Warum wird Europa systematisch ruiniert? (TOPIC)

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„Die Entwicklung, die wir heute in Griechenland und Europa beobachten, war von Beginn an absehbar. Kein Politiker kann mir erzählen, dass er um diese Umstände nicht gewusst hat, gemäß dem Motto: ,Das konnte man ja nicht ahnen!‘ … Wenn wir einen Weg suchen, um die EU zum Kollabieren zu bringen, ist das genau der richtige.“ Diese Sätze stammen aus dem neuen Buch von Dirk Müller, der auch als Mr. Dax bekannt ist. Sein neuestes Werk heißt „Showdown – der Kampf um Europa und unser Geld“ (Daten dazu S. 5). Was Müller präsentiert, verschlägt einem den Atem. Griechenland ist eines der reichsten Länder an Bodenschätzen aller Art und könnte sowohl sich selbst als auch ganz Europa zu ungeahntem Wohlstand führen. Doch warum werden diese Bodenschätze nicht in Euros umgewandelt, um beispielsweise die hohen Schulden des Landes zu begleichen? Ähnliches trifft auf Zypern zu. Auch dort ruhen -kantische Reichtümer unter den Hoheitsgewässern der Zyprer (s. detaillierter Bericht zu den Bödenschätzen auf Seite 5). Doch nicht nur die Bodenschätze sind eine Perspektive für die wirtschaftlich angeschlagenen Länder, es gibt auch noch weitere Faktoren, die den südlichen Ländern helfen könnten.

Müller schildert– anschaulich und sehr gut verständlich –, wie aus dem einst „kranken Mann Europas“ – Deutschland – ein wirtschaftlich stabiles Land wurde, das den letzten Wirtschaftskrisen trotzen konnte. Anfang der 2000er Jahre war in Deutschland blindes Sparen angesagt. Bundeskanzler war damals Gerhard Schröder (SPD), und für das Sparen war der „Eiserne Hans“ zuständig – Bundesfinanzminister Hans Eichel. Doch Schröder erkannte, dass das blinde Sparen Deutschland nicht weiterbringen würde. Die Wirtschaft wuchs nicht mehr, und die Arbeitslosenzahlen stiegen. Dann postulierte Schröder die „Agenda 2010″. Arbeits- und Sozialstrukturen wurden aufgebrochen, gezielte Konjunktur-Programme wurden aufgelegt, und nach und nach gesundete der „kranke Mann“ Europas. Längst nicht alles darf mit einem politischen Heiligenschein versehen werden, was Schröder unter der Agenda 2010 in Deutschland einführte. Fakt ist aber: Deutschland steht im Moment wirtschaftlich noch ziemlich ro­bust da, während fast alle Euro­Länder um Deutschland herum mehr und mehr schwächeln. An dieser neuen deutschen Stärke – und das gibt sogar die CDU zu – hat die Agenda 2010 maßgeblichen Anteil. Was Deutschland in den letzten zehn Jahren half, wirtschaftlich auf die Beine zu kommen, wird den südlichen Ländern Europas aber strikt verweigert. Sie sollen nur sparen, sparen, sparen … Müller schreibt dazu: „Kann mir jetzt bitte irgendwer erklären, warum wir wider besseren Wissens von unseren südlichen Nachbarn das genaue Gegenteil von dem verlangen, von dem wir selbst überzeugt sind, dass es gut und richtig wäre? Warum wir von diesen Staaten verlangen, das Gegenteil zu tun, was wir gemacht haben?“ Immer wieder präsentiert Müller in seinem spannend zu lesenden Buch Fakten, die nur einen Schluss zulassen: Hier sind Mächte am Werk, die Europa systematisch ruinieren wollen. Doch mit welchem Ziel? Müller hat darauf auch keine schlüssige Antwort. Er schwankt zwischen „maßloser Borniertheit“ und gezielter „Bosheit“, die hinter dieser Entwicklung stecken könnte.    Wer sich derzeit die Situation in Europa in Ruhe aus „höherer Warte“ anschaut, kann sich eines Eindrucks nicht erwehren: Die Europäer werden gezielt in Richtung von Angst, Schrecken und Chaos getrieben. Vieles, auf das die Europäer eine gesicherte Zukunft – z. B. auch für einen ruhigen Lebensabend – aufbauen wollten und wollen, droht komplett wegzubrechen.

Zigtausende gut ausgebildete junge Südeuropäer driften in Richtung Depression oder Wut, weil sie keine Arbeit finden und sich somit kein eigenes Leben aufbauen können. In Spanien, Griechenland, Portugal und anderen südeuropäischen Ländern pendelt die Quote der Jugendarbeitslosigkeit um die 50 (!) Prozent.

Diejenigen, die noch Arbeit haben oder schon in Rente sind, machen sich Sorgen um ihr Erspartes. Schrittchen für Schrittchen wird den europäischen Bürgern nahegebracht, dass zur Finanzierung von Schulden nun auch ihr Sparguthaben herangezogen werden könnte.

 

Seit 2012 existiert ein 171 Seiten starkes internes Papier der EU-Kommission, das den Plan einer Zwangsabgabe auf Sparguthaben skizziert. Die Teilenteignung der zyprischen Sparer war kein Zufall, sondern der Anfang einer Serie. Internationale Investment-Banken haben längst im Auftrag der Politik in Studien ausgerechnet, wie viel Prozent man von den Sparguthaben einfordern muss, um welche Milliardensumme zu erreichen. So rechnete z. B. die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs aus, dass man in Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Italien eine Zwangsabgabe von 8,5 Prozent auf Sparguthaben einfordern müsse, um zusammen etwa 305 Milliarden Euro zu generieren. Auch auf andere Länder wird früher oder später diese Zwangsabgabe zukommen. Dabei scheint man nach dem Motto vorgehen zu wollen: Man nimmt nicht einigen alles, sondern allen einiges.

Auch die Besitzer von Lebensversicherungen müssen bangen. Laut der Zeitung Die Welt vom 8. November 2012 warnt das Bundesfinanzministerium in einem Geheimpapier vor existenzbedrohenden Problemen bei zahlreichen Lebensversicherern. Weil es für viele Bürger unattraktiv geworden ist, Geld langfristig in Lebensversicherungen zu investieren, fehlt den Versicherern das frische Geld, um zuteilungsreife Lebensversicherungs­Summen im versprochenen Umfang auszuzahlen. Laut dem Geheimpapier drohe um 2018 eine große Krise im Lebensversicherungs-Gewerbe.

Der Rechtsanwalt und Mittelstands-Forscher Professor Dr. Eberhard Hamer aus Hannover hat sich in einem großen Artikel für die Schweizer Zeitung Zeit-Fragen (8. April 2013) einmal Gedanken darüber gemacht, welche Folgen die Finanzkrise langfristig haben könnte. Seine Prognose: erst die Finanzkrise, dann die Realkrise, dann eine Gesellschaftskrise, die dann in eine Sinnkrise führe. Doch wer wird in einer Sinnkrise den verwöhnten Europäern Sinn vermitteln können? Früher, so Hamer, seien „tragfähige Leitideen für unser christliches Abendland aus den christlichen Kirchen gekommen. Ich zweifle, ob diese heute noch die Kraft zu einer Reformation haben.“ Anfang des Jahres trafen sich große Denker — Philosophen, Schriftsteller, Psychoanalytiker etc. — aus ganz Europa in Paris, um Vorschläge zu diskutieren, die den Untergang Europas verhindern sollen. Doch nicht einer hatte eine gute Idee. Die Tagung endete deprimierend. In einem Manifest zu dieser Tagung heißt es: „Europa steckt nicht nur in der Krise, Europa liegt im Sterben. Europa als Idee, als Traum, als Projekt.“

Schon seit Ende der 2000er Jahre erscheinen in einer gewissen Regelmäßigkeit die Ergebnisse von neuen Umfragen, die in ganz Europa eines dokumentieren: Der Ruf nach einem Retter, einem starken Führer wird immer lauter. Doch nicht nur in Europa!

In seinem Buch „Machtvakuum“ analysiert der amerikanische Politologe Ian Bremmer die derzeitige Weltlage. Er kommt zu dem Schluss, dass die USA ihre Führungsrolle verloren haben, weil sie sich wegen ihrer Schuldenkrise außenpolitisch nur noch begrenzt engagieren können. Derzeit, so Bremmer, sei der Globus in Wirklichkeit ziemlich führungslos.

Amerika ist geschwächt, Europa geht zu Boden, die islamische Welt ist durch Unruhen mit sich selbst beschäftigt, über Russland weiß man zu wenig, und China hat mit seinen schnell wachsenden Sozial-Problemen einer riesenhaften Bevölkerung zu tun. Im Grunde genommen wartet die Menschheit auf einen Mann, der sie aus der Krise führt. Die Bühne ist fast fertig für einen Übermenschen, der aus biblischer Sicht nur der Antichrist sein kann.

TOPIC  Nr. 06/2013

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