War Francis A. Schaeffer ein Rekonstruktionist? (Siegfried Schad)

Immer wieder hörte ich in amerikanischen Foren von der angeblichen geistigen Nähe Francis A. Schaeffers zu den Rekonstruktionisten und deren Sprachrohr Rousas John Rushdoony, einer wahrhaft düsteren Gestalt des religiösen Extremismus. Es erschien mir stets unglubwürdig, daß ein hochgebildeter Ausnahme-Theologe wie Francis A. Schaeffer (1912-1984), dessen Werke wir leider nur noch im Antiquariat beziehen können, eine geistliche Nähe haben könnte zu den dominionistischen Rekonstruktionisten, die das mosaische Gesetz inklusive Steinigungen wieder einführen möchten … nein, das konnte einfach nicht sein, daß dieser theologische Feingeist mit diesen „christlichen Taliban“ und Faschisten konform ging!

Francis A. Schaeffer

Immer wieder wurde Schaeffer im Zusammenhang mit seinem unübersetzten „Christian Manifesto“ kritisiert ein christliches Kulturdiktat herbei zu sehnen. Wahr ist, daß Francis A. Schaeffer in seinem Buch „Wie können wir denn leben?“ den Verfall einer christlich geprägten Kultur beklagt und den Zusammenbruch christlicher Werte in den modernen Gesellschaften durch die atheistische Wissenschaft, humanistisch existenzialistische Philosophie und die moderne, gottlose Kunst beschreibt.

Schaeffer wurde gewaltig mißverstanden und fehlinterpretiert: In seinem letzten Werk „Christian Manifesto“ riet er, daß Christen eine Kräftebündelung mit der Politik vermeiden müssten und gegen theokratische Positionen streiten müßten. Schaeffer schrieb: „We must not confuse the Kingdom of God with our country,“ zu deutsch: „Wir dürfen nicht das Königreich Gottes mit unserer Nation vermischen“. Weiterhin schrieb er: „To say it another way, ‚We should not wrap Christianity in our national flag.“ , wörtlich übersetzt heisst das: „Um es mit anderen Worten zu sagen, wir dürfen nicht die Christenheit in unsere Nationalflagge einhüllen“. Weiterhin führt er aus, daß von je her die Vermischung mit der Politik das geistliche Zeugnis und die Spiritualität der Christenheit raubten, sofern diese Grenze überschritten wurde.

Ich bin sehr erleichtert, daß dieser Vorwurf gegen diesen hochbegabten, intellektuell argumentierenden, biblisch fest stehenden Apologeten, so einfach auszuräumen ist – Schaeffer ist wahrhaft lesenswert und leider kaum mehr bekannt!

Eines der wenigen Bücher, daß noch im Handel erhältlich sein dürfte ist das folgende Buch das im CLV-Verlag erschienen war „Die grosse Anpassung“.

Weitere Artikel über Francis A. Schaeffer:

freier Buch-download auf CLV “ Die grosse Anpassung“ http://www.clv-server.de/pdf/255266.pdf“

Setting the Record Straight: Michele Bachmann, Francis Schaeffer and the Christian Right (Huffington Post)

Francis Schaeffer und die Krise des Evangelikalismus (TheoBlog)

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