Argumente für den Cessationismus – das Aufhören der Zeichen- und Wundergaben (Tom Pennington)

(Quelle: Georg Walter distomos.blogspot.de)

17. Oktober 2013 Strange Fire Konferenz
Das Etikett „Cessationismus“ hat einen negativen Beigeschmack, aber das wirkliche Problem ist, dass der Cessationismus einfach verzerrt dargestellt wurde, als ob der Heilige Geist sein Wirken eingestellt hätte. Aber Fakt ist, dass wir, die wir uns Cessationisten nennen, glauben, dass der Heilige Geist weiterhin am Wirken ist. Wir glauben lediglich, dass der Heilige Geist eine Form seines Wirkens eingestellt hat: Geistesgaben wie Zungenrede, Prophetie und Heilung.
Die Hauptargumente der Charismatiker zu ihrer Auffassung, dass die Geistesgaben noch heute existieren, sind folgende:
1) Das Neue Testament sagt nicht, dass die Geistesgaben aufgehört haben.
Gegenargument: Aber es sagt auch nicht, dass sie nicht aufgehört haben.
2) 1Korinther 13,10: Charismatiker argumentieren, dass Gaben der Zungenrede und der Prophetie enden werden, wenn Christus wiederkommt. Das bedeutet, dass die Geistesgaben andauern.
Gegenargument: Hierbei handelt es sich jedoch um eine umstrittene Interpretation.
3) Das Neue Testament spricht nur vom Gemeindezeitalter, und deshalb, so argumentieren Charismatiker, würden die Gaben, die mit dem Gemeindezeitalter begannen, auch weiterhin fortbestehen, solange dieses Zeitalter andauert. Charismatiker sagen, dass Cessationisten eine künstliche Trennung zwischen der Zeit der Apostel und der Zeit nach den Aposteln vornehmen.
Gegenargument: Viele Charismatiker begehen allerdings denselben Fehler, da sie nicht glauben, dass das Apostelamt fortbesteht [und somit ebenfalls eine „künstliche Trennung“ zwischen der apostolischen und nachapostolischen Zeit vornehmen].
4) 500 Millionen bekennende Christen, die angeben, charismatische Erfahrungen gemacht zu haben, können nicht irren.
Gegenargument: Aber wenn wir dies akzeptieren würden, müssten wir auch logischerweise die Wunder akzeptieren, die von einer Milliarde Katholiken bezeugt wurden. Die Wahrheit ist, dass 500 Millionen Menschen sich irren können.
Der Cessationismus bedeutet nicht, dass Gott keine Wunder mehr tut. Als Pastor sehe ich oft Wunder. Jedes Mal, wenn ein geistlich toter Mensch zum Glauben kommt, ist das ein Werk der Gnade. Jedes Mal, wenn jemand allein als Antwort auf die Gebete von Kindern Gottes geheilt wird, im Widerspruch zu den medizinisch-wissenschaftlichen Prognosen, ist es ein göttliches Wunder. Cessationismus bedeutet, dass der Heilige Geist die Geistesgaben nicht mehr als eine maßgebliche christliche Erfahrung gibt, wie es in der Zeit der Apostel üblich war. Warum glauben wir das?

7 biblische Argumente für den Cessationismus

1) Die einzigartige Funktion von Wundern

Es gibt nur drei maßgebliche Zeiträume, in denen Gott Wunder durch ganz besondere Menschen wirkte. Der erste Zeitraum war die Zeit des Moses, der zweite war die Zeit des Prophetendienstes von Elia und Elisa, der dritte war die Zeit Jesu und seiner Apostel.
Der grundlegende Zweck der Wunder bestand immer darin, die Glaubwürdigkeit desjenigen zu untermauern, der Worte Gottes sprach – nicht die Worte irgendeines Lehrers, sondern die Worte, die direkt von Gott stammten. Beachte 2Mose 4,15-17, als Aaron der Prophet von Mose sein sollte; Aaron konnte nicht aus sich selbst sprechen. Er konnte nur das sagen, was Mose ihm gesagt hatte. Genau das macht einen Propheten aus. Aber wie konnten die Menschen wissen, ob jemand, der behauptete ein Prophet zu sein, wirklich die Worte Gottes sprach? Mose bringt dieses Dilemma am Anfang von Kapitel 4 vor Gott zur Sprache, und Gott antwortet ihm, indem er durch ihn ein Wunder wirkt.
Gott befähigte Mose, Wunder zu tun, nur zu einem einzigen Zweck: um seine Aussagen zu bestätigen, dass er für Gott spricht. Das bleibt auch weiterhin der Sinn und Zweck von Wundern im ganzen Alten Testament. Nur diejenigen, die in der Autorität und Unfehlbarkeit Gottes sprachen, empfingen Vollmacht, Wunder zu tun.
Wenn wir uns dem Neuen Testament zuwenden, entdecken wir das gleiche Muster. Das Hauptziel der Wunder Jesu bestand darin, seine Legitimation als Gottes letzter und endgültiger Bote zu bestätigen (Johannes 5,36; 6,14; 7,31; 10,24-26; 10,37-38). Die Wunder Jesu waren nicht in erster Linie ein Mittel zur Missionierung oder Linderung menschlichen Leids. Der Hauptgrund, warum der Heilige Geist Jesus Vollmacht verlieh, Wunder zu tun, bestand darin, zu bestätigen, dass Jesus all das war, was er zu sein beanspruchte [der Sohn Gottes], und dass er die Worte Gottes sprach (Apostelgeschichte 2,22). Jesus gab den Aposteln dieselbe Vollmacht, und ihre Wunder dienten genau demselben Ziel (Apostelgeschichte 14,3; Hebräer 2,3-4).
Man könnte noch viel mehr aufzeigen und sagen, aber weil wir dieses Muster in der ganzen Schrift sehen, ist es nachvollziehbar, daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Wunder mit dem Tod der Apostel und mit dem Ende ihres Dienstes aufhörten – genauso wie sie aufhörten, nachdem Mose starb und nachdem Elia und Elisa starben.

2) Ende der Gabe des Apostelamtes

An zwei Stellen des Neuen Testamentes spricht Paulus von den Aposteln als einer Gabe, die Christus der Gemeinde gegeben hat (1Korinther 12,28; Epheser 4). Obwohl nicht alle Gnadengaben Ämter sind, so sind doch alle Ämter Gnadengaben an die Gemeinde.
Eine der Gaben, die Christus seiner Gemeinde gab, waren die Apostel, aber sie waren Gaben für eine begrenzte Zeit. Die meisten stimmen zu, dass es niemanden mehr gibt, der den zwölf Ur-Aposteln gleichkäme. Auf niemanden trifft mehr zu, dass sie Augenzeugen des Lebens und der Auferstehung Jesu sind. Man musste ferner persönlich von Jesus eingesetzt und bevollmächtigt worden sein, Wunder zu wirken (Matthäus 10,1-2). Unter Berücksichtigung dieser drei Qualifikationen gibt es keinen heute lebenden Menschen, der ein Apostel im Sinne der 12 Urapostel sein kann. Diese Gabe Christi an die Gemeinde verschwand nach dem apostolischen Zeitalter. Dies zeigt, dass ein bedeutender Wandel bei den Gaben des Heiligen Geistes stattgefunden hat, wenn man das apostolische Zeitalter und heute vergleicht.

3) Apostel und Propheten des Neuen Testaments legen das Fundament der Gemeinde

Das Neue Testament bezeichnet die Apostel und Propheten als das Fundament der Gemeinde (Epheser 2,20-22). Aus dem Zusammenhang wird deutlich, dass Paulus hier nicht von Propheten des Alten Testaments, sondern von Propheten des Neuen Testaments spricht. Als die Apostel und Propheten ihre Aufgabe, das Fundament der Gemeinde zu legen, beendet hatten, war diese Gabe nicht mehr notwendig.

4) Das Wesen der neutestamentlichen Wunder-Gaben

Wenn der Heilige Geist weiterhin so handeln würde wie im ersten Jahrhundert, dann müsste man erwarten, dass seine Gaben von der gleichen Art wären. Betrachten wir einmal die Zungenrede. An Pfingsten handelte es sich bei den Sprachen, die gesprochen wurden, um schon existierende, verständliche Sprachen. Die neutestamentliche Gabe war ein Sprechen in bekannten Sprachen und Dialekten, nicht in einer ekstatischen Sprache.
Die Prophetie des Neuen Testaments ist eine direkte, unfehlbare Offenbarung. Heute wird jedoch Prophetie anders verstanden. Betrachten wir die Prophetie. An keiner Stelle im Neuen Testament wird Prophetie von der des Alten Testaments unterschieden. Genauso wie die Propheten des Alten Testaments direkte, unfehlbare Prophetien von Gott aussprachen, taten es auch die Propheten des Neuen Testaments. Und sobald ihre Prophetien mit den vorangegangenen Offenbarungen verglichen und bestätigt worden waren, wurden sie den Offenbarungen der Gemeinde hinzugefügt. Die Prophetie des Neuen Testaments ist direkte, unfehlbare Offenbarung. Heute versteht man unter Prophetie jedoch etwas anderes. Wayne Grudem, agiler Verteidiger dieser Position, lehrt, dass moderne Prophetie mit den Worten „ich denke, der Heilige Geist sagt folgendes“ eingeleitet werden sollte. Das ist nicht die Prophetie des Neuen Testaments. Ferner besteht zwischen den „Heilungen“ der heutigen Zeit und denen im Neuen Testament ein Unterschied.

5) Das Zeugnis der Kirchengeschichte

Die Anwendung der apostolischen Gaben nimmt sogar während der Lebenszeit der Apostel ab. In den späteren Briefen des Neuen Testaments werden Wundergaben immer seltener erwähnt. In der Zeit nach dem Neuen Testament sehen wir, dass die Wundergaben enden. Johannes Chrysostomos und Augustinus sprechen davon, dass sie aufhörten. Martin Luther, Johannes Calvin, Jonathan Edwards, Charles Spurgeon und B. B. Warfield stimmen darin überein, dass die Gaben nach dem 1. Jahrhundert aufhörten und lediglich den Zweck erfüllt hatten, die Verkündigung des Evangeliums durch die apostolischen Boten zu beglaubigen. Das bringt für unsere Freunde des Nichtcessationismus ein großes Problem mit sich. Wie sollen sie erklären, dass die Wundergaben eine so lange Zeit in der Kirchengeschichte aufhörten?

6) Die Allgenügsamkeit der Heiligen Schrift

Der Heilige Geist spricht nur in dem inspirierten Wort Gottes und nur durch dieses Wort. Er ruft und leitet die Menschen nicht durch persönliche Botschaften oder Bestseller der modernen Zeit. Sein Wort ist außerhalb von uns und objektiv.

7) Das Neue Testament regelt die Wundergaben

Wann immer die neutestamentliche Gabe der Zungenrede praktiziert wurde, gab es genaue Regeln, die befolgt wurden. Sie musste eine Ordnung und eine Struktur haben, genauso wie es jemanden geben musste, der diese Rede auslegte. Paulus legte auch Regeln für Propheten und Prophetien fest. Tragischerweise werden heute bei den charismatischen Praktiken diese Gebote eindeutig missachtet. Das Ergebnis ist nicht ein Werk des Heiligen Geistes, sondern ein Werk des Fleisches.
Dieses sind biblische Argumente für den Cessationismus. Wie sollten wir darauf reagieren? Wenn Sie Cessationist sind, dann übertreiben Sie es nicht und spielen Sie nicht das Wirken des Heiligen Geistes in Ihrem Leben und Ihrem Dienst herunter. Halten Sie fest an Ihrem Vertrauen an das allgenügsame Wort. Möglicherweise sind wir bald in der Minderheit, aber wir stehen im historischen Vermächtnis der Gemeinde und auf dem Wort Gottes. Antworten Sie mit Weisheit auf die verschiedenen Arten der Nichtcessationisten. Konfrontieren Sie Charismatiker, die das Wohlstandsevangelium verinnerlicht haben, mit dem biblischen Evangelium. Fordern Sie sie auf, zu prüfen, ob sie im Glauben stehen. Erläutern Sie ihnen auf liebenswürdige Weise das biblische Argument, warum die Geistesgaben gegeben wurden, und helfen Sie ihnen, dies zu verstehen.
Wenn Sie nicht überzeugt sind, lassen Sie es um ihres eigenen Friedens willen nicht zu, die biblischen Argumente, die wir hier heute aufgeführt haben, zu ignorieren. Nehmen Sie nicht die „offen, aber vorsichtig“- Position4 an, nur weil sie populär ist, sondern prüfen Sie selbst die Heilige Schrift, um zu sehen, was diese sagt.
%d Bloggern gefällt das: