Mein Reich ist nicht von dieser Welt (Georg Walter) [Buchauszug] / PDF-Buch: [download} Angriff auf die Wahrheit (Georg Walter)

Mein Reich ist nicht von dieser Welt (Georg Walter) [Buchauszug]

Viele charismatische Christen glauben, dass das Evangelium einen Siegeszug um die Welt antreten wird. Eine neue Generation von Gläubigen, mit außergewöhnlichen Wunderkräften begabt, wird den Missionsbefehl Jesu umsetzen und alle Nationen zu Jüngern machen. Eine Elite von geistesmächtigen Aposteln und Propheten werden Milliarden von Seelen in das Reich Gottes bringen, und wenn die ganze Welt christlich geworden ist, wird Christus wiederkommen und die Herrschaft übernehmen. Wir hörten schon von Joels Armee; andere Bezeichnungen für diese neue elitäre Art von Gläubigen unter den Charismatikern sind: die neue Generation (new breed), die Elisa-Gemeinschaft (Elisha company) und Elia-Gemeinschaft (Elijah company), Gemeinschaft des männlichen Kindes (manchild company; nach Offenbarung 12,1-6), offenbarte Söhne Gottes (manifest sons of God), Pinhas-Priesterschaft (Phineas priesthood), Joseph-Gemeinschaft (Joseph company). Ein Merkmal, das alle diese Charismatiker der Endzeitarmee verbindet, ist ihre außergewöhnliche Salbung, die sie befähigt,außergewöhnliche Wunder zu vollbringen, um die Welt für Christus zu gewinnen.

49 Jean-Félix Belinga Belinga, Afrikas Religionen in Geschichte und Gegenwart. Dezember 2005.URL: http://www.bpb.de/themen/5HTK8Q.html.

Diese triumphalistische Sichtweise ist nichts anderes als eine Wiederbelebung der Theologie der Spätregen-Bewegung (Latter Rain Movement) und weist dominionistische Züge50 auf. Sie zielt auf die Errichtung des Königreichs Christi hier auf Erden, wonach alle Bereiche der Gesellschaft – Kirche, Politik, Wirtschaft, Bildung und Kunst – mit der christlichen Botschaft erreicht werden sollen. Diese Theologie steht im Gegensatz zur Bibel, die von einem großen Abfall in den letzten Tagen redet. Auch Luther macht in seiner Schrift Von Weltlicher Obrigkeit aus dem Jahre 1525 deutlich: »Aber sieh zu und mach die Welt zuvor voll rechter Christen, ehe Du sie christlich und evangelisch regierest. Das wirst Du aber niemals tun, denn die Welt und die Menge sind und bleiben Unchristen, obgleich sie alle getauft sind und Christen heißen. … Deshalb ist es in der Welt nicht möglich, dass ein christliches Regiment allgemeingültig werde für die ganze Welt, ja nicht einmal für ein Land oder für eine große Zahl von Menschen. Denn es gibt immer viel mehr Böse als Fromme. Ein ganzes Land oder die Welt mit dem Evangelium zu regieren sich unterfangen, das ist deshalb ebenso, als wenn ein Hirte in einen Stall Wölfe, Löwen, Adler, Schafe zusammentäte und ein jegliches frei neben dem anderen laufen ließe … und kein Tier würde vor dem anderen sicher sein.«51 Schon die Evangelien geben in der Versuchungsgeschichte Jesu einen Hinweis darauf, dass ein politischer Messianismus verworfen wird (Mt 4,1-11). Stattdessen liegt die Betonung in dieser Geschichte auf der Gottestreue Jesu. Jesus wollte nicht in erster Linie ein politischer Befreier oder sozialer Veränderer sein, sondern er war das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trug. Jesus war kein politischer Messias, sondern ein Erlöser-Messias. Überdies mag es an dieser Stelle angebracht sein, auf den inneren Zusammenhang zwischen Jesu öffentlichem Wirken und der Bedeutung des Heiligen Geistes hinzuweisen. Matthäus, Markus und Lukas stellen der Versuchungsgeschichte voran, dass der Heilige Geist wie eine Taube auf Jesus herabstieg (Mt 3,16; Mk 1,10; Lk 3,22), ehe er seine öffentliche Mission begann.

50 Verax Institut, Dominionismus – Das Erscheinen des christlichen Imperialismus. Der Artikel liegt dem Autor vor (Online-Artikel war 2007 abrufbar unter: URL: http://nuntia.info/essays/Dominionismus.pdf).  51 Hermann Kunst, Martin Luther – Ein Hausbuch, Kreuz Verlag, Stuttgart, 1982, S. 319.

Erst nachdem der Heilige Geist in Form einer Taube auf Jesus herabgekommen war, folgte die Versuchungsgeschichte: »Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kehrte vom Jordan zurück und wurde durch den Geist in der Wüste vierzig Tage umhergeführt « (Lk 4,1). Jesus, der von diesem Zeitpunkt an voll Heiligen Geistes war, erteilte der jüdischen Vorstellung, dass der Messias religiöser wie politischer Herrscher zugleich sei, eine Absage. Jesus sagte vor Pilatus: »Mein Reich ist nicht von dieser Welt« (Joh 18,36). Jesus war voll des Heiligen Geistes, um seine Mission als leidender Gottesknecht in einer gefallenen Welt zu erfüllen. Kurzum: Jesus war gesalbt, um zu leiden und den wahren Triumph am Kreuz von Golgatha zu erlangen. Wie unterschiedlich ist doch der Weg Jesu von den dominionistischen Lehren vieler charismatischer Strömungen. Sie beanspruchen die Fülle des Heiligen Geistes, eine große endzeitliche Ausgießung des Geistes (Spätregen des Geistes), um endlich in der Welt zu triumphieren und zu herrschen. Die Taube kam auf Jesus, um zu leiden und im Kreuz zu triumphieren. Charismatiker erwarten die Taube, um in Politik und Wirtschaft den triumphalen Siegeszug des christlichen Glaubens (nach charismatischer Lesart) zu feiern. Jesus war voll Heiligen Geistes und widerstand der Versuchung des Teufels, der ihm alle Reiche dieser Welt und ihre Herrlichkeit geben wollte (Mt 4,8-9). Charismatiker erwarten sehnsüchtig, dass sie die Herrschaft über alle Reiche dieser Welt schon in Bälde antreten, weil sie glauben, dass dies die Wiederkunft Christi einleiten würde. Jesus, der Gesalbte, war unerschütterlich im Wort gegründet, als er versucht wurde: »Denn es steht geschrieben! « (siehe Mt 4,4.7.10). Die »Salbung« der Charismatiker hat schon zu lange ihre Verwurzelung in der Schrift aufgegeben. Zu viele falsche Lehren und Prophetien, zu viele Manifestationen, Zeichen und  Wunder, welche selbst unter Charismatikern als falsch, fragwürdig oder schlimmstenfalls dämonisch gelten, kennzeichnen diese Bewegung. Die neutestamentlichen Apostel und nicht zuletzt Jesus selbst warnen vor falschen Lehren und falschen Zeichen und Wundern – Phänomene, die im Zusammenhang mit der Endzeitverführung genannt werden – und vor falschen Christussen, Propheten, Lehrern und Aposteln. »Und von diesen wende dich weg!«

Der Angriff auf die Wahrheit –

Wie Postmoderne, Charismatik, Neoevangelikalismus, Gnostizismus und Psychologie das Evangelium verändern

Der CLV-Verlag schreibt:

Niemals dürfen wir die Wahrheit opfern. Die ewigen Wahrheiten der Bibel müssen unbedingt mehr zählen als der Konsens der menschlichen Meinungen. Wenn absolute Werte dem Relativismus weichen, wenn Gehorsam gegenüber Gottes Geboten vor dem modernen Pragmatismus kapituliert, wenn biblische Lehre einem interreligiösen Dialog Platz macht und Einheit sowie Toleranz um jeden Preis angestrebt werden, entgleitet uns das Wesentliche des Evangeliums.

Georg Walter hat sich intensiv mit der Geschichte des Evangelikalismus auseinandergesetzt und legt dabei einen besonderen Schwerpunkt auf die pfingstlich-charismatische Bewegung sowie neuere evangelikale Strömungen. Er bietet eine äußerst aktuelle und gut dokumentierte Bestandsaufnahme und eine wichtige Informationsquelle für alle, die sich mit zeitgeschichtlichen Strömungen unter den Evangelikalen befassen möchten.

Der Betanien-Verlag schreibt:

Einheit um jeden Preis? Auch um den Preis der Wahrheit? Georg Walter studierte intensiv die  Geschichte des Evangelikalismus und legt einen besonderen Schwerpunkt auf die pfingstlich-charismatische Bewegung sowie neuere evangelikale Strömungen. Eine kritische Bestandsaufnahme.

Eine Leseprobe siehe hier

Kommentar (Siegfried Schad): Georg Walter´s Artikel, die wir von seinem Blog distomos.blogspot.de kennen sind mir stets und immer wieder eine große Bereicherung in Fragen der Apologetik und der Tiefe seiner geistlichen Analysen – so auch dieses Buch! Ich möchte das vorliegende Buch des Autors sehr empfehlen, daß zwar bei dem CLV-Verlag derzeit vergriffen ist, jedoch sowohl bei dem Asaph-Verlag als auch bei Amazon erhältlich ist. Mit Genehmigung des Autors darf ich hier das 480 Seiten starke Werk als e-book verlinken (s.u.).

pdfredDer Angriff auf die Wahrheit – Georg Walter

 

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