[Buch] Die Freimaurerei (Dr. Martin Hohl-Wirz) / Vorbemerkung (Siegfried Schad)

Erstveröffentlichung am 23.12.2013 – auf DSGVO-Konformität geprüft, am 02.07.2020 überarbeitet und wieder eingestellt

Vorbemerkung (Siegfried Schad)

Dass Freimaurertum, eine Neue Weltordnung und Interreligiösität einen Wertekanon bilden ist nichts Neues! Interessant ist jedoch bei den geheimnisumwitterten Bünden das Zustandekommen und Wirken. Das nachfolgende Buch lässt sicherlich die brisantesten Fragen auf Grund der gebotenen Seriosität unbeantwortet und verliert sich nicht im spekulativen Raum – dennoch ahnt der Leser welche Kräfte im Geheimen zu wirken wissen.

[Auszüge] … In den nächsten Graden geht es darum, für eine ‚gelenkte  Volksherrschaft‘ einzustehen. Die ‚Despotie der Massen‘, die auf eine  völlige Anarchie hinausläuft, wird verworfen. Dabei gilt es, ‚die  Volksrechte zu erkennen und nach aussen hin zu vertreten‘. Die einzelnen  Religionen sind zu überwinden, die in allen Religionen enthaltenen  Wahrheiten sollen in einer ‚Überreligion‘ zusammengefasst werden

Freimaurer  haben sich nicht nur für nationalstaatliche Unabhängigkeit und  Rechtsstaatlichkeit, sondern schon bald auch für überstaatliche  Vereinigungen eingesetzt. Der deutsche Philosoph und Freimaurer Karl C.  F. Krause (1781-1832) zum Beispiel konzipierte die «frühzeitige Form  eines Völkerbundes in föderativer Form». (Valmy, S. 55) Auch der  französische Publizist Maurice Monier (1877-1931) gilt als ein  ‚Vorkämpfer für Völkerversöhnung‘. (Oslo, 406) »Der Völkerbund ist keine  direkte freimaurerische Gründung, er ist aber eine Institution, die  naturnotwendig aus dem Geiste der Loge heraus geboren wurde« (Lerich, S.  39). Der deutsche Staatsmann und Freimaurer Gustav Stresemann  (1878-1929) »erregte weltweites grosses Aufsehen mit der unverkennbar  freimaurerisch geprägten Antrittsrede vor dem Völkerbund.» (Oslo S. 409)

Verschiedene  Gruppen und Gesellschaften einflussreicher Persönlichkeiten, die auf  höchster Ebene Einfluss auf die Weltpolitik nehmen, sollen mit der  Freimaurerei in Verbindung stehen. So unter anderen der Club of Rome,  die Trilaterale Kommission, der Council on Foreign Relations (CFR), die  ‚Bilderberger‘, die Round table Gruppen, die B’nai B’rith sowie engere  Kreise um die Familien Rothschild und Rockefeller. Diese informellen  Gruppen sollen hierarchisch, wie eine Pyramide, geordnet sein. Eine  solche Pyramide ist, zusammen mit dem ‚allsehenden Auge Gottes‘ und  anderen FM Symbolen, auf der US 1 $ Note abgebildet. Zur  Weltfreimaurerei sollen rund 100 Organisationen gehören. Im Zusammenhang  mit dem Bestreben nach Völkerverständigung steht auch der Einsatz für  den Frieden. Die Zeitschrift ‚Alpina‘ (Nr. 12 1986 S. 298) nennt die  folgenden Freimaurer, die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet  wurden: 1902 Elie Ducommun (1833-1906), 1906 Theodore Roosevelt  (1858-1919), 1911 Alfred Hermann Fried (1864-1921), 1913 Henri de la  Fontaine (1854-1943), 1920 Léon Victor Auguste Bourgeois (1851-1925),  1926 Gustav Stresemann (1878-1929), 1929 Frank B. Kellogg (1856-1937),  1935 Carl von Ossietzky (1889-1938), 1953 George C. Marshall (1880  1959). Der ‚Marshall Plan‘ hat nach dem zweiten Weltkrieg bekanntlich  wesentlich zur wirtschaftlichen Erholung Deutschlands und damit Europas  beigetragen. In der FM Literatur nicht genannt ist, möglicherweise weil  er der Schwedischen Lehrart angehörte: 1930 Nathan Söderblom  (1866-1931), Mitbegründer der ökumenischen Bewegung. [Auszüge Ende]




Buch: Die Freimaurerei (Dr. Martin Hohl-Wirz)

Die Freimaurerei und der Absolutheitsanspruch des Herrn Jesus Christus

(Quelle: www.horst-koch.de)

(Biographische Angaben finden sich am Ende dieses Artikels)

 

Die Literatur zum Thema Freimaurerei ist außerordentlich umfangreich. Die 1911 vom deutschen Gelehrten August Wolfstieg begründete »Bibliographie der freimaurerischen Literatur« umfasst heute über 50’000 Titel. Nach Zendralli  wird die gesamte Literatur zum Thema Freimaurerei von Fachleuten auf  rund 100’000 Bücher  und Schriften Titel geschätzt. Ein Teil dieser  Literatur ist im Verzeichnis der Deutschen Freimaurer Bibliothek, die  dem Deutschen Freimaurer Museum in Bayreuth angeschlossen ist, enthalten  (Schneider, 1977).

Trotz dieser Literaturflut ignoriert nach Mellor (Alec Mellor, Logen, Rituale, Hochgrade. Handbuch der Freimaurerei, 1985)  »die grosse Mehrheit des Publikums die Freimaurerei«, und von den  Historikern werde sie kaum und erst spät zur Kenntnis genommen. »Sie ist  ein Tabu, über das man gleichsam verabredungsgemäß nicht spricht«  (S.33) »Seit etwa 10 Jahren erst ist die Freimaurerei zum Gegenstand  intensiverer wissenschaftlicher Forschung geworden.« (Ulrich Im Hof, Zur Geschichte der Freimaurer im 18. Und 19. Jahrhunderts – aus der Sicht eines Historikers, Basel, 1984). Schenkel  schreibt: »Die Lehrbücher der Kirchengeschichte enthalten zwar kurze  Hinweise auf die Freimaurerei, behandeln sie aber nebensächlicher als  irgendwelche belanglosen Erscheinungen auf kirchlichem Gebiet und  verraten in nichts ein Bewusstsein um die teilweise geradezu  entscheidende Bedeutung der Freimaurerei in der Kulturpolitik einiger  europäischer Staaten.« Diese Aussage gilt m.E. auch heute noch.

Warum  diese Unwissenheit, Ignoranz, Vorsicht? Der Grund dafür liegt sicher  nicht zuletzt in der Freimaurerei selbst, für die Öffentlichkeitsarbeit  nicht wesensgemäß ist. Die Freimaurerei versteht sich zwar heute nicht  mehr als eine Geheimgesellschaft, immer noch aber als eine geschlossene  Gesellschaft: »not secret but privat«.

Bis vor kurzem waren  zuverlässige, autorisierte Informationen nur schwer zugänglich. Zudem  war die Freimaurerei seit ihrer Gründung im Jahre 1717 heftig umstritten  und von den vielfältigsten Gerüchten begleitet. Je nach Standort und  Interessenlage waren die Aussagen unterschiedlich und widersprüchlich.  Dazu kommt, »dass es nicht einmal im Innersten des Ordens  Übereinstimmung über das Wesen und über die wesentlichen Ziele der  Freimaurerei gibt.« (Mellor) Die Freimaurerei ist nicht nur  umstritten, sondern auch zerstritten. Es gibt verschiedene Spielarten  und Abarten, die sich zum Teil die Anerkennung versagen. In dieser  Situation ist es schwierig und für Außenstehende fast unmöglich, sich  ein objektives Bild zu machen.

Kann es aber ein solch ‚objektives‘  Bild überhaupt geben? Ein Freimaurer wird diese Frage möglicherweise  verneinen. Jeder erlebt Freimaurerei anders. Wahrheit ist relativ,  subjektiv. Das Wesentliche der Freimaurerei lässt sich zudem nach  freimaurerischer Auffassung nicht durch Worte und Bücher mitteilen. »Der  Geist des freimaurerischen Rituals… beruht auf dem Glauben, dass es  gewisse Wahrheiten gebe, die zu tief sind, als dass Worte oder Begriffe  sie ausdrücken könnten. Allein Symbole können eine stumme Andeutung  davon geben.« (Alec Mellor, Logen, Rituale, Hochgrade. Handbuch der Freimaurerei, S. 304)

Dies  ist meines Erachtens der Kern und der gemeinsame Nenner aller  Freimaurerei, dass sie dem Wort im weitesten Sinn, d. h. auch der  Sprache, als gestaltende, ordnende, verbindende und rettende Kraft  misstraut und an seine Stelle das Symbol setzt.

Dieser Sachverhalt war mir mit seinen weitreichenden Konsequenzen nicht bewusst, als ich am 5. Juni 1988 in die »Freimaurerloge Libertas et Fraternitas im Orient von Zürich«  aufgenommen wurde. Ich erwartete eine offene, faire und anregende  geistige Auseinandersetzung, ohne die ich buchstäblich nicht atmen kann.  In der Loge hingegen wird jede politische, theologische oder andere  ‚hitzige‘ Diskussion bewusst und konsequent vermieden. Auch mir sind  leere Wortgefechte, bloße Wortklaubereien und gewalttätige geistige  Auseinandersetzungen zuwider, und ebenso lehne ich jedes Missionieren  mit Schwert, Zwang und Aufdringlichkeit ab. Doch sollen und können wir  an die Stelle der blutigen Religions- und Konfessionskriege das  Schweigen setzen? »Hear, see and silence«, so lautet die Devise der  englischen Freimaurer.

In dieser Arbeit gehe ich von einer  Auffassung aus, die der freimaurerischen diametral entgegengesetzt ist:  Die Sprache ist die wichtigste Kommunikationsform. Sie konstituiert  alles Sein, alles Leben. Gerade die wichtigsten Wahrheiten können nur  durch die Sprache vermittelt werden, und wirkliche, dauerhafte  Gemeinschaft entsteht nur durch das Wort. Es geht mir im folgenden nicht  darum, die freimaurerische Auffassung zu widerlegen und zu bekämpfen,  vielmehr geht es darum, die beiden Auffassungen einander gegenüber zu  stellen und einer möglichst unvoreingenommenen Beurteilung und einer  möglichst freien persönlichen Entscheidung zugänglich zu machen.

Welche  Sprache sollen wir nun aber sprechen, um nicht in einer dauernden  Sprachverwirrung zu leben? Ich gehe im folgenden von der Annahme aus,  dass Jesus Christus die höchste, die absolute Autorität in Sachen  verbaler Kommunikation ist. Er ist uns bezeugt als das ‚fleischgewordene  Wort‘. Er ist mit seinem Leben dafür eingestanden, dass Gottes Wort  gilt; Er hat uns den Zugang zu demjenigen Gott wieder ermöglicht, der  kommuniziert, der mit uns spricht und sich uns gegenüber ausdrücklich  verpflichtet; Er hat uns das Vertrauen auf das Wort, den Sinn für die  Bedeutung der gegenseitigen Verständigung und damit die Sprache  wiedergegeben. Mit anderen Worten: Ich nehme im folgenden an, dass der  Absolutheitsanspruch des in der Bibel bezeugten Jesus Christus  gerechtfertigt ist, und ich werde versuchen, die Freimaurerei im Lichte  dieses Jesus Christus zu beleuchten. Er ist derjenige, der auferstanden  ist, der also lebt, und dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden  übertragen ist. Ich nehme diese Herrschaftssituation als durchaus  wirklich an, auch wenn ich den obersten Machthaber nicht sehe, nicht  immer spüre und von dieser ganzen Wirklichkeit und Wahrheit nur aufgrund  des uns überlieferten Evangeliums etwas weiß. Die Annahme dieser  Realität bedeutete eine Umkehr, die es mir ermöglichte, wieder aus der  Freimaurerloge auszutreten. Das geschah am 28. September 1988.

Die  Freimaurer wenden sich – mit Erfolg, wie wir sehen werden – gegen alle  Absolutheitsansprüche einzelner Religionen, Konfessionen, Parteien,  Rassen, Klassen, Institutionen, Nationen usw. und wollen alle Gegensätze  miteinander versöhnen. Ist der Absolutheitsanspruch Christi  gerechtfertigt, so hat dieser Kampf der Freimaurer auch aus unserer  Sicht eine gewisse Berechtigung: Wir finden ja unser Heil nicht in einer  bestimmten Institution, Partei, Klasse, Nation usw., sondern wirklich  nur und ausschließlich in der Person Christi. Darum soll mit dieser  Arbeit keinesfalls irgend eine absolutistische, totalitäre,  rassistische, religiöse, konfessionelle oder andere Partei unterstützt  werden, welche die Freimaurerei bekämpft. Mit diesen  Auseinandersetzungen zwischen ‚Anti Absolutisten‘ einerseits und den  Verfechtern unserer Sicht andererseits, die zum Teil ‚falschen‘  Absolutheitsansprüchen mit äußerster Verbitterung und Gehässigkeit  geführt werden, wollen wir nichts zu tun haben. Die entsprechende  Literatur bleibt in dieser Arbeit unberücksichtigt. Ebenso wenig will  ich mich auf die unzähligen Gerüchte um die Freimaurerei und auf die  ganze Gerüchteliteratur einlassen. Es kommt auf möglichst zuverlässige  Informationen an. Es sollen bei der Darstellung der Freimaurerei  möglichst Freimaurer selbst sowie Wissenschaftler zu Wort kommen, denen  ein Einblick gewährt wurde. Bei der Beurteilung sollen sich die  gemachten Aussagen niemals gegen die Freimaurer als menschliche Personen  richten, sondern allenfalls gegen den Geist, der hinter der  Freimaurerei steckt.

In den letzten Jahren sind einige größere  Werke von Freimaurern und von Wissenschaftlern erschienen, die einen  vertieften Einblick in die Freimaurerei und ihre ‚Geheimnisse‘  ermöglichen. (Binder, 1988, Mellor,1985, Oslo, 1988, Valmy, 1988). Zudem wurden im Fernsehen Dokumentarfilme gezeigt (z.B. ORF 1990), und die Zeitschrift GEO veröffentlichte  eine Bildreportage (Nr. 2/1988) mit Aufnahmen von wichtigen  ‚Tempelarbeiten‘. Diese letztgenannten Resultate freimaurerischer  Öffentlichkeitsarbeit stießen allerdings bei Freimaurern auf äußerst  harte Kritik (Alpina Nr. 8 9 1988, S. 205: ‚weitreichendster und  unverantwortlichster Verstoß gegen die Arkan Disziplin‘). Nicht zuletzt  dank dieser Veröffentlichungen können wir die Freimaurerei selbst beim  Wort (und Bild) nehmen und müssen nur noch in Ausnahmefällen auf  sogenannte ‚Verräterliteratur‘ zurückgreifen.

Es geht mir in  dieser Arbeit darum, einen Überblick mit möglichst allen wichtigen  Aspekten zu vermitteln, um das Phänomen der Freimaurerei in seiner  ganzen Gestalt sichtbar werden zu lassen. Einzelne Aspekte könnten  vertieft werden. Am Schluss der Darstellungen sollen, wo sinnvoll und  möglich, die einzelnen Aspekte mit der Sicht der Bibel gemäß unserem  Verständnis verglichen werden. Eine Beurteilung der Freimaurerei erfolgt  in Kapitel 7.

1. Geistige Wurzeln

Die  Freimaurerei im heutigen Sinn besteht seit 1717. Über die  Entstehungsgeschichte besteht kein sicheres Wissen. Es gibt aber  verschiedene Entstehungstheorien. (Dazu Dieter A. Binder, Die  diskrete Gesellschaft. Geschichte und Symbolik der Freimaurer, Wien,  1988). Auf die verschiedenen Entstehungstheorien soll im folgenden nicht  eingegangen werden. Uns interessieren aber die verschiedenen geistigen  Wurzeln, von denen sich die Freimaurerei herleitet. (C. Zendralli,  Freimaurerei heute, S.4) nennt die folgenden Ansatzpunkte: die  Bauhüttenüberlieferung, die frühchristlichen Gesellschaften, das  Rosenkreuzertum, die jüdische Kabbala-Tradition, die Tempelritterlegende  und die Mysterienbünde. Unter Berücksichtigung des Werkes von Allan Oslo  (Freimaurer. Humanisten? Häretiker? Hochverräter? Umschau-Verlag,  Frankfurt/Main ,1988), der die geistigen Wurzeln der Freimaurerei  ausführlich untersucht, teile ich diese in die folgenden Hauptstränge  ein, die sich allerdings teilweise überlappen und durchdringen:

1. Die Bauhüttentradition 2. Verehrung menschlichen Schaffens aller Zeiten und Völker 3. Mönchtum und Ritterorden 4. Geheimgesellschaften und Mysterienbünde 5. Jüdische und christliche Tradition 6. Humanismus, Aufklärung, Liberalismus 7. Reformation und Protestantismus

1.1. Die Bauhüttentradition

»FREIMAUREREI, MAUREREI, MASONEY, MASONNERIE, KÖNIGLICHE KUNST, weltbürgerliche  Bewegung mit dem humanitären Ideal des vollkommenen Menschentums. Der  Name rührt her von den freien (im Gegensatz zu den zunftgebundenen)  Steinmetzen an den mittelalterlichen Bauhütten.» (Neuer Brockhaus, 5.  Aufl. 1974, Bd. 2, S. 259, zit. in Oslo 1988, S.12)

Eine andere Auffassung über die Entstehung des Namens ‚Freimaurer‘, die ebenfalls mit den Bauhütten zu tun hat, vertritt G. A. Schiffmann (Das  Verhältnis der FM zum Christentum und zur Kirche, Stettin, 1857-1883,  28f.): »Der Name Freemasons ist eine Abkürzung der Bezeichnung  Free-stone-masons. So wurden die Steinmetzen genannt, weil sie die  Steine bearbeiteten, welche an der Außenseite der Mauern freistanden, so  dass sie von jedermann gesehen werden konnten. Im Gegensatz dazu hießen  diejenigen Bauarbeiter, welche die Steine unbehauen vermauerten, so wie  sie aus den Steinbrüchen kommen, rough-stone-masons. Nun kürzte man die  Namen so ab, dass man das Wort stone ganz wegließ. Auf diese Weise  entstand das Wort Free masons, Freimaurer. Es sind mit dieser  Bezeichnung deshalb nicht eigentlich die Arbeiter gemeint, die man jetzt  Maurer nennt, sondern die Steinmetzen. Daher auch die Bezeichnung Loge  oder Bauhütte. Die eigentlichen Maurer bedurften keiner besonderen  Hütten. Sie verrichteten ihre Arbeiten unmittelbar am Gebäude selbst.  Die Steinmetzen dagegen mussten die aus den Steinbrüchen herbeigeführten  rohen Steine erst kunstgemäß bearbeiten, ehe diese dem Bau eingefügt  werden konnten. Sie hatten also einen Arbeitsraum in der Nähe des Baues  nötig, wo sie die Steine behauen konnten. Dies waren die Bauhütten.«

In  diesen Bauhütten, die im Mittelalter zu den Klöstern gehörten und mit  der Zeit verweltlicht wurden, pflegten die klerikalen und die weltlichen  Steinmetzen ihre eigene, besondere Tradition. Sie »trachteten danach,  ihre Konstruktionsgeheimnisse vor den Augen Uneingeweihter zu verbergen,  sie waren einem strengen Zunftsystem unterworfen, gegliedert in  Lehrling, Geselle und Meister, mit einer Menge innerer und äußerer  Regeln. Auch betrachteten sie ihre Arbeit als eine ‚göttliche Kunst‘.« (Jürg von Ins, Zur Frage nach den Quellen der freimaurerischen Symbolik, 1974)

Die  Steinmetzen waren in der Regel nicht lokal, sondern überregional  organisiert und entwickelten bald ein internationales, kosmopolitisches  Bewusstsein. Steinbauwerke waren selten, und die Auftraggeber waren  vielfach die höchsten kirchlichen und weltlichen Autoritäten. War ein  Bauwerk beendet, so musste der Steinmetz oft weiterziehen. Er war nicht  in einer lokalen Kirche, Gemeinde oder Zunft zuhause. »Seine Heimat war  die Bauhütte am Arbeitsort, die darum von den fürstlichen Protektoren  ihre überlokale Organisation und ihre Freiheiten empfing.« (Rudolf Spitzbarth, Die Freimaurerei, ihr Herkommen und Wirken. 1968)

Dank  dieser Freiheiten wurden die Bauhütten zu Zufluchtsorten für Verfolgte,  Verfemte und Freidenker aller Art. (Spitzbarth) Diese zugelassenen  Nicht Steinmetzen wurden ‚angenommene‘ Maurer genannt. Mit der Zeit trat  die bauhandwerkliche Tradition in den Hintergrund, und es wurden  vermehrt esoterische, philosophische, sittliche und gesellschaftliche  Traditionen gepflegt.

1717 gründeten vier Bauhütten in London die  erste Grossloge. Dieses Jahr gilt als das Gründungsjahr der Freimaurerei  im heutigen Sinn. Die 1717 gegründete Freimaurerei hat mit dem  ursprünglichen Bauhandwerk, das als ‚operative Maurerei‘ bezeichnet  wird, nichts mehr zu tun. Es geht nicht mehr um den Bau von  Steinbauwerken, sondern um den Bau am ‚Tempel der Humanität‘. Die  heutige Freimaurerei wird gegenüber der ‚operativen Mauerei‘ als  ’spekulative Maurerei‘ bezeichnet. (A. Oslo, S. 55).

Von  der Bauhüttentradition sind aber verschiedene Elemente übernommen: der  Name ‚Freimaurer‘, ‚Freimaurerei‘, die Bezeichnung Loge (lodge) für die  Arbeitsstätte, die Einteilung der ersten drei Grade in Lehrling, Geselle  und Meister sowie »eine an Steinmetzen  und Bauhandwerk anknüpfende  Deutung der Stellung des arbeitenden Menschen im christlichen Kosmos und  ein daraus abgeleiteter Sittenkodex«. (Spitzbarth) Dazu kommen  verschiedene Symbole wie: Winkelmass, Wasserwaage, Zirkel, Senkblei,  Maßstab, Reißbrett, Schurz, rauher Stein u.a.m. In der Johannismaurerei  (Grade 1 3) sowie in der ‚jüdisch architektonischen Etappe‘ der  schottischen Hochgradmaurerei (Grade 1 14) lehnen sich zudem die  Arbeiten und die symbolischen Handlungen an die Bauhüttentradition an.  Nach Lerich (Konrad Lerich, Der Tempel der Freimaurer. Der 1. Bis  33. Grad. Vom Suchenden zum Wissenden, Bern, 1937) «erreichen  Bausymbolik und Bausage der Freimaurerei im 13. Grad ihren esoterischen  Höhepunkt«. (S. dazu Kapitel 3)

1.2. Verehrung menschlichen Schaffens aller Zeiten und Völker

1.2. 1. Diesseitigkeit

»Die  wahren Taten der Freimäurer sind so groß, so weit aussehend, dass ganze  Jahrhunderte vergehen können, ehe man sagen kann: das haben sie getan!  Gleichwohl haben sie alles Gute getan, was noch in der Welt ist, merke  wohl: in der Welt!   Und fahren fort, an all dem Guten zu arbeiten, was  noch in der Welt werden wird,   merke wohl, in der Welt.« (Aus: G. E. Lessing, Ernst und Falk, Gespräche für Freimäurer.)

Dass die Freimaurerei hauptsächlich diesseitig orientiert ist, geht auch aus den Aussagen vieler anderer FM hervor.

So schreibt zum Beispiel Seydel (Rudolf Seydel,  Katholicismus und Freimaurerei, Leipzig, 1862), das höchste Ideal sei  die ‚Darstellung des Reiches Gottes auf Erden‘, und auch ImHof meint: «Es geht um das ‚Reich Gottes auf Erden‘.»

Bei Lagutt (Jan K. Lagutt,  Der Grundstein der Freimaurerei, Erkenntnis und Verkennung, Zürich,  1958) lesen wir: »Wollen die Religionen den Menschen vor allem auf das  Leben nach dem Tod vorbereiten, so die Maurerei in erster Linie für das  Erdenleben… Ist das Streben der Religionen himmelwärts gerichtet, so  dasjenige der Maurerei erdenwärts … Das Wahre, Gute und Schöne ist der  Erde und des Menschen wegen zu tun.«

Die Freimaurerei ist nach Valmy (Marcel Valmy,  Die Freimaurer. Arbeit am Rauhen Stein. Mit Hammer, Zirkel und  Winkelmass. München, 1988) durch die Glaubensform des Deismus  beeinflusst, «auch Freidenkertum oder Vernunftreligion genannt, die eine  Anleitung zum sittlichen Leben im Diesseits, nicht zum Übergang in die  Transzendenz, sein will.»

Bei diesem Diesseits handelt es sich um  die ganze dem Menschen zugängliche und wahrnehmbare Welt, um das ganze  Universum. Es interessieren nicht nur die Vorgänge auf dieser Erde,  sondern auch die ‚Gesetzmässigkeiten des Universums‘. (Oslo).  »Der Ort freimaurerischer Arbeit ist die Loge. Sie hat die Form eines  ‚länglichen Vierecks‘ und ist als Sinnbild des Weltalls, als Wohnstätte  der ganzen Menschheit gedacht.« (Heinz Günter Deiters, Die  Freimaurer. Geheimnis und Enthüllung, München, 1963). Im Tempel ist  symbolisch dargestellt, woran sich der diesseitige Mensch orientiert:  die Himmelsrichtungen Nord, Süd, Ost und West; Sonne, Mond und Sterne;  der andere Mensch. Die Zeitrechnung der alten Maurer begann nach Oslo  mit Adam, mit dem Beginn der Welt: Der Anfang der Welt war demnach  unweigerlich auch der Beginn der Maurerei. Deshalb datierten sie statt  ‚im Jahre der Welt‘ (anno mundi) einfach ‚im Jahre der Maurerei‘ (anno  maconii), und beide trugen die Abkürzung AM.»

1.2.2. Taten statt Worte

»Geschrieben  steht: ‚Im Anfang war das Wort!‘ Hier stock ich schon! Wer hilft mir  weiter fort? Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen, Ich muss es  anders übersetzen, Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin. … Mir  hilft der Geist! auf einmal seh ich Rat, Und schreibe getrost: Im Anfang  war die Tat! (Aus: J.W. von Goethe, Faust, 1225 -1238)

Die Freimaurer bedienten sich nach Schiffmann Symbolen  aus dem Bereich des Handwerks, um deutlich zu machen, »dass nicht  theoretische Untersuchung, sondern praktische Tätigkeit der eigentliche  Zweck des neu gestifteten Bundes war.«

Das Reich Gottes soll  durch die menschliche Tat auf Erden verwirklicht werden. »Arbeit ist  Gottesdienst, weil in ihr und durch sie die höheren Lebenswerte zur  Verwirklichung kommen« (Schenkel, 1926). In den Logen der Freimaurer  wird ‚gearbeitet‘ . »Alle Feiern werden ‚Arbeit‘ genannt, und zwar je  nach den Graden am rauhen Stein, am kubischen Stein, am Reißbrett.» (S.  66)

Die Freimaurer nehmen an einem ‚Kultus der Arbeits- und  Berufsethik‘ teil. (S. 67) »Dem Theologisch- Dogmatischen kommt von  Anfang an kein Gewicht zu, sondern alles ist ethisch praktisch gemeint.  Es ist aber nicht nur die Tätigkeit als solche, welche gefeiert wird,  sondern dass sie mit Weisheit, in Schönheit, durch Kraft geschieht. Der  Wert der Arbeit ist unabhängig vom Erfolg« (S. 67). »Die ganze  Arbeitssymbolik erhält ihre Krönung in dem Gedanken der Pflicht. ‚Tue  deine Pflicht!‘ ist der ernste männliche Klang, der durch das Ritual der  Johannis-Maurerei hindurchklingt« (S. 69) Der Arbeitsgedanke findet  seine Ergänzung in dem Gedanken der Erholung. Auch sie ist geweiht …  Auf jede Arbeit folgt eine Tafelloge mit rituellen Formen oder  wenigstens ein geselliges Beisammensein.« (S. 69) In der Freimaurerei  geht es also um eine Betonung der Aktivität gegenüber der Passivität.  »Die Erlösung wird nicht im Mystischen gesucht, sondern in der tapferen  Bejahung des Schicksals und in der Betätigung des freien Willens (S. 85)  Oft wird das Reden, das ‚bloße‘ Aussprechen von Worten nicht als Tat  betrachtet und dem ‚Tun‘ gegenübergestellt: »Das Tun ist viel mehr wert  als das bloße Diskutieren« (Ernst Moser, Die Freimaurerei und die Satzungen der Vereinten Nationen, in: Alpina Nr. 5/1964).

Wir  werden sehen, dass zwischen Freimaurerei und liberalem Protestantismus  eine enge geistige Verwandtschaft besteht und dass zwischen beiden enge  Beziehungen bestanden haben und bestehen. Vielleicht müsste Max Webers  berühmtes Werk ’die protestantische Ethik und der Geist des  Kapitalismus‘ ergänzt oder vertieft werden durch eine Untersuchung über  die Bedeutung der freimaurerischen Arbeits  und Berufsethik für die  Wirtschaftswelt der neusten Zeit.

1.2.3. Ein Herz für Kain

Aus  der Parteinahme für die Tat und die Tatmenschen ergibt sich auch eine  Parteinahme für Kain und seine Nachkommenschaft. Die Hiramslegende, die  in der Freimaurerei eine außerordentlich grosse Rolle spielt, »schildert  die Kains-Kinder als den vorwärtsstürmenden, erfindungsreichen,  schöpferischen Menschentypus, während Abel jenen Typus darstellt, der  sich mit dem natürlich Gewordenen, dem ‚Gott-Gegebenen‘ zufrieden gibt (Lagutt).  Hiram Abif, der legendäre Architekt und Baumeister des Salomonischen  Tempels, wird als Nachkomme Kains betrachtet. »Der Tradition nach gilt  Hiram als Kainit.« (Ebd. S. 45) »Hiram errichtete den wunderbaren Tempel  Salomonis, er schuf den herrlich goldenen Königsthron und führte viele  prachtvolle Werke und Bauten auf.» (S. 52) Aus der Sicht dieser Legende  erscheint es ungerecht und willkürlich zu sein, dass der Gott der Bibel  das Opfer Abels annahm und ausgerechnet dasjenige des Kain ablehnte.  »Und Kain erschlug Abel. Doch nun verfolgte Adonai die Söhne Kains und  machte sie den Kindern Abels untertan. Das Geschlecht Kains aber war  schöpferisch und erfand die Wissenschaften und Künste.» (S. 51 ff.)

«Enoch,  ein Sohn Kains, lehrte die Menschen die Kunst, Steine zu behauen,  Häuser zu bauen und in Gemeinschaften zu leben. Enochs Sohn Irad und  sein Enkel Mehujahel errichteten Dämme und machten Zedernstämme zu  Balken, Methusael, ein anderer Sprosse Kains, ersann die heiligen  Buchstaben, die Tau Bücher und das sinnbildliche T (Tau), an dem die vom  Feuer stammenden Arbeiter sich erkannten. Lamech, dessen Weissagungen  den Profanen verschlossen sind, hatte vier Kinder: Jabal, der als erster  Felle zu gerben verstand, Jubal, den Erfinder der Harfe, Naamah, die  Mutter der Spinnerei und Weberei, und Tubalkain, der den ersten  Schmelzofen baute. Tubalkain trieb auch tiefe Schächte in die Berge, um  sein Geschlecht vor der kommenden Flut zu schützen. Allein nur er und  sein Sohn entgingen den Wassern.« (S. 51f.) Nach der Hiramslegende soll  Hiram, nachdem er von drei seiner Gesellen erschlagen worden war, von  Tubalkain »in den Mittelpunkt der Erde, in die Seele der Welt, ins Reich  des großen Kain« (S. 54) geführt worden sein. Dort »sah Hiram seinen  Urvater Kain… Und Kain erzählte seine Leiden, die Jehovas Grausamkeit  über ihn verhängte.« S. 55) »Und Tubalkain übergab ihm den Hammer, mit  dem er selbst so Großes geschaffen hatte und sprach: ‚Diesen Hammer  nimm!‘ Die Feuergeister werden dir helfen, das Werk zu beenden.« (S. 55)

Es  ist wohl selbstverständlich, »dass eine Legende nie als Darstellung  geschichtlicher Vorgänge betrachtet werden darf» (S. 57), doch sollten  diese Ausschnitte, die den meisten Freimaurern möglicherweise unbekannt  sind, deutlich machen, für wen hier Partei ergriffen wird: für Kain und  seine Nachkommenschaft. »Gewisse Namen aus dem Geschlechte der Kains  Söhne sind zu Passworten geworden.« (S. 45) Die einzelnen Passworte sind  im Werk von Binder, (164, 167, 203) enthalten. So lautet das Passwort  der Lehrlinge und der Meister: ‚Tubalkain‘. Wiederum ist wohl den  meisten Freimaurern nicht bewusst, was das für ein Wort ist, und was es  bedeutet   Worte sind ja scheinbar nicht so wichtig.

1.2.4. Grosse Leistungen, Werke, Persönlichkeiten

Die  Verehrung menschlicher Leistungen, Werke und Persönlichkeiten in der  Freimaurerei geht nun über Kain und sein Geschlecht weit hinaus und  umfasst die gesamte Menschheit, alle Völker und Zeiten. Dabei «ist das  Bauen, der Bau der sichtbare Ausdruck schöpferischen Tuns schlechthin».  (Lagutt, S.106) Solch schöpferisches Tun findet natürlich nicht nur im  Baugewerbe statt, sondern in allen Lebensbereichen des Menschen:  Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Kunst, Literatur. Überall braucht es  Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die erworben, entwickelt und  weitergegeben werden müssen. Die menschliche Geschichte erscheint als  eine Geschichte des seine Leistungen und Werke und damit auch sich  selbst stets weiter und (evolutiv) höher entwickelnden Menschen. »Es ist  nur ein Bau, der fortgeführt werden soll, der simpelste, der größte; er  erstreckt sich über alle Jahrhunderte und Nationen. Wie physisch, so  ist auch moralisch und politisch die Menschheit in ewigem Fortgang und  Streben.« (J.G.v. Herder zitiert in J. N. J. Schmidt, Wurzeln der  Freimaurerischen Gemeinschaft, Zürich, 1961) Für Herder ist die  Freimaurerei ein ‚Areopag des Verdienstes, der Sitten und der Talente‘.  (Imhof, S. 294)

In der seit 1723 geltenden Konstitution der  Freimaurerei, die von James Anderson, einem Prediger der Kirche der  schottischen Presbyterianer in London, verfasst wurde, ist eine  Weltgeschichte menschlichen Schaffens enthalten. Sie wird zwar oft als  ‚geschichtlich wertlos‘ betrachtet (Schenkel, 1926, Lagutt, 1958) und  selten abgedruckt. Im Anhang des Buches von Oslo (1988, 366ff.) ist  dieser ‚geschichtliche Teil‘ allerdings enthalten. Uns scheint dieser  Teil der Anderson’schen Verfassung wichtig zu sein, nicht weil darin  eine wirkliche Geschichte, sondern eine ‚Möchtegern-Geschichte‘, eine  Geisteshaltung, zum Ausdruck kommt. Immerhin besteht «das Gemeinsame der  Freimaurer in aller Welt … darin, dass sie sich an die sogenannten  ‚Alten Pflichten‘ von 1723 (Andersonsche Konstitution) halten.« (Von  Ins, S.29)

In Andersons ‚Geschichte‘ der menschlichen Künste von  Adam bis zur damaligen Zeit erscheinen die erwähnten ‚Grossen‘ der  Vergangenheit als ‚Großmeister‘ und ‚Großbeamte‘. Neben Kain und seiner  Nachkommenschaft – Abel wird hier nicht erwähnt – kommen auch die  Erbauer des babylonischen Tempels zu Ehren, denn trotz ihrer ‚Eitelkeit‘  werde ‚ihre Fertigkeit in der Maurerei … gerühmt‘ (zit. in Oslo,  S.366). Bewundert wird in diesem Zusammenhang auch die ‚Fertigkeit der  Maurer‘, ‚ungeachtet der Verwirrung der Sprachen‘, ‚miteinander ohne  Sprechen zu verkehren und einander von weitem zu erkennen‘. (S. 367)  Nach den ‚herrschaftlichen Städten‘ und den anderen ‚großartigen  Bauwerken‘ (Pyramiden etc.) Ägyptens wird auch ‚Gross-Meister Moses‘  erwähnt. (S. 367f.)

Gerühmt wird nach dem ‚Tempel des Dagon in  Gaza der Philister‘ natürlich besonders der Tempel Salomos und sein  Architekt und ‚Meister des Baus‘ Hiram Abif. Schließlich werden in  dieser Geschichte menschlichen Schaffens unter anderem erwähnt: der  ‚Gross-Meister-Maurer‘ Nebukadnezar, die ‚Künste und Wissenschaften mit  den bedeutendsten Gelehrten und Handwerkern‘ in Griechenland und Rom,  die Entwicklung der ‚königlichen Kunst‘ im Abendland, besonders in  England und in Schottland. (Der Name Jesus Christus fehlt in dieser  ‚Geschichte der Grossen‘.)

1.2.5. Vergleich

Ein kurzer  Vergleich zeigt an dieser Stelle bereits deutlich, dass die  Weltanschauung der Freimaurerei sich wesentlich von derjenigen  unterscheidet, die uns in der Bibel bezeugt ist: Das Reich Jesu ist  nicht von dieser Welt. Die diesseitige Welt ist nicht bedeutungslos, hat  aber nur eine begrenzte, relative Bedeutung. Selbst das Tausendjährige  Reich ist vergänglich. Wichtig und ursprünglich ist eine unsichtbare,  dem Menschen unzugängliche Welt, aus der alles Diesseitige, Irdische  entstanden ist, und aus der alles seinen Sinn und Wert erhält. Ebenso  ist auch in der Freimaurerei die jenseitige Welt nicht bedeutungslos,  sie wird nun aber ihrerseits relativiert: Selbstverständlich darf jeder  Freimaurer an ein Jenseits glauben, doch dieser Glaube ist subjektiv dem  Belieben des einzelnen unterstellt und darf in der Loge keine absolute  Geltung beanspruchen. Der Unterschied liegt also in der Priorität, in  der Vorrangigkeit: absolutes Jenseits und relatives Diesseits in der  Bibel, relatives Jenseits und absolutes Diesseits in der Freimaurerei.

Das  Gleiche gilt für die Gegenüberstellung von Taten und Worten. Das Wort  hat in der Bibel eine absolute Bedeutung, und was ‚geschrieben steht‘  dient selbst Jesus als höchste Autorität, der sich sein Widersacher  beugen muss. »Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden  nicht vergehen«, spricht Jesus. (Mt. 24,35) Die menschlichen Taten  kommen in der Bibel auch vor, haben aber eine untergeordnete Bedeutung.  In der Freimaurerei ist auch dieses ‚Herrschaftsverhältnis‘ umgekehrt:  Taten haben absolute Bedeutung, Worte relative Bedeutung. Auch  Freimaurer sprechen und verwenden Worte. Die höchsten Einsichten sind  für sie aber nicht mit Worten kommunizierbar. Wichtiger ist ihnen, dass  »sie einander kennen und lieben, sogar ohne das Hilfsmittel der Sprache  oder in unterschiedlichen Sprachen«. (Anderson zitiert in Oslo, 1988,  S.378)

Die biblische Heilsgeschichte ist mit dem Namen Abel verbunden,  Kain hat eine ‚undankbare‘ Nebenrolle. In den freimaurerischen Legenden  wird Kain sozusagen rehabilitiert und Abel in den Hintergrund gedrängt.  Die Bibel segnet nicht alle menschlichen Leistungen, Werke und Personen.  Wichtig, vorrangig ist das Gottvertrauen, die Gottesbeziehung, aufgrund  der der Mensch opfert, arbeitet und aufbaut. Für diese Gottesbeziehung  trägt auch der Mensch einen Teil der Verantwortung: Er muss zum  biblischen Gott und zu seinem Sohn ja sagen. Wer den biblischen Gott  verneint, wer undankbar und selbstgerecht Gottes Gaben zu eigenen,  menschlichen Leistungen erklärt, dem wird der Segen entzogen.‘ Die  Freimaurerei hingegen will alle Menschen, unabhängig von ihrer  Gottesbeziehung ‚gerecht‘ sein lassen. Der Wert des einzelnen hängt von  seinem Beitrag für die Menschheit ab. Statt um Gnadenannahme und  Gottvertrauen geht es um »eine Schule des Wettlaufs zur Erreichung des  schönsten Kranzes der Humanität und Menschenwürde.« (Böni 1944, 290) Das  Wichtigste: Die Subjekte und Objekte der freimaurerischen Verehrung  sind vergänglich, tot. Bei Jesus Christus hingegen können wir annehmen,  dass er ewig lebt.

1.3. Mönchtum und Ritterorden

Die  Beziehungen zwischen Mönchtum und Ritterorden einerseits sowie  Freimaurerei andererseits sind ausführlich in Oslo (FM 1988)  dargestellt. Die Freimaurerei wird selbst vielfach als Orden bezeichnet  sowie als geistige Nachfolgerin und Erbin alten Priester  und Mönchtums  betrachtet. Dabei scheinen mir die folgenden Parallelen am wichtigsten  zu sein: die Bewahrung und Pflege von Wissen und Können, das Streben  nach persönlicher Vervollkommnung, das Anliegen, Zufluchtsort für  Verfolgte und Verfemte zu sein. Eine besondere Rolle spielt in der  Freimaurerei der Templerorden. Die Templer gelten als vorbildliche,  erste Verfechter des Toleranzgedankens.

1.3.1. Bewahrung und Pflege von Wissen und Können

»Die  ausführliche Darstellung der Entwicklung des Klosterwesens und des  Templerordens zeigt eindeutig, wo das Wissen gepflegt und gehütet wurde,  wo die Beschäftigung mit den Hermetischen und Freien Künsten und der  Königlichen Kunst möglich gewesen war. Die Anziehungskraft der Klöster  und Ritterorden auf den Adel und den Klerus lag nicht im Gebet, noch im  Handwerk, sondern im Wissen begründet. Und um zu diesem Wissen zu  gelangen, musste man sich Probezeit und Prüfungen unterziehen. All dem  begegnen wir später in der Freimaurerei wieder.» (Oslo, 1988, 51)  »Dieses Wissen teilte sich in drei Hauptgruppen:

  1. die  Hermetischen Künste: die okkulten Weisheiten Gottes aus Religion,  Astrologie, Magie, Zaubertrank bzw. Heilkunde, Mystik, Esoterik,  Alchimie   das Wesen aller Mysterien;
  2. die Freien Künste: Schreibkunst, Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Verskunst, Geometrie, Arithmetik, Astronomie, Harmonie;

3.  die Königliche Kunst: nicht das Handwerk des Bauwesens, vielmehr  Planentwurf, Architektur, Statik, Materiallehre, Harmoniegesetze und  Bauleitung – kurz: die Baukunst.« (Ebd. S. 99)

Nach Oslo wurde  dieses Wissen in der Menschheitsgeschichte früher hauptsächlich von den  Priestern bewahrt und gepflegt: «Priester schrieben die Chronik ihrer  Zeit, trieben Studien in der Philosophie und Theologie, machten  Experimente in der Alchimie und Naturwissenschaft, ergänzten die  Kenntnis der Heilkunde und der heilenden Kraft der Kräuter, operierten  Kranke und balsamierten Mumien ein, entwickelten das Handwerk, brauten  Bier, kelterten Wein und pflegten die Freien Künste einschließlich der  Baukunst.« (S. 14)

1.3.2. Streben nach persönlicher Vervollkommnung

In  den Klöstern ging es nach Oslo immer auch um die ‚innere  Vervollkommnung des Mönches‘. »Die Meditation in der Einsamkeit der  Zelle förderte das Entstehen eines esoterischen Christentums, das sich  im Laufe der Jahrhunderte in eigenartigen Aufnahmeritualen  manifestierte, die an die Denkformen frühchristlicher Gnostiker  erinnern. Eine Symbolik besonderer Art beeinflusste die Gedankenwelt des  Ordens. Ziel aller Bestrebungen des Mönches sollte die Erlangung der  persönlichen Vervollkommnung sein.« (S. 24) Die Freimaurerei will diese  Tradition fortsetzen. Sie bietet sich als ein «Mittel zur ‚inneren  Ganzwerdung’» an. (Von Ins, S. 29).

1.3.3. Zufluchtorte für Verfolgte und Verfemte

Wie  die Bauhütten so waren nach Oslo auch die Klöster früher vielfach  Zufluchtsorte für Verfolgte und Verfemte. Also ergibt sich auch aus  diesem Gesichtspunkt eine gewisse Verwandtschaft und eine Tradition, die  die Freimaurerei weiterzupflegen bemüht ist. (Oslo,1988, 16ff.)

1.3.4. Die Templer als Verfechter des Toleranzgedankens

Die  Templer werden von Oslo als Verfechter, wenn nicht gar als Begründer  des für die Freimaurerei zentralen Toleranzgedankens angesehen: «Das  wirklich neue an diesem Ritterorden war jedoch die Toleranz. Die Ritter  waren verschiedener Nationalität und mussten im Heiligen Land  zusammenstehen und zusammen kämpfen, was zur Verwischung der nationalen  Eigenarten führen musste. Die Kleriker des Ordens studierten den Feind  und dessen Kultur und Sprache, fungierten als Dolmetscher bei den  zahlreichen Verhandlungen… Von daher rührt der Respekt der Templer  gegenüber den Errungenschaften ihrer Feinde.« (Oslo, 1988, S.45)

Oslo  sieht eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Templern und Freimaurern in  der besonderen Initiation sowie in der Verwendung von Symbolen: «Der  höchste Rang, der innere Kreis der Templer, war der geistliche Ritter.

Dieser  wurde durch besondere Initiation (Einweihung) in den Kreis berufen.  Jetzt war er würdig, sich in den Geheimzeichen der Kabbala  auszukennen… Die Mitglieder dieses Kreises verständigten sich  untereinander in bildhaften Symbolen, durch phonetische Wortspielereien  und musikalische Harmonien.« (Ebd. 100)

1.3.5. Die Templer und der ‚Rachegrad‘

»Die  Geschichte der Tempelherren, des Tempelordens (1118 bis 1314) hatte im  18. Jahrhundert auf eine Reihe freimaurerischer Lehrarten starken  Einfluss, obwohl auch zwischen Freimaurerei und Templertum kein direkter  historischer Zusammenhang nachweisbar ist.» (Lerich, 1937, 41) Gross  ist dieser Einfluss hauptsächlich in dem heute am weitesten verbreiteten  schottischen Hochgradsystem.« An die Stelle Hiram Abifs, des Erbauers  des salomonischen Tempels, dessen Ermordung in der Johannisfreimaurerei  als rituelle Legende eine grosse Rolle spielt, tritt in den Areopagen,  in den Werkstätten vom 19. bis zum 30. Grad, der letzte  Templergroßmeister Jakob de Molay, der auf Befehl König Philipps des  Schönen von Frankreich und Papst Clemens‘ V. am 3. März 1314 am  Scheiterhaufen den Tod fand… Die Hinrichtung des Molays findet in der  Kulthandlung des 30. Grades, im Initiationsritus, eine realistische  Darstellung. Der Lehrgehalt des Ritter Kadosch Grades symbolisiert den  Untergang des Templertums durch die geistliche und weltliche Gewalt, an  deren Stelle der Sieg der Gewissensfreiheit gesetzt wird.» (Ebd. S. 41)  Im 30. Grad, der auch ‚Rachegrad‘ genannt wird (siehe Kapitel 3), rächt  sich also die Gewissensfreiheit, der Gedanke der Toleranz gewissermassen  symbolisch an den dogmatischen kirchlichen und intoleranten weltlichen  Autoritäten. (S. a. Kapitel 3)

Die freimaurerische  Jugendorganisation trägt den Namen des letzten Großmeisters der Templer,  den wir auch als ‚freimaurerischen Märtyrer‘ bezeichnen können. Der ‚De  Molay Orden‘ ist »den Vierzehn  bis Einundzwanzigjährigen vorbehalten«.  »Die Aufgabe des Ordens ist die Heranbildung einer zukünftigen Elite  der Freimaurerei.» (Mellor,1985, 91)

1.3.6. Vergleich

Ein  kurzer Vergleich zeigt wiederum wesentliche Unterschiede zur Lehre  Christi. Während die Freimaurer jede Art von Wissen bewahren und pflegen  wollen, unterscheidet die Bibel zwischen Wissen, das von oben und  Wissen, das von unten inspiriert ist. Gerade die Öffnung des Menschen  für das ‚Wissen von unten‘ hat zur Trennung von Gott geführt. Die  ‚hermetischen‘ Künste sind höchst gefährlich und dem biblischen Gott ein  Greuel. In der Heiligung soll ein Christ lernen, sich davon zu  distanzieren, bewusst und entschieden ’nein danke‘ zu diesem  Erkenntnisangebot zu sagen. Aus bib¬lischer Sicht kann zudem der Mensch  niemals aus eigener Anstrengung Vollkommenheit erreichen. Er ist stets  auf die Gnade Gottes angewiesen und erreicht Vollkommenheit niemals  allein, sondern erst in der Gemeinschaft Christi und seiner Gemeinde.  Christus gleicht unsere Schwächen aus, und unsere relativen Stärken  werden erst durch die Kommunikation und Kooperation fruchtbringend. Das  Heilswissen Christi wird nicht gehütet und selektiv weitergegeben,  sondern soll möglichst in aller Öffentlichkeit aller Welt verkündigt,  vervielfältigt werden. Christen sollten sich zudem natürlich der Rache  enthalten. Sie steht allein Gott zu.

1.4. Geheimgesellschaften und Mysterienbünde

»Die  Freimaurerei versteht sich als geistiges Erbe der antiken  Mysterientdünde.» (Valmy, S. 19) «Aus Brauchtum und Werklehren der  Freimaurerei geht … mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit hervor, dass  diese ihre Hauptimpulse aus den Mysterienschulen vor allem ägyptischer  und griechischer Prägung bezog.« (Von Ins, S. 29) »Der Freimaurerbund  ist der einzige echte Mysterienbund, der in der Gegenwart noch lebendig  ist.« (Schenkel, S. 65) Ebenso äussert sich Spitzbarth und er meint,  dass es gerade diese Komponente der Freimaurerei sei, «der wir ihre  Anziehungskraft zuschreiben dürfen». Nach Schenkel versucht die  Freimaurerei, einen humanistischen Inhalt mit Formen der alten Mysterien  zu vermitteln: «Das Eigentümlichste an diesem Bund ist, dass er in  seinen Formen ein Mysterienbund ist, seinem Inhalt nach aber ein reiner  Humanitätsbund.« (Ebd. S. 63) Welches sind die wesentlichen Merkmale der  von den antiken Mysterien übernommenen Formen? »Die Bestandteile dieser  Mysterienform sind neben dem Geheimnis des Bundes der Initiationsritus,  die Wanderungen, die mit den vier alten Elementen der Erde, des  Wassers, des Feuers und der Luft in Berührung bringen und durch Furcht  und Hoffnung zum Licht führen, die stufenweise Erleuchtung, die  teilweise Entkleidung und kultische Bekleidung, die Reinheit, der  Spiegel. die Bruderschaft, das kultische Mahl, Tod und Auferstehung. Ich  führe ,iier nur diejenigen Punkte an, die so gut wie in allen Logen der  Welt vorhanden sind. Sie könnten ergänzt werden durch weitere  zahlreiche Einzelheiten aus verschiedenen Systemen der Vergangenheit und  der Gegenwart.« (Ebd. S.71f.) Im folgenden sollen die wichtigsten  Bestandteile kurz beleuchtet werden.

1.4.1. Geheimhaltung und Abgeschlossenheit

Wir  haben gesehen, dass die Freimaurerei sich heute nicht mehr als eine  ,geheime‘ sondern nur noch als eine ‚geschlossene‘ Gesellschaft  versteht. (Valmy) Dennoch spielt die Geheimhaltung eine wichtige Rolle,  und Geheimgesellschaften verschiedenster Art haben die Freimaurerei  be¬einflusst, am meisten wohl die Rosenkreuzer. Zudem mag der Erfolg der  Freimaurerei dazu beigetragen haben, dass gegen Ende des 18. und zu  Beginn des 19. Jahrhunderts Geheimgesellschaften in Europa Mode wurden.  Im folgenden soll auf den Aspekt der Geheimgesellschaften nicht näher  eingegangen werden, denn in ihnen verschwimmen die Grenzen zwischen  Ernst und Spiel, zwischen Wirklichkeit und Täuschung, Verkleidung,  Schwindel. Im Werk von Kaltenbrunner sind verschiedene Beiträge zur  Geschichte der (wirklichen und erdichteten) Geheimgesellschaften  enthalten. Es enthält zudem eine »Zusammenstellung einer Bibliographie  über Geheimbünde».

»Das charakteristische Kennzeichen des  Mysterienkultes ist das Geheimnis, in das derselbe gehüllt ist… Es ist  gerade das kultische Element, dem der Charakter des Geheimen eignet.»  (Schenkel) «Nicht der Inhalt, sondern die Symbole und rituellen Formen  seiner Darstellung sind geheim. Gerade das ist typisch für die  Mysterienform.« (Ebd. 74) »Der Verschwiegenheit unterliegen die  Erkennungszeichen, das Ritual der einzelnen Grade und bis zu einem  gewissen Grad die Namen der Mitglieder.» (Ebd. 73) Die Geheimhaltung  gilt nicht nur gegen aussen, sondern auch gegen innen: Die unteren Grade  sollen (noch) nicht wissen, was die oberen tun: »Diese Verschwiegenheit  wird auch innerhalb des Bundes selbst geübt, insofern es verboten ist,  Erkennungszeichen und Ritual höherer Grade den Brüdern niederer Grade  mitzuteilen.» (Ebd. 76) »Die Geheimhaltung gibt dem Bunde auch das  Gefühl einer viel stärkeren Gemeinschaft und brüderlichen  Verbundenheit.« (Ebd. 74) Wir haben gesehen, dass heute viele  Informationen über Symbole, Rituale, Erkennungszeichen usw. der  Freimaurerei in Wort und Bild öffentlich zugänglich sind. Damit ist aber  das ‚Geheimnis‘ nach freimaurerischer Auffassung noch gar nicht  gelüftet. Denn es sei gar nicht in Worten mitteilbar, sondern müsse von  jedem persönlich erlebt werden. Der Zugang zu diesen freimaurerischen  Erlebnissen untersteht nun allerdings strenger menschlicher Kontrolle.  Schenkel spricht von einer ’strengen Auswahl der Mitglieder‘. «Die  Freimaurerei wollte nie Massenbewegung sein.« (Ebd.75) Zudem finden die  Veranstaltungen hinter verschlossenen Türen statt, und die  Zutrittsberechtigung wird für jeden Grad überwacht. Das wird unter  anderem damit begründet, «dass der Kultus, soll er wirklich ein höchstes  Mass von Wirkung erzielen, der Abgeschlossenheit bedarf.« (Ebd. 75)

1.4.2. Kultische Handlungen, Riten und Symbole

Die  Freimaurerei will die scheinbar allgemein menschliche’Sehnsucht nach  einem echten Kult‘ befriedigen. (Lagutt FM 1958, 132) «Es liegt im Wesen  des Kultischen begründet, dass es den Menschen tiefer und stärker  erfasst als beispielsweise das belehrende Wort… Der Kultus wendet sich  in erster Linie nicht an das intellektuelle Verständnis, sondern an die  Gemütskräfte… Es liegt im Wesen des Kultischen, dass es bindet.»  (Ebd. 131) »Man darf nicht vergessen, dass in längst abgeklungenen  Zeiten Riten und Kulte das Mittel bildeten, die Menschen zu führen.»  (Ebd. 132)

Der Zweck von Kulten liegt nach Schenkel in der  ‚Menschwerdung‘ und in der ‚Gemeinschaft‘. Auch er betont besonders das  Gemeinschaftsfördernde: «Der Kultus ist von ganz ungeheurer Bedeutung  für den Bestand menschlicher Kultur. Er ist das stärkste  Gemeinschaftsband, fesselnder und umfassender als das Band gemeinsamen  Blutes, gleicher Sprache, gleicher Wirtschaftsinteressen. Kultverbände  überdauern nicht nur Jahrhunderte, sondern Jahrtausende.» Schenkel  meint, dass es ohne Kult nicht gehe: »Auch der Mensch der Gegenwart  braucht einen Kultus.» ‚Alles kultische Handeln‘ ist nach Schenkel  ‚Erleben und Handeln in Symbolen‘. (S. 59) Das Wort wird also durch die  Tat einerseits und durch das Erlebnis andererseits relativiert;  Erlebnisse, Gefühle sind vorrangig, Worte sind zweitrangig.

Der  freimaurerische Kult unterscheidet sich nicht nach der Form, wohl aber  nach seinem Inhalt wesentlich von den antiken Mysterienkulten. »Die  Mitglieder der antiken Mysterienbünde denken sich die Wirkung ihres  Ritus mystisch vermittelt und magisch.« (Ebd. 81) »Die antiken Mysterien  wollten Offenbarung, Erlösung und Unsterblichkeit vermitteln. Sie  versprachen die Erkenntnis höherer Weiten, wie heute die Theosophie. Dem  gegenüber will die Loge bei ihren Mitgliedern ethische Erkenntnis  fördern.«, (Ebd. 80) Wir werden sehen, dass sich aber auch manche  Freimaurer von ihren Kulten ‚höhere Erkenntnis‘ erhoffen. Der Inhalt des  kultischen Handelns sowie des ethischen Strebens der Freimaurer ist  wesentlich durch den Humanismus, aber auch durch jüdisch christliche  Tradition und Aufklärung geprägt.

Symbolische Handlungen (Riten)  und Zeichen (Symbole im engeren Sinn) dienen im freimaurerischen Kultus,  wie auch in den Mysterienkulten dazu, die gewünschte Erkenntnis zu  vermitteln. »Seit altersher haben sich die Völker… der Rituale und  Symbole bedient, um geistige Erkenntnisse erfahrbar zu machen, die durch  das blosse Wort nicht vermittelt werden können« (Valmy). Die Quellen  der freimaurerischen Symbolik liegen nun nicht nur in der  Bauhüttentradition, sondern sie verwenden auch andere, uralte Symbole.  Sie beschäftigen sich mit Studien zum Thema Symbolik und betreiben  ‚vergleichenden Symbolismus‘ (Mellor Wiss. 1985, 307, siehe auch von  Ins, FM 1984, 78ff. ‚zur Frage nach den Quellen der freimaurerischen  Symbolik‘; Endres FM 1977) Kurz zusammengefasst schätzen die Freimaurer  die Symbole aus den folgenden Gründen: Symbole dienen der Vermittlung  von Erkenntnissen, von ‚Realitäten‘ (Valmy FM 1988, 12, Lagutt FM 1958,  139).

  • Symbole sind undogmatisch, antidogmatisch und lassen eine  ‚freie‘, individuelle Interpretation zu. (Valmy, S. 15, Schenkel, S.78)
  • Symbole sind vielfältig, vielseitig verwendbar und anschaulich. (Zendralli, S.13)
  • Symbole sind dauerhaft, unveränderlich, wiederholbar und reproduzierbar. (Imhof)

–  Symbole ermöglichen es, die Wirklichkeit so ‚ambivalent‘ darzustellen,  wie sie nach freimaurerischer Auffassung ist (Deiters, 140).

–  Symbole erlauben es, die gegenseitige Durchdringung und die Ver¬einigung  von Gegensätzen aufzuzeigen. (Von Ins FM 1984, 78ff.) Kultus, Riten und  Symbole ersetzen also die Sprache, sie schaffen und sind eingefügt in  eine ‚aussersprachliche Ordnung‘. (Ebd. 82) »Schau alle Wirkenskraft und  Samen und tu nicht mehr in Worten kramen.» (Goethes Faust, 534)

1.4.3. Stufenweise Einweihung und ‚höhere‘ Erkenntnis

Wie  in den alten Mysterienbünden gibt es in der Freimaurerei  Initiationsriten. Vor allem die Aufnahme in den Freimaurerbund sowie die  ‚Erhebung‘ zum Meister sind nicht nur in ihrer Form, sondern auch im  Inhalt mit den alten Mysterien verwandt.

Die entsprechenden  Rituale, die in Kapitel 3 kurz beschrieben sind, zeigen »Analogien bis  in die Einzelheiten dessen, was uns von den Mysterien bekannt ist.«  (Schenkel,1926, 84, s.a. Deiters,1963, 123ff.) In der ‚Tempelarbeit‘  geht es vielen Freimaurern nicht nur um ethische, sondern auch um  esotorische Belehrung und Erkenntnis. Esoterik gilt als ‚Kunst, die  Dinge von innen zu sehen‘ (Mellor,1985, S.308), und die Erkenntnisse  werden nicht einfach von aussen herangetragen, sondern müssen auch  selbst ‚erarbeitet‘ werden: »Allo esoterischen Schulen sprechen davon,  dass es höhere Bewusstseinsebenen gibt als jene zwei, die wir im  gewöhnlichen Sprachgebrauch Schlaf und Wachsein nennen. Die mögliche  Bekanntschaft mit höheren Stufen des Bewusstseins ist es, was wir  Freimaurer Streben nach Vervollkommnung und Lichtsuche nennen. Licht,  Tag, Sonne, Gold usw. sind in der Esoterik Symbole für ein mögliches  neues Bewusstsein. Der Dämmerzustand des natürlichen Menschen, das  sogenannte Wachsein, wird in der Regel durch den Mond dargestellt. So  auch im Freimaurertempel. Was da im Osten über dem Meister vom Stuhl  aufleuchtet, das Nachtgestirn des Mondes und die golden strahlende  Sonne, sind in Wahrheit eine Offenbarung von erschütternder Grösse. Der  Mensch, dargestellt durch den Meister vom Stuhl, kann aus dem Schlaf  (Mond) erwachen und sich hinwenden zu neuen Bewußtseinsebenen, die in  der Sonne gipfeln.   Doch dies muss gehört und wohlverstanden werden:  Bewusstsein entsteht nicht automatisch wie eine Pflanze, wenn sie nur  genug Licht, Luft, Wasser und Erde hat. Zunehmendes Bewusstsein ist von  organisierter, zielgerichteter Arbeit an sich selbst abhängig.«  (Hochreutener, 1981, S. 12) Freimaurer übernehmen also von den alten  Mysterien auch den Glauben an ‚höhere‘ Erkenntnis, die stufenweise  Einweihung sowie einzelne Initiationsriten, fügen dem aber noch den  Aspekt der ‚Arbeit an sich selbst‘ hinzu.

1.4.4. Vergleich

Wiederum  ergeben sich im Vergleich zur Lehre des biblischen Jesus Christus  wesentliche Unterschiede: Seine Wahrheit soll nicht geheim gehalten,  sondern aller Welt verkündet werden; seine Apostel und Jünger arbeiten  und wirken nicht anonym, sondern treten trotz grösster Verfolgung offen  und mit vollem Namen auf. Nicht ein Kult ist es, der die Christen  verbindet, sondern Jesus Christus selbst. Selbst Schenkel schreibt,  »dass Jesus dem Kultus nicht die geringste Rolle beilegt». (Ebd. 58) Er  ersetzt jede Art von Kultus, denn er führt seine Gemeinde persönlich.  Alle menschengemachte religiöse Anstrengung und kultische Handlung wird  überflüssig. Sein Kommunikationsmittel ist in erster Linie das Wort,  nicht das Symbol. Sein Wort versöhnt nicht die Gegensätze, sondern  trennt Spreu und Weizen, Mark und Bein. Es ist nicht vieldeutig, sondern  eindeutig. Es ist nicht beliebig reproduzierbar, sondern an die Person  Jesu gebunden und ohne ihn und seinen Geist nicht verständlich. Nicht  menschliche Anstrengung, sondern der Heilige Geist weiht uns  schrittweise in die biblischen Wahrheiten ein. Die Bibel warnt uns  ausdrücklich vor’höherer‘ Erkenntnis und vor Leuten, die vorgeben,  solche zu besitzen. Er ist das Licht, andere Leuchtkörper leuchten nur  in seinem Schein, sind Irrlichter. Er lehrt uns, uns ausschliesslich auf  unsere natürlichen Sinne zu verlassen. Was an ‚Übernatürlichem‘ mit der  Person, dem Leben und den Taten Jesu in Zusammenhang steht, ist  einmalig, einzigartig und durch keine menschlichen Praktiken  reproduzierbar.

1.5. Jüdische und christliche Tradition

Im  letzten Abschnitt ging es um die geistigen Wurzeln der Form, in diesem  und im nächsten Abschnitt geht es um die geistigen Wurzeln des Inhaltes  der freimaurerischen ‚Tempelarbeit‘.

»Was das Verhältnis zur  Bibel, die auf dem Altar jedes Logentempels liegt, betrifft, so ist es  ein Leichtes, nachzuweisen, dass fast alle Symbole, deren die  Freimaurerei sich zur geistigen Förderung ihrer Mitglieder bedient, ihre  Parallelen in der biblischen, zumal auch in der neutestamentlichen  Überlieferung haben.« (Schenkel,150) »Bei Betrachtung der englischen  Hochgrade fällt auf, dass sie sich immer wieder an die Bibel klammern,  um die Freimaurerei zu rechtfertigen … Die Zeremonien der Hochgrade  sind durch lange Gebete und Bibelzitate gekennzeichnet, deren  Ausführlichkeit manchmal ermüdend ist.   Die Freimaurerei wurde schon in  den blauen Graden mit der Geschichte des jüdischen Volkes als  Hintergrunddekoration geschmückt. In den Ergänzungsgraden wird daraus  eine Symbiose.« (Mellor, 387) Im folgenden soll wiederum derschottische  Ritus etwas näher betrachtet werden, in dem die ‚blaue‘ Johannismaurerei  enthalten ist. (S. a. Kapitel 3)

Der Schottische Ritus will mit  seinen verschiedenen Erkenntnisstufen symbolisch die geistige und  kulturelle Entwicklung der Menschheit durchwandern. Seine 33 Grade, in  welchen die drei Stufen der Johannis Freimaurerei, die des Lehrlings,  Gesellen und Meisters mitgezählt sind, teilt er in drei Perioden, denen  die grossen Kulturabschnitte der Menschheitsgeschichte, die jüdisch  architektonische, die religiös christliche und die freiheitlich  aufgeklärte Zeit entsprechen sollen.» (Lerich,1937, S.27)

1.5.1. Jüdische Tradition

«Die  Werkstätten vom 4. bis zum 14. Grad, die sogenannten Perfektions- oder  Vervollkommnungslogen, kennzeichnen zusammen mit den drei Graden der  blauen Loge die jüdisch architektonische Periode, denn ihre Rituale  wurzeln ausschliesslich in biblischen Überlieferungen, spielen im  jüdischen Milieu des Alten Testamentes, und in ihrem Mittelpunkte stehen  das Bausymbol des salomonischen Tempels und dessen Erbauer Hiram Abif.«  Lerich, 1937, S. 7) Dabei ist der in der Bibel erwähnte Hiram von Tyrus  (l. Kön. 7,13) nicht mit dem freimaurerischen Hiram Abif identisch. Die  Herkunft der freimaurerischen Hiram Legende ist unbekannt. Nach Lagutt,  S 46ff.) kennt die Sagenwelt der Juden die Tempellegende nicht, doch  steht sie in einem engen inneren Zusammenhang zum jüdischen Mythos, der  sich um Kain rankt. Hiram Abif soll ein Nachfahre Kains gewesen sein,  und in der Legende wird, in Abweichung von der biblischen Darstellung,  Kain und seine Nachkommenschaft sozusagen rehabilitiert.

Der  Legende nach soll Hiram Abif von seinen Gesellen erschlagen worden und  nach einer Reise ins Innere der Erde wieder auferweckt worden sein. Es  geht hier also um eine symbolische Darstellung von Leben, Tod und  Auferstehung   unabhängig von Jesus Christus. Lagutt zitiert den  deutschen Philosophen und Freimaurer Friedrich Schlegel (1772-1829):  »Der erschlagene Meister Hiram (hic Jesus est resurgens a mortuis = Hier  ersteht Jesus von den Toten auf) ist aller Wahrscheinlichkeit nach der  in den alten Mysterien bekannte und verehrte Todesgott des neuen Lebens  Dionysos oder Osiris. Es ist Christus als Idee vor und außer dem  Christentum.« Die jüdische Tradition dient also nur als  Hintergrunddekoration zur Darstellung eines anderen Inhalts. Jüdisch  kabbalistische Quellen haben aber nach von Ins  die freimaurerische  Symbolik beeinflusst.

1.5.2. Christliche Tradition

Wir  fahren fort mit den weiteren Stufen des schottischen Ritus: »Die  Werkstätten des 15. bis 18. Grades sind die Kapitel Logen, deren Rituale  die christlich religiöse Periode der Menschheitsgeschichte, die Zeit  der Kreuzzüge versinnbildlichen.» (Lerich, S.32) In den ‚Kapiteln‘ tritt  die Innenarbeit in den Hintergrund, und die Hauptaktivitäten verlagern  sich auf konkrete, hauptsächlich kulturpolitische Aktionen. (Ebd. 32f.)  Der wichtigste, rituell bearbeitete Grad ist der 18., der ‚Ritter vom  Rosenkreuz‘, wobei historische Einflüsse der Rosenkreuzer nicht  nachweisbar sind. (Ebd. S. 34). In der Initiation zu diesem Grad spielen  viele christliche Motive eine Rolle, die aber umgedeutet werden. Die  Buchstaben INRI erhalten «eine zweite Bedeutung, nämlich ‚Igne natura  renovatur integra‘ (Durch das Feuer erneuert sich die Natur zur Gänze).«  (Mellor, 1985 400, s.a. Lerich obd. 35). Das ‚Symbol der Aufopferung  bis zum Letzten‘ ist ein goldener Pelikan, «der sich mit seinem Schnabel  die Brust aufreißt, um mit seinem Herzblut die hungernden Jungen zu  nähren«. (Lerich, ebd. 35) Ein Bruder legt einem anderen symbolisch ein  Kreuz auf, und schließlich wird mit einem Kelch Wein, einer Schüssel mit  Brot und einer ’schwelenden Räucherpfanne‘ eine Art Abendmahl gefeiert.  (Ebd. S. 35f.) »Das Zeichen des Grades ist dasjenige des ‚Guten Hirten‘  und das Kennwort ’Emmanuel’« (Mellor). »Die Ritter vom Rosenkreuz  erhalten lange, übermannshohe Stöcke, die Stäbe des ‚guten Hirten’«, und  am Schluss des Rituals wird ihnen erklärt, »dass die Rosenkreuzer die  guten Hirten des Volkes sein wollen, die Kämpfer für die Freiheit der  Völker und deren Versöhnung untereinander. Die Johannisfreimaurerei  schlage Brücken von Mensch zu Mensch, die Hochgradfreimaurer des 18.  Grades Brücken Volk zu Volk« (Lerich ). »Dieser Kult ist das Agape, das  Liebesmahl der Kapitelbrüder, die freimaurerische Wiedergabe des  christlichen Abendmahles. In seiner Zeremonie haben die christlich  religiösen Kapitelrituale ihren Höhepunkt erreicht.« (Ebd. 36)

In  Schweden besteht eine besondere, ‚christlich‘ genannte Lehrart der  Freimaurerei, in der Christus als ‚oberster Meister‘ verehrt wird. Sie  ist innerhalb der Freimaurerei umstritten (z.B. Schiffmann, 1883) und  kann im Rahmen dieser Arbeit nicht behandelt werden. Eingehend hat sich  der dänische Kirchengeschichtsprofessor Nielsen (1882 und 1883) damit  auseinander gesetzt. Vom biblischen Christentum unterscheidet sie sich  nach seiner Auffassung grundlegend.

1.5.3. Vergleich

Die  Legenden und Handlungen der Johannismaurerei wie auch der schottischen  Hochgradfreimaurerei erwecken den Eindruck, als beruhten sie auf jüdisch  christlichen Traditionen, als habe ihr Inhalt etwas mit dem Geist der  Bibel zu tun. Dieser Eindruck ist meines Erachtens falsch, wenn sich  auch die meisten Freimaurer selbst als ‚gute Christen‘ bezeichnen mögen.  Mellor schreibt dazu: «Bei der Lektüre der alten Schottischen Rituale  kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass eben dieser Grad voll  christlicher Emotionen ist. Ohne Zweifel haben die Ritter vom Rosenkreuz  in ihrer Mehrheit ihn immer so aufgefasst, jedoch ist dieses  Christentum nicht mehr das der Kirche… Im 18. Jahrhundert wurde eine  Schicht Christlichkeit darüber gestrichen, ähnlich wie ein Bild übermalt  wird« (S.399). Die echte Heilige Schrift wird hier unentwirrbar mit  einem von Menschen erfundenen Ritual verflochten und das Wort Gottes …  an Legenden geknüpft. Es hat allerdings nicht den Anschein, dass dieser  Cocktail den anglikanischen Episkopat oder die zahllosen Geistlichen,  welche das Kaplanamt der Logen innehaben, abgeschreckt oder gar am  Beitritt gehindert hat. Diese predigen sonntags das Wort der Heiligen  Schrift von der Kanzel und zelebrieren wochentags das Ritual in der  Loge, indem sie die Heilige Schrift zu Erzählungen verwandeln« (S. 388).

Gehen  wir wiederum davon aus, dass der Absolutheitsanspruch von Jesus  Christus, wie er in der Bibel bezeugt wird, gerechtfertigt ist, so lässt  sich folgendes sagen: In den Tempeln der Freimaurer dienen biblische  Erzählungen und christliche Geschichte als Kulisse für einen Inhalt, in  dem nicht der biblische Jesus Christus die Hauptrolle spielt. Christus  wird vielmehr die Einzigartigkeit, die Einmaligkeit, die Absolutheit  genommen. Er wird sozusagen entmachtet und mit seinem ganzen Leben  relativiert, vermenschlicht. Die wichtigen Ereignisse seines Lebens  werden zu allgemeinmenschlichen Erlebnissen gemacht, die durch Menschen  wiederholt und reproduziert werden können. Die freimaurerischen Motive  haben zwar vielfach ihre biblischen Parallelen, sie sind der Bibel  entnommen, doch Christus ist nicht mehr das Zentrum allen Geschehens. In  den Gebeten der Freimaurer wird niemals Christus angesprochen (s.z.B.  die in Schenkel veröffentlichten freimaurerischen Gebete, S.151). Die  Auferstehung erscheint als eine urmenschliche, vorchristliche Idee;  Golgatha wird zu einem Mythos. Auch gewöhnliche Menschen können ihr  Leben für andere hingeben, jeder ‚Ritter vom Rosenkreuz‘ darf sich als  ‚guter Hirte‘ fühlen. Während in der Bibel die Führer, Erlöser  und  Herrscherrolle allein Christus zukommt, versucht in der Freimaurerei der  Mensch, alle diese Rollen selbst zu übernehmen. Menschen und Völker  regieren, versöhnen und verbinden sich selbst; das Abendmahl findet ohne  Christus statt. Die Freimaurerei relativiert die jüdische und die  christliche Tradition selbst, indem sie diesen ‚Etappen der  Menschheitsentwicklung‘ eine ‚höhere‘ Stufe folgen lässt: In der  ‚freiheitlich aufgeklärten‘ Zeit sind diese Traditionen offenbar  überwunden. Der Inhalt, der Gehalt des freimaurerischen Lehrgebäudes ist  weder jüdisch noch christlich. In der Freimaurerei finden wir also nur  eine Schein Christlichkeit. Das Christliche dient als Lieferant von  Motiven sowie als Kulisse.

1.6. Humanismus und Aufklärung

»Im  Mittelpunkt unseres Denkens steht der Mensch.« (Zendralli, S. 10) Die  Freimaurerei versteht sich als ‚Weltbruderschaft der wahrhaft  Aufgeklärten‘. (Im Hof, S. 167)

1. 6. 1. Humanismus

Die  Ideale der Freimaurerei entstammen dem Humanismus und der Aufklärung.  Die Lehrinhalte sind auch bei jüdischer und christlicher Kulisse  humanistisch aufklärerisch. »Es ist die Meinung der Maurerei der ganzen  Welt, ein Kultus der Humanität zu sein.« (Schenkel, S.93) Über die  humanistischen Wurzeln und das ‚Humanitätsideal der Freimaurerei‘ finden  sich interessante Ausführungen bei Schenkel und Oslo). In dieser Arbeit  sollen die Anliegen und die Ideale der Freimaurer in Kapitel 2  dargestellt werden.

Im Hof zeigt Verbindungen der Freimaurerei zur  humanistischen ‚Sozietäts  oder Gesellschaftsbewegung‘ auf, besonders  auch zur ‚Akademiebewegung‘ mit ihrem Doppelaspekt humanistischer  Gelehrsamkeit und humanistischer Geselligkeit. »Die Freimaurer sind …  Meister eines neuen festlichen Stils geworden« S. 11). (Die  französischsprechenden Brüder nennen die Loge augenzwinkernd ‚une église  avec un restaurant‘ = Eine Kirche mit einem Restaurant (Hochreutener).

1.6.2. Aufklärung

«Die  Freimaurerei entsteht in einer besonderen Krisensituation Europas. Sie  ist Ausdruck der frühaufklärerischen Reaktion auf Orthodoxie und  Absolutismus.« (Im Hof 1984, S. 10) »Im 18. Jahrhundert versammelten  sich in den Logen die fortschrittlichsten Geister ihrer Zeit: Lessing,  Goethe. Herder, Fichte   fast die ganze Prominenz der Aufklärung findet  man in den alten Mitgliederverzeichnissen aufgelistet. Offenbar waren  die Logenhäuser der einzige Ort, wo Oppositionelle sicher sein konnten  vor dem Zugriff absolutistischer Staats  und Kirchenmacht. Bei solchen  Zusammenkünften genossen Andersdenkende gleichsam diplomatische  Immunität.

Draußen geltende Standesprivilegien waren in den Logen  eingeebnet, Meinungs  und Gedankenfreiheit Teil des Vereinsstatuts. Nur  unter diesen Voraussetzungen konnten die Gedanken der Aufklärung  formuliert werden.« (Rohländer GEO 1988) Zum Thema ‚Freimaurerei und  Aufklärung‘ äußert sich auch Binder. In der Freimaurerei ist das  Rationale und das untergründig Mystische der Aufklärung vereinigt. Die  ‚wirklich‘ Aufgeklärten sind nicht nur Rationalisten. Sie wissen.   »Vertreibt das Mystische, es kommt im Galopp zurück«. (Im Hof, S. 168)

Die  Ideen der Aufklärung werden in den obersten Graden des schottischen  Ritus gelehrt. »Mit der Aufnahme in das Atelier des 19. Grades beginnt  für den Hochgradfreimaurer der Weg zur ‚vollen Einweihung‘, die sich im  30. Grad vollzieht. Die maurerischen Werkstätten vom 19. bis zum 30.  Grad heißen Areopage, benannt nach dem altgriechischen Gerichtshof zu  Athen. Sie bilden zusammen die dritte Periode der Erkenntnisstufen des  Schottischen Ritus, der in der Menschheitsgeschichte das Zeitalter der  Aufklärung und Gewissensfreiheit und die Zukunft der Menschheit, die  durch den Sieg der Freimaurerei beherrscht werden soll, entsprechen.»  (Lerich, 1937, S. 36) Der 19. Grad «lehrt den Kampf gegen  ‚Unwissenheit‘, ‚Aberglaube‘, ‚Dogmatik‘ und ‚Fanatismus‘ in jeder Form«  (Ebd. S. 37). In den nächsten Graden geht es darum, für eine ‚gelenkte  Volksherrschaft‘ einzustehen. Die ‚Despotie der Massen‘, die auf eine  völlige Anarchie hinausläuft, wird verworfen. Dabei gilt es, ‚die  Volksrechte zu erkennen und nach aussen hin zu vertreten‘. Die einzelnen  Religionen sind zu überwinden, die in allen Religionen enthaltenen  Wahrheiten sollen in einer ‚Überreligion‘ zusammengefasst werden. Die  obersten Grade schließlich wollen alle Stadien der religiösen Zweifel  hinter sich gelassen haben und auf der Stufe einer über alle Dogmatik  und ‚Vorurteile‘ erhabenen Ethik und Weltanschauung stehen. (Ebd. 37) Im  Aufnahmeritual in den 30. Grad (‚Rachegrad‘) muss der Aufnahmebewerber  drei »symbolische Degenstiche führen: Gegen die Tiara (Dreifache  Papstkrone) als Sinnbild des Papsttums und überhaupt der geistlichen  Gewalt, gegen die Königskrone als Sinnbild jeder weltlichen Macht und  gegen eine dritte Krone, die Bürgerkrone, als Sinnbild der Despotie der  Massen und Willkür überhaupt!» (S. 42) Zudem muss er die drei Säulen der  Maurerei (Weisheit, Stärke, Schönheit) »mit eigener Hand umstürzen! Die  Worte des Rituals deuten diesen Akt dahin, dass der nunmehr in die  letzten Geheimnisse der Loge eingeweihte Ritter Kadosch  die völlige  Vorurteilslosigkeit erlangt habe, die unbedingte geistige Freiheit.» (S.  42)

1.6.3. Vergleich

Auf die freimaurerischen Ideale wird  im nächsten Kapitel näher eingegangen. Ihre Beurteilung aus der Sicht  Christi erfolgt in Kapitel 7. Die humanistische, völlig  menschenzentrierte Sicht ist diejenige des ‚alten Menschen‘ der Bibel,  desjenigen, der (noch) nicht erkannt und angenommen hat, dass Christus  der oberste Machthaber aller Himmel und aller Welten ist.

Die  Freimaurer lehnen jeden Absolutheitsanspruch von Kirche, Staat, Massen  oder einzelnen Personen ab, denn es gibt aus ihrer rein menschlichen  Sicht keine absolute Wahrheit. Die obigen Ausführungen zeigen, dass  diese Auffassung nun (nicht nur gegen innen, sondern auch gegen aussen)  mit einer Energie und einer Verbissenheit vertreten wird, die darauf  schliessen lassen, dass sich dahinter ihrerseits ein  Absolutheitsanspruch verbirgt: die Auffassung nämlich, dass es keine  absolute Gewissheit gibt. Demgegenüber gibt es nach unserer Auffassung  nur einen einzigen Menschen, der von sich zu Recht sagen konnte: »Ich  bin die Wahrheit!«, Jesus Christus, der Sohn Gottes.

1.7. Reformation und Protestantismus

Nach  Schenkel besteht eine enge wesenhafte und schicksalhafte Verbundenheit  von Freimaurerei und Protestantismus. Während in der Öffentlichkeit und  in den protestantischen Kirchen dies kaum empfunden werde, sei das  Bewusstsein um diese Zusammenhänge stark lebendig in der deutschen  Freimaurerei selbst, aber auch, was besonders bezeichnend ist, bei dem  grossen gemeinsamen Gegner beider, bei der römisch katholischen Kirche.  Konservative Katholiken sehen in der Freimaurerei eine Waffe des  Protestantismus, um ihre Kirche zu zerstören. Für sie ist klar: Ohne  1517 kein 1717! »In einem protestantischen Lande wurde sie geboren, und  die meisten Logen finden sich in protestantischen Ländern.  Protestantischer Geist zeigt sich in der Freimaurerei nicht nur bei  protestantischen, sondern auch bei anderen Völkern. Er durchdringt das  Kulturleben aller Staaten.« (Schenkel, S. 4) Welches ist nun die  schicksalhafte, welches die wesenhafte Verbundenheit zwischen  Freimaurerei und Protestantismus?

1.7.1. Reformation

Auf  die konkreten historischen Zusammenhänge zwischen Reformation und  Freimaurerei geht Oslo ausführlich ein. Dabei behandelt er auch die  Vorläufer der Reformatoren: die Katharer, die Waldenser, John Wycliffe,  Jan Hus u.a.m. An dieser Stelle können nur einige Aspekte  herausgegriffen werden. Der schottische Reformator John Knox habe, im  Gegensatz zu anderen Reformatoren, das Recht auf ‚bewaffneten  Widerstand‘ einem Herrscher gegenüber gefordert, ‚der die Sicherheit der  wahren Religion bedrohte‘. (Ebd. S. 95) Zudem: »Der Protestantismus bot  dem Adel und den Gutsbesitzern von Schottland nicht nur eine geistlich  lebendige Kirche mit Laienbeteiligung, sondern auch die Möglichkeit, das  belohnte Kirchengut nicht mehr zurückgeben zu müssen. So wurden in  kürzester Zeit Hunderte von Klöstern überfallen, geplündert und  aufgelöst. Die Folge war, dass Tausende von Mönchen zu Flüchtlingen und  Vertriebenen wurden, ohne Obidienz im Lande, womit wir bei der Geburt  der Freimaurerei angelangt sind.« (Ebd. S. 99) Die Mönche waren im  Besitz des nötigen Wissens und Könnens. Dazu kommt nach Oslo eine  ‚dynastiepolitische Komponente‘: »Die Geschichte der Freimaurerei ist  mit den Stuarts in England eng verknüpft.« (Ebd. S. 104)

Zusammengefasst:  »Die Entstehung bzw. Entwicklung der Freimaurerei beruht auf drei  wesentlichen Komponenten: die geheimwissenschaftliche, die  religiös-politische und die dynastiepolitische. Wir haben gesehen, dass  die Auflösung der Klöster in Schottland ab August 1560 die Hermetischen  Künste und die Königliche Kunst mit dem Kreis der Auserwählten, die sie  pflegten, in die Korporationen und Logen des Bauhandwerks trieb. Der  religiöspolitische Aspekt hing zwar mit dem Kampf der Reformation gegen  die etablierte Lehre der christlichen Kirche zusammen, doch erst im  Laufe des 17. Jahrhunderts spielte er für die Freimaurerei eine  entscheidende Rolle. Hingegen sind die Verhältnisse um das Haus Stuart  bis 1813 aus dem Orden nicht wegzudenken. Seit 1688 wurde die Loge zum  geheimen Treffpunkt der Anhänger des abgesetzten Stuart Königs« (Ebd. S.  121). Man kann also nicht sagen, dass die Freimaurerei eine notwendige  oder gar beabsichtigte Folge der Reformation war. Durch die Reformation  wurden aber Kräfte frei, die zusammen mit geeigneten religiöspolitischen  und dynastiepolitischen Voraussetzungen schließlich zur Begründung der  Freimaurerei führten. Dazu kommt, dass die Glaubenskriege im Zuge der  Reformation ein tiefes Bedürfnis nach wirklich gelebter Liebe, nach  Friede und Toleranz weckten. Zusammen mit der Aufhebung des Ediktes von  Nantes (1685) erschütterten diese Kriege das Vertrauen weiter Kreise der  Bevölkerung in die Integrität und Zuverlässigkeit der weltlichen und  kirchlichen Instanzen. Nicht das Christentum, sondern eine gewisse  Verzweiflung am damals gelebten Christentum hat die Gründung der  Freimaurerei begünstigt.

1.7.2. Protestantismus

Bei den in  dieser Arbeit berücksichtigten Autoren herrscht weitgehend  Übereinstimmung in der Auffassung, dass die in der Freimaurerei  zentralen Ideen der Glaubens  und Gewissensfreiheit sowie der Toleranz  ihren Ursprung im Protestantismus haben. (Boller, S. 42, Oslo, S. 65,  Schenkel, S.6) Das Anliegen, die menschliche Subjektivität und  Individualität zu befreien, zu würdigen und zu fördern, ist  Protestantismus und Freimaurerei gemeinsam und nach Schenkel (Ebd. 6f.)  der katholischen Kirche suspekt: «In Rom weiss man, dass Protestantismus  und Freimaurerei im letzten Grund der gleichen geistigen Quelle  entspringen, nämlich dem freien Gewissen und der frommen Innerlichkeit  der selbständigen Persönlichkeit. Beiden gemeinsam ist die Tendenz der  Ethisierung in der Säkularisation weiter Lebensgebiete, und beide sind  in jenem höchsten Sinne liberal, dass sie der Gewissensentscheidung,  welcher sich der Gehorsam gegen die unmittelbar erlebte höchste  Wirklichkeit kundgibt, Lebensrecht einräumen.«

Eine weitgehende  geistige Einheit und auch praktische gegenseitige Durchdringung, auf die  wir noch zu sprechen kommen, besteht nun aber nur zwischen liberalem  Protestantismus und Freimaurerei. »Dagegen wird die Freimaurerei in den  pietistischen und orthodoxen Kreisen bekämpft.« (Ebd. 34) Besonders die  anglikanische Kirche wurde zum Nährboden für die Freimaurerei: «Die  anglikanische Kirche hatte eine Theologie der Toleranz mit  Akzentverlegung auf die christliche Tat der Nächstenliebe entwickelt. In  dieser Atmosphäre bot die Freimaurerei eine neue Art von Gemeinschaft  an.» (Im Hof, 1984, S. 10) Der liberale Protestantismus birgt nach  Schenkel in sich die Gefahr der Vereinzelung, der Vereinsamung. Gegen  diese ‚innere Not‘ des liberalen Protestanten bietet sich nun die  Freimaurerei als feste Gemeinschaft an. (Ebd. S. 11) «In dieser  Verknüpfung von Liberalismus mit einem Geistesleben und  Zusammengehörigkeitsbewusstsein, wie es der heutige protestantische  Mensch sonst nirgends kennt, liegt die soziologische Bedeutung der  Freimaurerei aber auch ihre religionsgeschichtliche Vorbildlichkeit.»  (Ebd.)10

2. Anliegen und Ideale

Der folgende  Überblick über die Anliegen und Ideale der Freimaurer soll kurz gehalten  werden, denn sie sind wohl allgemein bekannt. Zudem werden sie in der  Literatur ausführlich behandelt. Die Anliegen und Ideale sind das  Vordergründige, das auf den Fahnen geschrieben steht; mit ihnen wird um  Vertrauen und Sympathie geworben. Darum soll in diesem Kapitel auch kurz  auf die Beitrittsmotive eingegangen werden. Die Beurteilung der Ideale  und ihrer Verwirklichung erfolgt in Kapitel 7.

2.1. Friede auf Erden

Die  Freimaurerei entstand nach den Konfessionskriegen des 16. und 17.  Jahrhunderts in Europa. Jedermann sehnte sich nach Frieden. Viele  trauten es den Christen nicht mehr zu, den versprochenen ‚Frieden auf  Erden‘ herzustellen, und auch das Vertrauen in den ‚Friedefürst‘ Jesus  Christus war offenbar in weiten Kreisen der Bevölkerung geschwunden. In  dieser Situation lag es nahe, dass sich vernünftige Männer  zusammenschlossen und die Herrschenden der Welt dafür zu gewinnen  suchten, den Frieden auf Erden herzustellen. Der Friede ist die  Voraussetzung für die Verwirklichung des Hauptanliegens der  Freimaurerei: das ‚Reich Gottes auf Erden‘ (Seydel, 1862, S. 24). Friede  ist auch notwendig dafür, dass die Wirtschaft gedeihen kann, dass durch  internationale Arbeitsteilung der Wohlstand aller wachsen kann und  auch, dass ein ‚Aufbau‘ in den gesellschaftlichen Bereichen erfolgen  kann. Unter den Konfessionskriegen hatte nicht zuletzt auch das  Baugewerbe, der Stein  und Sakralbau, gelitten.

2.2. Humanität, Toleranz, Brüderlichkeit

Der  Friede auf Erden soll erreicht werden durch die Relativierung der  Absolutheitsansprüche der Religionen und Konfessionen. In der  ‚Ringparabel‘ von Lessings ‚Nathan der Weise‘ wird das auf eindrückliche  aber auch aufschlussreiche Art und Weise dargestellt. Anstelle Menschen  trennender Religionen, Konfessionen, Stände, Nationen, Rassen, Klassen  usw. tritt die ‚Menschheit‘ als Objekt der Verehrung und Grundlage der  Orientierung. »Das Wesen der Freimaurerei ist nichts anderes als das  Wesen der Menschheit selbst.« (Böni, 1954) Herder bezeichnet die  Freimaurerei als ‚Auge und Herz der Menschheit‘. (zit. in Imhof, 1944,  S.,294)

»Die weltweite Devise ‚Freiheit, Gleichheit,  Brüderlichkeit‘, die zuerst in französischen Freimaurerlogen geprägt  wurde, ist das unmittelbare politische Destillat aus der ethischen  Grundsatzformel ‚Humanität, Toleranz, Brüderlichkeit‘.» (Valmy, 1988, S,  10) Zur Humanität: «Für den Freimaurer bedeutet Humanität schlicht die  Lehre und das Streben nach menschlicher Würde. Der nach den  freimaurerischen Ritualen stattfindende symbolische Bau des Tempels der  Humanität soll in jedem Beteiligten dessen beste Anlagen und Kräfte  erwecken, veredeln und vervollkommnen, um diese in der Bewährung des  Alltags bei der Begegnung mit seinen Mitmenschen anzuwenden. Dies  bedeutet Achtung von allen Menschen, unabhängig von Geburt, Stand,  Konfession, Nationalität und Hautfarbe; bedingungslose Anerkennung der  Menschenrechte, als da sind: das Recht auf persönliche Freiheit und auf  Eigentum, Gedankenfreiheit, Gewissensfreiheit, Glaubensfreiheit und auch  das Recht, sich notfalls persönlich für die Durchsetzung dieser  Forderungen engagieren zu können.« (Valmy,1988, S. 10). Zur Toleranz.  »Die zweite Maxime ‚Toleranz‘ stellt sich gleichfalls gegen ein  mittelalterliches Schattenbild, als der Mensch, dogmen  und  religionsmüde, gegen Fanatismus und Absolutismus weltlicher und  geistlicher Herrschaft aufzubegehren begann… Das Geltenlassen fremder  Anschauungen und Überzeugungen, Sitten und Gewohnheiten sollte längst  zur Grundhaltung eines kultivierten Menschen gehören als Zeichen für  Selbstvertrauen und Weltoffenheit eines gefestigten Charakters, der auch  für den Verfechter gegensätzlicher Meinungen ein offenes Ohr behält…  Das unermüdliche Bemühen, Intoleranz abzubauen, bleibt eines der  vornehmsten Ziele der Maurerei.» (S.10) Zur Brüderlichkeit: »Wenigstens  im Logenleben versucht man dem Ruf nach Brüderlichkeit gerecht zu  werden; der schwerste Vorwurf, den Freimaurer gegeneinander erheben  können, ist unbrüderliches Verhalten und Handeln. Brüderlichkeit  vermittelt ihnen dieses stärkende Bewusstsein, in eine internationale  Kette Gleichgesinnter integriert zu sein, in allen Ländern der freien  Welt, wo sie eine Loge besuchen, wozu jeder von ihnen ein Recht hat, als  willkommener Gast aufgenommen zu werden und in eventuellen Notlagen  Hilfe zu erfahren. Dieses Bestreben brüderlicher Gesinnung ist  universell und nicht nur auf den internen Kreis der Logenmitglieder  beschränkt, es bezieht sich auch auf die profane Öffentlichkeit, ohne  sich aufdrängen zu wollen. Bewusst unauffällig praktiziert, lebt es in  der Spendenfreudigkeit für karitative Zwecke.« (Ebd. S. 11)

2.3. Erziehung des Menschengeschlechts

Weil  der Mensch offenbar nicht immer von Natur aus den Idealen gemäß  handelt, wird die ‚Erziehung des Menschengeschlechts‘ (Lessing) zu einem  vordringlichen Anliegen. »Die Freimaurerei will einen neuen, einen  besseren Menschen schaffen, doch das wollen die Religionen auch. Das  Ergebnis ist am Verlauf der Weltgeschichte abzulesen.» (Valmy FM 1988 7)  Die Freimaurer wollen es besser machen als die Religionen, und zwar  hauptsächlich durch a) ‚Selbsterziehung‘, ‚Selbstvervollkommnung‘,  ‚Selbstver¬wirklichung‘ und b) durch die ‚Übung und Förderung des  sittlichen Lebens‘. (Schiffmann, 1883)

2.3.1. Selbsterkenntnis und Selbsterziehung

»Zutiefst  ist die Freimaurerei eine Kunst. Ihr Ziel ist die Ausreifung des  einzelnen Bundesgliedes zur harmonischen, sittlichen Persönlichkeit«.  (Böni, 1954, S. 9) Und nun die Freimaurerei, was will sie?   Uns zum  wahren Menschen, wie er sein soll, erziehen. Unabhängig von jedem  Religionsbekenntnis, wobei sie jedoch jedes achtet. Der flammende Stern  im Osten, als Symbol des allmächtigen Baumeisters aller Welten, gibt die  Blickrichtung; die drei grossen Lichter zeigen den Weg: Notwendigkeit  der göttlichen Führung, Rechtschaffenheit, Aufrichtigkeit und  Pflichterfüllung. Maßhalten und weit gespannte, alles umfassende Liebe.  Unermüdliches Arbeiten am rohen Stein, unermüdliches Emporschreiten,  trotz aller Rückschritte, Freisein von jeder Leidenschaft und Sucht,  offenes Herz und offene Hand für jede Not, Selbsterkenntnis und  Selbsterziehung und Verlässlichkeit bis in den Tod. Das sind kurz  gefasst die Lehren und Bestrebungen der Freimaurerei.» (Bender, 1942, S.  217)

2.3.2. ‚Übung und Förderung des sittlichen Lebens‘:

Nach  englischer Definition ist die Freimaurerei ein besonderes, in  Allegorien gekleidetes und durch Symbole dargestelltes Moralsystem.« (v.  Merhart zit. in von Ins, 1874, S. 29).  Schiffmann, S. 47) bezeichnet  die ‚Übung und Förderung des sittlichen Lebens‘ als die ‚einzige  Aufgabe‘ des Ordens. Dies soll nun nicht durch die Freimaurerei als  Organisation oder Institution geschehen, sondern durch das Wirken jedes  einzelnen Freimaurers in seinem persönlichen Alltag. Wir werden sehen,  dass auch durch diese Methode durchaus wesentlicher Einfluss ausgeübt  werden konnte und werden kann.

2.4. Weitere Ideale und Anliegen

Es  könnten an dieser Stelle viele weitere freimaurerische Ideale genannt  werden, die mit obigen in Zusammenhang stehen. Die Orientierung und  Ausrichtung nach Idealen birgt meines Erachtens die Gefahr einer  besonderen Art von Vielgötterei. In den Tempeln symbolisieren drei  Säulen die Ideale Weisheit, Schönheit und Kraft oder Stärke. Das Bild  einer Leiter mit drei Sprossen soll an Glaube, Liebe, Hoffnung erinnern.  (Lurker, 1984, S. 200) Die zwei Säulen ‚Jachin‘ und‘ Boas‘ werden auch  als Sinnbild für die Beständigkeit der freimaurerischen Lehre oder auch  als Grundpfeiler der Humanität (Gerechtigkeit und Wohlwollen) ausgelegt.  (Ebd. S. 201) Der Schlüssel gilt als Symbol der Verschwiegenheit, der  Schurz ist ein Zeichen der Unschuld. Das Senkblei soll auf Geradheit und  Wahrhaftigkeit hinweisen. Das Winkelmass ist Symbol der  Gewissenhaftigkeit, der Zirkel soll allumfassende Menschenliebe  versinnbildlichen. (Ebd. S. 200) Nach Schenkel befriedigt die  Freimaurerei neben dem Bedürfnis nach Gemeinschaft vor allem auch das  ‚Bedürfnis nach kultischem Erleben und Handeln‘. Sie vermittle religiöse  Erlebnisse ohne Priester und Dogma.

2.5. Beitrittsmotive

Freimaurer  selbst kennen von der Freimaurerei oft nicht viel mehr als die  erwähnten Anliegen und Ideale. Sie sind denn auch nach Schenkel das  Hauptmotiv zum Beitritt. »Diese ethische Grundeinstellung humaner Art  war der geheimnisvolle Magnet, der die Menschen anzog.  Selbstverständlich ging nebenher auch mancherlei Unterethisches, das  bloße Geselligkeitsbedürfnis, der Wunsch vertrauten Verkehrs mit  hochgestellten Persönlichkeiten, Neugierde, persönliche Eitelkeit und  anderes mehr.» (Schenkel, 1926, S. 24) »Dadurch, dass in diesem  Sammelpunkt politische und religiöse Diskussion ausgeschlossen wurde,  trat in den Mittelpunkt… die Bewertung des Menschen nach seinen rein  menschlichen Eigenschaften.« (Ebd. 24) Mellor nennt als die wichtigsten  Beitrittsgründe heute das Gemeinschaftsbedürfnis, die ‚Vervollständigung  einer politischen Färbung‘ , womit auch die Hoffnung auf  wirtschaftliche, politische und Karriere Vorteile gemeint sein kann.  Zudem: »Bei vielen ist es Familientradition, und schon die Väter waren  Freimaurer.« (Mellor, S. 327) Früher war auch die Suche nach sozialer  Sicherheit durch die Solidarität der Brüder ein wichtiger  Beitrittsgrund.

2.6. Vergleich

In Kapitel 7 soll  versucht werden, die freimaurerischen Ideale aufgrund der Annahme zu  beurteilen, dass in Wirklichkeit Jesus Christus alle Macht im Himmel und  auf Erden übertragen ist. Die Ideale der Freimaurer sind wohl  keineswegs unchristlich, und für die Anliegen dürften auch Christen  grosses Verständnis haben. Man kann vielleicht sogar sagen, dass die  Freimaurer eigentlich genau das wollen, was Christus auch wollte. Sie  haben seine Anliegen übernommen, und wollen sie nun endlich  verwirklichen. Nur: Sie wollen sie ohne ihn verwirklichen. Die  Freimaurer wollen christliche Anliegen ohne Christus verwirklichen.  Nicht Christus und sein Reich, sondern der Mensch und die Welt stehen im  Mittelpunkt allen Strebens. Sie ‚arbeiten‘ nicht mit Christus und nicht  für Christus, sondern mit Menschen und für Menschen.

Freimaurer  verehren Ideale, Christen in unserem Sinn verehren eine lebende Person.  Zwischen einer Verehrung von Idealen und der Verehrung einer Person  bestehen natürlich wesentliche Unterschiede. Ideale sind abstrakt, eine  Person   auch wenn sie unsichtbar ist  ist konkret. Ideale sind stumm,  mit einer Person können wir sprechen. So ist den Freimaurern auch die  ‚Verschwiegenheit‘ eine Tugend, nicht das Gespräch. Ideale sind  unfassbar, offen für unendliche Auslegungen und Definitionen, eine  Person kann sich verbindlich äussern, festlegen und verpflichten. Ideale  sind anonym, Personen haben einen Namen. Ideale werfen uns immer wieder  auf unsere Subjektivität zurück, eine Person kann Anlass sein, uns  selbst zu ‚entäussern‘ und eine Beziehung einzugehen. Mit Idealen können  wir wohl keine sinnvolle Beziehung haben, durch die Beziehung mit  Christus nehmen wir an seiner ganzen Fülle teil. Ideale sind und bleiben  menschlich. Christus verbindet uns mit dem biblischen Gott und seiner  Herrlichkeit. Die Verheissungen des biblischen Gottes und seines Sohnes  übertreffen diejenigen der Freimaurerei um Dimensionen.

3. Veranstaltungen und ‚Tempelarbeit‘

In  diesem Kapitel wollen wir einen Blick in die Logen werfen, um zu sehen,  was dort geschieht. Dabei stützen wir uns wiederum hauptsächlich auf  freimaurerische Publikationen ab sowie auf Veröffentlichungen, die von  Freimaurern autorisiert oder zugelassen wurden. Einzige Ausnahme ist die  ‚Verräterschrift‘ von Lerich, der zehn Jahre lang Hochgradfreimaurer  des 33. Grades war, und in der Zeit des Nationalsozialismus aus der Loge  austrat. Seine Ausführungen stimmen bis in die Einzelheiten mit dem  überein, was später von Freimaurern selbst publiziert wurde. Darum  nehmen wir an, dass auch diejenigen Aussagen zutreffen, über die wir bis  heute keine Bestätigung von Seiten der Freimaurer haben. Die  Darstellung soll kurz gehalten werden, manches ist schon im Kapitel über  die ‚geistigen Wurzeln‘ beschrieben worden. Es geht hier um einen  zusammenhängenden Überblick.

3.1. Die Aufnahme

1723  verfasste der Presbyterianer J. Anderson das freimaurerische  ‚Konstitutionsbuch‘ 14 , das auch die ‚Alten Pflichten‘ enthält, an die  sich Freimaurer heute noch in aller Welt halten. (Vollständig abgedruckt  in Oslo, 364). Dieses Konstitutionsbuch enthält auch Ausführungen über  die Aufnahmevoraussetzungen: 311 Aufnahmevoraussetzungen. Es werden nur  erwachsene Männer, keine Frauen und Kinder aufgenommen. Der Kandidat  soll nicht unter 25 Jahren alt und ’sein eigener Herr‘ sein. (zit. in  Oslo, S. 384) Damit ist gemeint, dass er finanziell unabhängig sein  soll. Es soll ein freier Mann von ‚gutem Ruf‘ sein, der umgänglich ist.  Keiner Loge soll ein ’störrisches Mitglied‘ aufgezwungen werden, das die  ‚Harmonie sprengen‘ könnte. (Ebd.) »Die in den Alten Pflichten  angesprochene körperliche Unversehrtheit erinnert an jene Vorstellungen,  wie sie häufig in unserem Kulturkreis als Voraussetzung für  Priesterberufe formuliert worden sind.« (Binder, S. 138) Als geistige  Voraussetzung für die Aufnahme gilt, dass der Kandidat ein ‚Suchender‘  sein sollte. «Um Freimaurer zu werden, muss man das Licht suchen.  (Mellor, S. 327) Neben diesen Bestimmungen gibt es bezüglich der  Aufnahmevoraussetzungen verschiedene regionale Eigenheiten. »Das  krasseste Beispiel ist in den Vereinigten Staaten die Ausschliessung von  Schwarzen, was in Europa an sich unvorstellbar wäre«, (Ebd. 138f.)

3.1.2. Das Prüfungsvefahren

Um  diese Aufnahmevoraussetzungen zu überprüfen, ist ein Prüfungsverfahren  notwendig. Es braucht ‚eine gebührende Untersuchung über den Ruf und die  Fähigkeit des Kandidaten‘. (Alte Pflichten zit. in Oslo S. 384) Dieses  Prüfungsverfahren ist von den Logen bis in die Einzelheiten ‚gesetzlich‘  geregelt. In Binder sind die entsprechenden Paragraphen aus dem  ‚Hausgesetz einer Wiener Loge‘ abgedruckt. (Binder Wiss. 1985, S. 139f.)  ‚Auszüge aus dem Strafregister‘ genügen dabei oft nicht. So »haben etwa  die Logen in Frankreich ihre Vertrauensleute in den Gerichten und  Polizeidienststellen, um sich Informationen aus erster Hand beschaffen  zu können. Drei Informatoren treten mit dem Suchenden in Verbindung und  erstatten ihre Berichte.« (Mellor, 331)

3.1.3. Die Initiation

Das  Aufnahmeverfahren, der Initiationsritus, ist bei vielen Autoren genau  beschrieben, so zum Beispiel bei Binder, 140), Deiters, 1963, S. 11  8ff.), Mellor, S. 334). In der Zeitschrift GEO (Nr. 2, 1988) ist ein  Bildbericht dazu erschienen. Der Ritus ist auch schon in der Literatur  beschrieben worden, so in Tolstois ‚Krieg und Frieden‘ (Deiters, S.  118). Vor der eigentlichen Aufnahme erhält der Neophyt‘ (Neophyt = ein  neues Mitglied vor dem Gelöbnis) in einer Dunkelkammer, bei Kerzenlicht  mit Bibel und Totenkopf, noch einmal die ‚Gelegenheit, seinen Schritt zu  überdenken‘. Anschliessend wird er mit verbundenen Augen, teilweise  entkleidet und ohne jede persönliche Habe (‚blind‘, ’nackt‘ und ‚arm‘)  vor die Tempeltüre geführt. Nachdem der Zeremonienmeister dreimal für  ihn angeklopft hat, wird ihm geöffnet. Nun tritt er in diesem Zustand  drei symbolische Reisen im Tempel (‚auf Erden‘) an, wobei er mit den  Elementen Erde, Luft, Wasser und Feuer in Berührung kommt. Schliesslich  legt der Kandidat sein ‚Gelöbnis‘ ab, und die Augenbinde wird ihm  abgenommen. So hat der Suchende symbolisch durch das Dunkel zum ‚Licht‘  gefunden. »Der zum Lehrling Aufgenommene wird mit den Symbolen bekannt  gemacht, mit Zeichen, Erkennungsworten und besonderen Handgriffen. Er  empfängt den weissen Schurz als Symbol sittlicher Reinheit und weisse  Handschuhe, die ausdrücken sollen . wie die Hände, so sollen auch die  Gesinnung und die Handlungen immer unbefleckt bleiben.« (Deiters, S.  127)

3.2. Die Veranstaltungen

Der neu Aufgenommene kann  nun an allen freimaurerischen Veranstaltungen teilnehmen, zu denen  Lehrlinge zugelassen sind. Es werden folgende Veranstaltungen  unterschieden:

  1. Rituelle Arbeiten. »Sie werden im  freimaurerischen Tempel abgehalten. Bei diesen Arbeiten muss die  maurerische Bekleidung getragen werden.» (Deiters S. 161)
  2. Instruktionsabende, bei denen Fragen des Rituals und Symbolwesens besprochen werden.
  3. Vorträge, zu denen gelegentlich auch Nichtmitglieder zugelassen werden.
  4. Diskussionsabende.

5.  Tafellogen. Sie finden nach wichtigen Tempelarbeiten statt. Dabei geht  es um ein »Festessen, das nach einem bestimmten Ritual durchgeführt  wird.« (Ebd. S. 162)

  1. Das Brudermahl findet im Anschluss an  einfache Tempelarbeiten statt und dient ‚der körperlichen Stärkung‘ und  der ‚Vertiefung der brüderlichen Beziehungen‘. (Ebd. S. 163)

7.  Die Trauerlogen. Sie werden jährlich im November abgehalten. «Daneben  gibt es gesellige Veranstaltungen, die sich nicht wesentlich von denen  anderer Vereinigungen unterscheiden: das Stiftungsfest, Veranstaltungen  mit ‚Schwestern‘ und Gästen… Am 24. Juni wird das Johannisfest zu  Ehren des Schutzpatrons der Freimaurer, Johannes des Täufers, gefeiert.»  (Deiters, 163) Eine Umfrage unter 1500 amerikanischen Freimaurern  ergab, dass 89 % nicht regelmässig an den Veranstaltungen teilnehmen,  obwohl die Teilnahme eigentlich ‚Pflicht‘ ist. (Ebd. 161, 164f.)

3.3. Die Johannis Maurerei

Die  Johannis Maurerei, auch ‚blaue‘ Maurerei genannt, hat Johannes den  Täufer zum ‚Schutzpatron‘. Sie ist den ‚regulären‘ Logen der ganzen Welt  gemeinsam und enthält die drei ‚Johannisgrade‘ Lehrling, Geselle und  Meister, die nach Valmy (S. 245) den ‚Inhalt der maurerischen Lehre voll  ausschöpfen‘. Wohl die meisten Freimaurer lernen nur diese Art der  Freimaurerei kennen. Im Werk von Binder sind die Logenarbeiten dieser  drei Grade ausführlich dargestellt, und ihre symbolische Bedeutung wird  diskutiert. Zudem sind die Katechismen, die Lehrgespräche, die Zeichen  und Worte enthalten, sowie die Griffe beschrieben.

3.3.1. Der Lehrling: vom Dunkel zum Licht

Der  Lehrling wird unter anderem in die freimaurerische Symbolik eingeführt.  Er lernt sich als ‚rauhen Stein‘ kennen, den er zu behauen lernen muss,  damit er als kubischer Stein in den ‚Tempel der Humanität‘ eingefügt  werden kann. Die Bibel lernt er als Symbol für die allgemein  verpflichtende Sittenlehre betrachten. Das für den Lehrlingsgrad  kennzeichnende Symbol ist dasjenige des Lichtes. Es hat schon bei der  Aufnahme eine wichtige Rolle gespielt. »Der Kultus des Lichtes bzw. das  Symbol des Lichtes und der Erleuchtung spielt eine grosse Rolle. Das  Licht ist wohl das grösste, umfassendste, allgemeinste und verbreitetste  Symbol der Menschheit überhaupt. Seine Beziehungen sind unerschöpflich.  Seine Wirkungen auf das menschliche Gemüt sind machtvoll, erhebend und  läuternd« (Schenkel, S.77).

3.3.2. Der Geselle: reifender Geist

Anlässlich  der Beförderung des Lehrlings zum Gesellen sagt der freimaurerische  Redner: »Der Lehrlingsgrad hebt an mit unserer Geburt zum sittlichen  Leben, das uns Maurern heilige Pflicht ist. Der Gesellengrad verkörpert  den Fortschritt in unserer maurerischen Bildung… Sie wurden heute mit  offenen Augen in die Loge eingeführt und haben Ihre neue Wanderung  unverhüllten Blickes vollzogen.» (zit. in Deiters, 1963, S. 130) Bei den  Reisen begegnete der Geselle den drei ‚Versuchungen‘ Geld, Ruhm und  Macht, die durch Gold, Lorbeer und Schwert symbolisiert sind. Die von  der Maurerei angebotene Weisheitslehre soll es den Gesellen ermöglichen,  die Versuchungen des Lebens souverän vorübergehen zu las¬sen (Binder,  182). Im Osten der Gesellenloge hängt »der Flammende Stern, in dessen  Zentrum der Buchstabe G steht, als umfassendes Symbol des Gesellengrades  und des Maurertums schlechthin« (Ebd. 180). Der ‚Flammende Stern‘ ist  ein Fünfeck (Pentagramm, Drudenfuss) von dem Strahlen ausgehen, Die  symbolische Bedeutung wird sehr vielfältig interpretiert. Einigen gilt  der ‚Flammende Stern‘ als ‚Symbol des erwachenden und reifenden  Geistes‘, für andere versinnbildlicht er Gott. (Binder, S.188) Gott  erscheint als das «ewige Licht, das in den Herzen der Menschen  widerstrahlt». (Schenkel, S.78)

3.3.3. Der Meister: Leben, Tod und Auferstehung

Bei  der Erhebung des Gesellen zum Meister wird die Legende um Hiram Abif,  den sagenhaften Baumeister des salomonischen Tempels, sinnbildlich  dargestellt. Nachdem der Geselle das Vorbereitungsverfahren, die Reisen  mit einem Totenschädel um und über einen Sarg sowie das Gelöbnis hinter  sich gebracht hat, wird er symbolisch mit drei Hammerschlägen ‚getötet‘,  zu Boden geworfen und mit einem Tuch bedeckt. »Der Geselle erlebt die  Identifikation mit dem ‚Meister Hiram‘, dem vorbildlichen Menschen. Im  Grabe erfolgt die Läuterung; er wird vorbereitet auf die grosse  Wandlung. Abstreifen des alten Adam und Geburt des neuen Menschen«  (Binder, S. 204). Nachdem das neue Meisterwort gesucht, gefunden und dem  Liegenden ins Ohr geflüstert wurde, wird der Geselle ‚erhoben‘, d.h.  von einem Bruder ‚Fuss gegen Fuss‘, ‚Knie gegen Knie‘, ‚Brust gegen  Brust‘ aufgezogen und auf die Beine gestellt. Für Schenkel ist »die  Darstellung der Hiram Legende wohl das Wirkungsvollste und  Ergreifendste… im gesamten Umfang des maurerischen Kultus«. Diese  ganze ‚Meister Erhebung‘ ist voll von symbolischen Zeichen und  Handlungen, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Unter  anderem wird in der Meisterloge der fünfzackige Stern durch einen  sechseckigen ersetzt. In diesem dritten und letzten Grad der Johannis  Maurerei werden Themen wie ‚Angst vor dem Tod‘, ‚Überwindung des Todes‘,  ‚Wiedergeburt‘ und ‚Auferstehung‘ auf die freimaurerische Art und Weise  behandelt.

3. 4. Die Hochgradmaurerei

Die  Hochgradmaurerei baut auf den drei Graden der Johannis Maurerei auf. Sie  ist ein ‚Geheimnis‘ innerhalb des Ordens und darum entsprechend  umstritten. (Dazu Mellor, 392, Valmy, S. 35). Im folgenden sollen die  Grade des ‚Schottischen Ritus‘ (mit vollem Namen: ‚Alter und  Angenommener Schottischer Ritus‘) kurz vorgestellt werden. Dieser Ritus  ist weltweit am weitesten verbreitet und gilt als ‚Aristokratie der  Freimaurerei‘ (Mellor, S. 256).

«Den Hochgraden des Schottischen  Ritus ist traditionell der Apostel Andreas heilig, sie sind die  Andreasmaurerei. Hier herrscht die rote Farbe. Die Logen der  Hochgradfreimaurerei werden Ateliers genannt und bearbeiten die Grade  vom 4. bis zum 33. Sie unterstehen nicht der Verwaltung und Leitung, der  ‚Jurisdiktion‘ der Grossloge, sondern haben in jedem Staate ihre  eigene, selbständige ’souveräne‘ Oberbehörde… Die Mitglieder des  Schottischen Ritus… dürfen keinem Bruder, Lehrling, Gesellen oder  Meister davon Mitteilung machen, dass sie den Hochgraden angehören.  Nicht nur die Lehren und Riten der Schottischen Maurerei, sondern sogar  die Namen der Hochgradbrüder bleiben demnach dem Durchschnittsfreimaurer  unbekannt.

»Die Hochgrade sind ein Geheimnis innerhalb des Geheimbundes, ein dop¬peltes für die ‚profane‘ Aussenwelt« (Lerich, S. 24).

Wie  bereits erwähnt will der Schottische Ritus mit seinen 33 Graden (die  drei Grade der Johannis Maurerei mitgezählt) symbolisch die Entwicklung  der Menschheit durchwandern, wobei diese ganze Entwicklung in drei  Perioden eingeteilt wird: die ‚jüdisch architektonische‘, die ‚religiös  christliche‘ und die ‚freiheitlich aufgeklärte‘ Periode. Dabei werden  nicht alle diese Grade ‚rituell bearbeitet‘, sondern der Lehrgehalt wird  oft auch nur mündlich mitgeteilt. Nach Mellor (S. 393) werden heute in  Deutschland nur die Grade 4, 18, 30, 32 und 33 wirklich praktiziert. Es  ist möglich, dass eine wichtige Persönlichkeit bereits in einen hohen  Grad aufgenommen wird. In diesem Fall werden die unteren Grade durch  Mitteilung verliehen. In anderen Ländern sind die tatsächlich  praktizierten Grade zahlreicher. Die bei Lerich und Mellor angegebenen  Namen der Grade sind weitgehend identisch.

3.4.1. Die jüdisch architektonischen Grade

Die  jüdisch architektonischen Grade werden auch ‚Perfektionsgrade‘,  ‚Vervollkommnungsgrade‘ genannt. (Mellor, S. 292, 296, Lerich, S. 27)  Diese Erkenntnisperiode umfasst die Grade 4 bis 14. Ausser in den USA  werden nach Lerich in den meisten Ländern nur die Grade 4 und 13  ‚rituell bearbeitet‘.  Die Gradfolge lautet:

  1. °: Geheimer Meister. Nach Schenkel geht es hier wiederum um das The¬ma Tod als ‚Übergang von Traum zu Erwachen‘.
  2. °: Vollkommener Meister. Hier soll das Thema ‚Sünde und Gnade‘ zur Darstellung kommen. (Schenkel S. 91)
  3. °: Geheimer Sekretär. In diesem Grad geht es nach Schenkel um das Thema der ‚Hoffnung auf Unsterblichkeit‘. (Ebd. 92)
  4. °: Vorsteher und Richter.
  5. °: Intendant der Gebäude.
  6. °: Auserwählter Meister der Neun.

10.°: Erlauchter Auserwählter der Fünfzehn.

11.°: Erhabener Auserwählter Ritter.

12.°: Gross Architekt.

13.°: Meister des königlichen Gewölbes (Royal Arch).

14.°: Grosser Auserwählter Vollkommener und Erhabener Maurer.

«Der  wichtigste Grad der Vervollkommnungslogen ist die Erkenntnisstufe des  Königlichen Gewölbes, jenes Ateliers des 13. Grades, das dem Bau eines  Idealtempels dient, des zweiten Tempelbaues, der an Stelle des  salomonischen den der freimaurerischen Humanität setzt. Über allen  Wassern der Sintflut soll er stehen, welche die Erde vernichten können:  deshalb ruht sein Gewölbe auf neun hohen Strebepfeilern. Bausymbolik und  Bausage der Freimaurerei erreichen im 13. Grad ihren esoterischen  Höhepunkt… Es gibt keinen zeitlichen Anspruch auf die Einweihung in  die verschiedenen Erkenntnisstufen der Vervollkommnung, die in ihren  Lehren und Zeremonien, in ihrer Symbolik und Ritualistik in  verschiedenfältigster Weise, farbenprächtig in der Ausschmückung der  Logenräumlichkeiten, phantastisch in den Legenden, prunkvoll in den  Schürzen und Bändern, immer wieder das Thema vom symbolischen Bau der  Freimaurerei abwickeln« (Lerich S. 31 f.).

3.4.2. Die religiös christlichen Grade

Die  religiös christlichen Grade umfassen die Grade 15 bis 18 und werden  auch ‚Kapitelgrade‘ genannt. (Mellor, S. 393, Lerich, S. 32). Die  Rituale sollen die christliche Periode der Menschheitsgeschichte  versinnbildlichen, wobei die Kreuzzüge als Kulisse dienen. Nach Lerich  tritt hier nun die Aussenarbeit an die Stelle der Innenarbeit. Rituelle,  kultische Handlungen finden in der Regel nur noch einmal jährlich  statt. Der Inhalt der Arbeiten sind Debatten und Beschlussfassungen über  ganz reale Aktionen, Zielsetzungen und Pläne. Vorzüglich in der  romanischen Freimaurerei sind bereits die Kapitel politische Klubs.  (Lerich S. 32) In den übrigen Ländern geht es hauptsächlich um  Kulturpolitik.

Die Gradfolge lautet:

15.°: Ritter des Ostens oder des Schwertes.

16.°: Meister (oder Prinz) von Jerusalem.

17.° Ritter vom Osten und Westen.

18.° Ritter vom Rosenkreuz.

Wir  haben bereits darauf hingewiesen, dass hauptsächlich die Themen, Motive  und Symbole der Kapitellogen auf biblische, christliche Tradition  zurückgehen. Statt Christus steht nun aber der Mensch im Mittelpunkt. In  den meisten Ländern wird nur der 18. Grad ‚rituell bearbeitet‘. Für  Lerich ist der »Initiationsritus des Kapitels der Rosenkreuzer… einer  der schönsten der Freimaurerei« und eine der ’stärksten Kulthandlungen‘.  (S. 34) Erinnert sei an Motive wie: ‚vollkommene Hingabe‘, ‚INRI‘ (was  statt ‚Jesus Nazarenus Rex Judaeorum‘ ‚Igne Natura Renovatur Integra‘,  ‚durch das Feuer erneuert sich die Natur zur Gänze‘ bedeutet), das  ‚Kreuz‘, das ‚Abendmahl‘, der ‚gute Hirte‘ . (Dazu Lerich 34ff., Mellor  398ff.) Der ‚christlichen‘ folgt im Entwicklungsschema der Schottischen  Hochgrade eine weitere und offenbar ‚höchste‘ Periode der  Menschheitsgeschichte: die freiheitlich aufgeklärte Periode.

3.4.3. Die freiheitlich aufgeklärten Grade

Mit  den freiheitlich aufgeklärten Graden, die auch ‚philosophische Grade‘  genannt werden und die Grade 19 bis 30 umfassen, finden die kultisch  rituellen ‚Arbeiten‘ der Freimaurerei ihren Abschluss. (Lerich 36,  Mellor 393, 401) Die höheren Grade 31 bis 33 sind reine  ‚Verwaltungsgrade‘.

Die Gradfolge lautet:

19.°: Hoher Priester oder Erhabener Schotte (auch: Gross Pontifex).

20.°: Obermeister aller regulären (auch: symbolischen) Logen.

21.°: Noachit oder Preussischer Ritter.

22.°: Ritter der Königlichen Axt oder Prinz von Libanon.

23.°: Meister des Tabernakels oder des Allerheiligsten.

24.°: Obermeister oder Prinz des Tabernakels bzw. des Allerheiligsten.

25.°: Ritter der Ehernen Schlange.

26.°: Schottischer Trinitarier oder Prinz der Gnade.

27.°: Ritterkommandant oder Obermeister des Tempels.

28.°: Ritter der Sonne.

29.°: Grossschotte des heiligen Andreas.

30.°: Ritter Kadosch. (qadosch = hebr.: ‚heilig‘)

Die  meisten dieser Grade (vom 28. und vor allem vom 30. abgesehen) weden  nur ‚historisch‘, durch mündliche Mitteilung und Ausdeutung verliehen.  Den Inhalt stellt Lerich wie folgt dar: »Schon der 19. Grad, der des  ‚Gross Pontifex‘, der erste Areopag, lehrt… den Kampf gegen alle  völkischen und religiösen Werte, Gesetze, Ordnungen und Autoritäten. Er  lehrt den Kampf gegen ‚Unwissenheit‘, ‚Aberglaube‘, ‚Dogmatik‘ und  ‚Fanatismus‘ in jeder Form. Der ‚Grossmeister aller symbolischen Logen‘,  der 20. Grad, bedeutet esoterisch das Streben des Hochgradfreimaurers  zur höchsten ‚Meisterschaft‘. Exoterisch bedeutet er, dass bereits diese  Erkenntnisstufe über die ganze Johannisfreimaurerei souverän ist. Der  21. Grad gibt die Würde des ‚Noachiten oder preussischen Ritters‘. Seine  Lehre preist die von den Ideen der Freimaurer gelenkte Volksherrschaft,  verwirft die Despotie der Massen, die auf völlige Anarchie ausgeht. Der  ‚Ritter der königlichen Axt’… verpflichtet sich, für das Los der  arbeitenden Klassen zu kämpfen… Der 23. und 24. Grad, der ‚Chef des  Tabernakels‘ und der ‚Prinz des Tabernakels‘ müssen die Volksrechte zu  erkennen und nach aussen hin zu vertreten trachten. Der ‚Ritter der  ehernen Schlange’… übernimmt die Verpflichtung zur Heilung der  sozialen Schäden in der menschlichen Gemeinschaft. Ihm folgt der ‚Prinz  der Gnade‘, der jede einzelne Religion zu überwinden hat, indem er die  in allen Religionen enthaltenen Wahrheiten zu einer Überreligion  zusammenfasst. Der ‚Ritterkommandeur des Tempels‘ und der ‚Ritter der  Sonne’… haben bereits alle Stadien religiöser Zweifel hinter sich und  stehen auf der Stufe einer über alle ‚Dogmatik‘, alle ‚Vorurteile‘  erhabenen Ethik und Weltanschauung. Der Würdenträger des 29. Grades, des  letzten Areopages vor der völligen Einweihung, der ‚Großschotte des  heiligen Andreas‘, gelobt, alle freimaurerischen Grundsätze und  Pflichten zum Wohl der Menschheit im kulturellen und sozialen Sinne zu  verwirklichen.«

Auf den 30. Grad, den ‚Vergeltungsgrad‘, in dessen  Initiationsritus unter anderem die drei Degenstiche gegen Papstkrone,  Königkrone und Bürgerkrone zu führen sowie die drei Säulen des Tempels  (Weisheit, Schönheit, Stärke) umzuwerfen sind, sind wir bereits zu  sprechen gekommen. (Pkt. 1.3.5 und 1.6.2) Diese Ausführungen seien durch  ein Zitat aus Mellor (S. 404) ergänzt: «Der Kadosch Ritter ist der 30.  Grad innerhalb der Schottischen Reihe und praktisch der  höchsterreichbare, denn die Folgegrade sind ‚administrativer‘ Art. Sein  Studium ist daher von besonderer Bedeutung.   Der philosophische  Symbolismus des Grades besteht wesentlich im Ritual des Ersteigens einer  geheimnisvollen Leiter, deren sieben Stufen die sieben freien Künste  bezeichnen. Nec plus ultra (Und nichts darüber hinaus). Die oberste  Stufe zeigt an, dass der Kandidat die Höhe der freimaurerischen  Einweihung erreicht hat. Dieser Ritus und einige andere Teile des  Rituals… beinhalten jedoch nicht das Wesen des Grades. Dieses besteht  vielmehr in seinem Charakter als Vergeltungsgrad. Die Ehrsucht, die  Unwissenheit und der Fanatismus, das sind die drei infamen Feinde des  Ordens, die es ohne Unterlass zu bekämpfen gilt   so wird der Kandidat  unterrichtet. Das Zeichen des Grades ist ein Dolch, und das Heilige Wort  lautet ‚Nekam‘ (hebr.: Vergeltung). Die Vergeltung, um die es sich hier  handelt, ist symbolisch die des Templerordens auf Grund der Ermordung  seines Grossmeisters Jacques de Molay durch ‚zwei Verächtliche‘. Damit  sind Papst Clemens V. und König Philipp der Schöne gemeint«.

Der  Wortlaut des Gelöbnisses macht deutlich, dass es um den bedingungslosen  Kampf um individuelle Glaubens  und Gewissensfreiheit geht.

»(Man  zeigt auf den Totenschädel mit der Königskrone): ‚Unter keinem wie immer  gearteten Vorwand werde ich jemals einen Kompromiss irgendwelcher Art  mit einer Regierung eingehen, welche der Despotismus die Rechte des  Individuums missachten lässt.‘

(Man zeigt auf den Totenkopf,  welcher die Tiara trägt): ‚Unter keinem wie auch immer gearteten Vorwand  werde ich jemals einen Kompromiss irgendwelcher Art mit einer  geistlichen Gewalt eingehen, welche das Gewissen und die Freiheit des  Denkens in Fesseln legt und welche den aufrichtigen Zweifel und den  ehrlichen Glauben als Verbrechen brandmarkt .. …. Ich gelobe, niemals  einer zivilen oder religiösen Gesellschaft anzugehören, welche die  Freimaurerei bekämpft’« (zit. in Mellor, S. 411).

3.4.4. Die administrativen Grade

Die Gradfolge der Verwaltunsgrade lautet:

31.°: Grossrichter oder Grossinspektor Inquisitor Kommandeur.

32.°: Meister des königlichen Geheimnisses.

33.°: Souveräner General Grossinspekteur.

«In  den obersten Räten hat die Aktivistik der Freimaurerei ihre reinste und  restlose Verkörperung gefunden, ist Exoterik vollständig an die Stelle  der Esoterik, die Außenarbeit vollständig an die Stelle der Innenarbeit  getreten. Sie sind die eigentlichen und innersten Aktionszentren des  Weltlogentums. (Lerich, 1937, S. 50)

3.5. Vergleich

Im  Gegensatz zur Freimaurerei gibt es zur Aufnahme in die Gemeinde Christi,  so wie wir sie verstehen, keine besonderen Aufnahmevoraussetzungen und  kein menschliches Prüfungsverfahren. Jeder ist willkommen   wirklich  unabhängig von allen menschlichen Kriterien. Die Aufnahme ist Sache  einer persönlichen Beziehung zwischen der Person und Christus, der  Umkehr und der Annahme des Absolutheitsanspruches Christi. Die  Freimaurerei hingegen lehnt den Absolutheitsanspruch Christi ab und  setzt an seine Stelle die kompromisslose Glaubens  und Gewissensfreiheit  des Menschen. Ich bin davon überzeugt, dass auch Christus jedem diese  Glaubens  und Gewissensfreiheit lässt. Nur hat sie ihrerseits eine  höchst relative Bedeutung. Durch sie finden wir nicht zum ‚Licht‘, zum  ‚Heil‘ etc. Die Freimaurerei hingegen erweckt den Eindruck, als könne  der Mensch allein zum Licht finden, als könne der Mensch den Menschen  ‚auferwecken‘ und ‚erheben‘, als könne der Mensch selbst der ‚gute  Hirte‘ des Menschen und der ganzen Menschheit sein.

4. Auseinandersetzungen, Kämpfe

Die  Freimaurerei war seit ihrer Gründung von einer Vielfalt von  Auseinandersetzungen begleitet, von denen nur die externen allgemein  bekannt sind. Mit grosser Wahrscheinlichkeit hatten aber auch die  internen Auseinandersetzungen zumindest zeitweise einen grossen Einfluss  auf den Gang der Weltgeschichte. Ich denke zum Beispiel an die  Napoleonischen Kriege, in denen die Heere aller Beteiligten fast  ausschliesslich von Freimaurern geführt wurden. (Die Generale Napoleons  sowie Wellington, Blücher und Gneisenau waren Freimaurer.) Es ist meines  Wissens kaum erforscht, inwieweit unterschiedliche Auffassungen über  die ‚richtige‘ Art von Maurerei ‚profane‘ Auseinandersetzungen  beeinflussten. Im folgenden sollen die Ergebnisse der internen  Auseinandersetzungen kurz dargestellt werden , auf die externen  Auseinandersetzungen wollen wir etwas genauer eingehen.

4.1. Interne Auseinandersetzungen

Im  Werk von Mellor (Wiss. 1985) sind die wichtigsten internen  Auseinandersetzungen ausführlich und exakt dargestellt. Sie sind  ausserordentlich verwirrend und für Aussenstehende kaum verständlich.  Jedenfalls haben sich die heute weltweit am weitesten verbreiteten und  einflussreichsten Formen (Johannismaurerei und Schottische  Hochgradmaurerei, die kurz vorgestellt wurden) nur nach zum Teil harten  Kämpfen intern durchsetzen können. Demokraten standen gegen Royalisten,  Rationalisten gegen Esoteriker und Mystiker, Rosenkreuzer gegen ‚Anti  Rosenkreuzer‘, Christliche gegen Humanitäre, Theisten gegen Atheisten,  Kirchentreue gegen Antiklerikale

Am grössten ist heute noch der  Gegensatz zwischen angelsächsischer und romanischer Freimaurerei.  Während in England Kirche und Krone für die Freimaurerei gewonnen werden  konnten, hat sich in Frankreich die Freimaurerei antiklerikal und  republikanisch entwickelt. Im Jahre 1877 strichen die französischen  Freimaurer unter Leitung des ehemaligen Pastors F. Desmons den Artikel 1  der Konstitution, der den Glauben an die Existenz Gottes und die  Unsterblichkeit der Seele fordert. So wurde der ‚Grand Orient de France‘  zur ‚irregulären‘ Freimaurerei.

4.1.1. Reguläre und irreguläre Freimaurereien

Mellor  schreibt zum Thema der ‚Regularität‘: »Der Begriff der Regularität kann  zweierlei bedeuten: Regularität des Ursprungs und Regularität der  Prinzipien.   Regulären Ursprungs ist eine Obödienz, oder innerhalb  einer Obödienz eine Loge, die legal konstituiert worden ist. Nach dem  englischen Grundsatz ist eine neu konstituierte Grossloge dann regulären  Ursprungs, wenn sie entweder durch eine andere reguläre Grossloge oder  aber durch drei reguläre Logen gegründet worden ist.   Dennoch kann eine  Obödienz irregulär werden. Wenn sie eine oder mehrere der wesentlichen  freimaurerischen Voraussetzungen nicht erfüllt, verfällt sie der  Profanation. Sie verliert ihre freimaurerische Qualität. Als Beispiel  wird hier häufig auf den Grand Orient de France hingewiesen, der 1877  den Begriff des ‚Allmächtigen Baumeisters aller Welten‘ aus seinen  Konstitutionen gestrichen hat und damit durch Preisgabe der wichtigsten  Landmarke in der Perspektive der gesamten regulären Freimaurerei zu  einer Pseudo Maurerei geworden ist, die mit der regulären Kunst nur den  Namen gemein hat. Die Regularität im Grundsätzlichen ist also der  juristische Status, der durch die Anerkennung eben dieser Grundsätze  erworben und bewahrt wird» (Mellor, S. 67).

Mellor unterscheidet  sieben reguläre Freimaurereien: die englische, die amerikanische, die  französische Freimaurerei (Grande Loge Nationale Francaise), die  deutsche, österreichische, skandinavische und die holländische  Freimaurerei. Dabei bestehen zwischen diesen Freimaurereien zum Teil  grosse Unterschiede in der Lehrart, und es ist keineswegs so, dass sich  alle wechselseitig anerkennen und ‚brüderliche Beziehungen‘  aufrechterhalten. So gibt es zum Beispiel ‚Obödienzien‘, die von der  Vereinigten Grossloge Englands (UGL) nicht anerkannt, von der Grossloge  des Staates New York anerkannt sind. Andere werden von der Grossloge des  Staates New York nicht anerkannt, von der UGL Englands aber anerkannt.  (Mellor S.68ff.) Als reguläre Maurereien gelten in der Regel auch die in  verschiedenen Ländern und zu verschiedenen Zeiten besonders blühenden  ‚Sonderlogen‘: Akademikerlogen, Feld , Forschungs , Kaufmanns ,  Kriegsgefangenen , Militär , Regiments , Residenz , Seelsorger ,  Universitätslogen u.a.m. (S. dazu Binder, S. 220)

4.1.2. Lehrarten und Hochgradsysteme

Im Verlauf der Geschichte der Freimaurerei kam es oft zu schwärmeri¬schen Gründungen und phantastischen Lehren (Valmy, 35ff.).

Das  Werk von Brodbeck gibt einen Überblick über die heute noch bestehenden  freimaurerischen Systeme und ähnlichen Organisationen. In den USA von  nicht unerheblicher Bedeutung und jüngst auch im deutschsprechenden Raum  Europas ist der »Alte Arabische Orden der Edlen vom Mystischen Schrein»  (= »Shriners«). Sämtliche Zugehörige verstehen sich als Hochgradmaurer  (Prantner Kath. 1989 16).

4.1.3. Freimaurerähnliche Organisationen und ‚Sekten‘

Von  Brodbeck sind die folgenden ‚freimaurerähnlichen Organisationen‘  dargestellt: Die Ritterorden (die Johanniter, die Tempelritter, der  deutsche Ritterorden), die heilige Feme, das Haberfeldtreiben, der Odd  Fellow Orden. der Rosenkreuzorden, der Illuminatenorden, der  Martinsorden, der orientalische Templerorden, der Gralsorden, der  Druidenorden, der Guttemplerorden, der Rechabiterorden, die asiatischen  Brüder, der Alchemistenorden, Les Compagnons. Daneben gibt es nach  Mellor freimaurerische ‚Sekten‘, die sich zum Teil bewusst dem Okkulten  zuwenden, und vor denen die Freimaurerei selbst warnt: »Jede Hinwendung  zum Okkulten führt tiefer hinein in den Okkultismus. Dies ist ein  Lebensgesetz aller geheimen Gesellschaften, ebenso wie auch der  initiatorischen Vereinigungen, die sich nicht als geheim bezeichnen. Es  ist durch nur zu gut bekannte Gründe zu erklären: enttäuschte Neugier,  Eitelkeit, Verlangen nach dem Mysterium, Stolz darauf, den Eingeweihten  spielen zu können. Diejenigen, die heute diese menschlichen Schwächen  missbrauchen, erfinden zwar keine neuen Hochgrade mehr, fahren aber  fort, Vereinigungen freimaurerischer Art ausserhalb der Freimaurerei ins  Leben zu rufen, indem sie sich dieser als eines Auswahlzentrums  bedienen und häufig von den Adepten (Adept = in eine geheime Lehre  Eingeweihter) verlangen, dass sie Eingeweihte in freimaurerischen  Hochgraden sein müssen« (Mellor, 451).

4.2. Externe Auseinandersetzungen

«Die  Freimaurerei vertrug sich nie und nirgendwo mit Absolutismen und  Totalitarismen. Überall dort, wo jemand die letzte Wahrheit zu besitzen  wähnte und beanspruchte, kam es zu Konfliktsituationen, weil diesem  jemand der maurerische Toleranzgedanke grundsätzlich unerträglich  scheinen musste.» (Zendralli, S. 8) In der Geschichte dieser externen  Auseinandersetzungen stellen sich die Freimaurer gern als die Märtyrer  für Freiheit und Fortschritt hin, den Gegnern erscheinen sie als  Verschwörer und Zerstörer jeder Ordnung. Über diese  ‚Verschwörungstheorien‘ siehe Rogalla von Bieberstein.

4.2. 1. Der Absolutismus

Die  Ereignisse der Französischen Revolution können wohl kaum als das  bewusste oder gar geplante Werk der Freimaurer bezeichnet werden. Die  Revolution hat vielmehr eine völlig unkontrollierte Eigendynamik  entfaltet, die zeitweise für alle Beteiligten gefährlich wurde. Dennoch  haben Freimaurer bei der Bekämpfung des (französischen) Absolutismus  eine bedeutende, wenn nicht massgebende Rolle gespielt. Das sollen  einige Auszüge aus einem Artikel von Hess in der Zeitschrift ‚Alpina‘  (1989 Nr. 6/7 S. 162ff.) verdeutlichen. »Frankreich besass am Vorabend  der Revolution 70’000 Freimaurer, fast doppelt so viele wie heute bei  halb so grosser Bevölkerung (26 Millionen). Die über 600 Logen hatten  einen bedeutenden Einfluss. Von den drei grossen Aufklärern war zwar nur  einer, Montesquieu, der Vordenker der Gewaltentrennung, früh Freimaurer  geworden. Rousseau, der Prophet der Gleichheit, hat nie dem Bund  angehört, und Voltaire, der Kämpfer gegen Unrecht und Willkür, wurde  erst im Jahre seines Todes in die Loge ‚Les neuf Soeurs‘ aufgenommen.  Auch die Enzyklopädisten Diderot und Dalembert waren keine Maurer, wohl  aber zahlreiche Aufklärer der zweiten Garnitur: Helvetius, Marmontel,  Chamfort, Condorcet, Beaumarchais, der Baron Holbach.« (Hess,1989, S.  162). Im Frühjahr 1789 versammelten sich die drei Generalstände Adel,  Klerus und dritter Stand. »Von den 578 Abgeordneten des dritten Standes  sind 477 Freimaurer. Die grosse Mehrheit von ihnen will Reformen, will  eine konstitutionelle Monarchie.» (S.163) Nach dem Sturm auf die  Bastille legen Adel und Klerus auf Antrag der Freimaurer Duc d’Aiguillon  und Vicomte de Noailles ‚freiwillig‘ sämtliche Privilegien nieder.  (164) Am 26. August verabschiedet die Versammlung auf Antrag der  Freimaurer Lafayette, Mirabeau und Sieyès die berühmte ‚Erklärung der  Rechte eines Menschen und Bürgers‘. «Sie setzt die uns heute  selbstverständlichen Menschenrechte fest: ‚Jeder Mensch ist frei geboren  und bleibt frei. Keine Autorität kann ausgeübt werden, die nicht vom  Volk ausgeht.‘ 26 kurze Artikel verkünden die Sicherheit der Person,  Glaubens- und Gewissensfreiheit, Pressefreiheit, Schutz vor behördlicher  Willkür und vor Festnahme.« (164) «Erstmals spielt eine neue Macht in  der Politik mit, die öffentliche Meinung.» (165) Die weitere Entwicklung  spaltet die Freimaurer: ~»Einige Freimaurer wie Desmoulins, Danton,  Marat trieben die Radikalisierung immer weiter; anderen wie Lafayette,  Bailly, Mirabeau ging die Revolution bald zu weit.« (165) Robespierre  war nie Freimaurer, wohl aber noch verschiedene andere Persönlichkeiten  der Revolution, wie zum Beispiel Rouget de Lisle, der Komponist der  Marseillaise und der Arzt Guillotin, der »eine humanere  Exekutionsmethode und die ‚Gleichheit vor dem Schafott’» forderte. (168)  Nach ihm wurde die Guillotine benannt. »Nur noch wenige Freimaurer sind  unter den ‚Königsmördern‘: Fouchä, Cauthon, Danton, Marat und   der  Vetter des Königs, Philippe d’Orléans, Grossmeister des Grand Orient,  der sich jetzt Citoyen Philippe Egalité nennt.« (167) Unter den  Anführern royalistischer Aufstände finden sich Freimaurer: Stofflet,  Savare, Charette, Scepetaux. Von den drei Führern des  ‚Wohlfahrtsausschusses‘ des Revolutionstribunals (Robespierre, St. Just  und Couthon) ist nur Couthon Freimaurer. (168) »Eine zunehmende  Dechristianisation (Entchristlichung) findet statt, bei welcher sich  Bruder Chaumette auszeichnet; der christliche Kalender wird abgeschafft,  der ‚Kult des höchsten Wesens‘ inauguriert (eingeführt) , der Altar der  Vernunft errichtet.« (168)

Zusammenfassend kann gesagt werden:  Freimaurer haben die Revolution inszeniert und angeführt. Aber die  Revolution hat ‚die Brüder getrennt‘ und schliesslich fast alle  Freimaurer vernichtet. Die Freimaurer sind nicht die Sieger, sondern die  Opfer der Revolution. Dennoch ist wohl eindeutig, dass der Geist der  Freimaurerei den Absolutismus besiegt hat.

4.2.2. Die Katholische Kirche

Die  Auseinandersetzung zwischen Freimaurerei und Katholizismus hat das  kulturelle und politische Leben Europas vor allem im letzten Jahrhundert  (‚Kulturkampf‘) wesentlich geprägt. Sie ist schon mehrfach ausführlich  dargestellt worden. (Siehe zum Beispiel Binder (Wissenschaftler,1988  56ff.), Conzemius (Kath. 1984 30ff.), Seydel (FM 1862), Valmy (FM 1988  64ff.) und die bei diesen Autoren angegebene Literatur.)

«Was die  Freimaurerei ablehnt, ist die politische Herrschaft des Klerikalismus  und den Anspruch der Päpste auf beherrschenden Einfluss auch in allen  kulturellen Fragen, weil sich daraus schwere Hemmungen für den  menschlichen Fortschritt und die freie Geistesentwicklung ergeben  haben.» (Schenkel, 1926, S.171) Die Freimaurer bekämpfen nicht die  Katholiken, sondern den Absolutheitsanspruch der römisch katholischen  Kirche , »weil Rom behauptet, die alleinseligmachende Kirche zu sein,  die über Wahrheit und Vergebung autonom verfügt und sich als sichtbare  Stellvertretung Gottes betrachtet.« (Böni, S. 68)

Die Antwort der  katholischen Kirche auf die Herausforderung durch die Freimaurerei liess  nicht lange auf sich warten. »Die erste Verurteilung wurde 1738 von  Papst Clemens XII. ausgesprochen in der Bulle ‚In eminenti‘. Benedikt X.  bestätigte dieses Verdikt in der Bulle ‚Providas‘ (1751). Zwischen 1738  und 1918 wurden über 12 Verbote in päpstlichen Bullen gegen die  Freimaurerei gefällt.« (Conzemius, Kath., 1984, 30) Schenkel kommentiert  die Bestimmungen gegen die Freimaurer im kirchlichen Gesetzbuch von  1917 (Codex juris canonici) wie folgt: »Nicht nur ist den Maurern der  Eintritt in kirchliche Orden und religiöse Vereinigungen  verschlossen…. sondern die Freimaurer werden als solche  exkommuniziert, Geistliche und Ordensleute, die Freimaurer wären,  verlieren ihre Stellung und werden in besondere Strafe genommen. Dem  Freimaurer ist die kirchliche Trauung versagt. Selbst der Tod löscht die  Feindschaft nicht aus. Noch der Leichnam des Freimaurers ist ein  Gegenstand des Hasses und Abscheus. Er darf nicht kirchlich beerdigt  werden, und wenn dies versehentlich doch geschehen ist, so soll sein  Leichnam… wieder ausgegraben und an ungeweihter Stätte vergraben  werden. Der treue Sohn der Kirche aber darf sich nicht einmal sachlich  über Ziel und Zweck der Freimaurerei… unterrichten; auch das ist ihm  ausdrücklich untersagt« (Schenkel, S. 171).

Die katholischen  Gegenmaßnahmen hatten nur eine beschränkte Wirkung: «Päpstliche Bullen  kamen in jener Zeit nur dann zur rechtlichen Geltung, wenn sie von  staatlicher Seite registriert wurden. Das war in den protestantischen  Ländern von vornherein ausgeschlossen; außer in Spanien, Portugal und  Polen wurde die staatliche Genehmigung der päpstlichen Bulle in manchen  katholischen Ländern (z. B. Frankreich) verweigert. So kam es, dass hier  Katholiken. Laien und Kleriker, ungeachtet päpstlicher Bestimmungen,  der Freimaurerei beitraten. Unter den prominentesten Laien seien Mozart  und Haydn erwähnt, die Liste geistlicher Würdenträger ist lang.«  (Conzemius Kath. 1984 32) Im Werk von Taute (FM 1909) über ’die  katholische Geistlichkeit und die Freimaurerei‘ ist eine Liste mit den  Namen von über 500 katholischen Geistlichen und Würdenträgern enthalten,  die nachgewiesenermaßen Freimaurer waren. »1772 wird mit Lord Robert  Edward Petre ein Katholik Großmeister der englischen Grossloge… Gerade  katholische Länder sind zu starken Freimaurerzentren geworden.» (Im  Hof, Wiss. 1982, S. 1 66f.) In Italien rührten im letzten Jahrhundert  die revolutionären Umtriebe von geheimen Gesellschaften, die zum Teil  von Freimaurern gegründet wurden (z.B. die ‚Carbonari‘), an die  politische Existenz des Kirchenstaates. «Auf katholischer Seite brach  nach der Jahrhundertmitte eine antifreimaurerische Hysterie aus. Es  entstanden Zeitschriften und Verbände, um die Freimaurer zu entlarven…  Ihren Höhepunkt erreichte diese Hysterie im berüchtigten Leo Taxil  Schwindel (Deckname für Gabriel Jogand Pagès). Angeregt durch die  Antifreimaurerenzyklika Leos XIII. ‚Humanum genus‘ von 1884, hielt Taxil  die katholische Öffentlichkeit als angeblich bekehrter Freimaurer durch  seine Enthüllungen in Aufregung… 1887 empfing Leo XIII. Taxil…  Kurze Zeit darauf hat Taxil in Paris den Schwindel öffentlich  gestanden.» (Conzemius Kath. 1984, S. 33)

«Erst das 2.  Vatikanische Konzil brachte Bewegung in die erstarrten Fronten. Die  Erklärung des Konzils zur Religionsfreiheit und die sachliche  Auseinandersetzung des französischen Juristen Alec Mellor mit der  Geschichte der Freimaurerei schufen die Voraussetzungen für ein neues  Verhältnis… Im neuen kirchlichen Strafrecht wird der Kirchenstrafen  androhende Kanon 2335 nicht mehr erwähnt» (Conzemius Kath. 1984, S. 34).  Die Streichung dieses Strafen Kanons hat aber keine Klärung gebracht,  sondern eine Situation der Unsicherheit geschaffen: Die Position der  katholischen Kirche dem Geist des Relativismus und der Oekumene  gegenüber wurde unklar und widersprüchlich. So erklärte einerseits Josef  Kardinal Ratzinger in einer ‚Erklärung der Glaubenskongregation zur  Freimaurerei‘ vom 26.11.1983: «Das negative Urteil der Kirche über die  freimaurerischen Vereinigungen bleibt also unverändert.» Andererseits  wird dieses Urteil von wichtigen katholischen Persönlichkeiten in Frage  gestellt. So erklärte zum Beispiel Herbert Vorgrimler, Dekan der  katholischen theologischen Fakultät der Universität Münster, in einem  Interview mit dem Österreichischen Fernsehen (ORF 1990), Ratzinger  äussere in seinem Urteil über die Freimaurerei bloss seine persönlichen  Vorbehalte und Ängste in einer Materie, in der er offenkundig nicht  genug Bescheid wisse.

Wie dem auch sei: Die Streichung des  Strafartikels hat die Situation für die katholische Kirche nicht  erleichtert, sondern erschwert. Die Auseinandersetzung zwischen  ‚katholischem Absolutismus‘ und ‚freimaurerischem Relativismus‘ findet  nun nicht mehr zwischen Katholizismus und Freimaurerei, sondern in der  katholischen Kirche selbst statt! Dieser Kampf, der in der Schweiz heute  bei der umstrittenen Bischofswahl in Chur zum Ausdruck kommt, ist wohl  für alle katholischen Beteiligten ausserordentlich schmerzhaft. Bei  konservativen katholischen Autoren wie Adler (Kath. 1975, 1982, 1983),  Baum (1975, 1976, 1977), Feuling (1975), Rothkranz (1990) herrscht  Panikstimmung. Für sie steht ‚die Kirche im Endkampf‘ (Baum). Dabei  brauchen sie nicht nach ‚Verschwörern‘ im Vatikan selbst zu suchen,  »weil die Neu ‚Theologie‘ das Gedankengut der Freimaurerei freiwillig  übernommen hat und es nun aus dem Innersten der Kirche heraus zur  Geltung bringt.« (Feuling, Kath. 1975, S. 72)

4.2.3. Andere Kirchen Ablehnung

Die  Freimaurerei wird nicht nur von der katholischen, sondern auch von den  orthodoxen Kirchen abgelehnt. »Die Bischöfe der griechisch orthodoxen  Kirche untersuchten am 12. Oktober 1933 das Verhältnis der Freimaurerei  zum Christentum und kamen zum vernichtenden Urteil: „Die Freimaurerei  ist eine Mysterienreligion, sie ist vom christlichen Glauben völlig  verschieden, ihm entgegengesetzt und fremd.“ Sie kann mit dem  Christentum nicht in Übereinstimmung gebracht werden. Den Geistlichen  und Laien ist die Mitgliedschaft in Logen verboten. Tritt ein  Geistlicher einer Loge bei, wird er aus dem Klerus entlassen.» (Bauhofer  FM 1975, S. 22f.)

»Ferner haben sich gegen die Freimaurerei  formell ausgesprochen: die kalvinistische Kirche in den USA, die  reformierte niederländische Kirche in Südafrika (1940 und 1967), die  Adventisten und die Zeugen Jehovas.» (Bauhofer FM 1975 23) In  protestantischen Ländern wurde die Freimaurerei anfänglich zum Teil  verboten, die meisten protestantischen Kirchen kamen aber mit der Zeit  zu einer neutralen oder positiven Haltung. So verboten die Regierung von  Holland 1735, die Regierung von Schweden 1736, diejenige von Hamburg  und Genf ebenfalls 1736 die Freimaurerei. (Hammer Prot. 1984, S. 26)  »Drei Jahre später erreichten die zwinglianischen Pfarrer Zürichs  dasselbe Verbot.« (Bauhofer FM 1975, S. 22) »König Friedrich von  Schweden aus dem Hause Hessen Kassel verbot die Freimaurerei zunächst  sogar bei Todesstrafe, stellte sich freilich später, dem preussischen  Beispiel des grossen Friedrich II. folgend, an deren Spitze.» (Hammer  Prot. 1984, S. 26) Nach Binder gibt es auch heute noch   vor allem in  den Vereinigten Staaten   Gemeinden calvinistischen und lutheranischen  Ursprungs, die sich gegen Mitgliedschaften aussprechen und ihren  Mitgliedern mit Sanktionen im Falle einer Logenzugehörigkeit drohen.  Ähnliche Beschlüsse weisen auch presbyterianische Gemeinden in  Schottland und Irland auf«. Zudem wird die Freimaurerei nach Schenkel  «in den pietistischen und orthodoxen Kreisen bekämpft«. Gesamthaft lässt  sich sagen, «dass die Beziehungen der evangelischen Kirchen zur  Freimaurerei ebenso vielfältig wechselnd wie gespalten waren und noch  sind.» (Hammer, 1984, S.26)

Übrigens: Auch im Einzugsbereich  anderer Religionen, besonders im Islam, wurde die Freimaurerei verboten.  »Im ausserchristlichen Raum wurde der Sultan durch eifrige Muselmanen  zu einem Verbot der ’neuen Sekte‘ überredet.« (Bauhofer, 1975, S. 22).  Zu einem Erfolg der Freimaurerei gegenüber dem islamischen  Fundamentalismus kam es 1923 in der Türkei. Kemal Atatürk, der ‚Vater  der modernen Türkei‘, war Freimaurer. (Oslo,1988, S.404)

Neutralität

»Die  Methodisten, Baptisten, Presbyterianer und Episkopale haben nie  Einwände gegen die Freimaurerei erhoben… Die altkatholischen  Nationalkir¬chen haben weder in der Konvention von Utrecht 1889, noch  anlässlich der Interkommunion mit der anglikanischen Kirche 1932, noch  in ihrer Literatur sich mit der Freimaurerei auseinandergesetzt.»  (Bauhofer, 1975, S. 23) In letzter Zeit ist auch die Haltung der  Anglikanischen Kirche wieder etwas zurückhaltender. Denn: »1984 häuften  sich   im Zuge einer breit angelegten Freimaurerdebatte in  Grossbritannien   negative Stimmen, wobei auch seitens der Church of  England und der Unitarischen Kirche gewisse Bedenken gegenüber der  Bruderschaft erhoben wurden.« (Binder, 1988, S. 103).

Zustimmung

»In  England, Schweden, Preussen und den meisten überwiegend  protestantischen deutschen Bundesstaaten hat schon die Teilnahme der  Fürsten am Logenleben ein friedliches Verhältnis nahegelegt. Von seiten  der Freimaurerei ist dieses friedliche Verhältnis nie und nirgends  gestört worden… Immer haben in Deutschland zahlreiche evangelische  Geistliche der Loge angehört. Viele Freimaurer waren und sind Mitglieder  kirchlicher Kollegien. Evangelische Geistliche nehmen als Redner,  Meister vom Stuhl, ja auch als Grossbeamte und selbst als Grossmeister  wichtige Stellen im deutschen Logenleben ein. Auf der Jahresversammlung  des Vereins deutscher Freimaurer 1925 wurden einige der wichtigsten  Beratungsgegenstände von Pfarrern vorgetragen. Die Gedankenwelt der  meisten deutschen Logen ist weithin dadurch bestimmt, dass die meisten  Mitglieder gebildete Protestanten sind.« (Schenkel, 1926,  S. 33f.)  Ähnliches kann von der evangelischen Kirche in Schweden sowie von der  Anglikanischen Kirche gesagt werden. Rund 100’000 Anglikaner sind  Mitglieder der Logen. Es gehören den Logen auch mehr als 17 Bischöfe und  über 500 Geistliche an. Selbst das ehemalige Kirchenoberhaupt,  Erzbischof Fisher von Canterbury, war Logenmitglied. (Bauhofer, 1975, S.  23) In Deutschland und England war es unter Umständen sogar möglich,  dass Logen praktisch identisch waren mit einem Bund der Theologen! In  der Schweiz war meines Wissens die Freimaurerei nie einem solchen  Ausmass geistiger Beeinflussung ausgesetzt, wenngleich es nie an  Pfarrern als Mitglieder von Bauhütten fehlte. So war zum Beispiel der  langjährige Grossmeister der ‚Alpina‘, J. Böni, Pfarrer. Zudem waren  beispielsweise Liederdichter wie Matthias Claudius, Friedrich Gottlob  Klopstock und Friedrich Rückert, deren Lieder heute noch in der  Landeskirche gesungen werden, Freimaurer. (Schenkel, S. 33)

Trotz  der grundsätzlichen Zustimmung kam es auch in den erwähnten  Landeskirchen zu Auseinandersetzungen über die Freimaurerei und ihre  enge Verflechtung mit der Kirche. Die schwerste dieser  Auseinandersetzungen wurde vom Berliner Theologieprofessor und Begründer  der ‚Evangelischen Kirchenzeitung‘ Ernst Wilhelm Hengstenberg  initiiert. In seinem dreiteiligen Werk ‚Die Freimaurerei und das  evangelische Pfarramt‘ (Berlin 1854 und 1855) forderte er, evangelischen  Geistlichen sei die Mitgliedschaft in den Logen zu verunmöglichen. (S.  dazu Schenkel S. 34f.) Den freimaurerischen Standpunkt vertrat in dieser  Auseinandersetzung hauptsächlich der evangelische Geistliche G.A.  Schiffmann, ‚Archidiaconus‘ an St. Jacobi in Stettin sowie  freimaurerischer ‚Provinzial Grossmeister‘ für Posen und  ‚Unterarchitekt‘ des Ordens. (Stettin 1857) Der Streit wurde  schliesslich weniger durch Argumente entschieden, als durch den Umstand,  dass der damalige Prinz Wilhelm, der spätere deutsche Kaiser Wilhelm  I., Freimaurer war. (Schenkel, S. 35)

Schenkel (Ebd. 170) fasst  die kirchengeschichtliche Bedeutung der Freimaurerei aus seiner Sicht  wie folgt zusammen: »Die kirchengeschichtliche Bedeutung der  Freimaurerei liegt in ihrem Gegensatz gegen den römischen Klerikalismus,  in der Ablehnung des materialistischen Atheismus und dem Festhalten an  dem theistischen Idealismus, endlich aber darin, dass sie die einzige  grosse und festgefügte Organisation ist, deren Geist im allgemeinen der  liberal protestantischen Lebensauffassung entspricht.«

4.2.4. Totalitarismus

Zum  Thema ‚Freimaurerei im Zeitalter des Totalitarismus‘ siehe besonders  den Aufsatz von Kreis (1984, S. 19ff.) und die darin angegebene  Literatur. Die Freimaurerei wurde verboten: 1917 in Russland, 1919 in  Ungarn, 1925 in Italien, 1934/35 in Deutschland, 1938 in Österreich und  1940 im besiegten Frankreich, zudem in Portugal unter Salazar und in  Spanien unter Franco. In der Schweiz lancierten 1934 Frontisten eine  Volksinitiative zum Verbot der Freimaurerei. Diese Volksinitiative wurde  vom Nationalrat mit 107:2, vom Ständerat mit 22:0 und vom Volk am  28.11.1937 mit 68,7% der Stimmen abgelehnt. (S. dazu Kreis, 1984,20ff.  sowie Herren,1981, S. 215ff.)

Kommunismus

»1922 wurde auf  dem vierten Kongress der Kommunistischen Internationale die Freimaurerei  als politische Organisation der Bourgeoisie gebrandmarkt und  gleichzeitig eine Mitgliedschaft für Kommunisten als unvereinbar  deklariert, während die Freimaurerei Fidel Castros Revolution auf Cuba  überlebte.» (Binder) Das Urteil der orthodoxen Kommunisten und Marxisten  Leninisten über die Freimaurerei kommt im folgenden Zitat Leo Trotzkis  (1923 im Moskauer Regierungsorgan ‚Iswestija‘ wohl treffend zum  Ausdruck: »Sie ist die kapitalistische Feindin des Kommunismus; sie ist  rückständig wie die Kirche, der Katholizismus. Sie stumpft die Schärfe  des Klassenkampfes durch Mystizismus, Sentimentalität und moralischen  Formenkram ab… Mit glühenden Eisen müsste sie mit ihrer Gefolgschaft  ausgerottet werden, denn sie schwächt die Lehren des Kommunismus durch  ihre bürgerlichen Journalisten ab.» (Trotzki zit. in Oslo, S. 349)

Mit  den Umwälzungen im Ostblock erleben auch die Logen eine ’stille  Renaissance‘   Ende Januar 1990 wurde zum Beispiel in Ungarn, nach  vierzigjährigem Verbot, eine Loge wiederbelebt. (Ulmer Journ. 1990) Der  Absolutheitsanspruch einer einzigen Partei ist natürlich mit dem  freimaurerischen Credo ebensowenig vereinbar wie der  Absolutheitsanspruch einer einzelnen Rasse oder gar eines einzelnen  Volkes.

Nationalsozialismus

Das folgende Urteil Hitlers  über die Freimaurerei scheint mir sehr aufschlussreich zu sein: «Ich  glaube natürlich nicht im Ernst an die abgrundtiefe Bosheit und  Schädlichkeit dieser in Deutschland immer harmlos gewesenen Vereinigung.  Ich habe mir sehr genau Bericht erstatten lassen. Nun, was da von  angeblichen Greueln zutage kam, von Skeletten, Totenköpfen, Särgen und  geheimnisvollen Zeremonien, das ist alles Kinderschreck. Aber eins ist  das Gefährliche, und ist auch dasjenige, was ich von den Freimaurern  übernommen habe. Sie haben eine Lehre gebildet, die in Symbolen und  Riten stufenweise höhere Einsicht gewährt. Die Erziehung durch Symbole  und Riten ist das Gefährliche und Grosse und von mir Übernommene. Sehen  Sie nicht, dass unsere Partei etwas ganz ähnliches sein muss? Aber das  bedeutet natürlich, dass es nicht etwas Ähnliches von anderer Seite  geben darf. Entweder wir oder die Freimaurer oder die Kirche. Aber  niemals zwei nebeneinander. (Hitler zit. in Itor,1987, S. 64f.)

In  der Auseinandersetzung der Alliierten mit dem Nationalsozialismus  spielten nicht nur Worte und Panzer, sondern auch Symbole eine Rolle.  Der Handmagie Hitlers zum Beispiel (‚deutscher Gruss‘) setzte der  Freimaurer Winston Churchill die brennende Zigarre und das V Zeichen  entgegen. Das V Zeichen (Victory) soll Churchill von seinem Mentor in  Sachen Magie, dem Satanisten Aleister Crowley, übernommen haben. (Dazu  Memopress Nr. 2, S. 1982) Neben Winston Churchill waren noch andere  prominente Führer der Alliierten Freimaurer, so die amerikanischen  Präsidenten Franklin D. Roosevelt und Harry S. Truman. (Itor FM 1987 69)  Von den deutschen Freimaurern nahmen viele am aktiven und passiven  Widerstand teil; viele wurden ermordet. (Binder Wiss. 1988 79f.)

4.2.5. Zusammenfassung

Zusammenfassend  kann zum Thema ‚externe Auseinandersetzungen‘ gesagt werden: Der Geist  der Freimaurerei hat nicht nur den Absolutismus besiegt, sondern auch  den Nationalsozialismus und den Kommunismus. Die evangelischen Kirchen  hat er gespalten und zum Teil ganz beschlagnahmt, wobei der Hauptangriff  gegen die Waffe gerichtet ist, die die Reformatoren dem Katholizismus  entgegenhielten: das Wort. Seit dem zweiten vatikanischen Konzil wirkt  er innerhalb der katholischen Kirche.

5. Einfluss auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft

Die  Freimaurerei tritt gegen aussen nicht durch ihre Institutionen, Logen,  Grosslogen oder internationalen Vereinigungen in Erscheinung, sondern  will hauptsächlich über die einzelnen Mitglieder als individuelle  Persönlichkeiten Einfluss auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft nehmen.  Darum geht es in diesem Kapitel in erster Linie um eine  Zusammenstellung der Namen von Personen, die nachgewiesenermassen  Freimaurer waren. Dabei werden wohl einige Lücken offen bleiben, vor  allem was die Mitgliedschaft der heute noch lebenden Freimaurer angeht.  Jeder Freimaurer kann sich über seine eigene Mitgliedschaft offen  äussern, gleichzeitig hat er sich aber verpflichtet, nichts über die  Mitgliedschaft anderer auszusagen. So mag aber dennoch ein Mosaik  entstehen, das ein mehr oder weniger deutliches Bild über das Wirken der  Freimaurer und die Wirkung der Freimaurerei sichtbar macht.

Natürlich  sind auch die internationalen freimaurerischen Vereinigungen nicht ohne  Einfluss, von denen die drei wichtigsten ihren Sitz in der Schweiz  haben:   Die Internationale Maurerische Vereinigung (AMI) mit Sitz in  Genf hat die Grosslogen der Johannismaurerei als Mitglied.   In der  Allgemeinen Freimaurer Liga mit Sitz in Basel können alle Freimaurer als  Einzelpersonen Mitglied werden.   Die Lausanner Konföderation der  Hochgradfreimaurer gilt als das Aktionszentrum der sogenannten  ‚Weltfreimaurerei‘. (S. dazu auch: Blaubuch FM 1934, Lerich FM 1937  28f.) Auf die Aktionen dieser Vereinigungen kann in dieser Arbeit nicht  eingegangen werden, da wir über zuwenig zuverlässige Informationen  verfügen.

5. 1. Einfluss auf den Staat

Der Einfluss der  Freimaurerei auf den Staat hat sich vorerst in den einzelnen Ländern  sehr unterschiedlich gestaltet, bedingt durch «den verschiedenen  Volkscharakter, die Verschiedenheit der politischen Zustände und vor  allem durch die Verschiedenheit der kirchlichen und kulturellen  Verhältnisse.» (Schenkel, S. 30) Auf die einzelnen Länder soll im  folgenden kurz eingegangen werden. Im allgemeinen können wir sagen, dass  die Freimaurerei in den angelsächsischen sowie in anderen  protestantischen Ländern sehr bald zu einer staatsfreundlichen,  staatsbildenden und staatstragenden Macht wurde, während in den  romanischen und anderen katholischen Ländern bis zum Zeitpunkt der  allfälligen Machtübernahme ein antiklerikaler, kritisch bis  revolutionärer Einfluss ausgeübt wurde.

Seit ihrer Gründung hat  die Freimaurerei versucht, in den einzelnen Staaten ‚von oben‘ Einfluss  auszuüben und die obersten Machthaber für sich zu gewinnen. Das ist ihr  in manchen Ländern sehr bald gelungen.

5.1.1. Die konstitutionelle Monarchie

Zur  Zeit der Gründung waren die obersten Machthaber Monarchen. Im  umfassenden und aufschlussreichen Werk von Riegelmann (1943, Neudruck  1985) über ‚die europäischen Dynastien in ihrem Verhältnis zur  Freimaurerei‘ sind unter anderem übersichtliche ‚genealogische Tafeln‘  enthalten, wobei von jeder Person angegeben ist, in welchem Verhältnis  sie zur Freimaurerei stand (Mitglied, Freund, Gegner) und wie sich das  Verhältnis entwickelte. In England kam es schon früh zu einer ‚Identität  zwischen Dynastie und Freimaurerei‘. Riegelmann findet »in 225 Jahren  zwanzig Angehörige des englischen Königshauses als Mitglieder der  Freimaurerei vor und z.T. sogar mit höchsten maurerischen Würden  ausgestattet, darunter fünf britische Könige… Zugleich finden wir  keinen einzigen Gegner der Freimaurerei im englischen Königshause.»  (Ebd. 402f.) Hauptsächlich in England und durch England, später auch  durch die USA, machte die Freimaurerei Politik. Zeitweise war der  Einfluss über die Monarchen auch in Deutschland stark, und besonders  auch »die nordischen Dynastien sind mit sehr zahlreichen Angehörigen  aktiv der Freimaurerei verbunden.» (Ebd. 408)

Die Monarchen  versuchten in der Regel, sich der Freimaurerei als machtpolitisches  Instrument zu bedienen: Die Dynastie schafft sich in der Freimaurerei  ein politisches Instrument. Riegelmann zeigt, dass diese Rechnung im  Rückblick nicht aufgegangen ist. Umgekehrt: Die Freimaurerei hat sich  der Dynastien bedient. Manchen Monarchen war ‚die grundsätzlich  antimonarchische Einstellung der Freimaurerei‘ von Anfang an bewusst.  Daher »die so zahlreichen Verbote der Freimaurerei in den  verschiedensten monarchischen Staaten Europas im Wandel der Zeiten.«  (Ebd. 41.) In Deutschland und Dänemark entstanden ‚Antimassonianische  Sozietäten‘. «Hier bildet sich sozusagen erstmalig eine  antifreimaurerische Organisation rein aristokratischen Charakters bzw.  eine regelrechte Dynasten Bewegung gegen die als staatsfeindlich  erkannte Freimaurerei.« (Ebd. 411) Manche Freimaurer Monarchen haben  sich mit der Zeit selbst wieder von der Freimaurerei distanziert, so  auch Friedrich der Grosse, dessen Vater, Friedrich Wilhelm I., ein  ausgesprochener Feind der Freimaurerei war.

Der Rückblick zeigt  also, dass sich die Freimaurerei der monarchischen Dynastien nur bedient  hat, um ihr eigenes Programm durchzusetzen, das nicht monarchistisch  ist. Auf monarchistischem Boden ist die konstitutionelle Monarchie das  Ziel der Freimaurerei. Das war auch, wie wir gesehen haben, am Anfang  der Französischen Revolution so. (Hess FM 1989 163) Diejenigen  Monarchien und Dynastien aber, die sich nicht mit einer weitgehenden und  grundsätzlichen Relativierung ihres Herrschaftsbereiches haben abfinden  können, sind von der politischen Landkarte verschwunden. «Im Grunde  widerspricht die Existenz jeder Monarchie jeglicher freimaurerischen  Lehre, Haltung, Zielsetzung: der universal überstaatlich, inter  und  antinational gemeinte, empfundene und angewandte Satz von ‚Freiheit  Gleichheit Brüderlichkeit‘ bestreitet von vornherein jeder Dynastie,  jeder nationalen Monarchie wie überhaupt jedem eigenständigen und  ‚autoritären‘ Führertum das Daseinsrecht.« (Riegelmann, S.412).

5.1.2. Gewaltentrennung, demokratischer Rechtsstaat

Den  freimaurerischen Idealen entspricht auf politischer Ebene die Idee der  Gewaltentrennung und der Versuch, national und international einen  demokratischen Rechtsstaat zu bilden. Wenn es keine absolute Wahrheit  gibt, dann kann es auch niemanden geben, der ‚rechtmässig‘  uneingeschränkt Macht ausüben kann. Jeder menschlichen Machtausübung ist  zu misstrauen, und jede Gewalt muss durch eine andere Gewalt  kontrolliert werden und notfalls in die Schranken gewiesen werden  können. Charles Louis de Secondant, Baron de la Brède et de Montesquieu  (1689 1755) war Freimaurer und «Mitbegründer einer der ersten  französischen Logen». (Oslo, S.406) Montesquieu gilt bekanntlich als  Vordenker der Gewaltentrennung und als einer der Begründer des  demokratischen Rechtsstaates. Nach seiner Vorstellung der  Gewaltentrennung in Legislative, Exekutive und Judikative sind die USA,  die Schweiz und andere Länder politisch organisiert. Heute spielen die  Medien als sog. 4. politische Kraft eine immer wichtigere Rolle.

Das  Wesen des demokratischen Rechtsstaates besteht darin, dass alles  staatliche Handeln nur innerhalb und aufgrund von Gesetzen erfolgen  soll, die in einem demokratischen Verfahren zustande gekommen sind.  Nicht Gott stiftet jetzt mehr die Gesetze, und es geht nun auch nicht  mehr nur um ein Volk. Der Mensch gibt sich die eigenen Gesetze selbst.  Jedes Volk soll sich seine eigenen Gesetze selbst geben. Es kommt nun zu  einer neuen Art von Gesetzlichkeit‘: der Mensch erwartet Ruhe, Ordnung,  Sicherheit etc. aufgrund der selbst gegebenen Gesetze, und er  verzichtet auf Selbstjustiz zugunsten der gemeinsamen Justiz. Die  Einübung in diese rechtsstaatliche Art sittlichen Verhaltens wird heute  noch oft in den ‚Western‘ dargestellt: Der ‚Wilde Westen‘ wird  zivilisiert, indem der wirklich ‚Gute‘ den Bösewicht nicht umbringt,  sondern einem ordentlichen Gericht übergibt.

5.1.3. Einzelne Länder

Im  folgenden sollen die wichtigsten Staatsmänner der einzelnen Länder, die  Freimaurer waren, genannt werden. Die Persönlichkeiten aus Wirtschaft  und Gesellschaft werden in den nächsten Abschnitten aufgeführt.

Grossbritannien:

«Der  Einfluss der Freimaurerei in England ist kaum abzuschätzen. Wenn man  alle berühmten Freimaurer Englands, Schottlands und Irlands aufzählen  wollte, hiesse das, eine Geschichte dieser Länder seit bald dreihundert  Jahren in ihrem Verlauf auf allen Gebieten darzulegen. Darunter sind  fünf Könige und viele ihrer Brüder und nächsten Verwandten, die  Politiker von Lord Chesterfield bis Winston Churchill; das Heer und die  Flotte sind durch Männer wie Wellington, Kitchener, Haig und viele  andere vertreten.» (Naudon,1982, S. 58) Zu nennen wäre noch der Seeheld  Admiral Nelson sowie der einflussreiche Staatsmann und Schriftsteller  Benjamin Disraeli (1804  1881). Die folgenden Könige von England waren  Freimaurer: Georg IV., Wilhelm IV., Eduard VII., Eduard VIII., und Georg  Vl. Die Zahl der Freimaurer in Grossbritannien wird heute auf 600’000  geschätzt.

Deutschland und Österreich:

Auf englisches  Betreiben konnte Friedrich der Grosse während seiner Kronprinzenzeit  zum Eintritt in eine Loge gewonnen werden. (Riegelmann, 406) »Freimaurer  waren im übrigen König Friedrich Wilhelm II., der aber zunehmend immer  mehr der Rosenkreuzerei in die Hände geriet, Wilhelm I., der spätere  Kaiser, der auch Protektor der Altpreussischen Grosslogen war, wie sein  Sohn, der spätere Kaiser Friedrich III. … Der letzte deutsche Kaiser,  Wilhelm II., war nicht Freimaurer, ebensowenig sein Bruder… und die  sechs Söhne des Kaisers. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass es  Bismarck gewesen ist, der einen etwaigen Eintritt Wilhelms II. noch als  Prinz von Preussen zu verhindern gewusst hat.» (Riegelmann S. 406)  Berühmte Freimaurer Militärs waren die Generäle Gebhard von Blücher,  Neidhardt von Gneisenau und G.J.D von Scharnhorst. (Oslo, S. 401) Nur  wenige wichtige Angehörige des Hauses Habsburg Lothringen waren  Freimaurer. «Der erste von ihnen war der spätere Kaiser Franz I. und  Gemahl der Kaiserin Maria Theresia… Als letzter Angehöriger dieser  Dynastie galt Kronprinz Rudolf von Österreich in Hofkreisen als  Freimaurer… Demgegenüber hat die Freimaurerei in Österreich seit der  Zeit Maria Theresias über Joseph II., Leopold II., Franz II.  (Metternich) bis zum Zusammenbruch des Habsburgerreiches beständig unter  schärfsten Verboten der kaiserlichen Regierung gestanden.» (Ebd. 405)  Heute gilt die FDP in Deutschland als die Partei der Freimaurer. Im  übrigen beschäftigen sich laut Valmy die deutschen Freimaurer  hauptsächlich mit der Interpretation von Symbol und Ritual sowie mit  Forschung und Philosophie. Ihre Zahl wird auf 20’000 geschätzt. Von den  Nachkriegspolitikern in Österreich ist Fred Sinowatz sicher Freimaurer  (Binder,107). Bruno Kreisky soll angefragt worden sein, aber den  Beitritt abgelehnt haben. (Memopress, Nr.2, 1982, S.4 »Ich wollte keinem  geheimen Verein angehören.»)

Schweiz:

«Der seit  1830/48 politisch herrschende Freisinn war teils von Freimaurern  durchsetzt. Zumindest sprach man davon, dass, wenn man Helveter,  Freisinniger und Freimaurer sei, man den Aufstieg zum  Regimentskommandanten und Nationalrat nicht verhindern könne.  Nachweislich waren die Freimaurer zwischen 1881 und 1919 mit gut zehn  Prozent in beiden Kammern vertreten… Es gehörten allerdings nur fünf  Bundesräte   darunter hervorragende wie Furrer und Ruchonnet   der  Freimaurerei an. Der Einfluss war in den Kantonen Waadt, Genf und  Neuenburg, wo die Logen seit jeher zahlreich waren, besonders stark,  später auch in anderen Kantonen.» (Im Hof, 1984, 14) Jonas Furrer war  der erste Schweizer Bundespräsident, die Namen der anderen Bundesräte,  die mit Sicherheit Freimaurer waren, sind: Borel, Lachenal, Ruchet,  Ruchonnet. (Itor S. 68) Während des zweiten Weltkrieges betrieb der  Freimaurer Hans Hausamann (1897 1974) mit seinem ‚Büro Ha‘ einen  erfolgreichen ‚privaten‘ Geheimdienst. (Alpina Nr. 10/1984 235) Heute  gibt es in der Schweiz rund 4’000 Freimaurer in 59 Logen.

Frankreich:

Der  Einfluss der Freimaurer zur Zeit der Französischen Revolution wurde  bereits kurz dargestellt. Die Mitgliedschaft Napoleons I. in einer Loge  ist nicht nachgewiesen. Hingegen behandelte er die Freimaurerei als eine  offiziöse Einrichtung und unter seiner Protektion stehend. Die Mehrheit  der Offiziere in Napoleons Heeren waren Maurer, die überall, wo sie  hinkamen, Logen gründeten, und es gab kaum einen Marschall von  Frankreich, der nicht dem Bunde angehörte. (Naudon,1982, 91) «Der  ‚Bürgerkönig‘ Louis Philippe von Orléans, der Sohn des Renegaten und  einstigen Grossmeisters des ‚Grand Orient de France‘, Philippe Egalité ,  war der einzige französische König, der selber Freimaurer war…  Napoleon III. war mit Hilfe der schärfsten Gegnerin aller Freimaurerei,  der klerikal jesuitischen Partei, ’Präsident der Republik‘ und  schliesslich ‚Kaiser der Franzosen‘ geworden… Zuletzt aber  triumphierte in der ‚dritten Republik‘ jenes radikal demokratische  System, das seine freimaurerische Herkunft und Beschaffenheit nie  verleugnet hat.» (Riegelmann, S.404) Die Trennung von Kirche und Staat,  die ausschliesslich von Laien geleitete Volksschule, die Aufhebung der  religiösen Orden   all dies war kurz nach der Jahrhundertwende im  wesentlichen das Werk freimaurerischer Politiker, wobei freimaurerische  Gesichtspunkte die entscheidende Rolle gespielt haben. (Valmy, S. 27)  Valmy bezeichnet die französische Freimaurerei als ein ’schillerndes  Gebilde‘, aufgespalten in ’sieben Obedienzen mit teilweisen  Kontakthürden‘ und insgesamt rund 35’000 Mitgliedern. Sie stehen heute  meist der sozialistischen Partei nahe. Der heutige Staatspräsident  Francois Mitterrand soll einer Loge angehören.

Italien:

Die  italienische Freimaurerei des 19. Jahrhunderts hat stets «in heftigster  Weise gegen das Papsttum frondiert«. (Frondieren = Widerstand zeigen)  (Mellor Wiss. 1985, 177) Wichtigste Mitglieder waren der  Freiheitskämpfer und Staatsmann Giuseppe Garibaldi (1807 1882), der  geistige Führer der radikalen Richtung des italienischen Risorgimento  (Risorgimento = ital. Einigungsbestrebungen im 19. Jh.), Giuseppe  Mazzini (1805-1872) sowie der liberale Staatsmann Camilio Benso Graf v.  Cavour (1810-1861). Der Offizier und Dichter Gabriele D’Annunzio  (1863-1938) war ebenfalls Freimaurer. (Naudon, S. 162) Im 20.  Jahrhundert hat die italienische Freimaurerei unter anderem durch die  unrühmliche ‚Geheimloge P2‘ von sich reden gemacht.

Skandinavien:

Der  schwedische Mystiker Emanuel Swedenborg (1688-1772) war nie Freimaurer,  hat jedoch die Schwedische Lehrart beeinflusst. (Naudon, S. 157) Diese  entwickelte sich «um 1760 aufgrund französischer und anderer  Hochgradmaterialien zu einem hierarchisch eingerichteten, gnostisch  kabbalistischen System mit neun Graden, das im alleinigen Bewahrer des  Geheimnisses, dem Ordensmeister gipfelt, der auch Vicarius Salomonis  oder ‚Stellvertreter Christi‘ heissen konnte» (Hammer Prot. 1984 26,  s.a. Nielsen Prot, FMG 1882, 1883). Mitglied waren die meisten  schwedischen Könige, nämlich: Oskar I., Oskar II., Gustav III., Gustav  IV., Karl XIII., Karl XIV., Karl XV., Gustav V., Gustav VI. (Itor S.  68). Auch viele dänische Könige waren Freimaurer: Friedrich V.,  Friedrich VI., Friedrich VIII., Christian VIII., Christian X. (Itor S.  69) Christian VIII. führte die Schwedische Lehrart in Dänemark ein.  (Nielsen 1882 S.2) Bekannte norwegische Freimaurer waren König Haakon  VII. (1872 1957) und der als Kollaborant mit Hitler hingerichtete Vidkun  Quisling (1887 1945). (Itor S.59, Naudon S. 157) Freimaurer war auch  der erste isländische Staatspräsident Sveinn Björnsson (18811952). (Itor  S.68)

Niederlande und Belgien:

«Die Königshäuser der  Niederlande und Belgiens haben zwar der Freimaurerei einige Angehörige  gestellt, ohne jedoch politisch hiermit irgendwie hervorzutreten. Selbst  Leopold I. von Belgien z.B. hielt sich im Gegenteil aus politischer  Klugheit… von der Freimaurerei, der er selber angehörte, sehr  distanziert.« (Riegelmann S. 409) Itor nennt die holländischen Könige  Louis Bonaparte und Wilhelm II. als Logenmitglieder.

Andere westeuropäische Länder.

Die  Dynastien in Spanien und Portugal sind »fast gar nicht mit Mitgliedern  in der Freimaurerei vertreten.» (Riegelmann S. 409) Einzig die  spanischen Könige Karl III. und Amadeus Ferdinand von Savoyen sollen  einer Loge angehört haben. (Itor S. 69) Die Monarchien und Herrscher  dieser Länder werden oft von der Freimaurerei bekämpft. «Nirgends hat  sich der Kampf zwischen der revolutionären Freimaurerei und der streng  katholischen Monarchie in so radikalen Formen abgespielt wie hier.»  (Riegelmann S. 409) Freimaurer waren die griechischen Könige Konstantin  I. (1868-1923) und Georg II. (1890 1947). (Oslo S. 401, 404) Der irische  Katholikenführer Daniel O’Connell (1775-1847) gehörte ebenfalls einer  Loge an. (Oslo S. 407)

Osteuropa:

Die folgenden  russischen Zaren sollen Freimaurer gewesen sein: Alexander I., Peter  III., Paul I., Alexander II. (Itor S. 68) Zwischen Zarentum und  Freimaurerei kam es auch zu schweren Auseinandersetzungen. »Die Führer  des Dekabristen Aufstandes vom 14.12.1825 waren fast ausnahmslos  Freimaurer: an ihrer Spitze P.I. Pestel (1792-1825), der geistige  Urheber der ersten organisierten Erhebung gegen das Zarenreich.« (Itor  S. 49) Später waren die Freimaurer in der liberalrevolutionären  ‚Kadettenpartei‘ vertreten und versuchten, die Aufklärung in Russland  voranzutreiben. Freimaurer war auch der russische Politiker A.F.  Kerenskij (1881-1970). (Lerich S.43) «Die Fürsten Lwow und Nolde waren  eifrige Freimaurer, und bis zur Revolution wahren die russischen Logen  ihren Mystizismus, der sich vor allem in der Wertschätzung des Grades  vom Rosenkreuz kundtut. Das politische Leitbild der Logen war eine  parlamentarische Demokratie des westlichen Typs.» (Mellor S. 471) Die  bekannten tschechischen Politiker Eduard Benesch (1884-1948) und Jan G.  Masaryk (1886-1948) waren Freimaurer. (Oslo S. 395, Itor S. 59f.) Die  polnischen Könige Stanislaus I. und Stanislaus II. waren  Logenmitglieder. (Itor S. 69) Wie erwähnt erfahren die Logen jetzt im  Osten eine Renaissance.

Vereinigte Staaten von Amerika:

In  den USA hat die Freimaurerei eine staatsbegründende und staatstragende  Bedeutung. »50 von den 55 Mitgliedern der konstituierenden  Nationalversammlung, sämtliche Gouverneure der 13 Gründerstaaten, 20 von  29 Generälen George Washingtons und 104 seiner 106 Offiziere waren  aktive Freimaurer. Der Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, Thomas  Jefferson, gehörte ebenso einer Loge an… Die Grundsteinlegung zum  Kapitol in Washington, die nach freimaurerischem Ritus vor sich ging,  vollzog George Washington bekleidet mit einem von der Marquise Lafayette  für ihn angefertigten Freimaurerschurz» (Itor,1987, S.11). Auch der  Diplomat, Erfinder und Schriftsteller Benjamin Franklin (1706-1790) war  Freimaurer; 1734 wurde er Provinzialgrossmeister für Pennsylvania. Ein  grosser Teil der amerikanischen Präsidenten gehörte einer Freimaurerloge  an, so unter anderen nach George Washington: James Monroe, Andrew  Jackson, James K. Polk, James Buchanan, Abraham Lincoln, Andrew Jackson,  James A. Garfield, William McKinley, Theodore Roosevelt, William Howard  Taft, Warren G. Harding, Franklin D. Roosevelt, Harry S. Truman, Lyndon  B. Johnson, Gerald Ford. (Itor S.69, Naudon S. 194, Oslo S. 400ff.)  Auch viele Generäle machten in der Freimaurerei mit, so zum Beispiel:  John J. Pershing, Charles P. Summerall, Douglas Mac Arthur, Malin Craig,  Henry H. Arnold. (Itor S. 69, Naudon S. 194) Auch John Edgar Hoover,  langjähriger Direktor des FBI, war Freimaurer. (Oslo S. 403) Neben  England sind die USA wohl das ‚freimaurerischste‘ Land der Welt. Von den  weltweit 6 Millionen Freimaurern leben 4 Millionen in den USA. Es  bestehen in den USA rund 15’700 Logen, weltweit gibt es etwa 33’600  Logen. (Von Ins,1974 S. 29) Wie wir sehen werden, haben Freimaurer auch  das amerikanische Kulturleben entscheidend mitgeprägt.

Südamerika:

Bekannte Freimaurer waren:

–  Simon Bolivar (1783 1830), Führer der lateinamerikanischen  Unabhängigkeitsbewegung und Freiheitsheld des ganzen Kontinents. (Oslo  S.397)  – Miguel Hidalgo y Costilla (1753 1811), katholischer Priester und ‚Vater der mexikanischen Unabhängigkeit‘. (Oslo S. 403)  – José Maria Marti (1853 1895), ‚Apostel und Märtyrer der kubanischen Unabhängigkeit‘. (Itor S. 60)  – Tomas Cipriano de Mosquera (1798 1878), kolumbianischer Patriot und General. (Naudon S. 204)  – Anastasio Somoza Gareia (1896 1956), von 1937 bis 1947 Präsident von Nicaragua. (Oslo S. 409)  – Salvadore Gossens Allende (1908 1973), Arzt, Marxist, 1970 1973 chilenischer Staatspräsident. (Oslo S. 409)

Andere Länder.

Ausserhalb  der westlichen Welt gelang der Freimaurerei der bisher wohl grösste  politische Erfolg in der Türkei. 1923 setzte der Freimaurer Kemal  Atatürk (1881-1938), der ‚Vater der Türken‘, den Sultan ab und rief die  Republik aus. Die Auseinandersetzung zwischen westlicher Orientierung  und islamischem Fundamentalismus prägt noch heute die politische  Landschaft dieses Landes. In China war der grosse Politiker Sun Yat sen  (1866-1925), der Begründer und Führer der ‚Kou min tang‘ (KMT),  Freimaurer. Logenmitglied war auch der chinesische General und Politiker  Tschiang Kai-schek (1887-1975), der Begründer des heutigen Staates  Taiwan. (Itor S. 68, Lerich S. 48) Freimaurer waren zudem der  philippinische Nationalheld José Rizal sowie der Präsident der  kurzlebigen philippinischen Republik nach dem spanisch amerikanischen  Krieg, Aninaldo. (Lerich S. 48) Der indische Jurist und Politiker Pandit  Motilal Nehru (1861-1931), der Vater von Jawaharlal Nehru, war Mitglied  einer Loge. (Oslo S. 407) Schliesslich war der südafrikanische  Verwaltungsexperte und Finanzier John Cecil Rhodes (1853-1902)  Freimaurer. Nach ihm war der Staat ‚Rhodesien‘ benannt.

Zusammenfassend  kann gesagt werden, dass die westlich demokratische Staatsauffassung  wesentliche Impulse durch freimaurerischen Geist empfangen hat. Manche  Staaten bauen buchstäblich auf dem Fundament der Freimaurerei auf.  Freimaurerischer Geist wird vor allem in den angelsächsischen Ländern  und durch die angelsächsischen Länder in der ganzen Welt wirksam. Der  ideale freimaurerische Staat ist derjenige, in dem die Gewalten getrennt  sind, sich wechselseitig begrenzen und kontrollieren, so dass niemand  absolute Macht ausüben kann. Jede Machtausübung soll innerhalb und  aufgrund von Gesetzen erfolgen, die in einem demokratischen Verfahren  zustande gekommen sind.

Wenn wir uns auch heute auf  staatspolitischem Gebiet nichts besseres vorstellen können als einen  demokratischen Rechtsstaat, so wissen wir aus unserer christlichen Sicht  eines gewiss: auch er hat nur eine relative, beschränkte Bedeutung. Ob  und wie diese – wie auch jede andere – Staatsform funktioniert, hängt  vom Geist ab, der durch sie zur Geltung gebracht wird oder gebracht  werden kann. Ohne den Geist Christi ist meines Erachtens gerade diese  Staatsform nicht dauerhaft lebbar, sie wird zur Farce und oft bald  wieder abgeschafft. Die Beter erhalten den Staat, nicht die Gesetze.  Rein menschliche Gesetze, Gesetze, die nicht aus dem Geist des Lebens  geboren sind, blockieren das Leben, wirken ungerecht, werden umgangen  und übertreten, untergraben letztlich das Vertrauen in den Staat.  Aufgrund von Gesetzen allein kann niemand leben. Gesetze sind notwendig  zur Disziplinierung von Menschen.

5.1.4. Überstaatliche Vereinigungen, Weltpolitik

Freimaurer  haben sich nicht nur für nationalstaatliche Unabhängigkeit und  Rechtsstaatlichkeit, sondern schon bald auch für überstaatliche  Vereinigungen eingesetzt. Der deutsche Philosoph und Freimaurer Karl C.  F. Krause (1781 1832) zum Beispiel konzipierte die «frühzeitige Form  eines Völkerbundes in föderativer Form». (Valmy, S. 55) Auch der  französische Publizist Maurice Monier (1877-1931) gilt als ein  ‚Vorkämpfer für Völkerversöhnung‘. (Oslo, 406) »Der Völkerbund ist keine  direkte freimaurerische Gründung, er ist aber eine Institution, die  naturnotwendig aus dem Geiste der Loge heraus geboren wurde« (Lerich, S.  39). Der deutsche Staatsmann und Freimaurer Gustav Stresemann  (1878-1929) »erregte weltweites grosses Aufsehen mit der unverkennbar  freimaurerisch geprägten Antrittsrede vor dem Völkerbund.» (Oslo S. 409)  Der erste Vorsitzende des Völkerbundrates war der damalige französische  Ministerpräsident und Freimaurer Léon Victor Auguste Bourgeois  (1851-1925). (Oslo, S. 397)

Der Völkerverständigung   unabhängig  und trotz jeder Sprachverwirrung sollte auch die Schaffung einer neuen,  künstlichen Weltsprache dienen.

Der Erfinder des Esperanto, der  Deutsche Ludwig Lazarus Zamenhof (1859 1917) war Freimaurer. Der im  Jahre 1913 unter anderen vom Schweizer Theologieprofessor Quartier la  Tente mitgegründete freimaurerische ‚Weltbund‘ erklärte das Esperanto  zur ‚Weltsprache‘. (Wichtl, 1919, S.6)

Von freimaurerischem  Ursprung und Geist ist auch die Paneuropa Bewegung. Der Begründer der  Paneuropa Bewegung, der Freimaurer Richard Niklaus Graf v. Coudenhove    Kalerghi (1894 1972), vertrat das Ziel eines europäischen Staatenbundes.  Er war auch Generalsekretär der von ihm begründeten ‚Europäischen  Parlamentarier Union‘. Zur Zeit des Nationalsozialismus trat er aus der  Loge aus, «um den deutschnationalen Angriffen gegen die Paneuropa  Bewegung nicht noch zusätzliches Material zu liefern.« (Binder, S. 90)

Moser  schreibt unter anderem in seinem Aufsatz über ‚die Freimaurerei und die  Satzungen der Vereinten Nationen‘: Der Gedanke der Vereinten Nationen  (UNO) ist eine freimaurerische Schöpfung und stammt in erster Linie aus  den USA. (S. 148) Freimaurer sind vor allem der ‚Charta der Vereinten  Nationen‘ und der ‚Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte‘ zu Gevatter  gestanden. Sie atmen ‚freimaurerischen Geist‘. «Darüber, dass viele  Freimaurer an diesem Werk gearbeitet und sich eingesetzt haben, sind die  meisten Freimaurer gar nicht aufgeklärt.« (S.144)

Weltpolitik:

Verschiedene  Gruppen und Gesellschaften einflussreicher Persönlichkeiten, die auf  höchster Ebene Einfluss auf die Weltpolitik nehmen, sollen mit der  Freimaurerei in Verbindung stehen. So unter anderen der Club of Rome,  die Trilaterale Kommission, der Council on Foreign Relations (CFR), die  ‚Bilderberger‘, die Round table Gruppen, die B’nai B’rith sowie engere  Kreise um die Familien Rothschild und Rockefeller. Diese informellen  Gruppen sollen hierarchisch, wie eine Pyramide, geordnet sein. Eine  solche Pyramide ist, zusammen mit dem ‚allsehenden Auge Gottes‘ und  anderen FM Symbolen, auf der US 1 $ Note abgebildet. Zur  Weltfreimaurerei sollen rund 100 Organisationen gehören. Im Zusammenhang  mit dem Bestreben nach Völkerverständigung steht auch der Einsatz für  den Frieden. Die Zeitschrift ‚Alpina‘ (Nr. 12 1986 S. 298) nennt die  folgenden Freimaurer, die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet  wurden: 1902 Elie Ducommun (1833-1906), 1906 Theodore Roosevelt  (1858-1919), 1911 Alfred Hermann Fried (1864-1921), 1913 Henri de la  Fontaine (1854-1943), 1920 Léon Victor Auguste Bourgeois (1851-1925),  1926 Gustav Stresemann (1878-1929), 1929 Frank B. Kellogg (1856-1937),  1935 Carl von Ossietzky (1889-1938), 1953 George C. Marshall (1880  1959). Der ‚Marshall Plan‘ hat nach dem zweiten Weltkrieg bekanntlich  wesentlich zur wirtschaftlichen Erholung Deutschlands und damit Europas  beigetragen. In der FM Literatur nicht genannt ist, möglicherweise weil  er der Schwedischen Lehrart angehörte: 1930 Nathan Söderblom  (1866-1931), Mitbegründer der ökumenischen Bewegung.

5.2. Einfluss in Wirtschaft, Wissenschaft, Technik

Der  Einfluss der Freimaurerei auf die Arbeitsethik in den westlichen,  protestantischen Ländern scheint mir ausserordentlich gross aber  unabschätzbar zu sein. Die Konzentration auf das Diesseits, auf ‚Taten  statt Worte‘, und die Pflege eines ‚Kultes der Arbeit‘ haben sicher den  ‚Geist des Kapitalismus‘ stark geprägt. Wirtschaft, Wissenschaft und  Technik werden dem Herrschaftsbereich der Kirchen entzogen,  verselbständigt und von jeglicher religiösen Auseinandersetzung  ‚befreit‘, ’neutralisiert‘. Sie sollten ihrerseits Massstab für Sinn,  Wahrheit und Erfolg werden. Das Kirchliche, Religiöse wird stark  relativiert, aus der Alltagswirklichkeit verbannt, und bekommt seine  Geltung höchstens noch am Sonntag Vormittag. Wirtschaft, Wissenschaft  und Technik sind scheinbar ‚wertfrei‘, über jede geistige  Auseinandersetzung erhaben. Die Hauptaufmerksamkeit gilt nicht nur dem  diesseitigen Tun, sondern auch dem Erleben aller Art, dem Beschaffen und  Konsumieren von Erlebnissen. Diese heutige Realität atmet wohl  eindeutig und deutlich auch den Geist der Freimaurerei.

Die  Freimaurerei erhebt denn auch den Anspruch, in dieser Welt der  Wirtschaft, Wissenschaft und Technik Orientierung zu ermöglichen. «Die  Freimaurerei entwickelt die ethischen Normen, die Wissenschaft und  Technik erst zu Werkzeugen des Menschen statt zur Gefahr der  Menschlichkeit machen.« (Dazu Ulmer Journ. 1990)

5.2.1. Die Eroberung der Welt

Wir  haben gesehen, dass der freimaurerische Arbeitsraum eine diesseitige,  dem Menschen zugängliche Welt (bzw. Welten) symbolisiert, in der sich  der Mensch nach seinen Massstäben orientiert: Nach Osten und Westen,  Norden und Süden, nach Sonne, Mond und Sternen sowie nach anderen  Menschen (Meister vom Stuhl) richtet sich der Blick, die Aufmerksamkeit,  die Orientierung.

Die folgenden Namen zeigen, dass erstaunlich  viele derjenigen, die das Diesseits erobern wollten, Freimaurer waren.  Dazu sollen auch die Abenteurer aller Art gezählt werden. Freimaurer  waren die Arktisforscher Ronald Amundsen und Robert F. Scott. Der  Antarktisforscher Admiral Richard E. Byrd gründete zusammen mit 60 von  85 Teilnehmern einer Expedition 1935 die ‚Antarctic Loge No. 777‘ (Itor  S. 51). Der Erfinder des Heissluftballons, Jacques Etienne Mongolfier,  sowie der Flugpionier Charles August Lindbergh besuchten eine Loge. Von  den amerikanischen Astronauten waren die folgenden sicher Freimaurer:  L.G. Cooper jun., John H. Glenn, Grissom, Eisele, Aldrin, Stafford,  Schirra. (Oslo, S. 401, 405f., Zendralli, S. 22) Eroberer von  altertümlichen Schätzen war der bekannte deutsche Altertumsforscher und  Kaufmann Heinrich Schliemann (1822-1890), der u.a. Troja entdeckte.

Wesentlich  wichtiger und einflussreicher als die realen Abenteurer sind die  phantastischen Abenteuer der Helden freimaurerischer Schriftsteller und  Filmemacher, auf die wir noch zu sprechen kommen werden (von Goethes  Faust und Peter Schlemihl bis z.B. zu Gullivers Reisen, Tom Sawyer und  Huckleberry Finn, Sherlock Holmes, Ben Hur, Kipling’s Dschungelkind  Mowgly, Micky Maus & Co., die Filmhelden von Charlie Chaplin und  viele andere mehr).

5.2.2. Wer steuert die Wirtschaft?

In  Verschwörungstheorien erscheinen die Freimaurer oft als die geheimen  Drahtzieher des wirtschaftlichen Geschehens. Hitler pflegte in diesem  Zusammenhang die Freimaurer in einem Atemzug mit den Juden zu nennen.  Aus unserer Sicht sind es natürlich sicher nicht die Freimaurer, die die  Welt regieren. Hinter allem Geschehen stehen geistige Mächte, und der  Mensch meint höchstens, die wirtschaftlichen Verhältnisse selbst  gestalten und kontrollieren zu können.

Ein solcher Versuch, die  wirtschaftlichen Beziehungen selbst zu gestalten, sind die sogenannten  ‚Service Clubs‘ (Rotary, Lions, Kiwanis u.a.m.), von denen die meisten  erwiesenermassen mit der Freimaurerei in einem direkten Zusammenhang  stehen. Sie gelten auch als ein Missionsfeld der Freimaurerei, indem bei  Leuten, die in diesen Klubs noch nicht die wichtigen und richtigen  Kontakte haben anknüpfen können, inoffiziell die Erwartung geweckt wird,  bei den Freimaurern seien die wirklich einflussreichen ‚Freunde‘ zu  finden. (S.a. Rothkranz Kath. 1990 49ff.) »1905 rief der  Hochgradfreimaurer Paul Harris in Chicago ‚Rotary International‘ ins  Leben, 1917 folgte in derselben Stadt Melvin Jones mit den ‚Lions  International‘.« (Ebd. 49).

Böni verteidigt in seinem Artikel ‚Rom  und die Rotarier‘ die Rotarier vehement gegen einen ‚Erlass der  katholischen Kirche gegen die Rotarier‘. Er schreibt: «Freimaurer  standen an der Wiege des Rotary-Klubs.» (S. 66) Und es gibt «eine grosse  Zahl von Rotariern, die zugleich Freimaurer sind.» (S. 67) Die Rotarier  haben ähnliche Ideale wie die Freimaurer. Im Gegensatz zu den  Freimaurern ist aber die ‚Erweiterung des Bekanntenkreises‘  ausdrückliches Ziel. Beiden gemeinsam ist das Bekenntnis zu einem  allgemeinen Menschentum   unabhängig von Konfession, Religion und  Parteizugehörigkeit sowie das Bestreben ‚hitzige‘ geistige  Auseinandersetzungen zu vermeiden. »Politische und religiöse Gespräche  von Partei gegen Partei oder Religion gegen Religion werden bei ihnen  ebensowenig wie in unseren Logen gehalten.« (S. 66) Ähnliches kann von  den Mitgliedern des Lions Club (Liberty Intelligence Our Nations Safety)  gesagt werden: Viele Lions sind zugleich Freimaurer (Rothkrantz S. 51).  Melvin Jones (1880 1961), der Gründer des Lions Club, »war Mitglied der  ‚Garden City Lodge No. 141‘ in Chicago« (Oslo, 404). Älter und heute  wohl weniger einflussreich ist der 1803 in London gegründete Odd Fellow  Orden, der noch direkter und offizieller mit der Freimaurerei verbunden  ist. Dieser wollte (und will) eine ‚Pflanzstätte der Menschlichkeit und  der Wohltätigkeit‘ sein (Brodbeck, 79).

Von den in der Wirtschaft  wirklich massgebenden Personen und Firmengründern scheinen mir relativ  wenige Freimaurer gewesen zu sein, bzw. zu sein. In der freimaurerischen  Literatur werden die folgenden Firmengründer und Unternehmer genannt  (S. Oslo, S. 393ff., Zendralli S. 22, Itor S. 67ff.): Henry Ford  (Autos), Charles C. Hilton (Hotels), John Jacob Astor (Hotels), Frank G.  Hoover (Staubsauger), George Mortimer Pullman (Eisenbahn-Schlafwagen),  Samuel Colt (Feuerwaffen), Pierre Samuel du Pont de Nemours (Chemie  u.a.m.), Eberhard Faber (Schreibmaterial), King Camp Gillette  (Rasierapparate), Anton Philipp Reclam (Verleger). Die Rothschilds  sollen seit 1809 den deutschen, französischen und englischen Logen  angehören. (Wichtl,1909, 61) In der Schweiz sind Jakob Rieter  (Spinnereimaschinen) und Philippe Suchard (Schokolade) zu nennen.

Auch  unter den wissenschaftlichen Ökonomen scheint es relativ wenige  Freimaurer zu geben. Bekannt ist, dass der deutsche Volkswirt Friedrich  List (1789-1846) Freimaurer war. (Deiters S. 202)

5.2.3. ‚Humane‘ Wissenschaft und Technik

In  der freimaurerischen Literatur werden auch sehr wenige Wissenschaftler  und Techniker genannt, die Freimaurer waren oder sind. Erwähnenswert  sind: Alexander Fleming, der Entdecker des Penicillins, der Zoologe  Alfred Edmund Brehm (‚Brehms Tierleben‘), der Physiker Albert Abraham  Michelson sowie verschiedene Ärzte. Der grösste Teil der von Itor in  dieser Rubrik genannten Personen sind Ärzte. (Itor S. 68) Von den Ärzten  seien erwähnt: Christoph Wilhelm von Hufeland (1762-1836), Charles  Richet (1850-1935), der 1913 den Nobelpreis für Medizin erhielt.  Auffallend ist der relativ grosse Anteil der ‚Alternativ Mediziner‘:  Freimaurer war der Arzt und Magnetiseur Anton Mesmer (1734-1815), «der  Begründer des Mesmerismus, des animalischen Magnetismus und anderer  Heilmethoden jenseits der Schulmedizin.« (Itor S. 41) Der Begründer der  Homöopathie, Christian Friedrich Samuel Hahnemann (1755-1843) war  ebenfalls Freimaurer. (Oslo S. 402) Zu den Freimaurern gehörte auch der  englische Arzt Bach, der die heute in esoterischen Kreisen berühmte und  beliebte ‚Bach Blüten-Therapie‘ entwickelte. Der Psychoanalytiker Carl  Gustav Jung war Sohn und Enkel führender schweizerischer Freimaurer».  (Spitzbarth FM 1968 11)

5.3. Einfluss auf die Gesellschaft

Seit  der Aufklärung entwickelt sich ein gesellschaftlicher Bereich als eine  von Kirche und Staat unabhängige Lebenssphäre. Der Mensch ‚emanzipiert‘  sich von kirchlicher und staatlicher Bevormundung und organisiert sich  sein Gesellschafts  und Privatleben selbst. Er schafft sich seine  eigenen Beziehungen und Vereine, wählt sich seine eigene Kirche und  Religion aus, er erzieht und bildet sich selbst, er erdenkt und  erdichtet sich seine eigenen Welten, und er sorgt für die eigene  Unterhaltung. Nicht zuletzt versichert er sich selbst und hilft er sich  selbst bei allen Wechselfällen des Lebens. Freimaurer haben bei der  Verselbständigung und Ausgestaltung dieses gesellschaftlichen  Lebensbereiches wesentlich mitgewirkt. Der Mensch schafft sich die  Regeln des Zusammenlebens selbst: Der Verfasser des Werkes ‚Über den  Umgang mit Menschen‘, Adolph Freiherr von Knigge (1752-1796) war  Freimaurer. (Itor FM 1987 20, Oslo FM 1988 404)

5.3.1. Sozietäten und Vereine

Nach  Im Hof ist die Freimaurerei ein Teil der ‚umfassenden Sozietäts  oder  Gesellschaftsbewegung‘, die im 18. Jahrhundert entstand und bis heute  nachwirkt. Die wissenschaftlichen Akademien und gelehrten  Gesellschaften, die literarischen Gesellschaften und Lesegesellschaften,  die gemeinnützigen Gesellschaften, die ökonomisch landwirtschaftlichen  Gesellschaften sowie die patriotisch politischen Gesellschaften wirkten  als ‚Beförderer von Reform und Aufklärung‘. In ihnen wirkte ein  humanitär liberal aufgeklärter Geist, der mit dem freimaurerischen Geist  eng verwandt war. (Im Hof 1982 168f.) »Ähnlich wie in vielen Sozietäten  wurde der internationale Zusammenhang gepflegt. Schliesslich war die  Freimaurerei den Sozietäten gleich in der Betonung der Gleichheit  innerhalb der Gesellschaft. Adelige und Bürgerschaft fanden sich hier  auf gleichem Fuss als ‚Brüder‘ einem höheren Ideal, dem Tempelbau,  unterstellt.« (Ebd. 169) Sozietäten wie Freimaurer pflegten zudem die  Geselligkeit und die Gemeinschaft, was auch für die heute blühenden  Vereine gilt, die ebenfalls eine gemeinsame menschliche Aktivität  (Turnen, Schiessen, Wandern, Kegeln, Singen etc.) verbindet. (S.11) Die  Gesellschaften standen miteinander in Beziehung, und es gab stets viele  Doppel- ¬und Mehrfachmitglieder. »Darum finden wir Freimaurer stets und  oft führend in verschiedenen Sozietäten. Man war oft nicht nur Mitglied  einer Loge, sondern auch der lokalen gemeinnützigen, literarischen oder  wissenschaftlichen Gesellschaft.» (S. 13) »Zum Beispiel sind in der  Helvetischen Gesellschaft mindestens 22 Freimaurer nachweisbar, darunter  drei Präsidenten der Gesellschaft.« (S. 168)

5.3.2. Schule, Erziehung, Pfadfinderbewegung

Wir  haben bereits gesehen, dass die ‚Selbsterziehung‘ und die ‚Beförderung  des sittlichen Lebens‘ zu den Hauptanliegen der Freimaurer gehören. Die  ‚Erziehung des Menschengeschlechtes‘ (Lessing) soll vor keiner Kategorie  von Menschen Halt machen. Stets waren wohl viele Erzieher und Lehrer  Freimaurer. Der Schweizer Pädagoge Heinrich Pestalozzi war nicht  Freimaurer, aber Illuminat. Der Orden der Illuminaten war mit der  Freimaurerei geistig und personell eng verbunden (Im Hof, 1982 169). Sie  wollten politisch aktiver … und «klarer als die Freimaurerei, für  Aufklärung und Moral wirksam sein … Pestalozzi   eines der wenigen  Schweizer Mitglieder   hatte den Namen ‚Alfred‘.« (Ebd. 170)

Die  internationale Pfadfinderbewegung ist eindeutig auf freimaurerischem  Boden entstanden und gewachsen. «Das Pfadfindertum ist freimaurerischen  Ursprungs. Sein Gründer, Sir Baden Powell, war ein bedeutender  Freimaurer.» (Mellor,1985, 513) Für Rothkrantz ist die «internationale  Pfadfinderkonföderation nachweislich ein Logeninstrument.« (S.a.  Zendralli, S. 22)

5.3.3. Wohltätigkeit und Religion

Wir  haben gesehen, dass die Freimaurerei eine sittliche Bewegung sein will,  die Nächstenliebe nicht nur predigt, sondern auch praktiziert. Ihre  ‚Religion‘ ist die sittliche Tat   nicht nur den Brüdern, sondern auch  den ‚Profanen‘ gegenüber. «Da alle Freimaurer Brüder sind, müssen sie  einander helfen und sich gegenseitig Beistand leisten, wenn dies  notwendig ist. Das ist ein Grundsatz, den fast sämtliche Obödienzien mit  fast den gleichen Worten in ihren Statuten und Gelöbnissen formulieren.  Die elementarste Form der Anwendung diese Prinzips ist die  freimaurerische Wohltätigkeit. Jede Loge der französischen Obödienzien  besitzt ihren Bruder Almosenier, dessen Kasse getrennt von jener des  Bruders Kassiers geführt wird, und jede Obödienz hat ihren Gross  Almosenier… Es gibt darüberhinaus Waisenhäuser und Spitäler, die von  Freimaurern unterhalten werden, und das Wohltätigkeitsbudget vor allem  der angelsächsischen Freimaurerei ist gewaltig.» (Mellor, Wiss., 1985,  442) Die Freimaurerei bot eine Form von Sozialversicherung an, was  besonders zu Zeiten, als es noch keine staatliche Sozialversicherung  gab, ein wichtiger Grund für ihre Attraktivität gewesen sein mochte. Der  Freimaurer fühlte sich durch die Solidarität der Brüder gegen die  Wechselfälle des Lebens wie Krankheit, Unfall etc. versichert. (S.a. Im  Hof, 165, 168) In der Schweiz «ist z.B. der ‚Verein zur Verbreitung  guter Schriften‘ eine Freimaurer Gründung. Ebenso sind es verschiedene  Brockenhäuser, Wohltätigkeitsvereinigungen, Altersheime, Armen  und  Krankenkassen usw.« (Von Ins FM 1974, S. 29)

Freimaurerischer  Geist weht wohl durch weitere, auch internationale, Wohltätigkeits  und  Hilforganisationen der verschiedensten Art. So zum Beispiel entstand  das ‚erste Pestalozzi Kinderdorf Europas‘ in Trogen zur Zeit, als der  Trogener Pfarrer J. Böni Grossmeister der Schweizer Grossloge ‚Alpina‘  war (1942 1947). (S. dazu einen Bericht in: Alpina Nr. 5, 1946, S.  137ff.) Nach Deiters (Wiss. 1963 202) und Naudon (Wiss. 1982 146, 234)  war der Gründer des Roten Kreuzes Henri Dunant (1828 1910) ein  Freimaurer. In der freimaurerischen Literatur selbst wird er jedoch  nicht aufgeführt. (Nach Dr. Gabriel Mützenberg hat man bis heute kein  Dokument gefunden, das die Zugehörigkeit Dunants zu einer Freimaurerloge  beweisen würde).

Böni empfiehlt in seinem Aufsatz ‚Moralische Aufrüstung und Freimaurerei‘ seinen  Brüdern, bei der Moralischen Aufrüstung mitzumachen. Es bestünde eine  ‚Geistesverwandtschaft‘, und es gebe viele Berührungspunkte. »Beide  verfolgen das Ziel einer besseren Menschheit, und beide stehen  ausserhalb des konfessionellen Streites. Wir können viele weitere  Berührungspunkte finden, wenn wir auf die Grundsätze schauen.» (S. 9)

Oekumene:  Der Geist der Oekumene steht dem der Freimaurerei sehr nahe. Der  Mitbegründer der ökumenischen Bewegung Nathan Söderblom (1866-1931) soll  Hochgradfreimaurer gewesen sein. ebenso Willem Adolph Visser’t Hooft,  der 1948-1966 Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen war.  Carl Friedrich von Weizsäcker soll Hochgradfreimaurer des 33. Grades  sein. (Fundamentum 3/88 S. 99.)

Noch eine Bemerkung zum Thema Religion: Eine Zeitschrift der amerikanischen Freimaurer trägt den Titel ‚The New Age‘.  (Mellor, 1985, 93) Die zum ‚Lucis Trust‘ in Genf gehörende  ‚Arkanschule‘ soll von Freimaurern geleitet sein und sich als  ‚magnetisches Zentrum‘ der Freimaurerei betrachten. (Rothkrantz, Kath.  1990, 55)

5.3.4. Philosophen, Dichter, Schriftsteller

Auffallend  viele bekannte Philosophen, Schriftsteller und Dichter waren  Freimaurer. Bekannt ist die Mitgliedschaft bei den deutschen Idealisten  und Klassikern wie J.W. Goethe, G.E. Lessing, J.G. Herder, J.G. Fichte,  C.M. Wieland, E.v. Kleist, F.G. Klopstock, Matthias Claudius. Dazu  kommen Autoren wie Adalbert von Chamisso, Heinrich Heine, Georg Büchner,  G.A. Bürger, Friedrich Rückert, Johann Heinrich Voss, Ferdinand  Freiligrath, Felix Salten, Kurt Tucholsky. (Deiters S. 201f., Naudon  124ff., Oslo S. 393ff., Valmy S. 58, 183, Zendralli S. 22) Im  französischen Sprachbereich sind neben den genannten Montesquieu und  Voltaire zu erwähnen: Alexandre Dumas, Stendhal (Henry Beyle), Victor  Hugo. (Oslo S. 399, Deiters S. 202) Freimaurer war auch der russische  Dichter A.S. Puschkin. (Oslo S. 407) Aus dem angelsächsischen  Kulturbereich sind zu nennen: Sir Arthur Conan Doyle, Robert Burns,  Walter L. Scott, Jonathan Swift, Oscar Wilde, Laurence Sterne, Rudyard  Kipling, Mark Twain, Lewis Wallace. (Oslo S. 399ff., Zendralli S. 22)

5.3.5. Unterhalter; Musiker und andere Künstler

Sehr  viele bekannte Musiker, nicht nur Klassiker, sondern zum Beispiel auch  Jazz Musiker, waren Freimaurer. Folgende Namen sind bekannt: Johann  Nepomuk Hummel, Leopold Mozart, Wolfgang Amadeus Mozart (Die  ‚Zauberflöte‘ gilt als das klassische Werk der Freimaurerei.), Franz  Joseph Haydn, Jean Sibelius, Giacomo Puccini, Jean Philippe Rameau,  Johann Christian Bach, Gustav Albert Lorzing. Louis Spohr, Giacomo  Meyerbeer, Franz Liszt, George Gershwin, Duke Ellington. (Oslo S.  399ff., Naudon S. 136, Zendralli S. 22)

In der amerikanischen  Film  und Unterhaltungsbranche sind die Freimaurer auffallend stark  vertreten. So gehörten zu den ersten und bedeutendsten amerikanischen  Filmproduzenten die Freimaurer Cecil B. de Mille und Jack M. Warner.  Logenmitglieder waren auch die folgenden US Filmschauspieler und  Komiker: Oliver Hardy, Harold Lloyd, Red Skelton, Clark Gable. Einen  unschätzbar grossen, weltweiten Einfluss übten die Filmproduzenten und  Künstler Walt Disney (1901 1966) und Charles S. Chaplin (1889-1977) aus.  (Itor S. 68, Oslo 401 ff.)

Die amerikanischen Zirkuskönige ‚The  Ringling Brothers‘ waren Freimaurer, ebenso der zu seiner Zeit bekannte  Schweizer Clown Adrian Wettach (‚Grock‘).

5.3.6. Zusammenfassung

Zusammenfassend  ist zu sagen, dass die Wirkung der Freimaurerei im gesellschaftlichen  und durch den gesellschaftlichen Bereich aussergewöhnlich gross war und  ist. Dabei geht es nicht nur um die vielen berühmten Namen, sondern auch  um die unzählbaren ‚Maurer ohne Schurz‘, die in Kunst, Literatur, Film  und Medien für das Wohl der Menschheit zu wirken suchen. Die Helden  dieser Werke sind oftmals Suchende, Heimatlose, Abenteurer,  Einzelgänger, Kinder oder auch Tiere, denen die wirkliche Welt der  ‚Etablierten‘, scheinbar ‚Wissenden‘, der ‚Erwachsenen‘ bzw. der  ‚Menschen‘ ‚unmenschlich‘, ‚borniert‘ und ‚einfältig‘ vorkommt. Die  tatsächliche Welt entspricht nie den humanistischen Idealen, darum gibt  es scheinbar noch viel an sich zu arbeiten und noch vieles in der Welt  zu verbessern. Demgegenüber können wir in der Annahme der Absolutheit  Jesu Christi die Relativität von allem Menschlichen erkennen und  akzeptieren. Wir brauchen uns damit nicht mehr an Menschen zu  orientieren und Hilfe primär von Menschen zu erwarten, deren sämtliche  Vermögen in jeder Beziehung beschränkt sind. Durch die Annahme unserer  Grenzen erfahren wir seine Kraft und Führung und müssen das Gute nicht  mehr aus eigener Kraft vollbringen.

6. Christus aus freimaurerischer Sicht

In  diesem Kapitel soll kurz dargestellt werden, wie aus freimaurerischer  Sicht das Christentum, Gott und Jesus Christus betrachtet und behandelt  werden. Anschliessend folgen Bemerkungen über Zusammenhänge zwischen  Freimaurerei und liberaler protestantischer Theologie.

6.1. Das Christentum aus FM Sicht

Wir  haben gesehen, dass eine wesentliche geistige Wurzel der Freimaurerei  die Enttäuschung über das Christentum ist. Wegen der »schweren  Glaubenskämpfe, welche ganz Europa erschütterten, … war innerhalb der  Logenmauern jedes Gespräch über religiöse Themen nicht nur verpönt,  sondern verboten.« (Lagutt. S. 120) Für manchen Freimaurer ist die  Freimaurerei ein «Ersatz für seinen verlorengegangenen christlichen  Glauben und Kult« (Keller FM 1941 262) Die Freimaurerei versucht also,  die geistigen Auseinandersetzungen, die im Verlauf der abendländischen  Geschichte zweifellos nicht immer im Sinne Christi ausgetragen wurden,  zu vermeiden und an deren Stelle das Schweigen zu setzen. Die  Diskussionen vor allem über den Absolutheitsanspruch Christi werden  abgestellt; dem Wort wird die Spitze, dem Schwert die Schärfe, dem Salz  die Würze genommen. Somit erhebt sich die Freimaurerei über das  Christentum, erklärt das Christentum zu einer ~Religion~, zu einer  Religion unter anderen, die ebenfalls ihre Existenzberechtigung haben.  Die Freimaurerei erhebt sich über alle Religionen, erklärt sich zum  Richter über die Religionen und erklärt alle als gleichwertig. Keiner  kommt absolute Wahrheit zu, ihr relativer Wert soll anhand der  praktischen Früchte für die Welt und den Menschen gemessen werden. (vgl.  Lessings Ringparabel) Aus der Sicht der Freimaurerei hat das  Christentum nur eine bedingte, relative Bedeutung. Die Freimaurerei  stellt sich darüber. Sie hat das Christentum vermeintlicherweise  überwunden. Im Schottischen Ritus, in dem symbolisch die  Menschheitsgeschichte durchwandert wird, erscheint das Christentum als  eine vorübergehende Entwicklungsperiode, die durch die aufgeklärt  freiheitliche Zeit abgelöst und überholt wird.

Gleichzeitig wollen  die Freimaurer das Beste des Christentums erhalten, schützen und der  Nachwelt weitergeben. (Keller FM 1941 262f) Dabei geht es nicht nur um  die religiösen Schriften, Liturgien und Gesänge, sondern auch um die  «wundervollen Kirchenbauten», den «unermesslichen Reichtum des  künstlerischen Schmuckes«. Das christliche Erbe wird also gewissermassen  unter menschlichen Denkmalschutz gestellt. Die Freimaurerei sieht sich  als Verwalterin des Erbes.

Im übrigen wird meines Erachtens der  Eindruck erweckt, als stehe dieses Erbe jedem Menschen frei zur  Verfügung, wie wenn der Mensch das Verfügungsrecht über dieses Erbe  hätte. Die Schrift und alles andere, was früher Christen heilig war,  wird zum »Selbstbedienungsladen», zum «Ausbeutungsobjekt». Jedes  Individuum kann sich scheinbar »frei« bedienen und das Gefundene für  seine persönlichen Interessen gebrauchen. Das Christentum wird also von  der Freimaurerei beschlagnahmt, integriert und von »oben herab«  behandelt. Sie spielt sich zum Hüter aller Religionen auf und legt es  ihren Mitgliedern nahe, ihren «religiösen Pflichten» nachzukommen.

6.2. Gott aus FM Sicht

6.2. 1. Individuell verschiedene Gottesvorstellungen:

Die  Freimaurerei will sich nicht auf ein eindeutig fixiertes Gottesbild  festlegen lassen und wehrt sich gegen jede Art von Dogmatik. »Bekenner  jeder Religion ohne Unterschie« werden aufgenommen. (Seydel FM 1862 11)  Nicht das Finden und Kennen, sondern das Suchen Gottes ist wichtig. »Wer  immer strebend sich bemüht … » «Dem Freimaurerbunde gehört eine  grosse Zahl von Menschen an, die dem Heere der Zweifler und der Sucher  zuzuzählen sind.« (Lagutt FM 1958 115)

Die Freimaurerei verlangt  einen Gottesglauben (mit Ausnahme des »Grand Orient de France«), aber  kein Glaubensbekenntnis. «Einer der fundamentalen Grundsätze der  Maurerei sagt eindeutig, dass ein Mann ohne Gottesglauben nie ein echter  Maurer werden könne … Irgend ein Credo, ein Glaubensbekenntnis im  Sinne der Kirchen wird nicht verlangt … Wie der Einzelne sein  Verhältnis zur Gottheit gestaltet, ist und bleibt ureigenste,  persönliche Angelegenheit. Ob er als frommer Christ dem Weltganzen eine  dreifaltige Gottheit zugrunde legt, ob einer im Sinne des Judentums in  der Gottheit den alttestamentlichen ‚Herrn der Welt‘ erkennt, ob er als  Moslim Allah seine Verehrung zollt, als Hindu seinen Gottheiten, bleibt  jedem unbenommen.» (Lagutt S. 105)

Also kann gesagt werden, dass  die Freimaurerei Gott relativiert, individuellem Belieben unterstellt.  Nicht Gott erschafft und erwählt sich die Menschen, sondern der Mensch  wählt sich seine Götter aus. Jeder kann seinen persönlichen Gott haben.  Es ist nicht ein gemeinsames Gottesbild, das die Freimaurer vereinigt,  sondern das Fehlen eines gemeinsamen Gottesbildes. »Damit jeder genügend  ‚Raum‘ hat, musste das Bild der Gottheit … eine solche Ausweitung  erfahren.« (Lagutt S. 108)

6.2.2. Gott als Geheimnis und individuelles Erlebnis:

Das  inhaltliche Offenlassen des Gottesbildes entspreche dem biblischen  Bilderverbot, meint Lagutt (S. 108), und schaffe die Basis, »die es  erlaubt, sich rein menschlich gegenüberzustehen,« (S. 109) Wer und was  Gott ist, das kann der Mensch niemals ergründen. Gott ist und bleibt ein  Geheimnis, das nicht intellektuell erfasst, wohl aber individuell  erfahren werden kann. «Der Gott der Theologen ist ein ersonnener und  erklügelter, eine gedankliche Abstraktion, ohne die lebendige Kraft des  Erlebnisses. Mit dem Intellekt, mit einer Wissenschaft ist Gottjedoch  nicht zu fassen. Er wird auf diese Weise verkleinert und in ein Schema,  eben in ein Dogma gepresst … Gott als das grosse Geheimnis kann mit  der unzureichenden und unvollkommenen menschlichen Sprache nicht  beschrieben, er kann nur in Bildern und Symbolen dargestellt werden. Da  Gott der grossen Menge nicht fassbar ist, sind die meisten Mystiker  Einsame und Schweiger. Sie schweigen über ihr Gotteserleben und teilen  sich esoterisch nur einigen wenigen auserwählten Schülern mit.» (Zuber  FM 1975 181) (Also: Worte scheinen gegen das Bilderverbot zu verstossen,  eigentliche Bilder und Symbole aber nicht.   Mehr zum Thema  «Gotteserfahrung und Innerlichkeit« in Pt.6.2.4.) Es ist hier also  wiederum deutlich, dass das Erleben über das Wort gestellt wird,  entsprechend auch der Tradition der Mysterienkulte (Pt.1.4.2.). Die  Priorität, die Vorrangigkeit macht den Unterschied aus: Christen, die  dem Wort vertrauen, haben auch Erlebnisse. Aber sie orientieren sich  nicht anhand von Erlebnissen. Demgegenüber sind Gespräche für  denjenigen, der Erlebnisse sucht, zweitrangig, ja oft störend.

6.2.3. Gott als Person:

Obwohl  Gott in der Freimaurerei »das grosse Geheimnis« ist, und sich jeder  sein eigenes Gottesbild machen und seine individuellen Gotteserfahrungen  haben kann, besteht meines Erachtens in der freimaurerischen Literatur  weitgehend immerhin über eines Einigkeit: Gott ist eine Person. Und es  gibt diese Person. «In der freimaurerischen Formel: ‚Im Namen des  allmächtigen Baumeisters der Welten, der unendlichen Schöpfer  und  Erhalterkraft des Alls …‘ kommt die Auffassung eines persönlichen  Gottes zum Ausdruck … Die Meinung, die Freimaurerei vertrete  Pantheismus, Deismus, Agnostizismus, Atheismus, Materialismus usw., ist  falsch.« (Lagutt FM 1958 109) Der einzelne Freimaurer mag zwar für sich  eine solche Auffassung vertreten (Ebd. 109), doch der allen gemeinsame  Nenner kann als theistisch bezeichnet werden. «Der Theismus ist die  religiöse oder philosophische Lehre von der Existenz eines  überweltlichen, allmächtigen und persönlichen Gottwesens, welches die  Welt erschaffen hat, regiert und erhält. Er tritt als Monotheismus und  als Polytheismus auf.« (Ebd. 109) Schenkel, 1926, 170) bezeichnet die  Freimaurerei als »theistischen Idealismus». In den Gebeten der Zürcher  Loge »Modestia cum Libertate« kommt »die theistische Gottesidee« zum  Ausdruck. (Zuber FM 1975 184)

6.2.4. Gotteserfahrung durch Innerlichkeit:

Gott  kann nach freimaurerischer Auffassung prinzipiell immer und durch  jedermann »erfahren« werden. «Es hat aber zu jeder Zeit Menschen  gegeben, die in diesem innigen Kontakt mit Gott gestanden haben. Sie  haben Gott gesehen; sie werden deshalb ‚Seher‘ genannt … Wie diese  Propheten in Visionen und Auditionen erfahren die Mystiker Gott als  lebendige Realität in geistiger Schau und letztlich das Erlebnis der  Einheit des eigenen Seelengrundes mit dem unendlichen Gott, die ‚unio  mystica‘. Dieses Gotteserlebnis ist bei allen Völkern und zu allen  Zeiten gleich.« (Zuber, FM 1975 181) Auch durch das Gewissen können wir  nach freimaurerischer Auffassung Gott erfahren: »Das Gewissen ist unser  einziges Wissen. Es weiss und ist die Wahrheit. Eine andere Wahrheit ist  nirgends zu finden … Das Gewissen ist nie ein fertiger Besitz,  sondern eine Aufgabe, an der wir zu arbeiten haben … Das Gewissen,  gleichsam eingebaut in die menschliche Seele, ermöglicht uns, Gott im  eigenen Innern zu erleben.« (Ebd. 182)

»Wir sind nicht bereit, an  einen Gott zu glauben, der irgendwo in einem fernen Himmel weilt, von wo  aus er die Menschen leitet, prüft, belohnt oder bestraft, ihre Bitten  erhört   oder auch nicht. Wir sind auch nicht gern bereit, uns als  Sünder vorzukommen, die durch eine vor zweitausend Jahren geschehene,  uns schwer verständliche Erlösertat errettel worden sind. Wir wären aber  bereit, uns einen Weg zeigen zu lassen, der ohne die Zuhilfenahme  künstlicher Mittel zum Erfahren Gottes im eigenen Inneren führt. Dieser  Weg ist das Gebet, oder eher das, was man Meditation nennt. Es ist nicht  ein Bitten um Dinge, sondern vielmehr ein Lauschen, ein Erfühlen der  Gegenwart Gottes im Inneren.« (Ebd. 183)

Noch ein letztes Zitat  zur Verdeutlichung: »Es wäre gut, wenn die Vorstellung von ‚Gott im  Himmel‘ einer neuen Platz machen würde. Gott würde nicht ferner gerückt,  sondern näher, wenn der Mensch ihn als das Leben oder den Geist  begreift, der das ganze Universum durchströmt und erhält und der auch im  eigenen Inneren erlebt werden kann als Liebe und Kraft. So erlebt der  Mensch nicht nur Gott in seiner Fülle und Unendlichkeit, sondern er  fühlt sich auch durchdrungen von der Ewigkeit des Kosmischen. Er  empfindet sich als Teil des Ganzen, in welchem er aufgeht.« (Ebd. 183)

6.2.5. Wer ist der «Allmächtige Baumeister aller Welten» ?

Die  obigen kurzen Ausführungen zum freimaurerischen Gottesverständnis  zeigen, dass es wesentliche Unterschiede zu demjenigen Gott gibt, der  uns in der Bibel als »Vater« bezeugt ist:

Der biblische Vater Gott  will uns auf Schritt und Tritt klar machen, dass es nicht völlig egal  ist, an welchen Gott wir glauben. Aus biblischer Sicht gibt es  «richtige» und »falsche« Gottesvorstellungen. Es gibt unendlich viele  falsche «Götter« und einen wahren Gott. Die falschen Götter bzw.  Gottesbilder führen uns ins Verderben, in die Dunkelheit, in den Tod.  Der biblische Gott verspricht uns das Leben, wenn wir die anderen Götter  aufgeben und zu ihm zurückkehren. Und er warnt uns davor, ihn nicht  ernst zu nehmen. Natürlich sind diese Warnungen nicht bequem, sie  klingen nicht immer »human«, und sie kränken unsere Eitelkeit. Aber wenn  sie dennoch ernst zu nehmen sind, wenn sie letztlich dennoch gut  gemeint sind? Aus biblischer Sicht ist auch das Böse eine personale  geistige Macht, und das irdische Geschehen ist Ausdruck von  Auseinandersetzungen in der geistigen Welt. Als »Aufgeklärte» haben wir  gelernt, dass nur Vorgestrige an die Existenz eines Satans glauben. Wenn  es nun aber trotz aller Aufklärung doch einen gibt, wenn gut und böse  nicht bloss zwei ewig «widerstreitende Naturen innerhalb des Menschen«  (Schenkel S. 163) sind? In der Freimaurerei ist dies ausgeschlossen.  Alle Gottesvorstellungen sind gleich, jeder kann sich seinen Gott frei  wählen, es kommt nicht so darauf an, woran wir glauben. Aus biblischer  Sicht kommt es darauf an. Es sind nicht alle Götter und  Gottesvorstellungen gleich, wir sollen lernen, gute und schlechte nicht  miteinander zu vermengen, sondern voneinander zu unterscheiden. Zur  Entwicklung des geistigen Beurteilungsvermögens nicht zuletzt bezüglich  der Götter und Gottesvorstellungen braucht es eine geistige  Auseinandersetzung. Diese ist in den Logen verboten. Sie findet nicht  statt.

Aus biblischer Sicht ist Gott auch kein «Geheimnis»,  sondern er gibt sich uns zu erkennen. Der biblische Gott ergreift  seinerseits die Initiative und offenbart sich uns in seinem Wort. Der  biblische Gott ist wie der freimaurerische eine Person, aber keine  beliebige Person, sondern eine identifizierbare Person, eine Person mit  Namen. Der freimaurerische Allmächtige Baumeister aller Welten (,»ABaW»)  ist nicht identifizierbar. Er hat keinen konkreten Namen.

Der  biblische Gott kann nicht in erster Linie durch Innerlichkeit und  Gewissensbildung wahrgenommen und kennengelernt werden, sondern  hauptsächlich durch sein Wort. Die verbale Kommunikation ist zentral.  Den biblischen Gott erreicht, wer ihn und sein Wort ernst nimmt, ihm  vertraut. Sein Wort gilt ewig. Wort gläubige Christen sind nicht  untätig, haben auch Erlebnisse und Gefühle, doch sie orientieren sich  nicht daran. Taten, Erlebnisse und Gefühle sind zweitrangig. Zwischen  dem ABAW und den Freimaurern besteht ein Arbeitsverhältnis, zwischen dem  biblischen Gott und denen, die ihm vertrauen, ein Familienverhältnis.  Der Freimaurer »geht in den ewigen Osten ein, wofern der dreifach grosse  Weltbaumeister, Gott der Allgütige, mit seiner Arbeit zufrieden gewesen  ist.« (Bloch Suhr FM zit. in Nielsen Prot.bibl. 1882 64) Demgegenüber  ist nicht unsere Leistung, sondern Jesus Christus der Weg zum biblischen  Gott, nicht Werke, sondern Glaube und Gnade.

Aufgrund solcher und  anderer Unterschiede kommen hauptsächlich konservativ katholische  Autoren zum Schluss: Der ABAW ist in Wirklichkeit der Teufel. Die  Freimaurerei ist nichts anderes als die »Synagoge Satans«. (Baum Kath.  1975 2) Das Werk von Baum (1975) trägt den Titel: »Freimaurerischer  Satanismus heute«. Adler betitelt die Freimaurer als «die Söhne der  Finsternis« (1975, 1982, 1983). Aber auch nach van Dam (Prot.bibl.)  entpuppt sich die Freimaurerei letztlich als Satanismus. Die zwei Säulen  »J« und »B« (Jachin und Boas) würden auch als Jahwe und Baal gedeutet;  die »Weisheit« des (späten) Salomo hätte darin bestanden, dass er beide  vereinen wollte. In den obersten Hochgraden werde der ABAW »Jabulon«  genannt, was eine Art Antitrinität bedeute, die aus den Namen Jahwe,  Baal und Osiris gebildet worden sei.

Wie dem auch sei: Ich wäre  vorsichtig mit der Aussage, dass der ABAW der Teufel ist, denn  tatsächlich wissen wir es ja nicht. Der Geist der Freimaurerei hat sich  der Menschheit (noch) nicht persönlich und mit Namen vorgestellt. Somit  wissen wir nicht, ob es ihn gibt und ob er mehr ist, als bloss ein  synkretistisches Hirngespinst. Sicher gehört er nicht zum Reich des  biblischen Gottes. Aber es könnte statt des Teufels auch einer seiner  »Fürsten« sein, der die Freimaurerei inszeniert hat. Zudem sind meines  Erachtens sicher die allerwenigsten Freimaurer wirkliche Satanisten im  eigentlichen Sinn. Sie sind nicht die (bewussten) Täter, sondern die  Opfer. So schreibt auch Baum (Kath. 1975, 27): «Die Freimaurer sind …  keine Satanisten, sie sind lediglich die zuerst Hereingefallenen des  raffiniert getarnten Satanismus.« Sie sind die Opfer des sie am  Narrenseil führenden Riesenbetrugs.

Ganz sicher ist eines: Der  «Allnlächtige Baumeister aller Welten» ist nicht der gleiche Gott Vater,  der sich uns in der Bibel offenbart. Darüber sind sich alle einig:  Freimaurer (z. B. Lagutt FM 1958 60) und Christen: »Wer die Schriften  der Freimaurer durchliest, dem wird es klar, dass dieser ‚dreifach  grosse Baumeister‘ wesentlich von dem dreieinigen Gott verschieden ist,  an welchen wir Christen glauben.« (Nielsen Prot.bibl. 1882 60)

6.3. Christus aus FM Sicht

Wie  das Gottesbild, so wird auch das Jesus Bild in der Freimaurerei auf  verschiedene Art relativiert, hauptsächlich subjektiv und historisch: Es  gibt über ihn scheinbar kein absolut sicheres Wissen. Jede Person und  jede Geschichtsperiode sieht ihn wieder anders.

6.3. 1. Individuelle Christus  Vorstellungen:

»Nun  ist freilich gerade das sehr umstritten, was Jesus eigentlich war und  was er eigentlich wollte. Bücher … zeigen selbst den Uneingeweihten  die ungeheure Schwierigkeit eines objektiven Jesusbildes. Innerhalb der  evangelischen Theologie ist die Auffassung der wesentlichen Bedeutung  Jesu kaum weniger mannigfaltig, als in den anderen grossen  Lebenskreisen. Jeder sieht seine Ideale oder seine Sehnsucht in ihn  hinein. Den Liberalen erscheint er liberal, den Orthodoxen erscheint er  orthodox, den Kommunisten ist er ein Kommunist und den Anthroposophen  erscheint er in anthroposophischem Licht. Aber auch innerhalb des  liberal protestantischen Kreises wird sein Bild verschieden gesehen.«  (Schenkel Prot.Iib. 1926 154)

Was aus unserer Sicht dieses Zitat  kennzeichnet, das ist, dass von Jesus in der Vergangenheitsform  gesprochen wird. Die «Freiheit« der Interpretationen basiert auf der  stillschweigenden Annahme, dass er tot ist, dass er bloss eine  geschichtliche Erscheinung war.

6.3.2. Christus als geschichtlicher Mensch:

Für  Lessing (FM 1793, 1976 634) ist es «unstreitig», dass die frühen  Christen «keinen solchen Sohn Gottes meinten, welcher mit Gott von  gleichem Wesen sei.»

Auch für Bender (FM 1942 214ff) ist Jesus  kein Sohn Gottes im biblischen Sinn. Dazu wurde er erst später gemacht.  Er schreibt: «Er beanspruchte nicht etwa die Gottessohnschaft allein für  sich, wie es später ausgelegt wurde, sondern nannte Söhne Gottes,  Kinder Gottes alle, die Gottes Willen aufrichtig zu erfüllen sich  bemühen … Vielmehr nannte er sich viel öfter ausdrücklich des Menschen  Sohn , wohl eben, weil das Volk ihn immer wieder als Gott verehren  wollte, wobei er dann aber immer in die Einöde entwich.» (S. 214f) «Bald  wurde die einfache Lehre der Liebe mit einem Glaubensbekenntnis  vertauscht, das Christus zu einem Gott statt Menschensohn machte.«

Der  Inhalt der Auffassung über Christus und Gott ist nach Schenkel abhängig  »von der Stufe der erreichten Menschlichkeit». (S. 159)

6.3.3. Christus als Humanist und Vorbild:

Die  meisten Freimaurer sind wohl der Überzeugung, «keinen anderen Geist zu  pflegen, als den des grossen Meisters Jesus von Nazareth«. (Schenkel,  Bauhofer FM 1975 22)

Christus wird nicht als Gott gesehen, sondern  als Humanist und als entsprechendes Vorbild: »Für Jesus handelte es  sich ganz wesentlich um den Menschen und die Menschlichkeit. Er hat den  Menschen rein als solchen in seinem Verhältnis zu Gott genommen. Er  suchte den Menschen hinzuführen auf das Problem seiner Seele, oder, für  unser Bewusstsein ausgedrückt, auf das Problem seiner sittlichen  Eigenpersönlichkeit. Er hat die Menschen beurteilt nur nach ihrem  persönlichen Wert oder Unwert, aber nicht nach Kategorien der Rasse und  des Volkstums, der Zugehörigkeit zu einer bestimmten  Religionsgemeinschaft oder nach ihrer dogmatischen Einstellung … Wer  also im Sinne Jesu leben will, muss vorurteilslos jedem Menschen als  solchem gegenübertreten und muss bei aller Verankerung im Nationalen und  Kirchlichen doch auch über diese Schranken hinwegzusehen vermögen.«  (Schenkel S. 157f)

«Dass es Jesus um die Menschlichkeit geht,  zeigt das unerreichte Gleichnis vom barmherzigen Samariter … Bei der  Frömmigkeit Jesu ist das Charakteristische das unbedingte Vorwiegen der  ethischen Gesichtspunkte und damit des humanen Sinnes.« (Ebd. 158)  Schenkel will «die innere Verwandtschaft des humanitären Geistes der  Freimaurerei mit Jesus auch noch in vielfacher anderer Weise aufzeigen.«  (S. 160) Jesus habe in erster Linie Liebe, Nächstenliebe, Menschenliebe  gepredigt und vorgelebt, er habe sein »Leben restlos in den Dienst der  Menschen» gestellt. Das sei auch das Anliegen der Freimaurerei. «Treue  bis in den Tod, wie sie das Lebensende Jesu krönt, ist der Inhalt des  Meistergrades.» (S. 1 60f)

Aus dieser Sicht erscheint der Gott des  Alten Testamentes als »inhuman», und Jesus habe ihn sozusagen  humanisiert, «indem er dem inhumanen Gottesbegriff der pharisäischen  Tradition Beispiele aus der Welt edlen Menschentums als Beweis für seine  humanere Gottesauffassung entgegenstellte.« (S. 158)

Anstössig  ist für Schenkel hauptsächlich die Auffassung, dass der Mensch ein  Sünder sein soll, dass die Menschen in Sünder und Gerechte eingeteilt  werden, angesichts »der Tatsache, dass Gott Sonne und Regen allen  gleichermassen zuteil werden lässt.» (S. 158) Die »pietistische  Sündenangst«, die «jede edlere Regung« verspotte, sei »Jesus gänzlich  fremd«. (S. 158) Menschenunwürdig ist für Schenkel auch die Vorstellung,  dass die ja so »edlen« Menschen eines Tages gerichtet werden sollen.  Die »eschatologische Auffassung« sei «praktisch wertlos und inhaltlich  anstössig«, meint er. (Ebd. 162) Wer die biblische Sicht Jesu und nicht  die humanistische Sicht vertritt, der wird nun seinerseits abgewertet,  auf eine niedrigere «Stufe der erreichten Menschlichkeit« versetzt: »Der  kirchliche Volksglaube enthält in seiner Gottesvorstellung inhumane  Züge als Erbe jüdischen und vorreformatorischen Denkens.» (S. 159)

Schenkels  Jesus steht im Gegensatz zur angeblichen »Phantastik der  eschatologischen Erlösungsreligion … Er ist die Verkörperung der  sittlichen Erlösungsreligion … Da es ihm ganz auf die Echtheit und  Lebenswirklichkeit ankam, formulierte er keine abstrakten Begriffe,  sondern versuchte, seine geistige Welt in Bildern zu übermitteln … Die  Freimaurerei geht den gleichen Weg bewusst, indem sie grundsätzlich auf  jede begriffliche Formulierung der eigentlichen Lebensgeheimnisse  verzichtet und die Bildersprache für genügend, ja für geeigneter hält.«  (S. 155)

Der Abgrund, der zwischen dieser humanistischen und der  biblischen Jesus Auffassung besteht, scheint Schenkel nicht bewusst zu  sein. Jesus als das »Wort», das «fleischgewordene Wort«, hat zur  Verkündigung und eben auch zur Darstellung seiner »Bilder« das Wort  gebraucht. Niemals hat er das Schweigen propagiert und das stumme  »Erleben» gefördert, sondern stets ein ausgesprochenes Bekenntnis  erwartet   nicht für die »Menschlichkeit«, das ist ein abstrakter  Begriff,   sondern für sich.

6.3.4. Jesus als «Eingeweihter», «Priester», «Meister»:

Hauptsächlich  in der Schwedischen Lehrart der Freimaurerei, aber auch bei anderen  freimaurerischen Autoren, erscheint Jesus auch in einem gnostischen  Licht. Jesus ist »ganz Mensch» und als solcher »Christusträger«. Dank  des «Christusgeistes« wird er »göttlicher Eingeweihter und Priester».  (Lagutt FM 1958 44) Bei der Auferweckung des Lazarus werde dies aller  Welt deutlich. Jesus vollziehe «öffentlich an Lazarus, was sonst  verborgenstes Tempelgeheimnis war.« (Ebd. 44) «Im Johannes Evangelium  tritt Jesus in Deutlichkeit als der grosse Initiator, als Eingeweihter  im höchsten Sinne auf … In aller Offenheit tritt Jesus als der grosse  Eingeweihte, als Hierophant im Sinne der alten Mysterien auf, als er die  Auferweckung des Lazarus vollzieht … In Lazarus bricht das Ewige  durch … Wo immer im Men¬schen der Geist, das Ewige, das höhere Selbst  durchbricht, oder anders ausgedrückt, der Mensch in seinem strebenden  Bemühen sich dem Quell seines wahren Wesens nähert, erlebt er die grosse  Auferweckung.   Ist es nun verwunderlich, dass das Johannes Evangelium  in der esoterischchristlichen Strömung eine solch zentrale Stellung  einnimmt?« (S. 143)

In der schwedischen Lehrart erscheint Jesus  als »erster Grossmeister« der Loge. »Der erste Grossmeister der Loge war  Jesus; nach Jesus kam Jakobus, und nach dessen Tod traten die Jünger  und Verwandten Jesu zusammen und wählten Simeon … Christus trat als  Philosoph und Lehrer einer reinen Naturreligion auf.« (Nielsen  Prot.bibl. 1882 88 über die Schwedische Lehrart) Nielsen zitiert einen  schwedischen Freimaurer Text über das «exoterische» und das  »esoterische« Auftreten Christi: «Bei dem exoterischen Vortrage liess er  daher manche Vorurteile stehen … Aber bei dem esoterischen Vortrage    im Innern seiner Meisterlogen   um jedoch bloss einen Wink zu geben    trat Jesus z.B. niemals als wahrer und eigentlicher Gott auf, sondern  allein als der Grossmeister im Osten, welcher die Menschheit erleuchten,  wahre moralische Begriffe verbreiten und uns dereinst die  Unsterblichkeit zusichern wollte.« (Ebd. 89) Im schwedischen Lehrsystem  wird auch die Ansicht verbreitet, Johannes der Täufer und Jesus seien  »Vorsteher des Essäerbundes« gewesen. (Nielsen 1883 22ff) Dieses kurze  Stimmungsbild soll hier genügen. Die schwedische Lehrart ist auch unter  Freimaurern umstritten (z.B. Schiffmann, 1883 23). Nielsen (1882, 1883)  hat die »Pseudo Christlichkeit des schwedischen Systems» (1883 27)  ausführlich dargestellt.

6.3.5. Zusammenfassung und Vergleich

Zusammenfassend  kann eindeutig gesagt werden: Das Jesus Bild, das die Freimaurerei  vermittelt, entspricht nicht dem Jesus Bild der Bibel.

In der  Freimaurerei wird Jesus als geschichtlicher Mensch betrachtet, über den  sich jeder beliebige Vorstellungen machen kann. Aus biblischer Sicht  steht Jesus nicht nur in der Geschichte, sondern auch über der  Geschichte. Und die biblischen Aussagen über ihn sind nicht mehrdeutig,  sondern eindeutig. Das geht auch aus den Ergebnissen der Bibeiforschung  hervor. Sie <~zeigen, dass alle Schichten der Evangelienschriften  durchdrungen sind von dem einen, übereinstimmenden Bild Jesu: Er ist der  Messias und der Sohn Gottes.» (Bruce Prot.bibl. 1976 38)

Nicht  erfüllt haben sich die humanistischen Erwartungen, »dass man durch immer  weiteres Zurückgehen auf die ursprünglichsten Schichten der  Evangeliumsüberlieferung auf einen rein menschlichen Jesus stossen  würde, der nichts weiter lehrte als die Vaterschaft Gottes und die  Bruderschaft aller Menschen. Aber das findet sich gerade nicht.« (Ebd.  39)

Freimaurer haben das Gefühl, der Mensch sei von sich aus  gerecht und bedürfe der Erlösertat Christi nicht (Zuber FM 1975 183).  Aus biblischer Sicht ist wirkliche »Selbsterkenntnis» Einsicht in die  eigene Sündhaftigkeit und Verlorenheit. Der Glaube an »das Gute im  Menschen« beruht meines Erachtens auf einem Mangel an Lebenserfahrung  und Menschenkenntnis.

Freimaurer lehnen die Vorstellung von einem  Gott ab, der über Menschen zu Gericht sitzt. Aus biblischer Sicht ist es  gerade Jesus Christus, dem die Rolle des Richters über alle vom Vater  übertragen wurde. Er ist der Herr aller Welten und Zeiten. Erlösung und  Befreiung erfolgt durch die Annahme dieser (biblischen) Tatsache.

Aus  freimaurerischer Sicht hingegen ist Jesus Christus tot und lebt nur  durch seine Lehre, den symbolischen Gehalt seiner Taten und als  ethisches Vorbild weiter. Der biblische Jesus hat keine Lehre angeboten,  sondern sich selbst hingegeben; Er hat keine religiösen Erlebnisse  vermittelt, sondern «Worte des Lebens« gesprochen; Er hat die Menschen  nicht mit ethischen Geboten und Richtlinien belastet, sondern Frieden  mit dem lebendigen Gott gestiftet, die Beziehungen zwischen den Lebenden  befreit und damit alle Gesetzlichkeit »aufgehoben«.

Der  gnostische Jesus Christus ist gespalten in Jesus und Christus, in Mensch  und Gott, in Körper, Seele und Geist. Der biblische Jesus Christus ist  eine lebendige Einheit von dem allem, die jede bloss menschliche  Vorstellungskraft übersteigt.

6.4. Freimaurerei und liberale Theologie

Nach  Schenkel besteht zwar kein »bewusstes Bündnis zwischen Freimaurerei und  liberaler protestantischer Theologie». Aber es gibt eine »wesenhafte  und schicksalhafte Verbundenheit« (S. 3), eine «innere Verwandtschaft«  (S. 163) sowie dichte personelle Verflechtungen. (S. 40f.)

6.4. 1. Enge Geistesverwandtschaft zwischen Freimaurerei und liberalem Protestantismus

Schenkel stellt eine weitgehende geistige Übereinstimmung zwischen Freimaurerei und liberalem Protestantismus fest:

»Man  wird sagen können, dass im ganzen genommen in der Freimaurerei die  Auffassung Jesu, wie sie sich aus der liberalen protestantischen  Forschung von den Anfängen der Aufklärung an ergeben hat, schon immer  praktisch verwertet ist, allerdings unter selbstverständlicher  Ausschaltung der zeitweise hervorgehobenen eschatologischen Auffassung,  die praktisch wertlos und inhaltlich anstössig ist. Diese inhaltliche  Übereinstimmung hätte die Möglichkeit einer viel stärkeren Verankerung  des protestantischen

Liberalismus geboten, wenn nicht die meisten  führenden Persönlichkeiten des liberalen Protestantismus des Sinnes für  Kultus wie des Sinnes für die Bedeutung festgefügter Organisationen  ermangelt hätten. Der liberale Protestantismus hat aus sich selbst  heraus feste kirchliche Gemeinschaften kaum zu schaffen vermocht.    Besonders stark empfindet man die innere Verwandtschaft, wenn man die  freimaurerische Gedankenwelt in Beziehung setzt nicht zum christlichen  Dogma, sondern zur protestantischen Ethik. Hier treten die verwandten  Züge am deutlichsten hervor. Ich wüsste nicht, welche Unterschiede  zwischen dem Pflichtgedanken, dem Berufsgedanken, dem Arbeitsgedanken in  der Auffassung der Freimaurerei und diesen Gedanken in einer modernen  protestantischen Ethik nachzuweisen wären. Vor allem aber ist es die  gleiche Grundeinstellung, nämlich die Ablehnung aller Heteronomie und  aller Kasuistik und die zentrale Bedeutung des freien, vor dem ewigen  Gott verantwortlichen Gewissens …« (Schenkel S. 162ff)

Hammer  (Prot. 1984) meint, die heutige protestantische Theologie sei über die  Freimaurerei hinausgewachsen: »Das Gedankengut der Freimaurerei, das im  Kontext des 18. Jahrhunderts eindeutig »Fortschritt« bedeutete, aber  beim damals behaupteten und erreichten Deismus im wesentlichen  stehenblieb, darf für die heutige protestantische Theologie, ganz  gleich, wo sie angesiedelt ist, als überwunden gelten.« (S. 27) Eine  humanistische, allgemein menschliche Religion »kann ebensowenig  befriedigen wie ein von der Botschaft von Sünde und Gnade absehendes  freies, edles Menschentum, das sich gnostisch mystisch aus eigener Kraft  von Stufe zu Stufe selbst vervollkommnet und dabei doch nur den im  engen, für die Aussenstehenden verborgenen Bruderbund vereinigten  Brüdern zugute kommt.   Die Einwände der evangelischen Theologie gegen  das Gedankengut der Freimaurerei sind im wesentlichen dieselben wie  gegen die Aufklärung eines Voltaire und seines Schülers auf dem  Preußenthron und gegen den Idealismus der Freimaurer Lessing, Herder,  Fichte, Goethe, von Humboldt und von Knigge. Bedeutendere Geister als  die genannte Prominenz sind aus dem protestantischen Bereich seither in  der Freimaurerei nicht mehr wahrzunehmen. Ihre geheimnisvolle Arbeit im  geschlosssenen Tempel wirkt sowohl in der modernen Demokratie wie in  einem modernen freien Protestantismus, in denen alle ethischen Postulate  und Probleme diskutiert und alle liturgischen Anlässe öffentlich sind,  anachronistisch.« (Hammer Prot. 1984 27)

6.4.2. Freimaurerei und Bibelkritik:

Möglicherweise prägt der Geist der Freimaurerei auch die moderne protestantische Theologie doch noch tiefer als Hammer annimmt.

Wir  haben gesehen, dass das Wesen der Freimaurerei darin liegt, dass sie  dem Wort im weitesten Sinne misstraut und an seine Stelle das Symbol  setzt, dass sie alles Jenseitige relativiert und das Diesseitige, dem  Menschen durch eigene Anstrengungen Zugängliche, verabsolutiert. Wir  haben zudem gesehen, dass Weltbild, Menschenbild, Gottesbild und  Jesusbild der Freimaurerei radikal den entsprechenden Aussagen der Bibel  entgegenstehen. Die beiden »Realitäten« widersprechen sich, sie  schliessen sich aus, sie können nicht beide gleichzeitig wahr sein. Aus  freimaurerischer Sicht liegt natürlich der Grund für diese Widersprüche  nicht in der Freimaurerei, sondern in der Bibel. Freimaurerei ist darum  ihrem Wesen gemäss Bibelkritik. Es kommt mir hier nicht in erster Linie  darauf an, festzustellen, wie viele und welche bibelkritischen Theologen  Freimaurer waren, Eine solche Untersuchung würde den Rahmen dieser  Arbeit sprengen und hätte, nicht zuletzt wegen dem geheimen bzw.  »diskreten» Charakter der Freimaurerei, eine äusserst relative  Bedeutung. Neben den unbekannten Maurern gibt es zudem auch die  ungezählten »Maurer ohne Schurz». Darum kommt es in erster Linie auf den  Geist an. Und bezüglich des Geistes kann eindeutig gesagt werden: Der  Geist der Freimaurerei ist bibelkritisch. Er akzeptiert keine über ihm  stehende, absolute Geltung beanspruchende Wahrheit, Person oder Aussage,  selbst wenn sie in der Bibel steht. Die Freimaurerei stellt sich über  die Bibel, beschlagnahmt die Bibel und unterwirft sie. Die Bibel wird  nicht abgelehnt, sondern relativiert, konserviert, in »Schutz« genommen  und menschlicher, »wissenschaftlicher» Untersuchung zugänglich gemacht.  Plumpe Ablehnung wäre primitiv: In Andersons Konstitution wird der  Atheist als »einfältig« bezeichnet. (Zit. in Oslo, S. 379) Die  Relativierung ist Ausdruck einer viel raffinierteren, tieferen, dafür  äusserst abgründigen Feindschaft.«

Die Reformatoren konnten das in  der Bibel bezeugte Wort Gottes als wichtigste, »heiligste» Waffe der  geballten Macht des etablierten Katholizismus entgegensetzen. Ab 1717  beginnen protestantische Theologen, diese «heilige Kuh« der eigenen  Herkunft zu zerlegen, in einen rein menschlichen Zusammenhang zu stellen  und allenfalls auch auf ein menschliches Podest zu heben. Im folgenden  sei kurz auf die Freimaurer und protestantischen Theologen Gotthold  Ephraim Lessing (1729 1781) und Johann Gottfried von Herder(1744 1803)  eingegangen, die einen wesentlichen Einfluss auf die protestantische  Theologie ausübten. Dabei geht es vor allem um ihre Stellung zur Bibel.

Aus  Lessings »Theologiekritischen Schriften» 1778 geht eindeutig hervor,  dass er die Bibel nicht als von Gott inspiriertes Wort, sondern als rein  menschliches Machwerk ansah. Die Ausführungen über die Entstehung der  Evangelien tragen den Titel: »Neue Hypothese über die Evangelisten als  bloss menschliche Geschichtsschreiber betrachtet«. Auch bei der  Zusammenstellung des Kanons hat nach Lessing keine höhere Macht  mitgewirkt. Die »Offenbarung Johannis« ist ihm »ein Beweis, wie planlos  sich der Kanon des neuen Testaments gebildet« hat. Nach seiner Meinung  waren Redaktoren am Werk, die »mit aller Freiheit abgeschrieben« haben.  Inspiration ist höchstens Einbildung der scheinbar Inspirierten.  Vermutlich zuckte man auch damals schon die Achseln über Leute, die  etwas Historisches aus Inspiration zu wissen vorgaben. Ein Evangelium  braucht es nach Lessing nicht für alle Leute, sondern es wird nur so  lange eines geben, »als es Menschen gibt, die eines Mittlers zwischen  ihnen und der Gottheit zu bedürfen glauben.« (1976 635) Lessing hat mit  dem gläubigen Hauptpastor Johann Melchior Goeze eine harte theologische  Auseinandersetzung geführt, die einen grossen Teil seiner  »Theologiekritischen Schriften» ausmacht (»Anti-Goeze«, I XII.)

Die  folgenden Herder Zitate sind dem Artikel von J. Böni, Pfarrer und  Grossmeister der »Alpina», über den »Theologen Johann Gottfried Herder«  (1944) entnommen. Herder hat nach Böni die Denkart des »christlichen  Humanismus« geprägt und auch als «erster Geistlicher der  protestantischen Landeskirche« in Deutschland einen nachhaltigen  Einfluss ausgeübt. Er lehnte es ab, die Bibel als «sakrosankte  Schriften» zu betrachten und wandte sich gegen »theologische  Engherzigkeit». Die Bibel ist nicht übermenschlicher und  allgemeinmenschlicher Maßstab, sondern in die Menschheitsgeschichte  eingebettet. »Die Bibel ist aus der Vorstellungswelt der Antike zu  verstehen.» (Böni, S. 288) Das Christentum ist eine Religion unter  vielen, die ebenfalls ihre Bedeutung und ihre Wahrheiten haben. «Ebenso  unbefangen wie das Christentum würdigt der protestantische Geistliche  die nichtchristlichen Religionen, von denen insbesondere auf die  Religion der Griechen ein verklärendes Licht fällt.» (S. 286). Herder  relativiert das Wort auch insofern, als er ihm gegenüber das Gefühl, das  Erlebnis, die «Leidenschaft» aufwerten möchte. (S. 291) Bei Herder  hören wir »nichts von Erlösung, Sündenvergebung, Rechtfertigung» (S.  290).

Diesem liberal kritischen, freimaurerischen Einfluss haben  sich nach Schenkel auch die scheinbar etwas unterbelichteten bibeltreuen  Protestan¬ten nicht entziehen können. »Selbst die positiven und  orthodoxen Kreise, soweit sie sich einer gewissen Allgemeinbildung  erfreuen, sind von liberalen Gedanken, wenn auch langsam und vielfach  unbewußt, durchsetzt worden.« (Schenkel). Nach W. Neuer waren unter  anderen folgende Begründer der modernen Bibelkritik Freimaurer: Hermann  Samuel Reimarus (1694-1768), Ernst Renan (1823- 1892), Christian Wolff  (1679- 1754), David Friedrich Strauss (1808- 1874).

6.4.3. Personelle Verflechtungen zwischen Freimaurerei und liberalem Protestantismus

Zu diesem Thema müssen wir uns hier mit einigen Zitaten aus Schenkel begnügen.

»Wohl  aber sind durch einzelne Persönlichkeiten starke Verbindungsfäden  zwischen Loge und freien protestantischen Organisationen vorhanden. Es  sei nur erinnert an den bekannten Heidelberger Juristen Bluntschli, den  ersten Vorsitzenden des Protestantenvereins, der zugleich ein sehr  eifriger Freimaurer war und die Würde eines Grossmeisters in der  Grossloge ‚Zur Sonne‘ (Bayreuther System) bekleidete. Über die  gegenwärtigen Beziehungen ist es aus begreiflichen Gründen nicht ratsam,  Einzelheiten anzuführen. Es genügt, auf die Tatsache zu verweisen, dass  sowohl Geistliche hervorragende Stellen in den Logen und Grosslogen  einnehmen, wie umgekehrt Freimaurer in beachtenswertem Umfang in  kirchlichen Vertretungen vorhanden sind. Jedenfalls betrachten gerade in  Deutschland die meisten Freimaurer die Freimaurerei als in der  Geistesrichtung des freien Protestantismus liegend.« (S. 41) Der aus der  Schweiz stammende Johann Kaspar Bluntschli (1808  1881) war liberaler  Staatsrechtler und Politiker. Er gilt »als Stifter des deutschen  Protestantenvereins, der im Gegensatz zu der damals vorherrschenden  protestantischen Orthodoxie für grössere Freiheit in den theologischen  Wissenschaften eintrat.« (Valmy, 62)

»In der Schweiz zeigt sich  die Verbindung von Freimaurerei und Protestantismus in Männern wie  Quartier la Tente, der im Januar 1925 als ein in der ganzen Welt  bekannter Freimaurer gestorben ist. In Neuenburg geboren, wurde er  später Pfarrer, bekleidete eine theologische Professur, und war ein  halbes Jahrzehnt Grossmeister der Schweizer Grossloge Alpina. Bekannt  wurde er vor allem durch sein eifriges Streben nach Ausbau der  übernationalen Fühlungnahme der Freimaurerei.« (Schenkel S. 40) Zu  erwähnen ist an dieser Stelle nochmals der liberale protestantische  Theologe und Pfarrer J. Böni. 1942  1947 war er Grossmeister der  «Alpina« und Pfarrer in Trogen. In dieser Zeit entstand in Trogen das  Pestalozzi Kinderdorf.

7. Die Freimaurerei aus der Sicht Christi

Im  letzten Kapitel haben wir versucht, das Christentum, Gott, Christus und  die protestantische Theologie aus dem Blickwinkel der Freimaurerei zu  betrachten. In diesem Kapitel soll die Blickrichtung umgedreht werden.  Es soll der Versuch gewagt werden, die Freimaurerei aus der Sicht  Christi zu beurteilen, wobei wir annehmen, dass er wirklich »leibhaftig  auferstanden» ist, und dass ihm alle Macht im Himmel und auf Erden  übertragen wurde. Bei den Aussagen Christi verlassen wir uns  hauptsächlich auf die in der Bibel von ihm und über ihn bezeugten Worte.  Also: Gott hat Jesus Christus «eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel  über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen  Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der  zukünftigen.« (Eph. 1, 20f)

7.1. Die Freimaurerei als Gegner Christi

Wir  haben gesehen, dass die Freimaurerei jeden Absolutheitsanspruch (ausser  dem eigenen natürlich) ablehnt. Der Geist der Freimaurerei bekämpft  jeden Anspruch auf absolute Wahrheit und hat bisher bereits den  Absolutismus, den Faschismus, die kommunistische Einparteienherrschaft  besiegt. In der katholischen Kirche und in den protestantischen Kirchen  sind die Auseinandersetzungen noch im Gange. Es ist wohl möglich, dass  am Schluss nur noch ein Gegner übrig bleibt: Jesus Christus.

7.1.1. Ablehnung des Absolutheitsanspruches Christi

Der  Absolutheitsanspruch Christi ist der «Stein des Anstosses» für die  Frei¬maurer: »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand  kommt zum Vater denn durch mich« (Joh. 14, 6). Oder: »Ohne mich könnt  ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen …« (Joh.  15, 5f). Für einen Humanisten sind das unglaubliche, ungeheure,  unerhörte Worte. Warum soll es nicht auch andere Wege geben? Gibt es  nicht auch in anderen Religionen »Erkenntnis« und schöne Erlebnisse? Ist  es nicht unfair und ungerecht, die Menschen derart ungleich zu  behandeln und zu verurteilen? Die Freimaurerei nimmt diese Worte Jesu  nicht ernst, sondern relativiert sie und damit den, mit dem sie zu tun  haben. Der Absolutheitsanspruch Christi wird abgelehnt. Damit ist aus  freimaurerischer Sicht noch keine Gegnerschaft verbunden, sondern es  sieht so aus, als ob erst der «moderne», «aufgeklärte» Mensch die  Zusammenhänge richtig erkennen und Jesus Christus ins richtige Licht  rücken könne. Aus der Sicht Christi ist nun aber gerade das eine  ungeheure Anmassung und totale Verkennung der wirklichen  Herrschaftsverhältnisse. Die Relativierung ist in Wahrheit Ablehnung,  und hinter den zum Teil schönen »christlichen« Worten verbirgt sich  äusserste Feindschaft. Der Geist der Freimaurerei macht dem  auferstandenen Jesus Christus die Herrschaft streitig. Er wird auf ein  rein menschliches Maß reduziert, abgewertet, verniedlicht und in ein  theoretisches Schema der menschlichen Entwicklungsgeschichte integriert.  Seine Worte, besonders die, die Anstoss erregen, sind in der Loge Tabu.  Wer Christus als den Herrn verkündet, der wird zum Schweigen gebracht  und auf den Sonntagvormittag verwiesen.

Ist Christus wirklich  auferstanden, so ist eindeutig: Die Freimaurerei ist nicht für, sondern  gegen ihn. Auf die Freimaurerei trifft also das folgende Wort Jesu zu:  »Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich, und wer nicht mit mir  sammelt, der zerstreut« (Lk. 11, 23).

7.1.2. Die Freimaurer als die «Bauleute» der Bibel

In  der Bibel kommt das Wort »Freimaurer» natürlich nicht vor. Dagegen gibt  es den Ausdruck »Bauleute«, der zur Bezeichnung derjenigen Menschen und  Menschengruppen (Pharisäer, Schriftgelehrte vor allem) verwendet wird,  die nicht auf Jesus Christus bauen, sondern auf eigene, menschliche  Weisheit, Kraft und Schönheit. Wesen und Inhalt, Bauhüttentradition und  Tempelbausymbolik der Freimaurerei legen nun nahe, dass dieser Ausdruck  auch auf die Freimaurerei zutrifft, so dass gesagt werden kann: Die  Freimaurer sind die Bauleute der Bibel.

Diese Bauleute sind in der  Bibel dadurch charakterisiert, dass sie den tragenden Stein, den  «Eckstein» des Baues Gottes verworfen haben. (Ps. 118, 22f; Mt. 21, 42;  Mk. 12, 10; Lk. 20, 17; Apg. 4, 11; 1. Petr. 2, 7) Der Eckstein des  Baues Gottes ist Jesus Christus. »Er (Jesus) ist der Stein, der von euch  Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist. Und in  keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein  anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden  sollen.» (Apg. 4, 11 f).

7.1.3. Der «Tempel der Humanität» ist nicht der «Tempel Gottes»

Der  Bau des Gottes der Bibel wird ebenfalls als »Tempel» bezeichnet. Die  folgende Aussage gilt für diejenigen, die den Absolutheitsanspruch  Christi ernst genommen haben und nun an seinem Bau mitwirken: »Ihr seid  also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der  Heiligen und Hausgenossen Gottes. Ihr seid auf das Fundament der Apostel  und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch  ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen  Tempel im Herrn. Durch ihn werdet auch ihr im Geist zu einer Wohnung  Gottes erbaut« (Eph. 2, 19 22).

Dieser Bau Gottes ist nun gewiss  nicht mit dem freimaurerischen «Tempel der Humanität» identisch. Es  handelt sich um zwei grundsätzlich verschie¬dene Bauwerke: Beim Bau  Gottes ist Jesus der Eck  oder Schlussstein, der alles zusammenhält. Er  wird, um einen anderen Bau Ausdruck zu verwenden, auch als «Grund« oder  «Fundament« bezeichnet: «Das Fundament ist gelegt: Jesus Christus.  Niemand kann ein anderes legen.« (l. Kor. 3, 11) Beim «Tempel der  Humanität» hingegen ist Jesus ein gewöhnlicher Stein, vielleicht ein  besonders schöner Stein, aber ganz bestimmt nicht der Eckstein,  Schlussstein oder das Fundament. Da der freimaurerische Bau nicht der  Bau des in der Bibel bezeugten Gottes und seines Sohnes ist, gilt für  ihn aus biblischer Sicht: Er ist nicht stabil, nicht dauerhaft; er hält  nicht, was er verspricht. Wer dort arbeitet, der wird nicht belohnt, hat  falsch investiert und sollte so rasch wie möglich innerlich  »umstrukturieren», die Stelle wechseln. »Wenn der Herr nicht das Haus  baut, so arbeiten umsonst, die daran arbeiten.» (Ps. 127, 1)

Alles  hängt von der Einstellung zu Jesus Christus ab: »Zu ihm kommt als zu  dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott  auserwählt und kostbar… Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar;  für die Ungläubigen aber ist ‚der Stein, den die Bauleute verworfen  haben und der zum Eckstein geworden ist, ein Stein des Anstosses und ein  Fels des Ärgernisses‘ (Ps. 118, 22; Jes. 8, 14); sie stossen sich an  ihm, weil sie nicht an das Wort glauben.« (l. Petr. 2, 4.7f) Die  Ablehnung bleibt nicht ohne Folgen. Die Bibel droht meines Erachtens  nicht, sondern sie warnt und stellt fest: »Jeder, der auf diesen Stein  fällt, wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er  zermalmen.» (Lk. 20, 18) Jesus Christus ist also aus biblischer Sicht  derjenige, an dem sich alles entscheidet. «Denn Gott hat seinen Sohn  nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die  Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet;  wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen  Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.« (Joh. 3, 17f) Aus biblischer Sicht  ist alles ganz einfach und eindeutig: »wer den Sohn hat, der hat das  Leben; wer den Sohn nicht hat, der hat das Leben nicht.» (l. Joh. 5, 12)  »Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott  bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.» (Joh. 17, 3)

7.2. Falscher Absolutheitsanspruch der FM

Die  Freimaurerei lehnt den Absolutheitsanspruch Christi ab und stellt sich  damit in Opposition zu ihm. Sie stellt sich über ihn. Damit erhebt sie  selbst einen Absolutheitsanspruch, was den meisten Freimaurern wohl gar  nicht bewusst ist. Die beiden Absolutheitsansprüche schliessen sich  gegenseitig aus, sie sind unvereinbar. Nur einer kann richtig,  gerechtfertigt, wahr sein. Der andere ist falsch, angemasst,  eingebildet, erschwindelt. Aus freimaurerischer Sicht ist der  Absolutheitsanspruch Christi falsch. Die entsprechenden Aussagen in der  Bibel sind unwahr. Wenn nicht Christus selbst ein Hochstapler,  Verrückter oder Lügner war, so haben die ersten Gemeinden und/oder  irgendwelche Redaktoren »in aller Freiheit» die Göttlichkeit Christi  erdichtet und die Schriften entsprechend »frisiert«. Wenn wir annehmen,  dass dies nicht so ist, dann ist aber der Absolutheitsanspruch der  Freimaurerei falsch. Aus biblischer Sicht steht der «Tempel der  Humanität» auf sumpfigem Boden. Die paradigmatischen, weltanschaulichen  Grundüberzeugungen der Freimaurerei sind unrealistisch, verkennen die  wirkliche Realität und die wahren Herrschaftsverhältnisse. Nicht die  Bibelleser, sondern die Freimaurer wurden getäuscht, in die Irre  geführt.

Es ist nicht ein anonymer »Allmächtiger Baumeister aller  Welten«, der oberster Herrscher, Ursprung und Maß aller Dinge wäre.  Vielmehr ist es Jesus Christus, der sagt: »Mir ist alle Macht gegeben im  Himmel und auf der Erde« (Mt. 28, 18).

Es trifft nicht zu, dass  es keine dem Menschen zugängliche absolute Wahrheit gibt. Zwar kann  niemand diese Wahrheit besitzen, weil sie eine Person ist. Aber diese  Person, ganz Gott, ganz Mensch, sagt von sich: «Ich bin die Wahrheit«.  (Joh. 14, 6)

Es ist nicht wahr, dass erlöst wird, «wer immer  strebend sich bemüht«. Jesus Christus schenkt allen seine Gnade, sein  Leben, seine Fülle, die seine Herrschaft akzeptieren. Die Annahme dieser  Herrschaft soll nicht erzwungen werden, sondern sie ist ganz  freiwillig. Nicht Streberei, Leistungen und Werke, sondern Vertrauen,  Glaube und Gnade bringen Sicherheit und Heil. Nicht die Arbeit und die  Arbeitsverhältnisse, sondern die Liebe, Liebesbeziehungen sind die  Grundlage allen Lebens, sind die Voraussetzung für unseren  »Lebensunterhalt» in jeder Beziehung.

Es ist nicht so, dass  Christus unterschiedslos allen Menschen das Leben schenkt. Denjenigen,  die ihn ablehnen, kann er es nicht schenken, denn nur er ist das Leben,  hat den Tod überwunden. «Ich bin die Auferstehung und das Leben …«  (Joh. 11, 25) Gerade die Freiheit der Entscheidung hat zur Folge, dass  letztlich nicht alle leben werden. Aus dieser Sicht ist es nutzlos und  lächerlich, dass Menschen »symbolisch« Särge überschreiten und sich  selbst »erheben».

Es ist nicht so, dass es unser bestes und  »edelstes« Los ist, ein Licht-Suchender zu sein, denn Jesus Christus  sagt: «Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht  wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben«  (Joh. 8, 12). So lange wir Christus nicht nachfolgen, tappen wir aus  biblischer Sicht im Dunkeln. Wir kommen ganz grundsätzlich nicht draus,  auch wenn wir uns noch so klug vorkommen. Zur Erleuchtung dieser  Finsternis helfen keine Lichtkulte, keine angezündeten Kerzen, keine  asketischen und meditativen Exerzitien. Wer hingegen den Gott der Bibel  sucht, der wird ihn finden!

Es ist auch nicht so, dass das  Diesseits, die dem Menschen zugängliche Welt, wichtiger ist als das  Jenseits. Die Bibel lehrt, dass die sichtbare Welt vergänglich ist, dass  sie aus einer unsichtbaren Welt hervorgegangen ist und aus dieser  unsichtbaren Welt gesteuert wird. Wer diesen Sachverhalt nicht  berücksichtigt, der baut sein Leben auf Vergängliches, setzt auf den  Tod. »Der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid  zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber  mein Heil bleibt ewiglich und meine Gerechtigkeit wird nicht  zerbrechen.» (Jes. 51, 6)

Es ist nicht wahr, dass Symbole für die  Verständigung und die Erkenntnis wichtiger sind als Worte. Aus  biblischer Sicht hat das Wort absoluten Vorrang. »Himmel und Erde werden  vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen«, spricht der Jesus  der Bibel. (Mt. 24, 35) »Wer das Wort verachtet, muss dafür büssen.«  (Spr. 13, 13) Der Mensch lebt von einem jeden Wort Gottes (Dtn. 8, 3;  Mt. 4, 4; Lk. 4, 4). Hingegen erstickt gerade die «Sorge der Welt« das  Wort. (Mt. 13, 22)

Nicht die Tat, sondern das Wort war am Anfang.  Und alle Dinge sind durch das Wort gemacht, »und ohne dasselbe ist  nichts gemacht, was gemacht ist.» (Joh. 1, 1 3) Jesus Christus ist  dieses Wort, das «Fleisch ward«. (Joh. 1, 14) Durch die Beziehung mit  ihm erhalten auch unsere Worte Wert, Sinn, Bestand. Ohne ihn ist unsere  Sprache wertlos, sinnlos, Geschwätz. «Niemand täusche euch mit leeren  Worten.» (Eph. 5, 6) Natürlich soll das nicht Tatenlosigkeit bedeuten:  »Seid Täter des Worts und nicht Hörer allein.» (Jak. 1, 22) Es geht hier  nicht um Alternativen, sondern um Prioritäten. «Täter des Worts», nicht  «Täter des Schweigens», sollen Christen sein. Worte schaffen andere  Beziehungen zwischen Menschen als bloße Handgriffe. Es ist darum nicht  egal, ob wir sprechen und was wir reden. Dazu noch eine Aussage Jesu:  «Ich sage euch: Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden  sie am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen müssen; denn aufgrund  deiner Worte wirst du freigesprochen, und aufgrund deiner Worte wirst du  verurteilt werden.» (Mt. 12, 36f) Und: «Wer mich verachtet und meine  Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich  gesprochen habe, wird ihn richten am Letzten Tag.« (Joh. 12, 48)

Gemäß  der Bibel ist es nichtwahr, dass der Mensch durch eine Evolution aus  dem Nichts entstanden ist, und es trifft nicht zu, dass er das am  höchsten entwickelte Lebewesen ist. Der Mensch ist nicht das Maß aller  Dinge. Er ist Geschöpf, Kreatur, nicht Schöpfer, Die Verehrung von  Geschöpfen, Geschaffenem anstelle des Schöpfers, wird in der Bibel als  »Götzendienst« bezeichnet. Humanisten aller Schattierung können als  Götzendiener bezeichnet werden. »Sie vertauschten die Wahrheit Gottes  mit der Lüge, sie beteten das Geschöpf an und verehrten es anstelle des  Schöpfers.« (Röm. 1, 25) Obwohl die Schöpfung und die Geschöpfe vom  Schöpfer zeugen, haben sie ihn nicht geehrt und ihm nicht gedankt. «Sie  verfielen in ihrem Denken der Nichtigkeit, und ihr unverständiges Herz  wurde verfinstert. Sie behaupteten, weise zu sein, und wurden zu Toren.«  (Röm. 1, 21f)

Die maßlose Unterschätzung Gottes und die  entsprechend ungeheure Überschätzung des Menschen führt zu wahnhaft  übersteigerten Anforderungen und Erwartungen an den Menschen, die  letztlich niemand erfüllen kann. Die Enttäuschung, die Gefangenheit in  Gedanken der scheinbaren Minderwertigkeit, sind darum die notwendige  Konsequenz aller Menschenvergötzung. «Ihr beladet die Menschen mit  unerträglichen Lasten.« (Lk. 11, 46)

Die freimaurerische Verehrung  menschlicher Leistungen und Werke ist aus biblischer Sicht natürlich  ebenfalls maßlos übertrieben und angesichts der Tatsache, dass Gott  alles Können und Vollbringen ermöglicht, völlig ungerechtfertigt. Der  Tanz um die menschlichen «Künste« und ihre Resultate kann als »doppelter  Götzendienst» bezeichnet werden. «Alle Menschen aber sind Toren mit  ihrer Kunst, und alle Goldschmiede stehen beschämt da mit ihren Bildern;  denn ihre Götzen sind Trug und haben kein Leben, sie sind nichts, ein  Spottgebilde; sie müssen zugrunde gehen, wenn sie heimgesucht werden.»  (Jer. 10, 14f)

Unseres Erachtens ist es also eindeutig, dass das  Welt  und Menschenbild der Freimaurerei demjenigen, das uns durch die  Bibel vermittelt wird, radikal entgegengesetzt ist. Der  Absolutheitsanspruch der Freimaurerei ist aus biblischer Sicht falsch    eine ungeheure Anmaßung.

7.3. Dunkle Herkunft

Wir haben  gesehen, dass es über Ursprung und Entwicklung der Freimaurerei bis 1717  kein gesichertes Wissen, dafür aber vielfältige Sagen, Mythen und  Legenden gibt. Wir kennen keinen Namen des Erfinders, die Legenden  wollen aber den Eindruck erwecken, als habe die Freimaurerei eine lange  Tradition, als sei sie uralt, als gehe sie auf Adam und Eva zurück (s.  Andersons Verfassung in Oslo). »Die Freimaurerei war immer», meint sogar  Falk in Lessings »Gesprächen für Freimäurer».

Die Bibel lehrt  uns, solchen Aussagen und Behauptungen ebenso wie Mythen, Sagen und  Märchen nicht zuviel Bedeutung zuzumessen. Wir sollen uns auf die  sinnlich wahrnehmbaren Tatsachen, auf die Aussagen von namentlich  bekannten Zeugen verlassen. In der Bibel spielt die Namengebung eine  entscheidende Rolle. Es sollte jede Person als Individuum identifiziert  werden können. Ebenso wichtig sind Stammbäume. Der Stammbaum Jesu ist  zweifach, lückenlos zurück über David bis Abraham aufgeführt. Es ist  nicht egal, woher etwas oder jemand kommt.

Die Freimaurerei wird  auch hinsichtlich der Herkunft den biblischen Maßstäben nicht gerecht:  Sie basiert auf Legenden, nicht Tatsachen; Sagen, nicht Aussagen;  Gerüchten, nicht Zeugen; Anonymität, nicht Namengebung; historischen  Phantasien, nicht Stammbäumen. Wir können darum nicht anders, als ihre  Herkunft als unsicher, ungeklärt, dunkel zu bezeichnen.

Aus  biblischer Sicht sind natürlich auch die geistigen Wurzeln der  Freimaurerei zum Teil mehr als dubios. Die von Priestern und Mönchen, in  Geheimgesellschaften, Mysterienbünden, Klöstern und Bauhütten  gepflegten »hermetischen Künste» sind aus biblischer Sicht  verabscheuungswürdig, und wir sollten lernen, uns ihrer zu enthalten.  »Dass nicht jemand unter dir gefunden werde, der seinen Sohn oder seine  Tochter durchs Feuer gehen lässt oder Wahrsagerei, Hellseherei, geheime  Künste oder Zauberei treibt oder Bannungen oder Geisterbeschwörungen  oder Zeichendeuterei vornimmt oder die Toten befragt. Denn wer das tut,  der ist dem Herrn ein Greuel.» (Dtn. 18. 10-12)

Wir haben gesehen,  dass auch die Inhalte der Legenden zum Teil einen deutlichen Protest  gegen die Darstellungen der Bibel und gegen den Gott der Bibel zum  Ausdruck bringen. Erinnert sei an die Parteinahme für Kain in der  Hiramslegende, an die Vorstellung, die Maurer hätten im Erdinneren die  Sintflut überlebt, an die Phantasie weltweiter außersprachlicher  Kommunikation der Menschen trotz aller Sprachverwirrung. Aus biblischer  Sicht sind solche «Möchtegern Geschichten» mit Sicherheit nicht vom  Heiligen Geist inspiriert.

7.4. Unerreichte Ideale

Die  Freimaurer werfen dem Christentum vor, es hätte seine Verheißungen nicht  erfüllt, wobei sie sich an den Christen orientieren, nicht an Jesus  Christus. In diesem Kapitel wollen wir versuchen, zu beurteilen, ob denn  die Freimaurerei in ihrer Geschichte ihre Ideale erreicht hat.

7.4.1. Untaugliche Orientierung anhand von Idealen

Dabei  sei nochmals darauf hingewiesen, dass sich unser Glaube nicht an  Idealen, sondern an einer Person orientiert. Mit Idealen können wir  nicht sprechen. Sie haben keine reale Macht. Sie übernehmen keine  Verantwortung und setzen sich nicht für uns ein. Ideale lassen sich  trotz endloser Definitionsversuche und Streitereien nicht eindeutig  festlegen. Sie sind ambivalent und können in unbestimmbarer Vielzahl  auftreten. Die Orientierung anhand von Idealen kann als moderne Form von  Vielgötterei bezeichnet werden, was deutlich wird, wenn sie  «personifiziert«, in Stein gehauen und auf einen Sockel gestellt sind.

7.4.2. Enttäuschung

Die  Freimaurerei weckt äusserst hohe Erwartungen, die wohl enttäuscht  werden müssen. Enttäuschung gehört zum Freimaurerdasein und wird in der  Literatur auch behandelt. »Dieses Phänomen der Enttäuschung über die  Kluft zwischen idealer Vorstellung und Realität wird sowohl in der  freimaurerischen Literatur als auch in der antimaurerischen angezogen  und interpretiert.« (Binder, Wiss. 1988 130) Aus freimaurerischer Sicht  können alle erdenklichen Gründe für diese Enttäuschung in Betracht  gezogen werden, nicht aber die Freimaurerei selbst. Vielleicht ist man  selbst oder vielleicht ist der »Bruder« noch zu wenig «wirklicher«  Freimaurer. Vielleicht erfüllt der nächst höhere Grad die Erwartungen.  Dem Enttäuschten wird auch deutlich gemacht, dass die Freimaurerei nicht  mehr geben könne als man selbst zu geben bereit ist. Schuld an der  Enttäuschung ist letztlich scheinbar jeder einzelne selbst.

7.4.3. Friede auf Erden?

Wir  haben gesehen, dass der angehende «Ritter Kadosch» des «Rachegrades»  lernt, die Ideale der Freimaurerei mit allen Mitteln durchzusetzen.  Niemand kann wohl behaupten, dass die Auseinandersetzungen im Zuge von  Humanismus, Aufklärung und Französischer Revolution friedlich,  «gewaltfrei« verlaufen sind. Die innerhumanistischen Abgrenzungen,  welche Form des Humanismus, welche Rasse, Klasse, Nation, welches  Individuum den Weltfrieden wirklich garantieren kann, haben wohl kaum  weniger Opfer gefordert und Greuel verursacht als die vorangegangenen  Konfessionskriege. Dabei soll natürlich nicht gesagt werden, dass die  Freimaurer an all diesen Streiten und Kriegen »schuld« sind, und auch  aus unserer Sicht hat ihr Kampf gegen all die falschen humanistischen  Absolutismen eine gewisse Berechtigung. Meines Erachtens ist aber der  Geist des Humanismus, auf dem auch die Freimaurerei beruht, von Natur  aus nicht friedlich. Homo homini lupus, der Mensch ist dem Menschen ein  Wolf. Diese Einsicht liegt auch der Forderung nach Gewaltentrennung  zugrunde: Dem Menschen ist in Wahrheit ganz grundsätzlich nicht zu  trauen, und um Machtmissbrauch zu verhindern, soll jede Gewalt die  andere relativieren, kontrollieren. Jeder soll jedem auf die Finger  schauen, niemandes Bäume sollen in den Himmel wachsen. Divide et impera,  teile und herrsche!

Der Humanismus schafft nicht Friede, sondern  Konkurrenz, Kampf um die Güter der Welt, Stress der Selbsterlösung,  »Selbstverwirklichung«. Es ist dies nicht nur eine Konkurrenz der  Rassen, Klassen und Nationen, sondern auch der Individuen, der Streber,  der Schaffer und der Friedensstifter. Ist in dieser Situation  wirklicher, dauerhafter Friede überhaupt möglich? Reicht es, wenn wir  die gegenseitigen Ansprüche und Differenzen einfach verschweigen und uns  «symbolisch« die Hand zum Bund reichen? Glaubt heute noch jemand, dass  die Bruderküsse (auch eine symbolische Handlung) der kommunistischen  Brüder echt waren? Durch Schweigen und symbolische Friedenshandlungen  entsteht meines Erachtens kein echter Friede. Die Feindseligkeiten, die  Konkurrenz, die Aggressionen werden bloss verdeckt und können sich  schliesslich zu ungeheuren Spannungen aufstauen. Menschen selbst können  keinen dauerhaften Frieden, höchstens einen Scheinfrieden schaffen. Sie  heilen den Schaden meines Volks nur oberflächlich, indem sie sagen:  »Friede! Friede! und ist doch nicht Friede« (Jer. 6, 14).

Auch die  Freimaurerei stiftet keinen wirklichen Frieden. Nicht einmal unter den  Freimaurern selbst. Das zeigen die Auseinandersetzungen zwischen den  verschiedenen Systemen und Logen, die sich zum Teil heute noch  gegenseitig die Anerkennung versagen. Ihr »Friede« ist ein  Waffenstillstand bei Abbruch der Beziehungen und des Gesprächs.

Gegen  solchen falschen Frieden bringt Christus das Schwert (Mt. 10, 34).  Dafür garantiert der biblische »Friedefürst», sofern wir ihn annehmen,  Friede mit Gott. »Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben,  haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus» (Röm. 5,  1). Sein Friede eröffnet uns ganz neue Welten und Dimensionen. Das  Gerangel und Gezänk der Welt wird klein, relativiert. Und der innere  Friede gibt uns die Kraft, auch in einer humanistischen Welt friedlich  zu bleiben. (Joh. 14, 27; Röm. 12, 18)

7.4.4. Menschliche Menschlichkeit?

Wie  steht es nun mit dem hohen Ideal der Humanität und der »Menschenwürde»?  Die Leistungen des Roten Kreuzes und anderer humanitärer Organisationen  sollen hier nicht verachtet werden. Christi Geist kann auch in Lebenden  wirken, die ihn noch nicht erkannt haben. Dennoch hat aus biblischer  Sicht rein menschliche Hilfe und Wohltätigkeit eine relative,  untergeordnete, nebensächliche Bedeutung. Die Bibel sagt es deutlicher:  «Menschenhilfe ist nichts nütze.» (Ps. 60, 13) Mehr noch: Es ist  schädlich, sich auf Menschen und Menschenhilfe zu verlassen. Das schafft  Abhängigkeiten, die die Existenzangst vergrößern, denn Menschen sind  unzuverlässig, krankheitsanfällig und sterblich. Es entstehen  Beziehungen, die niemals halten, was sie versprechen, und  Abhängigkeiten, die sich als Gebundenheiten erweisen. «Verflucht ist der  Mann, der sich auf Menschen verlässt und sich auf schwaches Fleisch  stützt, und dessen Herz sich abwendet vom Herrn.« (Jer. 17, 5) Wer sich  nur auf Menschen verlässt, der nimmt Gott, Jesus Christus, die Chance,  einzugreifen. Er verbaut sich durch seine enge, diesseitige Sicht den  Weg zum umfassenden Hilfsangebot Gottes. Unzählige Christen haben  erfahren, dass durch die Annahme eines wirklich lebendigen Gottes  ausserhalb der diesseitigen Welt und unserer eigenen Subjektivität  Kräfte sich entfalten konnten und Lösungen möglich wurden, die alle  ursprünglichen Vorstellungen weit übertrafen. Natürlich spielen auch bei  christlicher Hilfe menschliche Anstrengungen und Spenden eine Rolle.  Aber sie stehen nicht am Anfang und nicht im Mittelpunkt. Es ist nicht  egal, aus welcher Einstellung heraus die Hilfstätigkeit erfolgt.

Ähnliches  ist zum Thema »Menschenwürde« und »Menschenrechte« zu sagen. Kann sich  der Mensch selbst Würde geben, sich selbst Recht verschaffen? Wer  garantiert die Einhaltung der Menschenrechte? Wieviel wert sind die  Orden und Ehrenpreise, die Menschen Menschen verleihen? Natürlich wollen  auch die von Menschen verliehenen Würden, Namen und Titel beachtet und  ernst genommen werden. Ohne göttliche Perspektive werden meines  Erachtens diese Dinge viel zu ernst genommen, und es kann nicht gesehen  werden, dass wir letztlich unsere wirkliche Würde niemals uns selbst  verdanken. Von Menschen erwartete und angenommene »Menschenwürde»  schafft künstliche Barrieren und Hierarchien. Der freimaurerische  »Meister« fühlt sich dem «Profanen« voraus. Der «Grosse Auserwählte  Vollkommene und Erhabene Maurer» (14. Grad) ist offenbar über den bloß  »Erlauchten Auserwählten der Fünfzehn« (10. Grad) erhaben. Die  Künstlichkeit und Lächerlichkeit dieser »Würden» ist meines Erachtens  für Aussenstehende offensichtlich. Die nach menschlichen Kriterien  verteilten Würden schaffen Ungleichheit. Freimaurer sehen das, meinen  aber, nur die Hochgrade seien mit dem Ideal der Gleichheit unvereinbar:  »Nicht von der Hand zu weisen ist der kritische Vorwurf, dass die  Schaffung der Hochgradsysteme die ursprüngliche demokratische Tendenz  der Freimaurerei aufgehoben habe, zugunsten einer streng gegliederten  Hierarchie, die dem persönlichen Geltungsbedürfnis des einzelnen  entgegenkommt und dem maurerischen Gleichheitsprinzip widerspricht«  (Valmy FM 1988 36).

Die Beharrung auf falschen Würden ist wohl der  Grund aller Menschenver¬achtung. Menschen können sich von sich aus  keine echten Würden verleihen, höchstens die Würden streitig machen. Das  Streben nach menschlichem Ansehen absorbiert so viel Aufmerksamkeit,  Zeit und Energie, dass wir unsere wahre Würde, die nur vom lebendigen  Gott kommt, nicht mehr erkennen und das Ziel verfehlen. »Wie könnt ihr  zum Glauben kommen, wenn ihr eure Ehre voneinander empfangt, nicht aber  die Ehre sucht, die von dem einen Gott kommt?» (Joh. 5, 44)

Menschen  können Menschenrechte proklamieren, Transparente durch die Strassen  tragen und vielfältige Forderungen aufstellen. Doch können sie diese  Rechte auch durchsetzen und die Forderungen erfüllen? Niemand wird heute  noch bestreiten, dass auch die kommunistische Internationale das  «Menschenrecht» nicht »erkämpft« hat. Der Fluch des Humanismus ist,  dass, wenn etwas schief läuft oder etwas als »unmenschlich« empfunden  wird, Proklamationen, Resolutionen und Forderungen nur an Menschen  gerichtet werden können. Es fehlt ein anderes mögliches Objekt oder  Subjekt der Aggressionen als der Mensch. Der »Aufgeklärte« glaubt nicht  mehr an böse Geister. So ist, wenn es Unannehmlichkeiten gibt, der  Mensch der Unmensch. Der Humanismus löst seine Probleme durch das Rollen  der Köpfe: Die »bösen« Menschen (auch Klassen, Völker etc.) müssen weg,  die scheinbar »guten« ans Ruder! Es ist sicher kein Zufall, dass kurz  nach der erstmaligen Proklamation der Menschenrechte die Guillotine  aufgestellt wurde. Die menschliche Menschlichkeit entpuppt sich als  humane Hinrichtung, als »Gleichheit vor dem Schafott«. Auch Ereignisse  wie Auschwitz und Hiroschima in diesem Jahrhundert sollten wohl mehr als  deutlich machen, dass es eine menschliche Evolution, eine »Entwicklung  zu höherem Menschentum« nicht gibt.

Im Gegensatz zu den Humanisten  kämpfen Christusgläubige nicht gegen Menschen, sondern gegen die  unsichtbaren Mächte der Finsternis. (Eph. 6, 12) Gerade die (anfangs  sicher ungemütliche) Annahme, dass es solche Mächte gibt, schafft die  Voraussetzung dafür, dass wir auch diejenigen Menschen lieben können,  die uns als ihre Feinde betrachten. Die Vergötzung des Menschen bringt  ständige Unzufriedenheit mit sich. Jeder muss mehr scheinen, als er ist.  Auch die Freimaurerei nimmt nicht jeden auf, ihre Mitglieder sind  erlesen, »erwählt», möglichst einflussreich. Der »Wettlauf um den Kranz  der Humanität« erweist sich als gnadenlos, unbarmherzig, »unmenschlich».  Wir wissen, dass im völligen Gegensatz dazu bei Christus alle  willkommen sind, auch diejenigen, die nach menschlichen Maßstäben nicht  genügen. (Mt. 11, 28)

Gegen den humanistischen Terror hilft meines  Erachtens nur die Annahme eines liebenden, wirklich  »menschenfreundlichen« Gottes. Bei einem solchen sind Menschlichkeit,  Menschenwürde, Menschenrechte und all die andern Ideale viel besser  aufgehoben. Die Bibel spricht davon, dass es einen solchen Gott gibt:  »Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab,  damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige  Leben hat.« (Joh. 3, 16) Also: »So lasset nun ab von dem Menschen, der  nur ein Hauch ist; denn für was ist er zu achten?« (Jes. 2,22)

7.4.5. Freiheit durch»Emanzipation« vom Wort?

Wir  haben gesehen, dass sich die Freimaurer für die Emanzipation des  Menschen von allen Absolutheit beanspruchenden Autoritäten und Mächten  einsetzen. Unter anderem fällt darunter auch das Wort im weitesten Sinn.  Aus biblischer Sicht erfahren wir Befreiung gerade durch das Wort, das  Blut, die Wahrheit, die Person Christi. (Lk. 4, 18; Joh. 8, 31 f.36;  Gal. 5, 1 u.a.m.) Er hat die Glaubenden befreit von dunklen Mächten, von  Süchten, Ängsten und Sorgen, von Schuld und Isolation; er befreit die  »Produktivkräfte» wirklich, er befreit das Leben. Die Botschaft von  dieser Befreiung wird von der Freimaurerei relativiert und damit  unwirksam gemacht. Dafür bietet sie die Befreiung von Autoritäten aller  Art an.

Aus biblischer Sicht ist eine solche Freiheit nicht  möglich. Der Mensch ist immer einer geistigen Macht untertan und wird  von ihr geführt. Ist diese Macht nicht Christus, so ist es sein Feind.  »Freiheit versprechen sie ihnen und sind doch selbst Sklaven des  Verderbens; denn von wem jemand überwältigt worden ist, dessen Sklave  ist er.« (2. Petr. 2, 19) Die Freimaurerei ist bestrebt, die Botschaft  vom Befreiungswerk Jesu zu zerstören und dafür eine Scheinfreiheit  anzubieten. Das ist wohl den meisten Freimaurern nicht bewusst, und von  den wenigsten beabsichtigt. Dennoch ist es aus biblischer Sicht  eindeutig so.

Wir haben gesehen, dass es nicht ungefährlich ist,  die absolut lebenswichtige Bedeutung des Wortes, der sprachlichen  Kommunikation, zu verneinen. Indem die Freimaurer dies tun und dafür das  Schweigen, das rituelle Erleben fördern und trainieren, befinden sie  sich auf dem Weg zur Sprachlosigkeit, zur kommunikativen Isolation. Die  Pflege des persönlichen, individuellen Erlebnisses und die  Vernachlässigung der sprachlichen Verständigung, besonders auch  außerhalb der Loge   der Familie darf ja nicht mitgeteilt werden, was  dort geschieht   muss letztlich zur Vereinsamung führen. Einsamkeit aber  ist Gefangenheit.

Aus biblischer Sicht spielen Gedanken für die  geistige Gesundheit eine wichtige Rolle. Für die gedankliche «Hygiene»  und »Disziplin« sind Aussprachen, letztlich vor Jesus Christus,  entscheidend wichtig. Sind solche Aussprachen erschwert oder unmöglich,  so können Gedanken, Grübeleien, eine zerstörerische Eigendynamik  entfalten. Die Gedanken »klagen einander an» (Röm. 2, 15), werden zu  immer unentwirrbareren Gespin¬sten, zu »Festungen« des Gegners (2. Kor.  10, 4f). Die wortlose »Gedankenfreiheit» entpuppt sich als Blockierung,  Gefangennahme des wirklichen Lebens.

Auch das sich Verlassen auf  menschliche Weisheit, Brüderlichkeit und Hilfe etc. führt zu Bindungen,  die aus biblischer Sicht nicht gesund sind.

Während die Hilfe  Christi gratis ist, eine Gnade, ein Geschenk, hat Menschenhilfe ihren  Preis. Aus menschlicher Sicht sollte Nehmen und Geben zumindest  langfristig im Gleichgewicht sein. Einem Gefallen oder einer Leistung  sollte mit der Zeit eine Gegenleistung folgen. So entsteht langsam aber  sicher ein immer dichter werdendes Netz von gegenseitigen  Verpflichtungen und Rücksichtnahmen, das zum Gefängnis werden kann.

Zudem  werden wir sehen, dass katholische wie protestantische Autoren der  Auffassung sind, dass die Kulte, Riten und Zeremonien der Freimaurer zu  okkulter Gebundenheit führen.

Ganz allgemein aber ist die  Konzentration auf Erlebnisse, statt auf das Wort, problematisch. Während  uns Jesus Christus durch seinen Geist überall und jederzeit zur  Verfügung steht, benötigen Erlebnisse stets bestimmte Rahmenbedingungen,  die immer wieder reproduziert werden müssen. Der Erlebnishunger kann  zur Sucht werden, die uns an konkrete Personen, Räume und Zeiten bindet:  «fesselnde» Erlebnisse!

7.4.6. Gleichheit der Menschen?

Bei  diesem Ideal kommt die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit am  krassesten zum Ausdruck. Die Freimaurerei selbst erzeugt in ihrem  Bereich vielfältige und aus biblischer Sicht völlig unnötige,  eingebildete, kontakthemmende und «Würde Neid» fördernde Ungleichheiten  und Abstufungen zwischen Menschen. Valmy meint zwar, dass nur die  Hochgrade dem «maurerischen Gleichheitsprinzip widersprechen. Doch  meines Erachtens liegt die Förderung von Ungleichheit im Wesen der  Freimaurerei selbst, in ihren mystischen, bauhandwerklichen,  esoterischen Wurzeln begründet. Die Auswahl der Mitglieder schafft  Ungleichheit: Warum werden Frauen, Kinder, Behinderte und Farbige (in  den USA) nicht aufgenommen? Die Abstufung von Wissens  und  Erleuchtungsstufen schafft künstliche Ungleichheit, die mit dem  hinduistischen Kastensystem letztlich wohl verwandt ist. Die Beurteilung  der Menschen nach ihren Werken und Leistungen fördert Ungleichheit. Die  Menschen Würden begünstigen Ehrsucht, Neid, Kampf ums Ansehen. Die  Relativierung des Wortes und Verabsolutierung des Erlebens schafft  Ungleichheit. Niemand hat die gleichen Erlebnisse wie ein anderer, und  die Möglichkeit des Erlebnis  und Erfahrungsaustausches sind, besonders  ohne sprachliche Kommunikation, höchst begrenzt.

Demgegenüber  betont die Bibel immer wieder, dass es »kein Ansehen der Person vor  Gott« gibt. (Röm. 2, 11) »Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott nicht  auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer  ihn fürchtet und tut, was recht ist.« (Apg. 10, 34) Bei Jesus Christus  sind wirklich alle willkommen. (Mt. 11, 28) Natürlich gibt es auch in  der (unsichtbaren) Gemeinde Christi Ungleichheit. Doch diese  Ungleichheit ist gottgewollt und unabänderlich. Da nützt alles  menschliche «Streben« nichts. Allen Neidereien und allen  Eifersüchteleien ist damit der Boden entzogen, und es wird möglich, sich  gerade an der gegenseitigen Ungleichheit zu freuen. Die Ungleichheit im  «Leib Christi» ist eine Folge davon, dass bei ihm, im Gegensatz zu den  Religionen, der einzelne überhaupt nicht vollkommen sein muss, um  gerettet zu werden. Er muss nur seine eigene, begrenzte Bestimmung  erfüllen   nicht mehr und nicht weniger. Die Gemeinde Christi wird als  lebendiger Organismus geschildert, als arbeitsteiliges System (l. Kor.  12, 12ff), in dem die Stärken der einen die Schwächen der anderen  ausgleichen. Das Ganze wird durch Christus und seinen Geist  zusammengehalten. Dieser Geist also verbindet Ungleichheiten. In der  Welt und in den Religionen hingegen wirkt Ungleichheit trennend.

7.4.7. Brüderlichkeit?

Wir  haben gesehen, dass den freimaurerischen Legenden, vor allem der  Hiramslegende, eine »Parteinahme für Kain» zugrunde liegt. Dieser ist  aus unserer Sicht natürlich nicht gerade das größte Vorbild für  Brüderlichkeit. Zudem wurde bereits erwähnt, dass das »Elend des  Humanismus» unseres Erachtens darin liegt, dass er, sobald etwas schief  geht, wiederum nur Menschen beschuldigen kann. Der Vergötzung des  Menschen folgt die Anklage, die Bitterkeit gegen Menschen auf dem Fuß.  Der »Bruder«, der dem hohen Ideal der Brüderlichkeit nicht entspricht,  wird   sogar öffentlich und in der Literatur   des »unbrüderlichen  Verhaltens« bezichtigt. Diese Vorwürfe fördern nun ihrerseits sicher  nicht gerade eine brüderliche Atmosphäre. »Dann gibt es leider auch den  schlechten Freimaurer, der das Nest beschmutzt, wie in allen  Vereinigungen von Menschen. Dieser ist es, der der ganzen Bewegung  schadet, dem Idealbild, das strahlend human ist.» (Boitel, 22) In einer  freimaurerischen Ritualkunde steht geschrieben, wie sich der «schlechte  Bruder« verhalten sollte: »So wie wir häufig im profanen Leben dem  ‚Freimaurer ohne Schurz‘ begegnen, so gibt es auch in jeder Loge den  Fremden mit Schurz, der innerlich ein Profaner geblieben ist. Wem das  widerfährt, der sollte ehrlich genug sein, sich still wieder zu  entfernen, statt jahrelang … die Harmonie der Gemeinschaft zu stören.«  (zit. in Binder, S.130) Also: »Bruderkette»? Bruder: nein! Kette: ja!  Die eben genannten Faktoren, die Ungleichheit schaffen und fördern,  tragen zudem mit Sicherheit auch nicht zu größerer Brüderlichkeit bei.  In der Freimaurerei darf sich mit der Zeit jeder «Meister» nennen. Wer  ist denn aber wirklich der Meister? Wer zeigt wem den Meister? Die  humanistischen Vorstellungen erzeugen Konkurrenz und Rivalität   auch  unter «Brüdern». Demgegenüber warnt uns die Bibel eindeutig davor, uns  »Meister» nennen zu lassen. Wirkliche Brüder werden wir erst, wenn nur  einer unser Meister ist. »Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen;  denn nur einer ist euer Meister, ihr aber seid Brüder.« (Mt. 23, 8)  Jesus Christus wird in der Bibel auch bezeichnet als der »Erstgeborene  von vielen Brüdern«. (Röm. 8, 29) Meines Erachtens kann aufgrund von  rein menschlichen Kriterien keine wirkliche Brüderlichkeit entstehen,  höchstens eine kurzfristige Gemeinschaftlichkeit, eine eingebildete,  geheuchelte Brüderlichkeit. Demgegenüber bezeichnet Christus als seine  Brüder diejenigen, die die gleiche Beziehung zum lebendigen, biblischen  Gott haben. »Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte:  Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Denn wer den Willen meines  himmlischen Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und  Mutter.« (Mt. 12, 49f)

Das obige Zitat zeigt auch, dass bei Jesus  die Frauen nicht ausgeschlossen sind. Bloße Männerbünde aller Art  pflegen eine Art von Gemeinschaft, die in der Bibel nicht vorgesehen  ist. Sie ziehen zudem Aufmerksamkeit, Zeit, Energie und Geld von den  biblisch erwünschten Formen des Zusammenlebens in Familie und  Gesellschaft ab. Es sollte doch wohl darum gehen, dass Männer und  Frauen, Erwachsene und Kinder, Gesunde und Kranke usw. lernen,  «brüderlich« zusammenzuleben.

7.4.8. Toleranz?

Die  Auseinandersetzungen, die im Verlauf der Geschichte seit der Gründung  der Freimaurerei innerhalb der Bewegung und gegen außen geführt wurden,  zeigen meines Erachtens mehr als deutlich, dass die Freimaurerei nur  dort wirklich tolerant ist, wo der eigene Absolutheitsanspruch nicht in  Frage gestellt wird. Gegen die aus ihrer Sicht «falschen«  Absolutheitsansprüche von Absolutismus, Totalitarismus, Katholischer  Kirche usw., die auch aus unserer Sicht »falsch« sind, geht der Geist  der Freimaurerei mit allen Waffen vor. Nicht Feindesliebe, sondern  Vergeltung mit allen Mitteln, gemäß den rituellen Handlungen des Ritter  Kadosch Grades, ist der Weg. Die Freimaurerei ist also tolerant mit den  in ihrem Sinn Toleranten, aber selbst intolerant mit ihren Gegnern, die  sie als «intolerant» verurteilt. Das soll kurz anhand eines  Nebenkriegsschauplatzes illustriert werden.

Die »intoleranten«,  bibeltreuen, «orthodoxen», »fundamentalistischen« Protestanten werden  keineswegs mit liebendem Verständnis behandelt, was bei wirklicher  Überlegenheit angebracht wäre.

Der erwähnte  Kirchengeschichtsprofessor Hengstenberg, dessen Argumente gegen die  Freimaurerei durch das Eingreifen des späteren Kaisers Wilhelm I.  autoritativ «erledigt» wurden, gilt als «intolerant»: «Seine Ablehnung  der Freimaurerei wurzelt in seiner Antipathie gegen die Toleranz, de¬ren  Wesen ihm fremd war, und gegen die liberal protestantische Auffassung  des Christentums, die ihm verhasst war.» (Schenkel, S. 35) Die  »positiven« Protestanten werden als unterentwickelt, ungebildet, unfair  und abergläubisch hingestellt. (Ebd. S. 34, 40f., 158f., 164f.) Es «wird  die Freimaurerei in den pietistischen und orthodoxen Kreisen bekämpft.  Doch wird dieser Kampf mehr im stillen geführt mit Verdächtigungen und  Verleumdungen, denen ähnliche abergläubische Vorstellungen zugrunde  liegen, wie bei der populären katholischen Gegnerschaft.« (Ebd. S. 34)  Aus unserer Sicht ist es natürlich die Freimaurerei selbst, die durch  ihre fehlende Öffentlichkeitsarbeit den Informationsnotstand produziert.  Und das Gebot des Schweigens ist in einer Welt, in der sprachliche  Kommunikation lebensnotwendig ist, niemals absolut einzuhalten. Darum  kommt es zu all den vielfältigen Gerüchten über die Freimaurerei.

In  den humanistischen Universitäten kann scheinbar naiver Christusglaube  nicht die Grundlage des Forschens und Lehrens sein, und auch in vielen  Landeskirchen wurden die »positiven« Pfarrer systematisch und  gründlichlich aus Amt und Würden verdrängt. So gibt es in Europa weite  Landstriche, in denen das biblische Evangelium seit Jahrzehnten nicht  mehr verkündet wurde und aus unserer Sicht von einem «neuen Heidentum»  gesprochen werden muss.

Das Toleranzideal der Freimaurerei beruht  auf der Annahme, dass die Götter aller Religionen, besonders der  monotheistischen Religionen, letztlich gleich seien. Jesus Christus wird  die Göttlichkeit und damit die Einzigartigkeit versagt. Ist der  Absolutheitsanspruch Christi aber gerechtfertigt, so beruhen obige  freimaurerische Annahme und auch das Toleranzideal auf einem Schwindel.  Es ist interessant zu sehen, dass auch die Ringparabel in Lessings  »Nathan der Weise«, dem freimaurerischen Lieblingsstück zum Thema  «Toleranz», bei genauer Betrachtung nichts anderes darstellt als einen  Schwindel: Aus einem einzigen Ring werden drei hervorgezaubert, wobei  das Kunststück Lessings darin besteht, zu vertuschen, dass es sich hier  eigentlich um einen Taschenspielertrick handelt. Die Freimaurerei lässt  also den einen wahren Ring, Jesus Christus, verschwinden und präsentiert  der Menschheit stattdessen drei falsche. Die Toleranz ist die gebotene  Umgangsform zwischen denen, die die Herrschaft und Gottessohnschaft  Christi ablehnen.

Christusgläubigen wird von denen, deren Herz  voll von allen Religionen und Nicht Religionen ist, vorgeworfen, sie  seien einseitig, «eng», «stur» und liessen andere Glaubensformen nicht  leben. Insofern seien sie »intolerant«. Meines Erachtens können und  sollen wir es niemandem verbieten, Freimaurer zu sein oder das Glück in  anderem humanistischem, religiösem oder sonstigem Erleben zu suchen.  Druck, Zwang und Ungeduld sollten un¬bedingt vermieden werden. Sie sind  auch nicht nötig, wenn Jesus Christus wirklich auferstanden und der Herr  der Welt ist. Der erzieherische Zwang, die »Gesetzlichkeit« mancher  Christen mag zur Abwendung vieler Zöglinge beigetragen haben. »Der Zwang  des Gewissens ist das Gemeinste und Unwürdigste, was man einem Menschen  antun kann.« (Schenkel,164) Dieses Anliegen der Toleranz im Sinne des  Vermeidens von Zwang, im Sinn der Glaubens , Gewissens  und  Entscheidungsfreiheit sollten wir unbedingt ernst nehmen.

Auf der  anderen Seite brauchen wir uns aber auch die freimaurerischen und  liberalprotestantischen Zwänge, Intoleranzen und Diffamierungen nicht  länger gefallen zu lassen. Wir brauchen nicht mehr unbedingt dort  mitzubauen, wo nicht Jesus Christus der Eckstein ist. Die Zuwendung zum  biblischen Jesus Christus bedeutet die Abwendung von allen anderen  Göttern und Gurus. Diese Konzentration bedeutet nicht Armut und  Engstirnigkeit, sondern Reichtum und Öffnung von unermesslichen  Horizonten. Wirklicher Reichtum ist nicht von der grossen Zahl abhängig.  Wenn Jesus Christus wirklich grundsätzlich überlegen ist, wenn er  wirklich als einziger lebt, während alle anderen tot sind, dann kann er  auch z. B. von, den 350 Millionen Hindugöttern nicht geschlagen werden.  Alle andern können nicht gegen den Hauch seines Atems bestehen. Es sind  Scheingötter, Götzen, und es wäre dumm, ihnen weiterhin Referenz zu  erweisen. Wir lehnen die Vielfalt des Todes ab, und wenden uns der  Vielfalt, dem Reichtum des Lebens zu. Eng ist nun allerdings der Weg,  die Tür zu diesem Reichtum. «Schmal ist der Weg, der zum Leben führt  …« (Mt. 7, 14) Der biblische Christus sagt bekanntlich: »Ich bin der  Weg … » (Joh. 14, 6) «Ich bin die Tür … « (Joh. 10, 9) Zum Reichtum  des Gottes der Bibel gelangen wir also nur, wenn wir Jesus Christus samt  seinem Absolutheitsanspruch ernst nehmen. Der Absolutheitsanspruch ist  der Kern, das Wesen, die Spitze, der Sinn seines Lebens. Ohne den  Absolutheitsanspruch Christi betreiben wir Totenverehrung, setzen uns  bewusst oder unbewusst sogar selbst an seine Stelle. Es ist wohl  verständlich und sogar zu begrüssen, wenn ein grosser Teil der  Bevölkerung solchen »Gottesdienste« fern bleibt. In Jesus Christus  «wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und an dieser Fülle habt  ihr teil in ihm, der das Haupt aller Mächte und Gewalten ist.» (Kol. 9,  9f) Es soll jedem frei stehen, sich mit weniger zu begnügen. Doch die  Glaubenden werden sich diese Fülle niemals mehr wegzaubern lassen. Der  echte Ring ist nicht verloren, wir brauchen keine künstlichen Ringe.

7.4.9. Weisheit?

Es  ist bereits zur Sprache gekommen, dass aus biblischer Sicht »die  Weisheit der Welt Torheit vor Gott» ist (l. Kor. 3, 19). In Jesus  Christus «sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. Das  sage ich, damit euch niemand durch Überredungskünstetäuscht.« (Kol. 2,  3f) Wirbrauchen uns also nie mehr vom Gerede von Leuten täuschen zu  lassen, die behaupten, »höhere» Erkenntnis zu besitzen, oder sich auf  ihre »Gelehrtheit» etwas einbilden. Wir brauchen auch nie mehr solche  Erkenntnis zu suchen. Täuschung führt zur Enttäuschung. Als  Christusgläubige versuchen wir nicht mehr, unsere Weisheit selbst zu  produzieren. Das würde zu lächerlichen Resultaten führen. Der Heilige  Geist, der »Geist der Wahrheit», wird uns in alle Wahrheit leiten. (Joh.  16, 13)

An dieser Stelle sei noch eine Bibelstelle angeführt, die mir wichtig und deutlich zu sein scheint (l. Kor. 1, 20 31):

»Wo  ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter? Wo ein Wortführer in dieser  Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt als Torheit entlarvt? Denn da  die Welt angesichts der Weisheit Gottes auf dem Weg ihrer Weisheit Gott  nicht erkannte, beschloss Gott, alle, die glauben, durch die Torheit  der Verkündigung zu retten. Die Juden fordern Zeichen, die Griechen  suchen Weisheit. Wir dagegen verkündigen Christus den Gekreuzigten: für  Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die  Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes  Weisheit. Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen, und das  Schwache an Gott ist stärker als die Menschen. Seht doch auf eure  Berufung, Brüder! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht  viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt  hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache  in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und  das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt; das, was  nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich  rühmen kann vor Gott. Von ihm her seid ihr in Christus Jesus, den Gott  für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und  Erlösung. Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn.»

Zusammenfassung:  Die freimaurerischen Ideale wie Friede, Humanität, Freiheit,  Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz, Weisheit usw. sind wohl der  biblischen Tradition entnommen, doch die Freimaurer versuchen nun, diese  ohne den Absolutheit beanspruchenden Jesus Christus zu verwirklichen.  Aus biblischer Sicht muss dieses Unterfangen scheitern, weil es von  falschen Voraussetzungen und einer völligen Verkennung der wirklichen,  «wahren» Herrschaftsverhältnisse ausgeht. So werden denn diese Ideale  nicht nur nicht erreicht, sondern es entsteht sogar das pure Gegenteil:  statt Friede Auseinandersetzungen bisher ungeahnten Ausmasses und mit  völlig neuen Waffen; statt Humanität Rollen der Köpfe; statt Freiheit  Einsamkeit, Sprachlosigkeit, Isolation, Gebundenheit; statt Gleichheit  künstliche, unnötige, menschengemachte Ungleichheit; statt  Brüderlichkeit Enttäuschung gegen und Bitterkeit über Menschen; statt  Weisheit Torheit.

7.5. Gefährlicher Kult

Wir haben  gesehen, dass die kultischen Handlungen der Freimaurer hinter  geschlossenen Türen, in »gedeckter Loge« stattfinden. Zudem meinen sie,  die »wirklichen«, «tiefsten» Wahrheiten seien sprachlich nicht  kommunizierbar. So setzen sie an die Stelle des Wortes das kultische  Erleben. In der Loge werden symbolische Handlungen vollzogen, die  insofern ein »Geheimnis« darstellen, als sie nicht intersubjektiv gleich  erlebt und darum scheinbar anderen nicht mitgeteilt werden können.

Die  biblische Sicht der Dinge ist dem völlig entgegengesetzt. Die  biblischen Wahrheiten sollen nicht «privatisiert», wie ein Schatz  gehütet und verborgen, sondern aller Welt in aller Öffentlichkeit  mitgeteilt werden: »Gehet hin in alle Welt. . .« (Mt. 28, 18ff) Am  Anfang war zudem nicht die Tat oder das Erleben, sondern das Wort.  Natürlich sind auch für Christen Erlebnisse nicht ohne Bedeutung, doch  Erlebnisse sind Folgeerscheinungen, wir orientieren uns nicht in erster  Linie am Erleben. Aus biblischer Sicht gibt es zudem keine  «Geheimnisse», die nicht ans Licht kommen können und sollen. «Wir meiden  schändliche Heimlichkeit und gehen nicht mit List um, fälschen auch  nicht Gottes Wort, sondern durch Offenbarung der Wahrheit empfehlen wir  uns dem Gewissen aller Menschen vor Gott.» (2. Kor. 4, 2)

Aus  biblischer Sicht ist alles verdächtig und für die Menschen gefährlich,  was sich verbirgt, was sich mit »Geheimnissen« umgibt und mit »höherer  Erkenntnis» brüstet. Das Verborgenene, Heimliche liegt in der  »Finsternis«, und es soll ans «Licht» kommen, es soll schliesslich alles  «offenbar» werden. «Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts  gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, sondern  deckt sie auf!« (Eph. 5, 1; 1. Tim. 6, 20)

»Es ist aber nichts  verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht  wissen wird. Darum, was ihr in der Finsternis sagt, das wird man im  Licht hören; und was ihr flüstert in der Kammer, das wird man auf den  Dächern predigen.« (Lk. 12, 2f; 8, 17; Mt. 10, 26f; Mk. 4, 22) Über die  heimlichen Taten heisst es: »Was von ihnen heimlich getan wird, davon  auch nur zu reden ist schändlich. Das alles aber wird offenbar, wenn’s  vom Licht aufgedeckt wird.« (Eph. 5, 1 2f) Jesus Christus ist dieses  Licht. (Joh. 8, 12; Eph. 5, 14)

Natürlich würden Freimaurer  energisch dagegen protestieren, ihre kultischen Handlungen als »Werke  der Finsternis» zu bezeichnen. Es werden ja schliesslich keine  Verbrechen und keine Vergehen begangen. Die meisten Freimaurer wollen im  Gegenteil sicher ehrlich und aufrichtig das Beste für die Menschheit.  Sie sind sich keiner »bösen Taten» bewusst. Nach Schenkel sind nur die  Formen der freimaurerischen Kulthandlungen den antiken Mysterienkulten  entnommen, die Inhalte dagegen seien »aufgeklärt» und rein humanistisch,  hätten mit Mystik, Magie und Okkultismus nichts zu tun. Unseres  Erachtens lassen sich Formen und Inhalte niemals derart trennen. Alle  Formen vermitteln auch Inhalte, und Inhalte können ohne ihnen gemässe  Form gar nicht vermittelt werden. Zudem haben wir gesehen, dass im  Schottischen Ritus erst die obersten Grade einen aufklärerischen Inhalt  haben. Die Tore zum Okkultismus sind sperrangelweit offen. Mehr noch:  Wenn Christus das Licht ist und seine Aussagen absolute Geltung haben,  dann befindet sich schon (oder noch) jeder im Bereich der Finsternis,  der diese geistige Tatsache ablehnt. Zudem ist es unmöglich, mit dem  Okkulten nur ein bisschen zu spielen und trotz allem den Kopf oben zu  behalten. »Jede Hinwendung zum Okkulten führt tiefer hinein in den  Okkultismus. Dies ist ein Lebensgesetz aller geheimen Gesellschaften,  ebenso wie auch der initiatorischen Vereinigungen, die sich nicht als  geheim bezeichnen. Es ist durch nur zu gut bekannte Gründe zu erklären:  enttäuschte Neugier, Eitelkeit, Verlangen nach dem Mysterium, Stolz  darauf, die Eingeweihten spielen zu können.« (Mellor, 451). Nach Mellor  treiben die Logen mit grosser Selbstverständlichkeit Magie   meist ohne  es zu wissen. (Ebd. S. 312)

Nach unserer Auffassung kann nur Jesus  Christus Licht in diese Zusammenhänge bringen. In der Bibel steht, was  das Passwort der Lehrlinge und Meister »Tubalkain« bedeutet. Den meisten  Freimaurern ist dies wohl nicht bekannt, und es käme ihnen nie in den  Sinn, dass es gefährlich sein könnte, immer wieder ausgerechnet dieses  Wort auszusprechen. Worte sind scheinbar nebensächlich. Bewusst oder  unbewusst lernen Freimaurer laufend und immer gründlicher, am Wort  Gottes und am biblischen Jesus zu zweifeln, seine Worte zu relativieren.  Das Wort »Tubalkain» ist nur ein Beispiel. Tatsächlich führt jedes  Wort, jedes Symbol und alles Handeln schrittweise weiter weg vom  biblischen Gott und seinem Sohn. Baum stellt das besonders fest bei: der  »Magie der Bruderkette«, den Hals , Brust- und Bauchzeichen, den  «Gebeten», der »Magie des freimaurerischen Symbolismus«, den Ritualen  der Hochgradfreimaurerei sowie der Magie des Würfels, der Würfelkreuze,  des Merkursiegels, der Amulette, Abzeichen und anderen Kleinodien, die  den Freimaurern wichtig sind.

Manche Freimaurer spüren, dass ihnen  das kultische Erleben und Handeln nicht gut tut. Die »Ritualfähigkeit«  ist ein Problem, das auch in der Freimaurerei selbst wahrgenommen wird.  «Ein weiteres Problem im Bereich der Enttäuschung stellt die Gewöhnung  an das Ritual dar, da sichtlich die Ritualfähigkeit im Zuge des  gruppendynamischen Formungsprozesses und der persönlichen Rezeption des  Dargebotenen erst allmählich steigt.« (Binder,132)

In Kurt Koch’s «Okkultem ABC«  ist die Freimaurerei m. E. zu Recht aufgeführt. Er berichtet von einem  Freimaurer in seiner Seelsorge, der »regelrecht unter einer geistlichen  Blockade stand. Er war nicht in der Lage, die Heilstatsachen des Neuen  Testamentes zu verstehen, geschweige denn, sie anzunehmen.» (Koch, Prot.  bibl. 1988, S.144) »Es ist die Erfahrung vieler geistlich lebendiger  Pfarrer in Nord Amerika, dass die Gemeinden, deren Pastor Freimaurer  ist, geistlich tot sind. Es ist auch schwer, solchen Gemeinden das  Evangelium zu verkündigen. Man hat den Eindruck, dass irgendwie ein Bann  über der ganzen Kirche liegt.« (Ebd. 144)

7.6. Relativierender Einfluss

Die  Freimaurerei hat durch ihre Mitglieder einen relativierenden Einfluss  in allen Bereichen des staatlichen, wirtschaftlichen und  gesellschaftlichen Lebens. Mit den Worten der Bibel ausgedrückt: Sie  sammelt nicht, sondern sie zerstreut. (Lk. 11 , 23)

Die  Freimaurerei relativiert jeden menschlichen Glauben und jede  Lebensäusserung als subjektiv, geschichtlich, kulturell, familiär,  ökonomisch oder vielfältig anders bedingt. Sie relativiert jeden Aspekt  menschlichen Seins durch sein Gegenteil und vermischt alle lebendigen  Gegensätze, so zum Beispiel: Leben und Tod, Licht und Schatten, Wissen  und Glauben, die Rationalität der Aufklärung und die mystische Form des  Kultus, die Freiheit der Person und die starre, «rechtwinklige» Haltung  in und ausserhalb der Loge usw.

Die Freimaurerei hebt alle  Herrschaftsformen auf, indem sie sie gegeneinander ausspielt. Die  Monarchien sollen durch demokratische Elemente ergänzt, relativiert  werden. In den Demokratien soll die Gewaltentrennung Machtmissbrauch  verhindern. Gesetze sollen das staatliche Handeln kalkulierbar machen,  der Willkür entziehen und die individuelle Freiheit begrenzen. Die  Gesetze gelten nicht absolut, sondern müssen in einem bestimmten  Verfahren geändert werden können. Heute treten immer mehr auch die  Medien als neue politische Macht in Erscheinung.

Gefördert werden  überstaatliche Vereinigungen, doch sollen diese nicht zu stark werden.  Einem Übermass an staatlicher oder wirtschaftlicher Zentralisierung wird  mit Dezentralisierung und Föderalismus begegnet. Das Ideal ist die  ideelle aber auch die politische und die religiöse Vereinigung aller  Menschen bei gleichzeitiger Wahrung der »Freiheit« der einzelnen  Individuen, Staaten und Kirchen.

Die Herrschaftsbereiche von  Kirche und Staat sollen begrenzt werden durch die Trennung beider  voneinander sowie durch die Schaffung eines neuen, dritten Bereiches der  »freien« gesellschaftlichen Betätigung.

Die Freimaurerei fördert  die Konzentration auf alles konkrete, diesseitige Schaffen und  verrichtet gleichzeitig in den Logen »spekulative« Arbeiten. Dabei  relativiert sie auch sich selbst: Dem »Allmächtigen Baumeister aller  Welten» wird durch die Existenz atheistischer Logen absolute Anerkennung  versagt. Im Gegensatz zu den humanistischen Systemen wird in deer  christlichen Lehrart ein gnostischer Christus verehrt, der sich vom  biblischen Jesus Christus grundsätzlich unterscheidet.

Alle  freimaurerischen Lehrarten relativieren die Bedeutung des Wortes, der  sprachlichen Kommunikation im weitesten Sinn. Die Freimaurerei erzieht  zum Schweigen und fördert aussersprachliche Kommunikations  und  Erlebnisformen. Gleichzeitig relativiert sie die Geltung und Bedeutung  der eigenen Symbole, Riten und Kulte, indem sie auf allgemein  verbindliche Symbolinterpretationen verzichtet.

Man kann den Geist  der Freimaurerei als einen Geist des «absoluten Re¬lativismus»  bezeichnen. Es liegt ihm sozusagen die absolute Gewissheit zugrunde,  dass es keine absolute Gewissheit gibt.

Aus biblischer Sicht ist  diese absolute Gewissheit   zum grossen Glück für uns alle   falsch. Die  absolute «Emanzipation» von allen Absolutheit beanspruchenden  Autoritäten wird heute noch als «Freiheit« gefeiert und als »Mündigkeit«  gepriesen. Doch wenn der Erlebnisrausch ausgeschlafen ist, könnte  deutlich werden, wohin dieser Weg führt: in die Irre, in die totale  Verwirrung, in den Wahnsinn, in die Trennung aller von allen. Das könnte  nichts anderes sein als der Vorhof zur Hölle, an deren Existenz  »aufgeklärte» und »gebildete« Geister natürlich nicht glauben.

7.7. Herausforderung

Die  Freimaurerei ist erst seit kurzem Gegenstand wissenschaftlicher  Untersuchungen. Lange konnte sich dieses bedeutende geistige Gebilde mit  Erfolg verbergen. Noch in den heute gebräuchlichen Lehrbüchern der  Kirchengeschichte wird sie kaum in Fussnoten erwähnt, dabei ist sie für  die Entstehung, die Entwicklung und das Verständnis der heutigen Zeit  von ausserordentlicher Bedeutung.

Der hinter der Freimaurerei  steckende Geist strebt eindeutig Weltherrschaft an. Aber die  tatsächliche Herrschaft übt gemäss biblischer Wirklichkeit nicht er aus.  Er scheint zu herrschen, indem er erfolgreich auch aus unserer Sicht  »falsche« Herrschaft bekämpft. Er kann aber die von ihm geförderten  Staats , Wirtschafts  und Gesellschaftsformen nicht mit Leben füllen. Er  erlaubt keine allgemeine Orientierung in der Welt der von ihm  entthronten Absolutismen. Er sammelt nicht, sondern zerstreut. Seine  zersetzende »Arbeit» mag aber zum Bewusstsein der Verlorenheit der  Menschheit führen, zur Einsicht, dass wir alle verloren sind, sofern wir  nicht annehmen, dass es einen einzigen, einmaligen, göttlichen Menschen  gibt, der den Geist des absoluten Relativismus längst besiegt hat und  der allen Relativierungsangriffen widersteht. Dank dieser Annahme  brauchen wir uns vor der »freimaurerischen Herrschaft« nicht zu  fürchten. Wir wissen: Alles was mit diesem freimaurerischen Geist  zusammenhängt, ist seinerseits höchst relativ, vergänglich, Schall und  Rauch, dem Tod geweiht.

Freimaurern kann aus unserer Sicht nur  eines geraten werden: Umkehren, das Leben dem biblischen Jesus Christus  anvertrauen, aus der Loge austreten, zur besseren Bewältigung der  wahrscheinlich folgenden geistigen Kämpfe einen gläubigen Seelsorger  beiziehen. Das alles so rasch wie möglich, besser heute als morgen.

Den  Freimaurern sollten wir mit Verständnis, nicht mit Verteufelung  begegnen. Sie sind die Getäuschten, nicht die Täuscher, die Opfer, nicht  die Täter. Wir kämpfen nicht gegen Menschen. Dem Geist des Humanismus  liegt es daran, unter dem Deckmantel der Humanität, der Menschenrechte  und der Menschenwürde Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Wir werden  dann zur lebenden Menschheit, wenn wir diesem Geist widerstehen und  nicht mehr auf seine Tricks hereinfallen. Das ist nur mit dem Schutz,  der Kraft und der Führung dessen möglich, der vor zweitausend Jahren  sein Leben für uns hingegeben hat.

Literaturverzeichnis

Abkürzungen:

FM  = Freimaurer; FM? = Freimaurer Freund, möglicherweise Freimaurer; FMG =  Freimaurer-Gegner; Wiss. = Wissenschaftler; Kath. = Katholik; Prot. =  Protestant (lib. = liberal, bibl. = biblisch positiv»); Journ. =  Journalist; SA = Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich; ZB =  Schweizerische Zentralbibliothek, Zürich.

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Gotthilf Schenkel,  Die Freimaurerei im Lichte der Religions  und Kirchengeschichte. Gotha:  Leopold Klotz Verlag, 1926. [Prot. lib., FM?] – (G. Schenkel war Dr.  theol., lutherischer Stadtpfarrer in Esslingen, später  Landtagsabgeordneter des deutschen Bundeslandes Baden Württemberg sowie  Kultusminister dieses Bundeslandes).

G. A. Schiffmann, Das  Verhältnis der Freimaurerei zum Christentum und zur Kirche. Stettin  1857. [FM, Prot. lib.] ZB BBN 6266. 1; Gal XVI 1061   Ders., Offener  Brief an Herrn Dr. Nielsen, Professor der Kirchengeschichte in  Copenhagen, als Antwort auf seine Schrift Freimaurerthum und  Christenthum, Leipzig: Verlag Bruno Zechel, 1883. (Schiffmann war einer  der wichtigsten Wortführer der Freimaurerei in der Auseinandersetzung  mit den positiven Theologen Hengstenberg und Nielsen. Er war  evangelischer Geistlicher, Archidiaconus an St. Jacobi in Stettin,  Mitglied des »Protestantenvereins» sowie als Freimaurer Provinzial  Grossmeister für Posen und Unterarchitekt des Ordens).

J. N. J. Schmidt, Wurzeln  der Freimaurerischen Gemeinschaft. Rückblick und Ausblick, Zürich:  Origo Verlag, Reihe Lehre und Symbol Bd. 14, 1961. [FMI SA 28 120

Herbert Schneider, Deutsche  Freimaurer Bibliothek. Verzeichnis der Bi¬bliothek des Deutschen  Freimaurer Museums Bayreuth, Hamburg 1977. [FM] ZB Bibliogr. 111 B 206

Hermann und Georg Schreiber,  Mysten, Maurer und Mormonen. Geheimbünde in vier Jahrtausenden,  Wien/Berlin/Stuttgart: Paul Neff Verlag, 1956. (Wiss.) SA 22 777

Rudolf Spitzbarth, Die Freimaurerei, ihr Herkommen und Wirken. Neue Zürcher Zeitung Nr. 283, 9.5.1968. (FMJ)

Reinhold Taute,  Die katholische Geistlichkeit und die Freimaurerei. Ein  kulturgeschichtlicher Rückblick, Berlin: Verlag von Franz Wunder, 1909,  3. Aufl. [FM] ZB BBN 6266.4

Brigitte Ulmer, Freimaurer Logen: Die stille Renaissance, in: Sonntags¬-Zeitung, 11.2.1990. [Journ.]

Marcel Valmy, Die Freimaurer. Arbeit am Rauhen Stein. Mit Hammer, Zirkel und Winkelmass. München: Callwey Verlag, 1988. [FM]

Karl Theodor August Wernicke,  Beleuchtung der Angriffe der Evangelischen Kirchenzeitung gegen den  Freimaurer Orden und den Eintritt evangelischer Geistlicher in denselben  von einem Freimaurer. Berlin 1854. [FM] ZB AB 57512

Friedrich Wichtl,  Weltfreimaurerei, Weltrevolution, Weltrepublik. Eine Untersuchung über  Ursprung und Endziele des Weltkrieges, München: J. F. Lehmanns Verlag,  1919. [Nat., FMG] SA 5815

August Wolfstieg, Bibliographie der freimaurerischen Literatur. Leipzig/ Burg/Hildesheim 1911, 1926 und 1964. [Wiss.]

C. Zendralli, Freimaurerei heute. Typoskript der Schweizerischen Grossloge Alpina, o. Jg. [FM]

Otto Zuber, Der maurerische Gottesbegriff, in: Alpina, Nr. 11/1975. [FM]

Der Autor:

Martin  Hohl Wirz wurde 1949 in Herisau/AR geboren und studierte in den Jahren  1968 bis 1973 Ökonomie an der Hochschule St. Gallen für Wirtschafts  und  Sozialwissenschaften. Mit der Dissertation zum Thema «Die  wirtschaftstheoretische Bedeutung von Entfremdungstheorien» promovierte  er zum Doktor der Ökonomie. 1978 bis 1980 erteilte er Unterricht an der  Kantonsschule Hottingen in Zürich. Anschliessend war er während fünf  Jahren (1981-1985) für ausserbetriebliche Information bei der BBC AG  Brown, Boveri & Cie. in Baden zuständig. 1986 bis 1989 arbeitete er  als Sekretär und Redaktor beim Verband schweizerischer  Angestelltenvereine der Maschinen- und Elektroindustrie (VSAM). Seit  1989 studiert er Theologie an der Freien Evangelisch Theologischen  Akademie Basel (FETA).

Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen der kirchengeschichtlichen Seminare an der FETA unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. E. Grossmann.

Weiter Artikel zum Thema Freimaurerei aus biblischer Sicht:

Die Freimaurerei – von Pfr. Dr. Kurt E. Koch

Freimaurerei und Evangelische Allianz – Erich Brüning

Charta Oecumenica – Ulrich Skambraks

Gleichheit – Freiheit – Brüderlichkeit – Dr. Samuel Külling

Die antichristliche Revolution der Freimaurerei – Manfred Adler

Die Verschwörung des Antichristus – Norbert Homuth

Christus und die Welt des Antichristen – Pfr. Wolfgang Borowsky

Weltmacht Zionismus  – Manfred Adler

Die geplante Weltregierung – Manfred Adler


PDF-download: Die Freimaurerei (Dr. Martin Hohl-Wirz)


 

Buch – die Freimaurerei

 


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