Charismatischer Exorzismus: GO! GO! GO! … In the name of Jesus? (Siegfried Schad) / Befreiungsdienst im Licht der Bibel (Georga Walter)

Aus aktuellem Anlass, der Zuschrift einer Schwester und einer energischen Diskussion mit einem fehlgeleiteten amerikanischen Bruder, möchte ich ein Thema noch einmal behandeln, das 15 Jahre meines Christenlebens mitunter beherrscht hatte: Der sogg. Befreiungsdienst von Dämonen.

An Hand des Wortes Gottes, den sehr lehrreichen Artikeln von Brüdern und den Schilderungen meiner eigenen Erfahrungen mit dieser zerstörerischen Irrlehre, möchte ich die Gefahr dieser unbiblischen Praxis wiederholt aufzeigen, die auf viele christliche Gemeinden offenen oder latenten Einfluss ausübt und nebenbei 3 dieser Irrlehrer etwas ausführlicher beleuchten:

JAMES M. STANTON

(Internetseite www.jamesmichaelstanton.com)

Macht Euch bitte selber ein Bild an Hand der Aufnahmen einer sogg. Massenbefreiung von Dämonen durch James Stanton, in meiner früheren Gemeinde der International Church in Frankfurt am Main und der ebenfalls in Frankfurt ansässigen „Löwe von Juda“-Gemeinde an der auch die Pastorin (erste Reihe sitzend) teilnahm.

Dieses Video ist DSGVO-konform eingebettet

„Massenbefreiung“ in der Löwe von Juda-Gemeinde siehe hier

Ich habe vor mehreren Jahren an solchen „Massenbefreiungen“ teilgenommen und der Effekt? Ich hatte am nächsten Tag strapazierte Stimmbänder, das war es! Dennoch gibt es hierbei nichts zu verharmlosen auch wenn ich und Andere keinerlei Schaden genommen haben: Gläubige werden in einem werksgerechten und andauernden „Reinigungsprozess von Dämonen“gehalten … jeder schlechte Gedanke, den auch ein Kind Gottes natürlich einmal haben kann, wird zu einer dämonischen Besessenheit erklärt, die natürlich nur der Verkündiger des „vollen Evangeliums“, das nach der Sicht des Verkündigers nirgendwo in seiner Gesamtheit gelehrt wird (ausser durch ihn selber?), mit den entsprechenden Praktiken und den Anleitungen aus seinen Büchern und Videos, vollständig austreiben kann, bis zu deren Wiederkehr … mit wenigen Worten: James Stanton muss immer und immer wieder in die Gemeinden kommen, denn die Dämonen kommen und gehen … recht lukrativ für einen „Dienst“ der somit unentbehrlich wird. James Stanton, der Unerhörtes zu bezeugen hat (siehe frühere Artikel hier + hier) trat vor einigen Jahren noch etwas aggressiver gegenüber den „Dämonen“ auf, sein rabiat gebelltes „GO! GO! GO! In the name of Jesus!“ sollte, begleitet von einem Husten und Würgen der Anwesenden, den Dämonen das Ausfahren erleichtern und ihnen vor James(?), oder vor Gott(?), oder den anwesenden Engeln, von denen James sogar Fotos zeigt, Furcht einflössen.

 

William Branham

William Branham

Stanton´s erklärtes Vorbild, William Branham, ein Spätregen-Irrlehrer, der die Dreieinigkeit Gottes bestritt, nach eigenem Bekunden im Kontakt mit einem „Engel“ stand und sich zuletzt als der inkarnierte Prophet Elia ausgab, machte schon in den 40er-Jahren grosses Aufsehen durch seine öffentlichen „Dämonenbefreiungen“, die Stanton stets mit einer kleinen historischen Videosammlung über Branham zum Besten gibt.

Stanton ist relativ leicht als Irrlehrer und Scharlatan identifizierbar und gehört in die Kategorien: Gefährlich, unfreiwillig komisch bis absolut bescheuert und widersprüchlich, sofern der Betrachter nicht bereits in eine gewisse Abhängigkeit zu diesem „Dienst“ geraten ist.

NEIL T. ANDERSON

Neil T. Anderson, Autor der sehr erfolgreichen Bücher, „Der die Ketten sprengt“ und „Neues Leben – neue Identität“ schillert zwar viel weniger als James Stanton durch seine Ausübung des „Befreiungsdienstes“, als durch seine wechselnden Thesen: Während der nachfolgende, sehr lesenswerte Artikel aus dem Jahr 2010 von  Rick Miesel noch davon spricht, dass der Autor zahlreicher Bücher noch aktiv in der „Befreiungspraxis“ tätig war, hat Anderson nachdem er zuvor die „Dämonen“ in den Gläubigen sogar direkt, so wie in einem Interview, befragt haben will, nach letzten Verlautbarungen den Gegenstand langjähriger Studien und „seelsorgerischer Praxis“, den „Befreiungsdienst von Dämonen“ aufgegeben (!!!) … eine gute Nachricht, wie ich finde!

And
Neil T. Anderson

 

Vorübergehend hatten auch Anderson´s Irrlehren, der im Bezug auf die Psychologie sehr widersprüchlich argumentiert, einen gewissen Einfluss auf mein Denken … allerdings bewahrte mich mein (noch) gesunder Glaube davor dessen Ausführungen über multiple Persönlichkeiten, sowie dessen haarsträubende Praktiken, die „Dämonen“ in Dialoge zu verwickeln davor diese Irrlehre anzunehmen und führte letztlich Dank der Gnade unseres HERRN JESU dazu, dass sich meine Augen endlich öffneten und ich diesen Befreiungsunsinn entschieden ablehnen konnte.

Artikel Neil T. Anderson  und der neue „Klinische Befreiungsdienst“ (Rick Miesel)

DEREK PRINCE

Mehrere male schon habe ich Artikel gesucht, die sich mit dem „Grossmeister“ der „Befreiungslehre“, Derek Prince, tiefer auseinandersetzt – bis heute erfolglos!           Trotz einer wahren Flut von Verkündigungen und z.T. eklatanten Irrlehren, wird der 2003 verstorbene Prince, dem 400 Lehrpredigten und mehr als 100 Bücher zugeschrieben werden, wie ein Unantastbarer, wie ein Säulenheiliger verehrt und kaum namentlich kritisiert!

 

Derek Prince
Derek Prince

 

Obwohl Derek Prince` Lehren auf mich persönlich nie Einfluss hatten und ich auch seine Irrlehre über die „Ahnenschuld“ damals schon kategorisch abgelehnt hatte, fiel mir sein erheblicher Einfluss, dieser spezielle Status den er bei charismatischen Geschwistern besitzt sogar zunehmend auf! Ich kann mir diesen Derek-Prince-Effekt bis heute nur so erklären:  Derek Prince hat in seinem Leben eine überaus hohe Glaubwürdigkeit durch seine persönliche Integrität erlangt. Liest man über sein Leben und seine Person, so klingen die Huldigungen stets in den höchsten Tönen an – ohne Frage, dieser Mann hatte radikal so gelebt wie er geglaubt hatte und dies auf hohem Maßstab!

Ich erlebte gerade persönlich in einer Diskussion mit einem Charismatiker, der die Zeichen & Wunderbewegung entschieden ablehnt, wie energisch und empört er Derek Prince verteidigte, als ich einen Einwand gegen seine Befreiungsirrlehre wagte … diesen Reflex kann man häufiger beobachten, wenn man mit Derek-Prince-Anhängern spricht … und gerade deshalb erachte ich Prince, so wie der vorangegangene Artikel von Rick Miesel bildhaft ausdrückt, als besonders gefährlichen Einfluss:                          80% Proteine=Wahrheit und 20% Schlangengift=Irrlehre.

Eph 4,8 Darum sagt er: „Hinaufgestiegen in die Höhe, hat er die Gefangenschaft gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben“.

ER, der Heiland, der Erlöser, der HERR JESUS hat die Gefangenschaft gefangen geführt, ohne Zuhilfenahme schwacher menschlicher Gefässe treibt ER die Dämonen aus Denjenigen, die zu IHM umgekehrt sind und die ER erlöst hat.

In Ermangelung einer spezifischen Kritik an dem Wirken von Derek Prince möchte ich den nachfolgenden Artikel von Georg Walter ersatzweise stellen – einer sehr ausführlichen Widerlegung der verschiedenen Praktiken des modernen Exorzismus, aus der Sicht des Wortes Gottes.

 


Befreiungsdienst im Licht der Bibel

Georg Walter (distomos.blogspot.de)

  1. Was bedeutet der Ausdruck „Befreiungsdienst“ ?

Dieser Ausdruck wurde von Vertretern der pfingstlich-charismatischen Bewegung geprägt. Diese stehen für die Auffassung, erlöste Christen könnten von Dämonen besessen sein und durch einen sogenannten „Befreiungsdienst“ von diesen dämonischen Mächten wieder frei werden. Im Laufe eines solchen Befreiungsdienstes werden Dämonen aus dem Gläubigen „ausgetrieben“, was gelegentlich mit Manifestationen (Husten, Würgen, Erbrechen) verbunden sein kann.

Im Folgenden soll der Befreiungsdienst im Licht des Neuen Testaments geprüft werden. Zu dieser Prüfung werden wir nach der Schrift aufgerufen: „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest!“ (1Thess 5,21). Dieses Prüfen soll allen eine Hilfe sein, die Antworten auf diese Frage suchen.

  1. Aus wem werden Dämonen ausgetrieben?

Alle Dämonenaustreibungen, die uns in den Evangelien und der Apostelgeschichte berichtet werden, wurden ausschließlich an Menschen vollzogen, die dem Reich Gottes noch fern standen, also noch Unerlöste waren! Die neutestamentlichen Briefe, die sich an die Erlösten, die Gläubigen des Neuen Bundes, richten, schließen die Möglichkeit dämonischer Besessenheit eines wiedergeborenen Christen aus.

Die Berichte von Dämonenaustreibungen in den Evangelien im Überblick:

Befreiung des besessenen Gadareners (Mt 8,28-34; Mk 5,1-20; Lk 8,26-39)  Befreiung eines stummen Besessenen (Mt 9,32-34)  Befreiung des blinden und stummen Besessenen (Mt 12,22; Lk 11,14)  Befreiung der Tochter einer kanaanäischen Frau (Mt 15,21-28; Mk 7,24-30)  Befreiung des Fallsüchtigen (Mt 17,14-21; Mk 9,14-29; Lk 9,37-43)  Befreiung eines Besessenen in der Synagoge von Kapernaum (Mk 1,21-28; Lk 4,31-37)  Befreiung von Besessenen durch die 70 Jünger (Mk 6,13; Mt 10,5-15; Lk 10,1-12)

Die drei Bibelstellen von Dämonenaustreibungen in der Apostelgeschichte (die sich über einen Zeitraum von über drei Jahrzehnten erstreckt!) im Überblick:

Befreiung von unreinen Geistern (Apg 5,16)  Befreiung von unreinen Geistern (Apg 8,7)  Befreiung einer Magd von einem Wahrsage-Geist (Apg 16,16-18)

Bei manchen Vertretern des Befreiungsdienstes ist der Befreiungsdienst derart dominant, dass sie ihre Anhänger dieser Lehre dazu aufruft, sich täglich der Dämonen zu entledigen, indem man diesen gebietet zu weichen. Diese Praxis ist unbiblisch. Mit nur sechs Berichten von Dämonenaustreibungen durch Jesus in den ersten drei Evangelien (das Johannesevangelium berichtet über keine einzige Dämonenaustreibung!) will die Schrift uns zeigen, dass Dämonenaustreibung keineswegs das alles dominierende Hauptmerkmal des Dienstes Jesu oder der Apostel war. Ferner ist zu beachten, dass Dämonen nur an Unerlösten ausgetrieben wurden, die dem Reich Gottes fern standen.

Es gibt im gesamten Neuen Testament keine einzige Bibelstelle:

► die über eine Austreibung von Dämonen aus einem Erlösten berichtet

► die Gläubige dazu aufruft, anderen Gläubigen Dämonen auszutreiben

► die davon spricht, dass ein Erlöster von Dämonen besessen sein kann

  1. Welche Ausdrücke verwendet das Griechische für dämonische Beeinflussung und deren Auswirkungen?

Das Griechische verwendet eine ganze Reihe von Ausdrücken, um Besessenheit oder dämonische Beeinflussung zu bezeichnen:

a) von einem Dämon besessen, dämonisiert (δαιμονίζομαι, daimonizomai)

Das griechische Wort δαιμονίζομαι (daimonizomai) kommt 13 Mal im Neuen Testament vor (Mt 4,24; 8,16,28,33; 9,32; 12,22; 15,22; 16,18; Mk 1,32; 5,15; Lk 8,36; Joh 10,21) und zwar ausschließlich in den Evangelien! Dort wird dieses Wort ausnahmslos von Personen verwendet, die dem Reich Gottes fern standen. An keiner Stelle wird dieses Wort auf erlöste Personen, wiedergeborene Christen, angewendet!

Die mediale Form des Griechischen könnte besser mit von einem Dämonen beeinflusst werden wiedergegeben werden. Eine völlige Inbesitznahme eines Menschen bringt dieser Begriff ohnehin nicht zum Ausdruck. Selbst der Gadarener, der eine Legion von Dämonen (= 6000 Dämonen; Mk 5,15) in sich hatte, verfügte noch über einen freien Willen, auf Jesus zugehen zu können, um Befreiung zu empfangen. Wäre dieser Mann völlig im Besitz der Dämonen gewesen, hätten sie seine Schritte sicherlich nicht zu Jesus hin gelenkt, denn sie wussten genau, dass dies das Ende ihres Wirkens in dieser Person bedeuten würde.

b) mit einem unreinen Geist (ἐν πνεύματι ἀκαθάρτῳ, en pneumati akartharto)

Diese Wendung erscheint in Markus 1,23; 5,2. Man kann den griechischen Dativ auch mit in einem unreinen Geist (pneuma) übersetzen, was zum Ausdruck bringen will, dass der Betreffende unter der Herrschaft eines unreinen Geistes steht.

c) einen Dämon haben (ἔχων δαιμόνια, echon daimonia); Lukas 8,27

d) die Legion (von Dämonen) haben (ἐσχηκότα τὸν λεγιῶνα, echein ton legiona); Markus 5,15

e) einen unreinen Geist haben (πνεῦμα ἀκάθαρτον ἔχει, echein pneuma akatharton); Markus 3,30; 7,25; Apostelgeschichte 8,7

f) den Geist eines unreinen Dämons haben (ἔχων πνεῦμα δαιμονίου ἀκαθάρτου, echein pneuma daimoniou akathartou); Lukas 4,33

g) einen bösen Geist haben (ἔχοντας τὰ πνεύματα τὰ πονηρὰ, echein ta pneumata ta ponera); Apostelgeschichte 19,13

h) einen Geist der Schwäche haben (πνεῦμα ἔχουσα ἀσθενείας, echein pneuma astheneias); Lukas 13,11

Schwäche steht hier für Krankheit. Allerdings sollte man daraus nicht schließen, dass jede Krankheit dämonischen Ursprungs sein muss!

i) einen stummen Geist haben (ἔχοντα πνεῦμα ἄλαλον, echein pneuma alalon); Markus 9,17

Hier ging Stummheit auf den Einfluss aus der dämonischen Welt zurück (vergl. Mt 12,22, wo Stummheit und Blindheit auf dämonische Kräfte zurückging). An dieser Stelle muss noch einmal eindringlich davor gewarnt werden, die falsche Schlussfolgerung zu ziehen, alle stummen Menschen seien von einem stummen Geist besessen.

j) einen Wahrsage-Geist haben (ἔχουσαν πνεῦμα πύθωνα, echein pneuma pythona); Apostelgeschichte 16,16

Das griechische Wort πύθων (python) für Wahrsagegeist war der Name jener Schlange, die das Delphische Orakel bewachte.

k) der Mensch, in dem der böse Geist war (ἐν ᾧ ἦν τὸ πνεῦμα τὸ πονηρὸν, en ho en to pneuma to poneron);Apostelgeschichte 19,16

l) wohnen (κατοικέω, katoikeo)

Dieser Ausdruck wird zweimal in den Evangelien verwendet (Mt 12,43-45; Lk 11,24-26). Jesus spricht davon, dass ein Geist mit sieben anderen in „sein Haus“ (V.44) zurückkehrt. Dieser Mensch war also noch nicht Eigentum Gottes, sonst könnte der unreine Geist nicht von „meinem Haus“ sprechen. Von besonderem Interesse ist der abschließende Satz in Matthäus 12,45, „So wird es auch diesem bösen Geschlecht ergehen.“ Dieses böse Geschlecht ist Israel, das hier gleichnishaft mit einem gottfernen Menschen verglichen wird, der unter der Herrschaft der Mächte der Finsternis steht. Damit deutet Jesus das über Israel kommende Gericht an.

m) hineingehen (εἰσέρχομαι, eiserchomai)

In Matthäus 12,45 und Lukas 11,26: von unreinen Geistern (πνεῦμα, pneuma)

Lukas 8,30: „…denn viele Dämonen (δαιμόνιον, daimonion) waren in ihn gefahren (εἰσέρχομαι, eiserchomai).“

Folgende Ausdrücke bezeichnen die Auswirkungen von Besessenheit:

n) von unreinen Geistern geplagt (ἐνοχλέω, enochleo)

Das griechische Wort ἐνοχλέω (enochleo) bedeutet plagen oder belästigen. Nach W. Bauer (Wörterbuch zum Neuen Testament) kann dieser Ausdruck auch Unordnung schaffen bedeuten. An keiner Stelle im Neuen Testament wird berichtet, dass ein Erlöster von einem dämonischen Geist geplagt oder belästigt wird.

o) ein Geist (πνεῦμα, pneuma) ergreift (λαμβάνω, lambano) ihn; Lukas 9,39

Hier ergreift ein Geist einen Knaben offensichtlich gegen seinen Willen. Der Geist hat diesen Knaben also in seiner Gewalt, wenn auch nur zeitweise. Dieser Ausdruck zeigt die Auswirkungen dämonischer Kräfte.

p) ein Geist (πνεῦμα, pneuma) zerrt (σπαράσσω, sparasso) ihn; Lukas 9,39

q) ein Geist (πνεῦμα, pneuma) reibt ihn auf (συντρίβω, syntribo); Lukas 9,39

Das Wort συντρίβω (syntribo) bedeutet misshandeln, mürbe machen.

r) von einem Geist (πνεῦμα, pneuma) gepackt werden (συναρπάζω, synarpazo); Lukas 8,29

Hier wird die Zwanghaftigkeit der Handlungen eines Menschen unter der Kontrolle von dämonischen Mächten deutlich. Dennoch verfügt der besessene Gerasener über so viel freien Willen, dass er auf Jesus zugehen kann, um von ihm Befreiung zu erlangen.

s) von einem Dämon (δαιμόνιον, daimonion) getrieben werden (ἐλαύνω, elauno); Lukas 8,29

Das griechische ἐλαύνω (elauno) zeigt eine Handlung, die negativ belegt ist. Hier wird ein Mensch gegen seinen Willen von Dämonen getrieben, d.h. sein Handeln zwanghaft in eine Richtung gedrängt. Dieses Wort erscheint ebenfalls in einem negativen Zusammenhang in 2Petrus 2,17, wo Bileams Handeln „mit Nebel, vom Sturmwind getrieben (ἐλαύνω, elauno)“ verglichen wird (siehe auch Jak 3,4: von heftigen Winden getrieben). Auch dieser Ausdruck wird im Neuen Testament niemals auf einen Erlösten angewandt.

Die Übersetzung von 2Petrus 1,21: „…von Gott her redeten Menschen, getrieben vom Heiligen Geist“ verwendet nicht ἐλαύνω (elauno) sondern φέρω (phero), was mit „geleitet vom Heiligen Geist“ besser übersetzt ist. Römer 8,14 sagt uns: „Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes.“ Hier verwendet das Griechische noch ein weiteres Wort für leiten, nämlich ἄγω (ago), was auch führen oder leiten bedeutet. Der Erlöste wird nicht zwanghaft getrieben, sondern geführt und geleitet durch den Geist Gottes.

t) von dem Teufel überwältigt (καταδυναστεύω, katadynasteuo); Apostelgeschichte 10,38

Der griechische Ausdruck καταδυναστεύω (katadynasteuo) bedeutet feindlich beherrschen oder unterdrücken. Das griechische Passiv könnte man auch mit „unter feindlicher Herrschaft gehalten“ übersetzen. Die Partizipialform will die andauernde Herrschaft zum Ausdruck bringen. Diese Herrschaft des Teufels endet, wenn Christus in das Leben der Menschen tritt. Dann ist Reich Gottes, die Herrschaft Gottes, angebrochen. An keiner Stelle des Neuen Testaments wird davon gesprochen, dass ein Erlöster unter der Herrschaft Satans ist.

u) die der Satan gebunden (δέω, deo) hatte

Das Griechische δέω (deo) in Lukas 13,16 bedeutet binden oder fesseln. Wenn wir dem Bild folgen, das Jesus an dieser Stelle von einem gebunden Ochsen oder Esel (Lukas 13,15) benutzt, dann wäre der Sinn der folgende: So wie ein gebundener Ochse oder Esel losgebunden wird, um sie an die Tränke zu führen, so wird die Tochter Abrahams von ihrer Krankheit gelöst und an die geistliche Quelle geführt. Jesus treibt hier weder Dämonen oder Geister aus, noch Satan, von dem hier gesagt wird, dass er die Tochter Abrahams 18 Jahre gebunden hat. Diese Schriftstelle spricht davon, dass Jesus diese Frau von ihrer Krankheit löst. Streng genommen gehört dieser Ausdruck nicht zu der Gruppe von Worten, die eine Besessenheit zum Ausdruck bringen.

v) der böse Geist (πνεῦμα, pneuma) bezwang (κατακυριεύω, katakyrieuo) sie; Apostelgeschichte 19,16

Hier wird uns beschrieben, wie der böse Geist die sieben Söhne des Hohepriesters Skevas bezwingt. Dabei bedient sich der böse Geist des Menschen, in dem er war. Die Söhne des Hohepriesters waren keine gläubigen und erlösten Menschen und waren daher ohne Vollmacht.

w) der böse Geist (πνεῦμα, pneuma) überwältigte (ἰσχύω, ischyo) sie; Apostelgeschichte 19,16

Das Wort ἰσχύω (ischyo) mit dem folgenden κατα (kata) ist ein sehr starker Ausdruck und bedeutet, dass die Söhne des Hohepriesters übel misshandelt wurden.

FAZIT:

Hier sollen noch einmal alle Ausdrücke des Griechischen für dämonische Beeinflussung auf Unerlöste und deren Auswirkungen aufgelistet werden:

a) von einem Dämon besessen (δαιμονίζομαι, daimonizomai) b) mit einem unreinen Geist (ἐν πνεύματι ἀκαθάρτῳ, en pneumati akartharto) c) einen Dämon haben (ἔχων δαιμόνια, echon daimonia) d) die Legion (von Dämonen) haben (ἐσχηκότα τὸν λεγιῶνα, echein ton legiona) e) einen unreinen Geist haben (πνεῦμα ἀκάθαρτον ἔχει, echein pneuma akatharton) f) den Geist eines unreinen Dämons haben (ἔχων πνεῦμα δαιμονίου ἀκαθάρτου, echein pneuma daimoniou akathartou) g) einen bösen Geist haben (ἔχοντας τὰ πνεύματα τὰ πονηρὰ, echein ta pneumata ta ponera) h) einen Geist der Schwäche haben (πνεῦμα ἔχουσα ἀσθενείας, echein pneuma astheneias) i) einen stummen Geist haben (ἔχοντα πνεῦμα ἄλαλον, echein pneuma alalon) j) einen Wahrsage-Geist haben (ἔχουσαν πνεῦμα πύθωνα, echein pneuma pythona) k) der Mensch, in dem der böse Geist war (ἐν ᾧ ἦν τὸ πνεῦμα τὸ πονηρὸν, en ho en to pneuma to poneron) l) wohnen (κατοικέω, katoikeo) m) hineingehen (εἰσέρχομαι, eiserchomai) n) von unreinen Geistern geplagt (ἐνοχλέω, enochleo) o) ein Geist (πνεῦμα, pneuma) ergreift (λαμβάνω, lambano) ihn p) ein Geist (πνεῦμα, pneuma) zerrt (σπαράσσω, sparasso) ihn q) ein Geist (πνεῦμα, pneuma) reibt ihn auf (συντρίβω, syntribo) r) von einem Geist (πνεῦμα, pneuma) gepackt werden (συναρπάζω, synarpazo) s) von einem Dämon (δαιμόνιον, daimonion) getrieben werden (ἐλαύνω, elauno) t) von dem Teufel überwältigt (καταδυναστεύω, katadynasteuo) u) die der Satan gebunden (δέω, deo) hatte v) der böse Geist (πνεῦμα, pneuma) bezwang (κατακυριεύω, katakyrieuo) sie w) der böse Geist (πνεῦμα, pneuma) überwältigte (ἰσχύω, ischyo) sie

Alle Ausdrücke für dämonische Besessenheit werden ausschließlich auf Unerlöste angewandt!

Keiner dieser Ausdrücke wird im N.T. auf einen Erlösten angewandt!

  1. Welchen Ausdruck verwendet das Griechische für Dämon?

Das griechische Wort für Dämon ist δαιμόνιον (daimonion) und erscheint 63 Mal im Neuen Testament, davon 54 Mal in den Evangelien, 3 Mal in der Offenbarung und gerade einmal 6 Mal in den neutestamentlichen Briefen. Nur einmal erscheint das Wort δαίμων (daimon) in Matthäus 8,31. Schon die Wortstatistik verdeutlicht, dass Dämonen und ihr Wirken keine zentrale Bedeutung in den neutestamentlichen Briefen zukommt. Die Briefe sind an die Erlösten gerichtet, die Glieder des Leibes Christi und Teil des Reiches Gottes sind.

Die meisten Ausleger kommen zu dem Schluss, dass Dämonen gefallene Engel sind (siehe Frage 5-8), die sich der widergöttlichen Rebellion Satans angeschlossen hatten. Satan war ein hoher Engel Gottes, einer der Cherubim vor Gottes Thron. Welche anderen Ausdrücke das Griechische für Dämonen verwendet, wird in Frage 5 beantwortet.

  1. Verwendet das Neue Testament auch andere Ausdrücke für Dämonen?

Das Neue Testament verwendet drei Bezeichnungen für Dämonen:

a) Geister (πνεῦμα, pneuma)

Das Wort πνεῦμα (pneuma) wird im Neuen Testament neutral verwendet. So finden wir dieses Wort als Bezeichnung für:

den Geist Gottes  den Geist des Menschen  Engel, welche Gott dienen (Hebr 1,14)  Geister aus dem Reich der Finsternis (= Dämonen)

Steht das Wort πνεῦμα (pneuma) ohne nähere Bezeichnung, muss aus dem Schriftzusammenhang geschlossen werden, um was für einen Geist es sich handelt. In Lukas 9,39 heißt es beispielsweise, dass ein Geist (πνεῦμα, pneuma) den Sohn eines Mannes ergreift und ihn zerrt und aufreibt. Diese Wirkungen dieses Geistes auf den Menschen lassen eindeutig den Schluss zu, dass es sich um einen Dämon handelt. In der Parallelstelle in Lukas 9,42 wird dieser Geist als unreiner Dämon (daimonion) bezeichnet, der von Jesus ausgetrieben wird. Hier verwendet Lukas also den Ausdruck Geist πνεῦμα (pneuma) und den Ausdruck Dämon δαιμόνιον (daimonion) für das gleiche gottfeindliche Geisteswesen. Dämonen sind also Geister oder Geistwesen.

Die Geister aus dem Reich der Finsternis werden oft näher bezeichnet, um ihre Auswirkungen im Leben der Menschen zu verdeutlichen:

unreiner Geist (Mt 10,1)  böser Geist (Lk 7,21)  stummer Geist (Mk 9,17)  Geist eines unreinen Dämons (Lk 4,33)  Geist der Schwäche/Krankheit (Lk 13,11)  Wahrsage-Geist (Apg 16,16)  Geister der Bosheit (Eph 6,12)

b) Engel (ἄγγελος, angelos), die gefallen sind

Die Schrift zeigt, dass Dämonen gefallene Engel sind. Darum verwendet die Bibel das Wort ἄγγελος (angelos) für Engel sowohl für die Engel Gottes als auch die Engel, die Satan dienen. Zweimal werden die gefallenen Engel „Engel Satans“ genannt. Bei anderen Schriftstellen kann nur der Schriftzusammenhang klären, um welche Art von Engel es sich handelt. Demnach bezeichnet die Bibel Dämonen als:

Engel Satans (Mt 25,41; 2Kor 12,7)  Engel, die gefallen sind (1Kor 6,3; 2Petr 2,4; Judas 6, Offb 9,11)

c) gefallene Engelhierarchien

Unter den Engeln Gottes gibt es eine Hierarchie oder Rangordnung. Beim Fall der Engel verhielt es sich wohl so, dass Engel aus allen Hierarchien Satan gefolgt waren. Somit besteht auch unter den gefallenen Engeln eine Rangordnung, deren oberster Gebieter Satan ist. Diese gefallenen Engelhierarchien sind:

Mächte (Eph 6,12)  Gewalten (Eph 6,12)  Weltbeherrscher der Finsternis (Eph 6,12)  Fürsten der Macht der Luft (Eph 2,2)

  1. Welche anderen Theorien über die Entstehung von Dämonen gibt es?

Dämonen sind die Geister von jenen Menschen, die der Rebellion Satans gefolgt waren, bevor Adam geschaffen wurde.

Einwand: Diese These beruht auf einer Annahme und stützt sich nicht auf konkrete Schriftstellen der Bibel.

Dämonen sind die Nachkommen der Söhne Gottes (= gefallene Engel) und den Töchtern der Menschen, jene Riesen, die die Welt vor der Flut bevölkerten (1Mose 6,1-4).

Einwand: Eine Lehre auf einer einzigen Bibelstelle zu gründen, ist wenig fundiert, zumal die vielfältigen Auslegungen zu 1Mose 6 zeigen, dass eine letztgültige Aussage zu der Identität der Söhne Gottes nicht ohne weiteres möglich ist.

Dämonen sind Geister von verstorbenen Menschen, die böse und gottlos waren.

Einwand: Hierfür gibt es in der Schrift überhaupt keinen Beleg.

  1. Welche Schriftstellen berichten über den Fall Satans?

Hesekiel 28,11-17 und Jesaja 14,12

Diese Schriftstellen geben Aufschlüsse über Satans ursprüngliche Art, seine Aufgabe und seine Rebellion gegen Gott. Der König von Tyrus ist ein Bild Satans. Satan wird als “vollkommen”, als “schirmender Cherub” bezeichnet, der in “Eden, im Garten Gottes” war (V.13-15). Diese Aussagen können sich nicht auf den König von Tyrus beziehen, sondern nur auf ein übernatürliches Wesen. Satan war als Cherub ein Wächter des Thrones Gottes und gehörte zu den ranghöchsten Engeln. Der Platz zur Rechten Gottes war jedoch Christus vorbehalten! Satan rebellierte und wollte sein wie Gott! Er wurde von seinem Platz vor dem Thron Gottes auf die Erde verwiesen (Jes 14,12) und riss dabei einen Teil der Engel mit sich. Diese gefallenen Engel sind auf diese Weise zu Dämonen geworden. Satans Absicht seit dem Sündenfall bestand darin, die Pläne Gottes zu vereiteln und Gott in allem zu widerstehen.

  1. Was spricht dafür, dass Engel der Rebellion Satans gegen Gott gefolgt sind?

Folgende Punkte sprechen dafür, dass ein Teil der Engel Satan in seiner Rebellion gegen Gott gefolgt sind:

Satan wird der Oberste der Dämonen genannt (Mt 12,24). Er selbst war ein Cherub, einer der höchsten Engel vor Gottes Thron. Der Oberste der Engel Gottes wurde durch seinen Fall der Oberste der Dämonen (= der gefallenen Engel).

Dämonen werden an verschiedenen Schriftstellen als Geister (πνεῦμα, pneuma) bezeichnet, ein Wort, das auch für die Engel Gottes benutzt wird (Hebr 1,14: dienstbare Geister – πνεύματα εἰς διακονίαν)

Sehr viele Schriftstellen unterstützen diese Aussage, während andere Thesen (siehe Frage 6) in der Schrift nicht oder nur äußerst schwach belegt sind.

Die Hierarchien der Engel Gottes (Eph 3,10) werden mit den gleichen Worten bezeichnet wie die Hierarchien der gefallenen Engel (Eph 6,12).

  1. Was war das Zeichen des angebrochenen messianischen Reiches Gottes?

Das Austreiben von Dämonen war das Zeichen des anbrechenden Gottesreiches (Mt 12,28). Wo immer das Reich Gottes, das Reich des Lichts, auf das Reich Satans, das Reich der Finsternis, stieß, kam es zur Konfrontation zwischen der Macht Jesu und den Mächten der Finsternis. Jesus ging in dieser Konfrontation immer als Sieger hervor! Jesus selbst hatte nicht nur Vollmacht über das Reich der Finsternis, sondern übertrug diese Vollmacht auch auf seine Jünger (Lk 10,19-20; Mk 16,17-18).

Oft manifestierten sich die finsteren Mächte, wenn Jesus erschien. Alle Berichte der Evangelien über das Austreiben von Dämonen weisen ein Charakteristikum auf: die Mächte mussten weichen, ohne dass es zu langen Auseinandersetzungen oder einem anhaltenden geistlichen Kampf gekommen war. In Markus 5,6 heißt es sogar, dass der Dämon sich schon manifestierte, als er Jesus „von fern sah“. Wo das Licht ist, kann keine Finsternis sein. Wo Reich Gottes war, wurden diese Mächte bloßgestellt und mussten besiegt weichen. Das Zeichen des angebrochenen Reiches Gottes war die völlige Entmachtung und Entlarvung des Dämonischen!

  1. Was sagt die Bibel über Exorzismus?

Das Wort Exorzismus wird nur einmal in der Apostelgeschichte erwähnt (Apg 19,13), wo die Elberfelder Bibel das Wort Exorzist (ἐξορκιστής, exorkistes) mit Beschwörer übersetzt. Dieses Wort besteht aus der Vorsilbe ἐξ (ex), was hinaus und ορκιστής (orkistes), was Beschwörer bedeutet, also eigentlich Hinaus-Beschwörer. Dieses Wort beschreibt das Dämonenaustreiben durch magische Formeln, ein heidnischer Brauch, der Eingang ins Judentum gefunden hatte. Die Apostelgeschichte zeigt klar, dass die sieben Söhne des Hohepriesters Skevas exorzistische Praktiken ausübten. Bei dem Versuch, Dämonen auszutreiben, indem sie den Namen Jesus verwendeten, scheiterten sie, da sie nicht an Jesus glaubten und damit auch keine Vollmacht hatten. Die Heilige Schrift lehnt jede Form von Exorzismus im Sinne eines Herausbeschwörens von Dämonen ab. Keiner der Apostel oder Jünger Jesu bediente sich dieser Methode. Dem Neuen Testament ist der Gedanke fremd, dämonische Mächte durch Rezitieren von religiösen Formeln zu vertreiben. Der Katholizismus übernahm diese heidnischen Bräuche allerdings in Form des kleinen und großen Exorzismus.

  1. Was ist ein Taufexorzismus?

Die traditionelle katholische Theologie kennt den Taufexorzismus, der der Absage des Christen an den Satan dient, aus dessen Herrschaftsbereich jener nun durch die Taufe austritt. Der eigentliche Exorzismus darf nur von bestimmten Priestern ausgeübt werden, die dazu noch für jeden Einzelfall vom zuständigen Bischof ermächtigt sein müssen. Die Einschränkungen des katholischen Exorzismus betonen den Ausnahmecharakter, der der Besessenheit in katholischer Sicht zukommt.

  1. Was sagt die Bibel über das Erlösungswerk am Kreuz bezüglich der Mächte der Finsternis?

Und als ihr tot wart in den Vergehungen … hat er euch mitlebendig gemacht mit ihm, indem er uns alle Vergehungen vergeben hat, als er die uns entgegenstehende Handschrift in Satzungen, die gegen uns war, ausgetilgt, hat er sie auch aus der Mitte weggenommen, indem er sie ans Kreuz nagelte, als er die Gewalten und die Mächte völlig entwaffnet hatte, stellte er sie öffentlich bloß. In ihm hielt er über sie einen Triumph.

Kolosser 2,13-15

Die Gewalten und die Mächte der Finsternis, Satans Reich, wurden völlig entwaffnet. Luther übersetzt völlig entwaffnet (Elberfelder) mit ausgezogen. Das Griechische verwendet hier das Wort ἀπεκδύομαι (apekdyomai). Dieses Wort wurde in der Antike vom Ablegen der Amtkleider einer Person in Autorität gebraucht. Jeder wusste, wenn eine Person die Amtkleider abgelegt hatte, dann verfügte diese Person auch über keine Macht mehr. Die Gewalten und Mächte wurden durch das Kreuz von Golgatha ihrer Autorität entkleidet; darum übersetzt die Elberfelder sinngemäß richtig, dass sie völlig entwaffnet wurden. Korrekt wäre auch die Übersetzung, dass Gewalten und Mächte „völlig entmachtet wurden.“

Der Missionsbefehl, in alle Welt (nicht: in alle Gemeinden!) zu gehen und Dämonen auszutreiben, macht wenig Sinn, wenn Christen keine Vollmacht über das Reich der Finsternis haben. Der Glaube eines Christen kann nur gesund sein, wenn die Lehre, auf die sich sein Glaube stützt, gesund ist. Wenn aber die Lehre über die Mächte der Finsternis nicht mit Gottes Wort in Einklang ist, wird sich folglich auch der Glaube und das Handeln eines Christen an ungesunder Lehre orientieren.

  1. Sind Charaktersünden und Fehlhaltungen Zeichen dämonischer Belastung?

Die Bibel spricht nicht davon, dass charakterliche Mängel auf dämonische Mächte zurückgehen und durch Austreiben dieser Mächte beseitigt werden können. Diese Art von Besessenheitsvorstellung dient einer angenehmen Entschuldung von persönlichen Fehlleistungen. Die Verantwortung für eigene Fehler wird auf den Dämon übertragen, der einen angeblich gegen den eigenen Willen getrieben hat. Diese Vorstellung lagert hier nicht nur Verantwortung, sondern auch Kausalitäten aus. Dem Neuen Testament ist solch ein Gedanke fremd. Vielmehr spricht die Bibel davon, dass der gläubige Mensch selbst die Verantwortung für sein geistliches Leben trägt. Die Schrift fordert den Erlösten auf:

► den alten Menschen abzulegen (Kol 3,9; Eph 4,22) ► das Fleisch (=alter Mensch) zu kreuzigen (Gal 2,20) ► den alten Menschen für tot zu halten, da er mit Christus gekreuzigt ist (Rö 6,11) ► nicht im Fleisch (Regungen des alten Menschen) zu wandeln (Rö 8,12) ► seine Glieder nicht als Werkzeuge der Ungerechtigkeit zur Verfügung zu stellen (Rö 6,13)

Positiv ausgedrückt sollen wir:

► den neuen Menschen anziehen (Kol 3,10; Eph 4,24) ► uns dafür halten, dass wir Gott leben (Rö 6,11) ► im Geist wandeln (Gal 5,16) ► unsere Glieder Gott zur Verfügung stellen als Werkzeuge der Gerechtigkeit (Rö 6,13)

  1. Gibt es nach der Lehre des Neuen Testaments Vorfahrenschuld?

Eine Reihe von Vertretern des Befreiungsdienstes lehren, dass Menschen aufgrund von Sünden der Vorfahren unter dämonischem Einfluss stehen können. Sie stützen sich dabei auf die Bibelstelle in 2Mose 20,5-6:

Du sollst dich nicht vor ihnen (den Götzenbildern) niederwerfen und ihnen nicht dienen. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern, an der dritten und vierten Generation von denen, die mich hassen, der aber Gnade erweist an Tausenden von Generationen, denen, die mich lieben und meine Gebote halten.

Folgende Einwände seien hier angeführt:

Das Hebräische bezieht den Nebensatz „die mich hassen“ nicht nur auf die Väter, sondern auch auf die dritte und vierte Generation. Es liegt hier also folgender Befund vor: die dritte und vierte Generation ist nicht ohne Schuld, da sie Gott hassen! Ferner liegt es nahe, dass die dritte und vierte Generation ebenso Götzendiener sein werden, wie der Kontext zeigt. Natürlich hat das Vorbild der Väter einen Einfluss auf die folgenden Generationen, die sich an dem Handeln der Väter orientieren. Dennoch ist es absurd, aus diesem Text herauslesen zu wollen, dass die nachfolgenden Generationen völlig schuldlos seien und alleine deshalb von Gottes Gericht heimgesucht werden, weil ihre Vorfahren gesündigt hatten. Dies in den Text hineinlesen zu wollen, geht an dem Sinn dieser Schriftstelle völlig vorbei.

2Mose 20,6 zeigt ja gerade, dass Gottes Gnade in Fülle (an Tausenden von Generationen) sofort dem zukommt, der sich dem Herrn zuwendet und seine Gebote hält.

5Mose 24,16, Jeremia 21,29-34, Hesekiel 18, 2Könige 14,6 sind Schriftstellen des Alten Testaments, die eindeutig gegen die Theorie der Übertragung von Vorfahrenschuld sprechen und die Verantwortung alleine der jeweiligen Generation überträgt. „Der Sohn soll nicht die Missetat des Vaters mittragen, und der Vater soll nicht die Missetat des Sohnes mittragen. Auf den Gerechten sei seine Gerechtigkeit, und auf dem Gottlosen sei seine Gottlosigkeit“ (Hes 18,20). „An alle seine Übertretrungen, die er begangen hat, soll nicht mehr gedacht werden; er soll leben um seiner Gerechtigkeit willen, die er getan hat“ (Hes18,22).

Jesus wird bei einem Blindgeborenen (Joh 9,1-3) und nach dem Einsturz des Turmes in Siloa (Lk 13,1-5), bei dem es zu 18 Todesopfern gekommen war, gefragt, ob bei diesen Menschen eine besondere Schuld bzw. eine Schuld der Vorfahren für deren Schicksal verantwortlich war. Letzteres glaubten und lehrten die Juden. Jesus hingegen verwirft diese Lehre! Er verweist auf die Schuld des Einzelnen und seine Verantwortung, zu Gott umzukehren!

Paulus sagt uns in Römer 5,20, dass da, wo die Sünde überströmend geworden ist, die Gnade noch überschwänglicher geworden ist. Die Gnade ist immer mächtiger als alle Schuld des Menschen. Selbst wenn es so etwas gäbe wie Vorfahrenschuld, wäre die Gnade immer größer als alle Schuld des Menschen.

Offensichtlich legen die Vertreter dieser Lehre diesbezüglich auch eine andere Erlösungslehre zugrunde als diejenige, die das Neue Testament vertritt.

Es ist nicht legitim, eine Lehre aufgrund eines solch schwachen Schriftbefunds aufzustellen. Eine Lehre sollte immer durch mehrere Schriftstellen aus dem Alten und vor allem aus dem Neuen Testament belegt werden.

Der bekannte Charismatiker Wolfhard Margies, der leider auch zu der Verbreitung der Lehre des Befreiungsdienstes beigetragen hat, berichtet als Insider über die Auswüchse des charismatischen Exorzismus folgendes: „Es gibt leider im Reich Gottes eine ganze Menge Ansätze von Seelsorge, die nur danach schauen, wo ist Okkultsünde…Wo hat sich jemand vergangen in einem grässlichen Unrecht, Perversionen, fremde Götter, okkulte Dinge, esoterische Sachen. Das kann zu einer Sucht werden, wenn Seelsorge immer nur diesen einzelnen Punkt finden will… Das sind Mechanisten…, die in der Seelsorge Zwänge erkennen, irgend welche Symptome, und dann sagen, das muss Ursachen haben. Wann warst du das letzte Mal bei der Wahrsagerin? Hast du abgetrieben? Haben deine Eltern abgetrieben, deine Großeltern oder deine Urgroßeltern? Gab es einen Fluch, der auf dir liegt?…Und sie suchen, und sie suchen, und sie suchen. Sie bemühen den Heiligen Geist mit Geistesgaben und durchforsten und durchforsten das ganze Vorleben, um herauszufinden, wo ist der Haken, wo ist der Fehler, wo ist die Perversion, usw., usw. Und dann finden die Seelsorgeexperten in der Befreiungsdienstszene dann schließlich die Ursache… und der Seelsorger oder die Seelsorgegruppe schreit innerlich auf: Hurra, wir haben es gefunden, das ist die Ursache, das ist der Fehler…und dann wird das bekannt nach allen Regeln der Kunst, und dann wird die Befreiung herbeigeführt, und sie findet nicht statt… Dann suchen sie weiter… bemühen den Heiligen Geist mit Pseudogaben der Erkenntnis, usw. Je länger sie wirken, um so schlimmer wird es mit dem Fall. Dies habe ich erlebt noch und nöcher, eine Katastrophe!“ (Aus einer Audiobotschaft von Wolfhard Margies: Biblische Seelsorge, Nr. 24005900, Mediendienst Glaubenszentrum Bad Gandersheim, 2005. 3/6 Der Einfluss von Stolz und Religiosität.)

Dieser selbstkritische Bericht eines Charismatikers macht die Problematik der Okkultseelsorge in der charismatischen Bewegung nur zu deutlich. W. Margies der Überzeugung, dass es auch einen „biblisch fundierten“ Befreiungsdienst gibt. Er selbst sieht sich als ein Seelsorger, der diese Art von Dienst ausübt. Dennoch muss auch W. Margies sich die Frage gefallen lassen, ob sein seelsorgerlicher Ansatz – wenngleich befreit von den üblichen Extremen, die man normalerweise in der Charismatik antrifft – tatsächlich auf der Grundlage der Schrift geschieht.

Exkurs: Hesekiel 18

Dass in Hesekiel 18 ein ganzes Kapitel dem Thema Vorfahrenschuld gewidmet ist, lässt sicher erahnen, wie wichtig es dem Propheten Gottes war, falsche Lehrtraditionen zu entlarven. In diesem Kapitel werden persönliche Verantwortung und die Möglichkeit der Umkehr betont, der Gedanke an Vorfahrenschuld jedoch gründlich widerlegt. Das Kapitel untersucht drei Personengruppen:

Vers 5-9 Der Gerechte Vers 10-13 ein gerechter Vater und ein ungerechter Sohn Vers 14-18 ein ungerechter Vater und ein gerechter Sohn

Für alle drei Personengruppen gilt: Jeder wird persönlich für sein Handeln verantwortlich gemacht wird und trägt nicht die Schuld des anderen! Die Verse 19 und 20 fassen die Gedanken Gottes zusammen: „Ihr aber sagt [die falsche Lehransicht des Volkes]: Warum trägt der Sohn nicht an der Schuld des Vaters mit? Dabei hat der Sohn doch Recht und Gerechtigkeit geübt, hat alle meine Ordnungen bewahrt und sie getan: Leben soll er! Die Seele, die sündigt, die soll sterben. Ein Sohn soll nicht an der Schuld des Vaters mittragen, und ein Vater soll nicht an der Schuld des Sohnes mittragen. Die Gerechtigkeit des Gerechten soll auf ihm sein, und die Gottlosigkeit des Gottlosen soll auf ihm sein.“

Doch hier endet das Kapitel noch nicht. In den Versen 21-32 wird 8 Mal das Wort umkehren verwendet. Gott will damit sehr deutlich machen, dass Schuld nie Vorfahrenschuld ist, die durch besondere Seelsorgepraktiken bereinigt werden muss, sondern dass persönliche Schuld immer durch persönliche Umkehr (Buße) bereinigt werden muss. Das Ziel Gottes ist „ein neues Herz und ein neuer Geist“ (Vers.31), ein klarer Hinweis auf den Neuen Bund. Auch im Neuen Bund sehen wir, wie Jesus die tief sitzende Irrlehre der Vorfahrenschuld konfrontierte (siehe Joh 3/Lk 13). Was schon im Alten Bund galt, gilt umso mehr im Neuen Bund: Ein Sohn soll nicht an der Schuld des Vaters mittragen, und ein Vater soll nicht an der Schuld des Sohnes mittragen!

  1. Ist stellvertretende Buße biblisch?

Vertreter der Vorfahrenschuld sind der Auffassung, dass eine „stellvertretende“ Buße die Schuld der Vorfahren beseitigen kann und den Weg für mehr Offenheit für das Evangelium und Erweckung frei macht. Als Vorbild dient ihnen das Bußgebet des Daniel (Daniel 9), der sich mit den Sünden des Volkes identifiziert: „Wir sind abtrünnig geworden.“ Einige Vertreter dieser Lehre gehen sogar so weit, dass sie behaupten, dämonische Kräfte gingen aufgrund von Sünden der Vorväter von Generation auf Generation über und würden verhindern, dass das Evangelium angenommen wird. Jesu Tod am Kreuz wird als Beispiel für stellvertretendes Handeln angeführt, um diese Theorie zu stützen.

Unbestritten ist, dass die Erlösung am Kreuz durch Jesus ein stellvertretender Akt war. Jesus starb stellvertretend für den Sünder am Kreuz und wirkte für alle, die an dieses Erlösungswerk glauben, vollkommene Erlösung. Dennoch kennt die Bibel keine „stellvertretende“ Buße. Buße liegt in der Verantwortung des Einzelnen. Der Gedanke, stellvertretende Buße würde die Mächte der Finsternis zurückdrängen, ist ohne biblisches Fundament.

Darüber hinaus lässt sich diese Theorie weder in der älteren noch in der neueren Kirchengeschichte belegen. Eine stellvertretende Bußbewegung war nie Wegbereiter einer Erweckung gewesen! Es ist nicht die Schuld in der Geschichte, die Erweckung verhindert, sondern vielmehr das fehlende Bewusstsein für die Schuld in der Gegenwart. Gegen eine Versöhnung von Völkern oder Volksgruppen hingegen ist aus biblischer Sicht nichts einzuwenden.

  1. Sind die „Festungen“ aus 2Korinther 10,4 dämonische Mächte?

In 2Korinther 10,3-6 heißt es: „Denn obwohl wir im Fleisch wandeln, kämpfen wir nicht nach dem Fleisch; denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig für Gott zur Zerstörung von Festungen; so zerstören wir Vernünfteleien und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam Christi und sind bereit, allen Ungehorsam zu strafen, wenn euer Gehorsam erfüllt sein wird.“

In der Zeit, als der Apostel Paulus den 2Korintherbrief schrieb, waren es die falschen Apostel und Irrlehrer, die die Integrität des Apostels Paulus in Frage stellten und die Wahrheit des Evangeliums verfälschten. In den Kapiteln 10-13 verteidigt Paulus seine Sendung als Apostel und ruft die Korinther dazu auf, in der Wahrheit des Evangeliums zu bleiben. In diesem Zusammenhang macht er die Aussage: „denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig für Gott zur Zerstörung von Festungen“ (Vers 4). Offensichtlich handelte es sich bei den „Festungen“ also nicht um dämonische Mächte, sondern um die Lügen, die der Wahrheit des Evangeliums gegenüberstanden.

Was ist eine Festung? Unter den Vertretern des Befreiungsdienstes sind diese Festungen „die Grundlagen dämonischer Mächte, die Individuen, ganze Städte, ja sogar ganze Nationen beherrschen aufgrund von Anrechten, die diese Mächte an den Menschen haben.“ Doch schon diese Definition wirft eine Reihe von Fragen auf. Um was für Anrechte und was für eine Grundlage handelt es sich? Welches Gesetz reguliert diese Anrechte?

Als Paulus obige Worte an die Korinther schrieb, wusste er genau, was er mit den Festungen meinte, und er durfte erwarten, dass auch die Empfänger seines Briefes diese Worte verstanden. Darum gilt es herauszufinden, was mit diesem Ausdruck gemeint ist. Das Wort für Festungen ist ὀχύρωμα (ochyroma) und bedeutet Festung, Bollwerk, Verschanzung, Gefängnis. Wenn wir den Kontext beachten, in welchem dieses Wort verwendet wird, dann wird schnell klar, dass Paulus hier nicht von einem Ort dämonischer Mächte oder von dämonischen Mächten spricht, sondern wie im folgenden gezeigt wird, Gedanken der Unwahrheit.

Vertreter des Befreiungsdienstes hingegen erstellen große Listen von dämonischen Geistern und Hierarchien, die sie als diese Festungen identifizieren. Wenn wir dieser falschen Auslegung folgen und unser geistliches Leben danach ausrichten, dann werden wir uns beständig in einer solchen Konfrontation mit dämonischen Mächten sehen.

Die Schrift legt sich selbst aus. Aus diesem Grunde ist es uns nicht gestattet, die eigenen Meinungen und Vorstellungen in eine Textstelle hineinzulesen. Der gewissenhafte Ausleger muss fragen, was der Heilige Geist aussagen will. Der 2Korintherbrief beschäftigt sich an keiner Stelle mit dem Kampf eines Erlösten gegen böse Geister. Kapitel 1-7 enthalten Ermahnungen an die Gemeinde und einzelne Hinweise auf den apostolischen Dienst des Paulus, der in Frage gestellt wurde. Kapitel 8-9 ermuntern zum fröhlichen Geben, um das Evangelium auszubreiten. In den Kapiteln 10-13 verteidigt Paulus seine apostolische Berufung gegen die Angriffe der falschen Apostel. Diese falschen Apostel sagten über Paulus, dass seine leibliche Gegenwart schwach ist (10,10), er ein Unkundiger in der Rede und töricht sei (11,6,16), er im Fleisch wandle (10,3) und überhaupt kein richtiger Apostel sei (12,11-12).

Zunächst wirbt Paulus bei den Korinthern darum, dass sie ihm wieder vertrauen (10,1-3). Dabei verwendet er ein Wortspiel, indem er das Wort Fleisch in doppelter Weise gebraucht: Denn obwohl wir im Fleisch (in einem Leib aus Fleisch und Blut) wandeln, kämpfen wir nicht nach dem Fleisch (in fleischlicher Weise, mit menschlichen Mitteln). In den Versen 4-6 zeigt Paulus, wie er in dieser geistlichen Auseinandersetzung als Sieger hervorgehen und die Wahrheit aufrichten wird. Er wird nicht fleischliche (menschliche) Waffen einsetzen, sondern geistliche (göttliche) Waffen, um die Festungen zu zerstören. Diese Festungen definiert er umgehend: „So zerstören wir Vernünfteleien und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt (sich auflehnt), und nehmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam Christi und sind bereit, allen Ungehorsam zu strafen, wenn euer Gehorsam erfüllt sein wird“ (10,4-6). Damit legt die Schrift sich selbst aus. Der Kontext dieser Bibelstelle macht deutlich, worum es geht. Diese „Festungen“, die Paulus mit geistlichen Mitteln zu zerstören sucht, sind also im Einzelnen:

Vernünfteleien: λογισμός (logismos), Überheblichkeit der menschlichen Vernunft Höhen: ὕψωμα (hypsoma), Haltung menschlicher Arroganz, die Gott widersteht und sich über die Wahrheit des Evangeliums erhebt Gedanken: νόημα (noema), das Resultat des Denkens: Pläne, Konzepte, Vorstellungen und Philosophien des Menschen Ungehorsam: ὑπακοή (hypakoe), die Haltung, die Gott und Gottes Wort durch Ungehorsam widersteht

Damit kommen wir zu folgender Definition von „Festungen“: Festungen sind alle Haltungen menschlicher Überheblichkeit, die der Vernunft des Menschen in Form von Philosophien, Irrlehren, Plänen und Konzepten entspringen. Diese Festungen wurden von den falschen Aposteln in Form falscher Lehren in die Gemeinde eingeführt. Das Mittel, diese Festungen zu zerstören, ist die Erkenntnis der Wahrheit Gottes und der Gehorsam des Glaubens gegen die Wahrheit des Evangeliums, wie Paulus es verkündigte.

Festungen sind folglich keine dämonischen Mächte, die aus Christen ausgetrieben werden müssen.

  1. Was ist mit „binden“ und „lösen“ in Matthäus 16,19 gemeint?

Vertreter der Lehre des Befreiungsdienstes beziehen binden und lösen auf dämonische Mächte. Sie vertreten die Meinung, dass Christen dämonische Mächte binden und damit Menschen aus der Gewalt dieser Mächte lösen können. Um diese Textstelle zu verstehen, müssen wir den Kontext dieser Verse sowie den historischen Hintergrund beleuchten.

Matthäus 16,13-20 (Das Bekenntnis des Petrus) erwähnt mit keinem Wort das Lösen und Binden von Dämonen! Zentrales Thema dieser Verse ist die Gemeinde Jesu, die auf dem Fels, das ist Christus, gegründet ist. Unter dem Schlüssel des Reiches Gottes verstanden die Juden die Lehrautorität des Synagogenvorstehers. Dieser durfte lösen im Sinne von für erlaubt erklären und binden im Sinne von für verboten erklären. Der Synagogenvorsteher konnte also entscheiden, wer zur Synagoge und damit zum Volk Gottes zugelassen war (lösen) und wer nicht (binden).

In der neutestamentlichen Gemeinde kommt diese Aufgabe der geistlichen Leiterschaft zu, die neue Glieder in die Gemeinde aufnimmt (=lösen), Menschen hingegen, die nicht bekehrt und wiedergeboren sind, den Zugang zur Gemeinde nicht erlaubt (=binden). „Und was immer du auf Erden binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird im Himmel gelöst sein“ steht im Griechischen in einer Zeitform, die das Deutsche nicht kennt (periphrastisches Futurum Perfectum). Diese Zeitform müsste im Deutschen so wiedergegeben werden: „Und was immer du auf Erden bindest, muss zuvor im Himmel gebunden worden sein, und was immer du auf Erden lösen wirst, muss zuvor im Himmel gelöst worden sein.“ Das will zum Ausdruck bringen, dass geistliche Leiterschaft auf Erden nicht einfach willkürlich lösen und binden kann, also in die Gemeinde Jesu aufnehmen oder aus der Gemeinde Jesu ausschließen.

Die Entscheidung über Gemeindezugehörigkeit fällt demnach in der himmlischen Welt, also bei Gott. Die geistliche Leiterschaft muss unter der Führung Gottes und des Heiligen Geistes stehen, gebunden an die Autorität des Wortes Gottes. Dies ist der Sinn des Bindens und Lösens.

In der Parallelstelle in Matthäus 18,15-18 werden die Ausdrücke binden und lösen ein zweites Mal im gleichen Kontext (Verhalten gegen sündige Brüder in der Gemeinde!) gebraucht. Damit bestätigt eine zweite Schriftstelle, dass das Binden und Lösen sich nicht auf dämonische Mächte bezieht.

  1. Hat Jesus die Dämonen gebunden oder seinen Jüngern befohlen, Dämonen zu binden?

Die Vertreter des Befreiungsdienstes behaupten, man müsse Dämonen im Namen Jesu „binden“. Doch die Schrift zeigt unmissverständlich, dass weder Jesus noch seine Jünger Dämonen bei Unerlösten gebunden haben Die Befreiung von dämonischen Mächten bei unerlösten Personen (und ausschließlich bei unerlösten Personen) wird mit folgenden griechischen Begriffen beschrieben:

(1) ἐκβάλλω (ekballo): austreiben, hinauswerfen, wegtreiben (Mt 8,31; 17,19). (2) ἐξέρχομαι (exerchomai), ausfahren, hinausgehen, weggehen (Mt 8,32; 17,18). (3) θεραπεύω (therapeuo): heilen.

In Lukas 7,21, 8,2 heißt es, dass Jesus Personen von Dämonen „heilte“. Diese Personen hatten offensichtlich eine Krankheit, die durch Dämonen verursacht war. Mit der Befreiung von Dämonen trat auch körperliche Heilung ein. Lukas 8,2 spricht von den Jüngerinnen Jesu, die von dämonisch verursachten Krankheiten geheilt wurden. Das griechische Perfekt für die Heilung von dämonischen Mächten zeigt, dass diese Heilung eine einmalige Handlung in der Vergangenheit war. Nachdem die Frauen diese Heilung erfahren hatten, wurden sie zu Jüngerinnen Jesu. Die Dämonen mussten also weichen, als sie noch nicht gläubig und erlöst waren. In Lukas 8,3 heißt es dann, dass diese Frauen Jesus mit ihrer Habe dienten, ein Verb, das im Imperfekt steht. Das Imperfekt bringt eine Handlung zum Ausdruck, die in der Vergangenheit liegt und sich bis in die Gegenwart erstreckt. Die Jüngerinnen dienten Jesus nicht nur nach ihrer Bekehrung, sondern sie waren seine ständigen Begleiter und dienten ihm beständig. Für die Befreiung von Dämonen wird das Perfekt verwendet, was eine einmalige Handlung (!), die nicht wiederholt wird, zum Ausdruck bringt. Die Vertreter des Befreiungsdienstes glauben jedoch in Unkenntnis der Schrift, dass Dämonen immer wieder aus erlösten Gläubigen ausgetrieben werden müssen.

Ferner stützen sich die Vertreter des Befreiungsdienstes bei ihrer Aussage, Dämonen „binden“ zu müssen, auch auf Matthäus 12,29: „Oder wie kann jemand in das Haus des Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken bindet?“ Diese Aussage Jesu ist die Antwort auf die Anklage der Pharisäer, er treibe die Dämonen durch Beelzebub, den Obersten der Dämonen, aus. Jesus erklärte den Pharisäern, dass Dämonen nicht Dämonen austreiben können. Jesus hingegen war kein Dämon, sondern der Sohn des allmächtigen Gottes. Darum konnte er den Starken (Satan) binden und in sein Haus, sein Reich, eindringen und Hausrat (Menschen unter der Herrschaft Satans) befreien.

Die neutestamentlichen Gläubigen werden in Hebräer 3,6 als das „Haus des Christus“ bezeichnet: „Sein Haus sind wir.“ Wenn also Dämonen in das Haus des Christus, in uns, eindringen wollen, müssen sie zuvor den Starken, das ist Christus in uns, binden oder überwältigen. Da aber Christus in uns stärker ist als der, der in der Welt ist, können Dämonen unmöglich in unser Haus eindringen! Christus ist treu über sein Haus (Hebr 3,6) und wird es nicht zulassen, dass finstere Mächte uns berauben oder beherrschen. Somit widerlegt Matthäus 12,29 ausgerechnet die falsche charismatische Lehre, Christen könnten von Dämonen besessen sein. Und schließlich ist das Gleichnis, das Jesus hier verwendet, überhaupt mit keinem Aufruf verbunden, dämonische Mächte bei Christen zu binden.

  1. Kann der Teufel Anrechte an einem Gläubigen erhalten?

Vertreter des Befreiungsdienstes beharren auf der Ansicht, der Teufel könne „Anrechte“ an einem Gläubigen erhalten, wenn dieser in Sünde oder okkulter Schuld verstrickt ist. Das Neue Testament spricht jedoch an keiner Stelle von der Möglichkeit, dass Satan irgendein legitimes „Anrecht“ oder „Recht“ an einem erlösten Gotteskind erhalten kann. Jesus sagte seinen Jüngern in Johannes 14,31: „Der Fürst dieser Welt (Satan) kommt und hat nichts (keinen Anteil, Anspruch, Anrecht; siehe Fritz Rienecker, Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament) in mir.“

Da ein Gotteskind in Christus ist, gilt auch für es, dass Satan keinen Anteil, Anspruch oder Anrecht an ihm hat. Gotteskinder sind und bleiben Söhne und Töchter Gottes, auch wenn sie Fehler machen oder sündigen. Nur der Erlöser, und sonst niemand, hat ein Anrecht auf sein Eigentum, das er sich erkauft hat: „Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden seid…, sondern mit dem kostbaren Blut Christi“ (1Petrus 1,18-19). Christus hat die Erlösten losgekauft (Gal 4,5) und sie zu seinem Eigentumsvolk gemacht (Tit 2,14). Durch Sünde kann ein Christ dem Teufel Raum geben, aber niemals werden die Eigentumsansprüche Gottes dadurch in Frage gestellt.

Paulus schreibt im Römerbrief: „Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben?“ (Römer 8,33). Für Anklage erheben steht das griechische Wort ἐγκαλέω (engkaleo), was der Rechtssprache entnommen ist und unter anderem gerichtlich belangen, sein Recht einfordern bedeutet. Wer bis zum Vers 39 liest, bekommt die Antwort auf die gestellte Frage: Niemand, auch nicht der Teufel, kann bei Gott irgendein Recht einfordern, was den Erlösten in Christus angeht! Im Gegenteil, Erlöste Gotteskinder sind sogar mehr als Überwinder, durch den, der sie geliebt hat (Vers 37).

  1. Müssen wir den Namen von Dämonen kennen, um sie auszutreiben?

Die Schrift sagt weder, dass Jesus noch seine Jünger die Namen der Dämonen kennen mussten, um sie auszutreiben. Nur einmal wird uns in der Schrift berichtet, dass Jesus nach dem Namen eines Dämons gefragt hat (Lukas 8,36). Dies bedeutet nicht, dass Jesus damit eine Aufforderung oder Anleitung zum Dämonenaustreiben ausgesprochen hatte. Jesus erteilt weder den Befehl noch eine Ermutigung an seine Jünger, mit Dämonen zu reden. Im Gegenteil, in Lukas 4,35 sprach Jesus zu einem Dämon: „Verstumme und fahre aus von ihm!“ Und in Lukas 4,41 heißt es, dass Jesus die Dämonen „bedrohte und sie nicht reden ließ.“

  1. Was sagt das Alte Testament über Dämonenaustreibung?

Im gesamten Alten Testament finden wir keine Dämonenaustreibung! Die Geschichte von König Saul, der von einem bösen Geist geängstigt war (עתבּ – ba’at, 1Sam16,14-15), ist kein Beweis für dämonische Besessenheit. Einen Auftrag zur Dämonenaustreibung aus Christen aus dieser Geschichte des Alten Testaments ableiten zu wollen, ist abenteuerlich. Das Hebräische בּעת (ba’at) wird auch in Verbindung mit David gebraucht, als er von Schrecken erfasst war, als ihm ein Engel Gottes erschien (1Chr 21,30); und auch von Daniel heißt es, dass er erschrak, als sich ihm ein Engel Gottes zeigte (Dan 8,17).

Die Textstelle in Jesaja 61,1 „Der Geist des HERRN ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden; er hat mich gesandt, zu verbinden, die zerbrochenen Herzens sind, den Gefangenen Befreiung zu verkünden und Öffnung des Kerkers den Gebundenen“ ist unter anderem ein Hinweis auf die Befreiung von dämonisch geplagten Menschen. Dennoch ist zu beachten, dass sich diese Stelle auf den Messias bezieht! Die Erfüllung dieser prophetischen Stelle wird im Neuen Testament in dem Dienst Jesu beschrieben, als er die Unerlösten (und ausschließlich die Unerlösten!) von dämonischen Mächten befreite. Dieser vollmächtige Dienst war ein Zeichen des angebrochenen messianischen Gottesreiches. Und auch der Auftrag Jesu an die Jünger, Dämonen auszutreiben, bezog sich ausschließlich auf die Unerlösten, die dem Reich Gottes noch fern standen, wie die Schrift eindeutig und unmissverständlich lehrt.

  1. Was sind die „Tiefen Satans“ in Offenbarung 2,24?

Bei den „Tiefen Satans“ handelt es sich um eine Lehre, welche Satan zum Inhalt hat. Manche Anhänger von Mysterienkulten in der Antike lehrten, man müsse alle Sünden einmal ausgeübt und erfahren haben, um das Böse zu erkennen. Vielleicht ist solch eine Irrlehre in die Gemeinde Thyatira eingedrungen. Es scheint so, als waren jene, die die Tiefen Satans erkannt hatten, bereits vom Glauben abgefallen, denn Jesus ruft diese nicht mehr zur Buße. Jesus wendet sich nur an jene, die die Tiefen Satans nicht erkannt hatten und forderte sie auf, standhaft zu bleiben.

An keiner Stelle der Schrift werden Christen aufgefordert, sich mit Satan und dem Reich des Bösen zu beschäftigen. Eine systematische Darstellung vom Reich des Bösen (Dämonisierung des christlichen Weltbildes) sollte nicht das Anliegen eines wahren Jüngers sein. Vielmehr sollte er seinen Blick auf Jesus richten und zuerst nach dem Reich Gottes trachten.

  1. Weitere Stimmen zum Thema Befreiungsdienst

Peter Kierner, Engel des Lichts im 20. Jahrhundert, Verlag C.M. Fliß, 1991. (hier)

„In keinem Bericht des Neuen Testaments, wo von Dämonenaus- oder -wegtreibung die Rede ist, wurden sie vorher diagnostiziert. Warum nicht? Weil Dämonen nicht gesucht werden. Entweder sind sie da oder nicht. Wenn sie wirklich vorhanden sind, offenbaren sie sich selbst. Sie müssen sich zu erkennen geben, weil sie die Konfrontation mit dem Licht nicht ertragen.“ (S.69)

„Auch uns, jedem einzelnen Gotteskind, gilt die Zusage Christi aus Markus 16,17-18: Diese Zeichen werden die, welche glauben, begleiten: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, mit neuen Zungen reden, Schlangen aufheben…

Wir müssen bei diesem Text erkennen, dass es nicht um eine Offensive oder eine Kriegserklärung gegen das Feindesheer geht. Jesus gab nicht Befehl, in die unsichtbare Welt einzugreifen durch Binden, Gebieten und Verjagen. Da allerdings, wo sich Satans Kraft in einem Menschen manifestiert, haben wir den Auftrag und die Autorität, in Jesu Namen zu handeln. Es herrscht unter vielen Gotteskindern die Meinung, dass Erweckung nur über ‚geistliche Kriegführung‘ zustande kommt. Es wird angeblich der Luftraum über einem Dorf, einer Stadt oder ganzen Regionen durch Binden und Gebieten von Dämonen befreit. Nach ihrer Meinung sind dann Menschen für das Evangelium freigesetzt und bekehren sich leichter. Diese Theorie klingt zwar fromm und geistlich, hat aber in sich keine Kraft. Es kann auch nicht anders sein, da sich diese Praktiken keineswegs mit der Schrift decken…

Wenn die Geister und Dämonen, die in der Luft herrschen, uns den Weg zur Erlösung versperren könnten, wären die Jünger gefordert gewesen, etwas zu unternehmen. Der Herr aller Herren, der König der Könige, Jesus Christus, hätte seine Jünger ganz gewiss auf die Notwendigkeit der Luftsäuberung aufmerksam gemacht. Ja, noch mehr! Der Meister hätte durch sein eigenes Vorbild und durch praktische Unterweisung über ‚geistliche Kriegsführung‘ den Weg zum Erfolg klar und deutlich aufgezeigt.“ (S.105-106)

Rudolf Ebertshäuser, Die Charismatische Bewegung im Licht der Bibel, CLV, 3. Auflage, 2003. (hier)

„Weil die meisten »Befreiungs-Seelsorger« Sünden und Bindungen im Leben der Hilfesuchenden einseitig mit dem Wirken von Dämonen erklären, lenken sie von der eigentlichen Wurzel, der alten Sündennatur, ab und hindern die Hilfesuchenden daran, ihre eigene Verantwortung für diese Sünden und den Weg zu echter Befreiung klar zu erkennen. Die schwarmgeistige »Befreiung« von angeblich innewohnenden Dämonen wird zum Ersatz für echte, tiefgehende biblische Buße. Ein ganz entscheidender Schritt zu echter »Gesinnungsänderung« und Befreiung, nämlich das gläubige Erfassen und Festhalten der vollkommenen Erlösung, die uns in Christus bereits gegeben ist, wird durch die falschen Lehren geradezu verhindert.

Auf diesem falschen Weg kann der Hilfesuchende nicht von seiner Sündenbindung loskommen. Wenn die Grundlage für dämonische Einwirkungen nicht durch klare biblische Buße beseitigt wurde, ist das Ergebnis von »Austreibungen« nur, dass neue »Belastungen« zu den alten hinzukommen bzw. diese ersetzen. Wo hingegen in der »Befreiungs-Seelsorge« echte, bleibende Befreiungen geschehen, so ist das nicht auf die »Austreibung« von Dämonen. sondern auf die Aufrichtigkeit und klare Buße der Hilfesuchenden und das Erbarmen Gottes zurückzuführen.

Wenn der Hilfesuchende nicht seine eigene Verantwortung vor Gott für die Sünden und dämonischen Verstrickungen erkennt, sondern sie bewusst oder unbewusst auf die Dämonen abschiebt, muss er für diese verkehrte Haltung einen teuren Preis bezahlen. Er bleibt nicht nur in seinen Bindungen gefangen; er kommt auch in weitere Bindungen hinein: in eine krankhafte und ungeistliche Abhängigkeit von »Befreiungs-Seelsorgern«, die für ihn stellvertretend handeln sollen und ohne deren »Vollmacht« und »Offenbarungserkenntnis« für ihn keine Aussicht auf Hilfe besteht. So wird eine bestehende geistliche Unmündigkeit noch vertieft, und es besteht Gefahr, dass sich der Hilfesuchende immer mehr an Menschen klammert und zu einem »Dauer-Seelsorgefall« wird.

Solch eine Situation kommt andererseits oftmals der verkehrten, ichbezogenen fleischlichen Gesinnung mancher Hilfesuchenden entgegen, denen eine klare Buße und die Konsequenzen eines Lebens in Heiligung und Gehorsam auf diese Weise »erspart« bleiben und die bewusst oder unbewusst ein Leben in Gebundenheit dem schmalen Weg der biblischen Christusnachfolge vorziehen. Man darf nicht außer Acht lassen, dass die Rituale der »Befreiungs-Seelsorge« solchen verkehrt gesinnten Menschen auch eine Befriedigung ihrer Geltungssucht oder eines seelisch-fleischlichen Wunsches nach Zuwendung verschaffen. Walter Nitsche schreibt dazu:

»Mancher Ratsuchende umgeht durch die Okkult-Seelsorge die nüchterne, biblische Seelsorge und letztlich das Kreuz. So unterstützt diese unbiblische Seelsorge oftmals die Egozentrik solcher Ratsuchender. Nach entsprechenden Sitzungen erzählen diese oftmals bereitwillig von besonderen Erfahrungen und Erlebnissen, fühlen sich plötzlich als etwas Besseres und stellen sich durch ihre Erzählungen unaufhörlich in den Mittelpunkt. Eine wieder nüchtern gewordene Glaubensschwester gab offen zu, wie sie es während solcher Seelsorge genossen hatte, von „geistlichen“ Brüdern umsorgt zu werden und im Mittelpunkt ihres Interesses zu stehen.«“ (S. 406-407)

  1. Zusammenfassend sprechen 7 Gründe gegen Befreiungsdienst:

Grund 1: Die Bibel enthält an keiner Stelle ein Gebot, durch einen Befreiungsdienst an Christen seelsorgerlich aktiv zu werden.

Grund 2: Schriftstellen, die von satanischer oder dämonischer Aktivität sprechen, mit der ein Christ konfrontiert sein kann, sprechen nicht von der Möglichkeit der dämonischen Besessenheit eines Christen und enthalten folglich nie eine Aufforderung zum Befreiungsdienst.

Grund 3: Die Behauptung, ein Christ könne von Dämonen besessen sein, geht an dem Verständnis des Neuen Testaments über die Natur eines erlösten Menschen völlig vorbei. Der Erlöste ist aus dem Machtbereich Satans in das Reich Gottes versetzt.

Grund 4: Da das Neue Testament zu dem Thema Befreiungsdienst an Christen keine einzige Aussage macht, liegt es nahe, dass solch ein Dienst in der Gemeinde Jesu nicht vorgesehen ist.

Grund 5: Wenn dämonische Mächte einen Christen beherrschen können, müssen diese Mächte zuerst Christus in dem Erlösten überwältigen. Doch die Schrift sagt, dass der, der ineinem erlösten Christen ist, stärker ist als der, der in der Welt ist.

Grund 6: Christen, die Befreiungsdienst ausüben, indem sie sich bestimmter Vorgehensweisen bedienen, können sich nicht auf die Schrift stützen, sondern alleine auf ihre Erfahrungen.

Grund 7: Fehlverhalten von Christen werden in der Schrift durchweg als die Werke des Fleisches und nie als Auswirkung dämonischer Mächte in einem Erlösten bezeichnet. Daher betont die Schrift die Eigenverantwortung des Christen und ruft ihn zum heiligen Wandel auf.

Anhang: Das Zeugnis der Schrift

Und Jesus trat zu  und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.

Matthäus 28,18-20

Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind; freut euch aber, dass eure Namen in den Himmeln angeschrieben sind!

Lukas 10,20

Jetzt ist das Gericht dieser Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden.

Johannes 12,31

Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, in Christus Jesus, unserem Herrn.

Römer 8,38-39

Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns herausreiße aus der gegenwärtigen bösen Welt nach dem Willen unseres Gottes und Vaters.

Galater 1,3-4

Darum hat Gott ihn (Christus) auch hoch erhoben (über alle Maßen erhoben) und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist.

Philipper 2,9

Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr wisst, was die Hoffnung seiner Berufung, was der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen und was die überragende Größe seiner Kraft an uns, den Glaubenden, ist, nach der Wirksamkeit der Macht seiner Stärke. Die hat er in Christus wirksam werden lassen, indem er ihn aus den Toten auferweckt und zu seiner Rechten in der Himmelswelt gesetzt hat, hoch über jede Gewalt und Macht und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der nicht nur in diesem Zeitalter, sondern auch in dem zukünftigen genannt werden wird. Und alles hat er seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt.

Epheser 1,18-23

Der (Christus) ist zur Rechten Gottes, nachdem er in den Himmel gegangen ist, und Engel und Mächte und Kräfte sind ihm unterworfen.

1Petrus 3,22

Er (Christus) hat durch den Tod den zunichte gemacht, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel.

Hebräer 2,14

Er (Gott, der Vater) hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe.

Kolosser 1,13

Treu aber ist der Herr, der euch befestigen und vor dem Bösen bewahren wird.

2Thessalonicher 3,3

Wir wissen, dass jeder, der aus Gott geboren ist, nicht sündigt, sondern der aus Gott Geborene bewahrt ihn, und der Böse tastet ihn nicht an.

1Johannes 5,18

Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und ihr seid in ihm zur Fülle gebracht. Er ist das Haupt jeder Gewalt und jeder Macht. In ihm seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschehen ist, sondern im Ausziehen des fleischlichen Leibes, in der Beschneidung des Christus, mit ihm begraben in der Taufe, in ihm auch mit auferweckt durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat. Und euch, die ihr tot wart in den Vergehungen und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, hat er mit lebendig gemacht mit ihm, indem er uns alle Vergehungen vergeben hat. Er hat den Schuldschein gegen uns gelöscht, den in Satzungen bestehenden, der gegen uns war, und ihn auch aus unserer Mitte fortgeschafft, indem er ihn ans Kreuz nagelte; er hat die Gewalten und die Mächte völlig entwaffnet (ihrer Autorität entkleidet) und sie öffentlich zur Schau gestellt. In ihm hat er den Triumph über sie gehalten.

Kolosser 2,9-15

Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat.

1Petrus 2,9

Hierzu ist der Sohn Gottes geoffenbart worden, damit er die Werke des Teufels vernichte.

1Johannes 3,8

Ihr seid aus Gott, Kinder, und habt sie überwunden, weil der, welcher in euch ist, größer ist als der, welcher in der Welt ist.

1Johannes 4,4

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