ihn als Herrn anerkenne, ihm kompromisslos nachfolge und anderen davon erzähle, damit sie nicht verloren gehen. Ich: Das verstehe ich, es ist aber auch eine sehr westliche Interpretation des Evangeliums, in Südamerika oder Afrika würde man dies vielleicht an manchen Stellen ganz anders sehen und wir sind ja noch nicht in Details.

[…]

(aus: tobys blog, “Weltbild & Wahrheit Part 1″, 14.10.2011)

Der letzte Satz weist in Richtung einer ganz bestimmten Argumentation, auf die ich ausführlich in meinem Posting zu “Amahoro Africa” im Abschnitt “Die Theologie von Amahoro Africa und ihre strategische Bedeutung” eingegangen bin.

Im weiteren Verlauf, bei der Diskussion mit einem anderen Blogger, zeigt sich, daß Tobias Faix auch durch und durch von der postmodernistischen Konzeption von Wahrheit und Erkenntnistheorie geprägt ist:

Blogger Tobias Faix hat gesagt…

Hans-Christian: Mmhh, würdest du behaupten, dass es unter uns Menschen nur ein richtiges Weltbild gibt? Eine richtige Erkenntnis? Und nur eine richtige Wahrheit?

Dezember 13, 2011

Blogger Hans-Christian B. hat gesagt…

Das würde ich schon behaupten, und wir sollten alle auf dem Weg dahin sein. Es wird auf alle Fälle kein synkretistischer Kompromiss sein, und falsche Prämissen sind eher hinderlich.

Dezember 13, 2011

Blogger Hans-Christian B. hat gesagt…

p.s. Deine Fragen klingen ein bisschen nach Nathan dem Synkretisten von Lessing.

Dezember 13, 2011

Blogger Tobias Faix hat gesagt…

Lieber Hans-Christian, sorry, dass ist mir ein bisschen zu billig, du hast die Wahrheit, ich weiche von deinen Vorstellungen ab, also bin ich ein Synkretist. Du bist zu schlau, um mir so was verkaufen zu wollen…

Dezember 13, 2011

Blogger Hans-Christian B. hat gesagt…

Du bist nicht deshalb ein Synkretist, weil du von mir abweichst, sondern weil du offensichtlich meinst, es gebe mehrere “richtige Wahrheiten”. Wie soll denn das gehen? Dürfen die sich auch diametral widersprechen?

Dezember 13, 2011

Blogger Hans-Christian B. hat gesagt…

Wenn wir inhaltlich voneinander abwichen, wäre das sicher zu klären, doch offenbar weichen wir epistemologisch und methodisch voneinander ab. Das ist dann schwer. Wie bei Wittgensteins Sprachspielen, wo einer die Spielregeln des anderen nicht kennt, oder anerkennt.

Dezember 13, 2011

(aus: tobys blog, “Weltbild & Wahrheit Part 2″, Kommentare vom 13.12.2011)

Die postmodernistische Sicht von Wahrheit und Erkenntnistheorie läßt sich nicht mit dem Zeugnis der Bibel vereinbaren. Die Lehre von einer absoluten Wahrheit, die zumindest grundsätzlich (wenn auch nicht vollständig) dem menschlichen Denken zugänglich ist, die klar und logisch erfaßbar ist, ist nicht spezifisch aristotelisch oder griechisch-römisch-heidnisch, wie uns Vertreter der Emergenten Bewegung immer wieder weismachen wollen, sondern biblisch. Sie entspricht einem Gott, der Wahrheit und Klarheit liebt, und sie entspricht dem Weheruf des Propheten Jesaja gegen diejenigen, die – auch mit philosophischer Schläue – es lieben, klare Kategorien aufzulösen und durcheinanderzumischen:

Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen! Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug!

(Jesaja 5,20-21, Luther-Übersetzung)

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