Opfer des Zeitgeistes (Werner Fürstberger)

(Quelle: KOMM!)

Wie mutet sie uns an, diese unsere Zeit, die durch die Dynamik ihrer großteils abartigen Veränderungen eine fortschreitend umfassende Entmündigung nahezu der gesamten Bevölkerung vornimmt, die ihrerseits ohnehin nie ernstlich nach Wahrheit gefragt (Joh 18,38), geschweige denn gedürstet hatte ? Man hat uns gewöhnt an Änderungen bezüglich Zeit und Stunde (Dan 7,25) ; Änderung der Währung und deren Wert ; mentale und psychische Gehirnwäsche durch selektiv minimierte Information, und damit die Manipulation der Meinung und des Urteilsvermögens.

Mehr denn je instabil, hilflos degenerierend, laboriert die postmoderne Gesellschaft an ihrer steigend pervertierten Welt, fremdbestimmt und ausgenutzt von skrupellosen Konzernen und deren hörigen Handlangern, wie etwa auf pharmazeutisch-medizinischem Gebiet, wo vermittels dem heil- und hilflosen Wirtstier Mensch Gewinne in Milliardenhöhe erzielt werden. Pädagogen, Professoren, Schulsysteme und Kindergärten verhindern wahrheitsgetreue Bildung ; obendrein wird Wissen partout von Wissenschaftlern gezielt zerstört; Dekade für Dekade ändert bzw. verkehrt die staatliche Obrigkeit ein Mehr an Recht und Ordnung und überfährt dabei rotzig herkömmliche Logik, moralische Werte und natürliche Geschlechtsspezifika. Verantwortungslose Politiker und Banken spekulieren mit Steuergeldern und vernichten ›spielerisch‹  angesparte Millionenwerte ; zu Recht erwartete, weil bezahlte Information von Medienanstalten mit Öffentlichkeitsauftrag mutiert ins lügenhafte Verschweigen des Wesentlichen. Freie Meinungsäußerung ist passé, und längst lässt eine stupide, in feigem, obrigkeitshörigem Opportunismus geübte ›political‹ und ›social correctness‹ gar kein gesundes Erkennen von Recht und Unrecht mehr zu. Der Teufelskreis schließt sich, weil die durch die vorgenannten Faktoren gesteuerte Meinung dem Menschen selbst als objektiv, als absolut, als endgültig gilt. Zwangsläufig verhält sich die so entstandene Menge bornierter und arroganter Ignoranten dann extrem intolerant und gesteigert ich-orientiert, – entmündigte Sturschädel, verantwortungslos und realitätsentfremdet ; zugleich aber selber gejagt und gepeinigt von der Angst vor der Realität und der Furcht vor der Wahrheit. Aktive Gleichgültigkeit und fatale Zustimmung zu der globalen Zielsetzung und zu den damit verbundenen Verbrechen lässt den heutigen Menschen mitschuldig werden an dem offiziell getanen Unrecht und so bleibt er sich selbst und seinem törichten Verhalten versklavt ; feige schweigend lässt er sich von den Mitmenschen entmündigen, gekettet an den Einfluss seiner Triebe, seiner Einbildung, seiner Stimmung und Gefühle. Abgelenkt, stets ›busy‹, für jeden Unsinn allzeit erreichbar, nimmt er nun vorzugsweise das traute Symbol seines Kommunikationszwanges na­he­zu ständig an Schläfe und Hand und stopft sich mit Trivialitäten gemeinsamer Netzkumpanen voll. Er gewinnt die ganze Welt zwar so nicht, verliert dabei aber erst recht seine verhungernde Seele.

Warum aber steht so etwas hier in dieser Publikation ? – Nun, wer sich je mit der Christenheit in ihrem gesamthistorischen Umfeld beschäftigte, sprich mit der ›Kirchengeschichte‹, der kann ihr eine dem jeweiligen Zeitgeist (Eph 2,2) angepasste Affinität zu jeder bisherigen Weltepoche nicht absprechen – in eben dem Maß als die Gemeinde solch negativen Einfluss und Standard zuließ. In allen Jahrhunderten sympathisierte das vom Herrn angekündigte, mitgewachsene, irdisch nicht auszurottende ›Unkraut‹ (Mt 13,25‑43) mit der jeweils aktuellen weltlichen Entwicklung und passte seine Struktur und seine Gesinnung entsprechend an, was in der Folge –, meist nur von wenigen bemerkt und von noch wenigeren getadelt –, der betroffenen Ortsversammlung wie auch der gesamten Christenheit bis dato zu dauerhaftem Schaden und Verderben gereicht.

In der Folge traten dann im geistlich noch immer als ›heil‹ deklarierten Umfeld entsprechend die im weltlichen Bereich existenten Missstände auf, da man – im selben ›Teich‹ mitschwimmend – durch adäquat angewandte Methoden (wie könnte es bei der Reichs-Einheit des Verderbers [Mt 12,25‑26] auch anders sein) nun entsprechend infiltriert worden war : falsche, verdrehte, unzureichende bzw. ganz fehlende Information einerseits – andererseits feig schweigende Unterwürfigkeit und naiv selbst verschuldetes Entmündigt-Worden-Sein (Röm 2,20 ; 1Kor 3,1-2 ; 2Petr 3,16) – dies leider alle Mal aber nicht nur auf Mitläufer beschränkt. So wuchs die Spreu, so stieg der Anteil des Lolchs im Getreide.

Menschlich gesehen ein quantitativer Gewinn –, dabei diabolisch ›gut‹ genutztes Kanonenfutter in einem Glaubenskrieg, der niemals als solcher empfunden wurde, und schließlich künstlich gesteigertes Potential für eine doch nicht ganz so taufrisch auftauchende Form von Kirche und Gemeinde, wie ihr Name weismachen will. Es bleibt ja die alte Schlange, es ist die alte Masche, es ist die alte Weltförmigkeit : – »sollte Gott wirklich gesagt haben ?«

Leider ergibt sich durch die allgemein globale Verflachung, die sich dank postmoderner Gesellschaft zusammen mit deren mannigfaltigen Möglichkeiten längst auch in der Christenheit verbreitet hat, eine gesteigerte Bereitschaft zu passivem Desinteresse an der Absolutheit der biblischen Wahrheit, an dem herrlichen Evangelium von Christus und somit eine noch nie dagewesene Breite an willentlichem Widerstreben gegenüber der Verbalinspiration und somit dem einzigen von Gott gegebenen Heilsweg. Bleiben zwei Alternativen : entweder der rasche Abfall oder die verfeinerte Version : der seit langem angelegte Nebenweg der vielen ›neuen‹ zeitgemäßen, humanen Möglichkeiten.

Fand aber nicht jedes Mal sinnlicher Ersatz und angepasste ›Erklärung‹ dort Eingang, wo Gottes Wort als unklar bezeichnet und dem Zeitgeist geopfert wurde ? Hatten bereits die Pioniere der jetzigen Strömung in den vergangenen vierzig Jahren schreckliche Vorarbeit geleistet, indem sie aus dem leicht verständlichen Evangelium von Christus Wesentliches für unwesentlich erklärten und umgekehrt, so vernebelt ihre Nachhut heute die Objektivität der einfachsten biblischen Aussagen dadurch, dass sie nach dem forscht, was nicht dasteht, um es für ihre neo-›evangelistischen‹ Zwecke zu verwenden. – Die Fußtapfen des Durcheinanderwerfers wären klar erkennbar, wenn das noch jemand interessieren würde.

Durch diese Methoden ›muss‹ es gelingen, die christliche Gemeinschaft zu einer humanistischen, zu einer relativen Sicht zu bringen, in der die Erfahrung und die Meinung des Einzelnen ebenso viel gilt, wie die jedes anderen – ein wichtiger Faktor für den Aufbau einer den gesamten Weltkreis umfassenden und breit genug angelegten Religion ! Ähnlich wie die katholische Kirche ihre Überlieferung seit Jahrhunderten höher achtet als das Wort Gottes, stellt der jetzt eingedrungene Geist der Zeit die Autorität und Absolutheit von Gottes Wort nicht nur in Zweifel, sondern lehnt sie sogar definitiv ab.

Der religiöse, nicht von Gott und durch Sein Wort wiedergeborene Mensch (1Petr 1,23) empfindet dies klarer Weise als angenehm, kann er doch nun endlich sich selbst ungehemmt einbringen mit seiner Erfahrung, mit seinem Gefühl, und kann er doch jetzt mitreden, Tradition, Geschichte oder auch Schwarmgeist, einerlei – alles muss, alles darf einfließen in die Diskussion, in den Dialog, der, nach den neuen Spielregeln nur ja nichts Konkretes bringen darf. Einzig der Fluss der Konversation muss gewahrt sein.

Keine absolute Lehre, kein ausschließlicher Weg in Christus. Wahrheit ? »Ist doch nur relativ.« Die Bibel ? »Muss sich meiner Erfahrung beugen. Sollte man es unzeitgemäß noch für wahr halten, dass alle Schrift von Gott eingegeben ist (2Tim 3,16), dass Sein Wort wie ein Hammer ist, der Felsen zerschmettert (Jer 23,29) ? Dass Sein Wort das Licht ist auf dem Wege (Ps 119,105 ; Joh 14,6) ?«

Es ist längst müssig geworden, zu fragen: »Quo vadis, o Christenheit ?« Tag für Tag klarer wird es klarer.

Vom Feind verlockt auf Ab- und Nebenwege, von selbstauferlegten, machtgierigen Führern in deren eigene Denominationen gelockt, zum Teil einander spinnefeind, aber gefällig überzuckert mit Allianz und verdeckt mit ökumenischem Mantel ; entmündigt, falsch informiert, ausgenutzt und versklavt, jegliches eigene Urteilsvermögen entbehrend, erhält sie nun den Stoß in die entscheidende Richtung : Konsequent weg vom Wort Gottes. Nun werden so die auch letzten Grundfesten umgerissen. Wenn ich die Abtrünnigen ansehe, empfinde ich Abscheu, weil sie dein Wort nicht bewahren (Ps 119,158).

Mit allen Mitteln, immer stärker sträubt sich der dem Zeitgeist zum Opfer gefallene größte Teil der Christenheit, von Gottes Wort und den wenigen Getreuen, die daran noch wirklich glauben und an den Lippen Jesu und des Vaters hängen geblieben sind, aufgeklärt und aus ihrer Unmündigkeit und Sklaverei herausgeführt zu werden, hin zum einfachen, kindlichen, bußfertigen Verständnis des guten Willens Gottes, zum Heil, durch Sein Evangelium.

Dass in ihnen nicht längst alle Alarmglocken läuten, ist der Beweis, dass sie ihren für die Ewigkeit verderblichen Unsinn gar nicht mehr zu erkennen imstande sind. Die ihnen vorgespiegelte große Beliebigkeit, die wahnsinnige »Gleich-Gültigkeit« als Folge ihrer jahrzehntelangen Bevormundung durch verantwortungslose und bibelkritische Blindenleiter spiegelt sich jetzt darin wider, dass sie dem Aufkommen einer Bewegung, die sie alle mitzureißen droht, dorthin, wohin sie ursprünglich eben nicht wollten, keinerlei Misstrauen, geschweigen denn Widerstand oder Abwehr mehr entgegenbringen können. Aber was soll ‘s noch ? Ein lieber und vielen gut bekannter Bruder, ein begnadeter Verkündiger des Wortes Gottes stellte neulich fest, dass eine Gruppe, von ›Christen‹, die ihn eingeladen hatte, eine Vortragsreihe zu halten, zugibt, gar nicht mehr zu glauben an ein Leben nach dem irdischen Tod.

Es scheint nun der Augenblick gekommen, das Wort des Herrn öfter zu zitieren : Wenn der Herr die Tage nicht verkürzt hätte, so würde kein Mensch gerettet werden ; aber um der Auserwählten willen, die er erwählt hat, hat er die Tage verkürzt. (Mk 13,20). Um hier einer weiteren Verdrehung und Missachtung des Wortes Gottes vorzugreifen : Diese Auserwählung findet ausschließlich nur in Christus statt (Eph 1,4).

Lass dich also nicht von Menschen, ihren Meinungen und ihren Schwärmereien, ihrem Getue und ihren Bevormundungen verleiten und versklaven, weg von dem einzig rettenden Wort Gottes ! Auch du darfst dich heute noch – ohne dies alles – einreihen unter denen, die gekommen sind … zu Jesus, dem Mittler des neuen Bundes … Habt acht, dass ihr den nicht abweist, der redet ! (Hebr 12,22f). Glaube nur, halte dich fest an Ihm, an Jesus, der die Gottlosen gerecht macht (Röm 4,5). Glaubwürdig ist das Wort und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, um Sünder zu retten. (1Tim 1,15).

Die Bibel ist Gottes unverbrüchliches, wahres Wort ! Darum: Komm ! Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. (1Tim 2,4).

Quelle: KOMM!, April 2013, Nr. 45, S.1-3.

%d Bloggern gefällt das: